Die Bombe (1988)
| Film | |
| Titel | Die Bombe |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1988 |
| Länge | 102 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Christian Görlitz |
| Drehbuch | Christian Görlitz |
| Produktion | Mathias Wittich, Christoph Holch |
| Musik | Matthias Thurow |
| Kamera | Alfred D. Ebner |
| Schnitt | Kim Puls |
| Besetzung | |
| |
Die Bombe ist ein deutscher Fernsehfilm (ZDF) aus dem Jahr 1988, der auf einem Roman des schwedischen Schriftstellers Lars Molin („Bomben“, dt. Die „Bombe“) basiert und in Hamburg spielt. Michael Degen spielte die Hauptrolle eines Terroristen. Der Film erregte damals einiges mediales Aufsehen, da er in der Vorbetrachtung als „zu stark“ empfunden worden war. So wurde in der Folge die Atombombenexplosion auf dem Hamburger Rathausmarkt am Ende des Films herausgeschnitten.[1] Die Uraufführung im ZDF war ursprünglich für den 4. Januar 1988 terminiert,[1] er wurde jedoch erst am 25. Januar 1988 erstmals ausgestrahlt.[2]
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film beginnt damit, dass der von Michael Degen gespielte Terrorist Paul Meyerdiercks in seinem Haus einen Strahlenschutzanzug anlegt und verschiedene Arbeiten ausführt. Er fährt anschließend mit einem Unimog zum Hamburger Rathausmarkt und lädt dort einen zunächst unbekannten Apparat ab. Gegenüber der Polizei und Passanten benennt er den Apparat als Atombombe. Messungen der Polizei und später auch der Feuerwehr bestätigen eine erhöhte Radioaktivität am Apparat. Meyerdiercks verlangt den für Zivilschutz zuständigen Innensenator zu sprechen. Der Innensenator trifft zwar etwas später am Rathausmarkt ein, an seiner Stelle verhandelt jedoch der Leitende Polizeidirektor Kuhnke (Wolfgang Wahl) mit Meyerdiercks. Da der Polizist ebenfalls einen Schutzanzug trägt, fällt der Terrorist darauf hinein. Während des Gesprächs überwältigt das Mobile Einsatzkommando ihn. Dabei wird aber offenbar, dass nur durch ständiges Nachstellen eines Senders eine Explosion verhindert werden kann (Totmannschaltung), so dass die Polizei Meyerdiercks gewähren lassen muss. Er wird daher im Hotel Hanseatic am Rathausmarkt untergebracht und darf sich dort frei bewegen. Es stellt sich überdies heraus, dass der Unbekannte Sicherheitschef des (fiktiven) Kernkraftwerks Hollendorf ist. Auch während der Nacht verhandeln Lessing und Kuhnke weiter mit ihm; Forderungen stellt Meyerdiercks zunächst aber nicht. Außerdem bestätigt eine Messung des Energiespektrums der radioaktiven Strahlung, dass es sich um Plutonium-239 handeln, nachdem der Vertreter der Bundeswehr zunächst ins Spiel gebracht hatte, dass in der Bombe lediglich radioaktiver Abfall enthalten ist. Die Bombe hat ferner einen Zünder, der sie beim Neigen zündet, so dass eine Entschärfung nicht möglich ist.
Am nächsten Tag trifft sich der Krisenstab mit von Plottnitz, einem Vertreter der Bundesregierung. Er teilt dem Ersten Bürgermeister das Staatsgeheimnis mit, dass die Bundesregierung heimlich Plutonium produziert hat, um es für den Bau von Kernwaffen zu verwenden. Nach dem Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag 1974 wurde das Plutonium im Kernkraftwerk Hollendorf unter falscher Bezeichnung eingelagert. Da Meyerdiercks bei der Bundeswehr bereits mit der Einlagerung betraut war, wurde er dem Betreiber des Kraftwerks als Sicherheitschef empfohlen. Der Betreiber wurde über die Einlagerung nicht informiert. Bei einer Kontrolle durch den Militärischen Abschirmdienst in der Nacht wurde festgestellt, dass in einigen Behältern das Plutonium gegen Blei ausgetauscht wurde. Meyerdiercks hat daraus in seiner Garage die Atombombe gebaut.
Da die Regierung den Vorgang verbergen muss und die gleichzeitig stattfindenden Abrüstungsverhandlungen nicht gefährden will, muss sie sich weigern, den Forderungen des Terroristen nachzugeben. Sie trägt außerdem dem Bürgermeister auf, den Vorgang zu vertuschen und zu behaupten, es gebe keine Atombombe. In diesem Zuge wird auch beschlossen, dass Hamburg evakuiert werden soll. Dem Terroristen wird freies Geleit angeboten, worauf dieser sich aber nicht einlässt.
In weiteren Gesprächen mit Lessing stellt sich heraus, dass Meyerdiercks sich als Pazifist sieht und die Abschaffung aller Kernwaffen fordert („Nulllösung“). Er will, dass seine Forderungen der Weltöffentlichkeit bekannt gemacht werden. Die Bundesregierung lehnt selbst eine regionale Verbreitung der Forderungen aber einstimmig ab.
Der Krisenstab täuscht Meyerdiercks mit gefälschten Nachrichtensendungen des NDR, die sie ihm direkt auf das Kabelfernsehen einspielen, und mit gefälschten Ausgaben nationaler und internationaler Zeitungen eine Veröffentlichung seiner Friedensappelle vor. Im tatsächlichen Programm wird die Evakuierungsaufforderung gesendet. Nachdem die Stadt menschenleer ist, verlassen auch die Regierungsvertreter und die Angehörigen der Sicherheitsorgane die Stadt Richtung Bremen. Lessing begibt sich zu einem letzten Gespräch auf Meyerdiercks Zimmer, wo er überwältigt und an den Heizkörper fesselt. Den Forderungen nach einer Entschärfung kann er nicht nachkommen, da es keinen entsprechenden Mechanismus gibt. Der Zünder müsse über Jahre bis zum Ende der Batterielebensdauer immer wieder mit dem Sender nachgestellt werden. Lessing verlässt das Zimmer und trifft sich mit Kuhnke am wartenden Hubschrauber. Die letzten Szenen zeigen Meyerdiercks, der neben dem Sender sitzt, der meldet, dass er nachgestellt werden muss und den abhebenden Hubschrauber mit letzten Behördenvertretern. Dieser gerät jedoch ins Trudeln, als die Bombe zündet.[1]
Kritik und Zuschauerreaktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Spiegel bezeichnete den Film vorab als „Grusical“, das den Zuschauern zur „besten Sendezeit Weihnachtsgans und Silvesterkrapfen kritisch versalzen“ solle. Vor dem Hintergrund des damaligen Ost-West-Konflikts und der Tatsache, dass der Film beim Countdown in der Sekunde Null endet, schreibt das Magazin: „Nullösungen haben eben Konjunktur“.[1] Am Abend der Ausstrahlung rief der Film zum Teil heftige Reaktionen beim Publikum hervor. Einige Anrufer beim Sender beschwerten sich laut dessen Angaben über die Angst auslösende Wirkung des Films, mehrheitlich hätten die Zuschauer Zustimmung ausgedrückt. Der zuständige Abteilungsleiter des ZDF, Heinz Ungureit, sagte, Ziel der Ausstrahlung sei es gewesen, „nachdenklich zu machen und die Bestrebungen für einen vernünftigen Abbau der Atompotentiale zu unterstützen“.[2]
Trivia
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der im Film als Strahlenschutzanzug verwendete Anzug ist in Wirklichkeit ein Hitzeschutzanzug (Form III).
- Die im Film erwähnte Freisetzung von 0,2 g Plutonium in Hanau bezieht sich auf einen Unfall bei der Firma NUKEM. Dort wurde im Februar 1987 Plutoniumoxid freigesetzt. Die Menge war mit 0,02 g allerdings geringer.[3][4]
- Nach seiner Erstausstrahlung 1988 wurde der Film bislang nur einmal auf 3sat wiederholt.[5]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beim Fernsehfestival Monte Carlo 1988 wurde der Film zweifach ausgezeichnet. Er erhielt den Publikumspreis und die Besondere Erwähnung der Jury für Spielfilmprogramme.[6][7]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d Nullösung, aus: Der Spiegel. Nr. 50, 1987.
- ↑ a b Heftige Reaktion auf „Die Bombe“. in: Hamburger Abendblatt vom 27. Januar 1988, S. 16.
- ↑ Plutoniumunfall Nukem. NDR, Panorama, 24. März 1987, abgerufen am 16. Februar 2026.
- ↑ Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Antwort der Bundesregierung - Lagerung, Bearbeitung, Überwachung, Transport und Endlagerung von Transuranen sowie von Kernbrennstoffen mit Anteilen und Verunreinigungen von Transuranen. (PDF) Bundesregierung, 8. Mai 1987, abgerufen am 16. Februar 2026.
- ↑ Die Bombe. In: fernsehserien.de. Abgerufen am 17. Februar 2026.
- ↑ Fernsehpreise für ARD und ZDF. in: Hamburger Abendblatt. vom 15. Februar 1988, S. 8.
- ↑ Preisträger 1988. (PDF) Abgerufen am 17. Februar 2026 (englisch, französisch).