Dichterarzt

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Der Begriff Dichterarzt oder Schriftstellerarzt bezeichnet einen (belletristischen) Schriftsteller mit medizinischer Ausbildung.

Als Beispiele bekannter Ärzte, die auch oder vorwiegend schriftstellerisch tätig waren, werden oft Anton Pawlowitsch Tschechow, William Somerset Maugham, António Lobo Antunes, Stanisław Lem oder João Guimarães Rosa genannt. Als bekannte deutschsprachige Dichterärzte mögen unter anderem Paul Fleming, Johann Gottlob Krüger, Albrecht von Haller, Friedrich Schiller, Georg Büchner, Arthur Schnitzler, Oskar Panizza, Gottfried Benn, Alfred Döblin und Uwe Tellkamp erachtet werden. So wie der Begriff des „Dichterarztes“ von Ärzten selbst oft gepflegt wird, so wenig wurde er ob seiner Unklarheit bislang zum literarwissenschaftlichen Gegenstand. Für den Arzt Volker Klimpel, Autor von Lexika über „Schriftsteller-Ärzte“, geht „der Begriff des Dichter-Arztes über den des reinen Poeten hinaus […] und [umfasst] praktisch alle literarischen Genres einschließlich journalistischer, redaktioneller und herausgeberischer Tätigkeit sowie philosophische und kulturhistorische Abhandlungen […]. Ausgeklammert bleiben die rein fachwissenschaftlich-medizinischen Werke.“[1] Dem widersprechen aktuelle Literature and sciences-Studien, welche alle vorstellbaren medizinischen Schreibweisen als durch die Literaturwissenschaft analysewürdig erachten.[2] So ist zum Beispiel weniger als Dichterarzt denn als Kriegsverbrecher der „serbische Psychiater Radovan Karadžić [, der] Gedichte, Kinderbücher und Romane geschrieben hat“, bekannt.[3] Gemäß Literaturwissenschaftler Carsten Zelle böte „[eine] ›Medizinliterargeschichte‹ einschlägiger Texte und Autoren […] selbst bei einer Beschränkung auf neuere deutschsprachige Schriftsteller- bzw. Dichterärzte (u.a. Krüger, Haller, Schiller, Büchner, Schnitzler, Oskar Panizza, Döblin, Benn, Tellkamp) eine bloß zufällige Auswahl (vgl. Klimpel 1999).“[2]

1965 wurde die „Union Mondiale des Écrivains Médecins“ (UMEM) als Weltorganisation der Schriftstellerärzte gegründet. Seit 1970 sind die deutschsprachigen Dichterärzte im „Bundesverband Deutscher Schriftsteller-Ärzte“ organisiert.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Theopold: Doktor und Poet dazu. Dichterärzte aus sechs Jahrhunderten, Kirchheim, Mainz 21987
  • Volker Klimpel: Schriftsteller-Ärzte. Biographisch-bibliographisches Lexikon von den Anfängen bis zur Gegenwart, Pressler, Hürtgenwald 1999
  • Volker Klimpel: Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller-Ärzte, Lang, Frankfurt am Main u.a. 2006
  • Jürgen Schwalm (Hrsg.): Almanach deutschsprachiger Schriftstellerärzte, 24. Jahrgang, Marquardtstein, Manstedt 2001
  • Daniel Matthias Ketteler: Gottfried Benns Sozialisation als Dichterarzt im Spannungsfeld zeitgenössischer neurowissenschaftlicher und sinnesphysiologischer Diskurse, Shaker-Verlag, Aachen 2008
  • Theodor Nasemann: Deutschsprachige Dichterärzte. Ihr Wirken zwischen zwei Polen,Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993
  • Theodor Nasemann: Deutsche Dichterärzte. Glanz und Elend einer Doppelbegabung, Steiner, Stuttgart 1992

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Klimpel: Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller-Ärzte, Lang, Frankfurt am Main u.a. 2006, S. 11.
  2. a b Carsten Zelle: 2.6 Medizin. In: Roland Borgards, Harald Neumeyer, Nicolas Pethes, Yvonne Wübben (Hrsg.): Literatur und Wissen. Ein interdisziplinäres Handbuch. J. B. Metzler, 2013, S. 85-95.
  3. Volker Klimpel: Lexikon fremdsprachiger Schriftsteller-Ärzte, Lang, Frankfurt am Main u.a. 2006, S. 13.
  4. Silke Albrecht, Florian Steger: Bundesverband Deutscher SchriftstellerÄrzte: Freundschaft und Gedankenaustausch. In: Deutsches Ärzteblatt. 2011; 108(4): A-177 / B-139 / C-139.