Matthias Fuchs

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Schauspieler Matthias Fuchs. Zu dem Kriegskommissär siehe Matthias Ägidius Fuchs; zu dem Medienkünstler siehe Mathias Fuchs.

Matthias Fuchs (* 3. November 1939 in Hannover; † 31. Dezember 2001, nach anderen Quellen: † 1. Januar 2002, in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge und erste Filmrollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchs’ Eltern waren Schauspieler.[1] Im Alter von neun Jahren stand er erstmals auf einer Theaterbühne, am Ballhof in Hannover in dem Theaterstück Der Tod im Apfelbaum von Paul Osborn.[2] Am Theater arbeitete Fuchs zunächst in der Statisterie, als Requisiteur und als Beleuchter. Nebenbei nahm er Schauspielunterricht, unter anderem bei dem Charakterschauspieler Peter Lühr.

Bekannt wurde Fuchs in den 1950er Jahren als Darsteller des Ethelbert in der Immenhof-Filmserie an der Seite von Angelika Meissner, Heidi Brühl und Raidar Müller. Im Laufe der Handlung verkörperte Fuchs in seiner Rolle die Wandlung vom hochnäsigen, „verwöhnten Großstadtlümmel“, über den „kernigen Naturbuschen“ bis zum verantwortungsbewussten jungen Mann, der mit seinem reichen Onkel die Rettung des Ponyhofs vor dem finanziellen Ruin in seine Hand nimmt.[1] Die Popularität der Immenhof-Filme machte Fuchs zum Teenie-Idol seiner Generation; zahlreiche Titelbilder in der Zeitschrift Bravo dokumentieren dies.[1] 1959 war er unter der Regie von Alfred Weidenmann in der Rolle des jungen, eher unmilitärischen Leutnants René Maria von Trotha in dessen Buddenbrooks-Verfilmung. Mit seiner Darstellung des Lehrlings Klaas Henning in der märchenhaften Komödie Der Engel, der seine Harfe versetzte (1959) von Kurt Hoffmann überzeugte er das Filmpublikum und die Filmpresse. Er wurde 1959 dafür mit dem Bundesjugendfilmpreis ausgezeichnet.[2]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchs’ Popularität im Film der 1950er Jahre ermöglichte ihm den Weg auf die Theaterbühne. Anfangs wurde er hauptsächlich im Rollentypus des „Jugendlichen Liebhabers“ und „Jungen Helden“ eingesetzt, dann entwickelte er sich zu einem der angesehensten Charakterdarsteller des deutschsprachigen Theaters. Sein erstes Bühnenengagement erhielt er am Theater in der Josefstadt in Wien, wo er von 1962 bis 1964 festes Ensemblemitglied war. Dort spielte er unter anderem den Romeo in Romeo und Julia und den Ferdinand in Kabale und Liebe. Es folgten ein weiteres Festengagement am Staatstheater Hannover (1965–1967). Dort trat er unter anderem als Titus Feuerfuchs in der Nestroy-Posse Der Talisman, als Mercutio in Romeo und Julia und in der Titelrolle von Friedrich Schillers Schauspiel Don Carlos auf. Von 1968 bis 1970 war er an den Bühnen der Stadt Köln engagiert; dort spielte er unter anderem die Titelrolle in Kaspar von Peter Handke und trat in Drei Schwestern in einer Inszenierung von Rudolf Noelte auf.

1970 debütierte er bei den Salzburger Festspielen. Dort übernahm er den Laertes in Hamlet in einer Inszenierung von Oskar Werner, der Fuchs’ Vorbild als Schauspieler war. 1971 wurde Fuchs festes Ensemblemitglied an den Städtischen Bühnen Frankfurt; dort blieb er bis 1979. Zu seinen Bühnenrollen gehörten dort unter anderem Troilus in Troilus und Cressida (1972, Regie: Hans Neuenfels), die Titelrolle in Der Marquis von Keith von Frank Wedekind (1972, Regie: Hans Neuenfels), Melchior Gabor in Frühlings Erwachen (1973, Regie: Peter Palitzsch), der Prinz in Die Unbeständigkeit der Liebe von Marivaux (1975, Regie: Luc Bondy) und der Junker Bleichenwang in Was ihr wollt (1977, Regie: Peter Löscher).

1979 gastierte er am Düsseldorfer Schauspielhaus. Unter der Regie von Peter Löscher, mit dem ihn eine Arbeitsfreundschaft verband, spielte er, an der Seite von Charlotte Schwab als Amalia, den Karl Moor in Schillers Trauerspiel Die Räuber. Ein weiteres Gastspiel folgte 1984 an der Freien Volksbühne Berlin als Rakitin in Ein Monat auf dem Lande von Iwan Turgenjew.

Von 1981 bis zu seinem Tode war Fuchs dann fest am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert. Berühmt geworden sind insbesondere seine Arbeiten mit dem Regisseur Peter Zadek; so übernahm er 1988 in Zadeks fünfaktiger Lulu-Inszenierung, an der Seite von Susanne Lothar, die Rolle des Malers Eduard Schwarz. Weitere Rollen Fuchs’ in Hamburg waren die Titelrolle in Perikles (1981, Regie: Augusto Fernandes), Gyges in Gyges und sein Ring von Friedrich Hebbel (1982, Regie: Ernst Wendt), Orgon in Tartuffe (1982, Regie: Ernst Wendt), Jupiter in Amphitryon (1989, Regie: Christof Nel), Leicester, den Fuchs „als schon etwas verblühten alternden Playboy“[3] und „ältlichen, nervösen Beau“[4] gab, in Maria Stuart (1990, Regie: Michael Bogdanov), der Kurfürst in Der Prinz von Homburg (1994, Regie: Martin Kušej), Schalimov in Sommergäste von Maxim Gorki (1997, Regie: Elke Lang) und Philipp von Burgund in Die Jungfrau von Orléans (1999, Regie: Matthias Hartmann) 2000 spielte er in Merlin oder Das wüste Land von Tankred Dorst in einer Inszenierung von Jossi Wieler. Fuchs’ letzte Rolle am Deutschen Schauspielhaus war 2001 in Roland Schimmelpfennigs Theaterstücks Push Up, in dem Fuchs noch drei Tage vor seinem Tod auf der Bühne stand.

Fuchs spielte am Deutschen Schauspielhaus neben seinen Auftritten im klassischen Theaterrepertoire auch in zahlreichen Theaterstücken moderner Dramatiker, so unter anderem in Werken von Tony Kushner (Angels in America, 1993) und Peter Turrini (Tod und Teufel, 1991).

Spätere Film- und Fernseharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits seit den 1960er Jahren hatte Fuchs für das Fernsehen gearbeitet. Häufig war er in Literaturverfilmungen (als Sali in Romeo und Julia auf dem Dorfe, 1967) oder in Adaptionen von Theaterstücken (als Dorante in Das Spiel von Liebe und Zufall, 1968) zu sehen. Später kamen Episodenrollen in zahlreichen Fernsehserien hinzu, unter anderem in Derrick, Der Alte, Peter Strohm, Der Fahnder und Wolffs Revier. In der RTL-Krimireihe Doppelter Einsatz war er zwischen 1997 und 2001 mehrfach als Rechtsanwalt Harald Manthey zu sehen.

Spätere Filmarbeiten entstanden mehrfach unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder, der Fuchs unter anderem als Anarchist Horst Knab in Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel (1975), als Arzt in der Fernsehserie Berlin Alexanderplatz (1980) und als Baudezernent Esslin in Lola. Fuchs gehörte neben Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Claus Holm und Rudolf Lenz zu den Stars der 1950er Jahre, deren schauspielerisches Potential er für seine Filme zu nutzen versuchte.

In dem Spielfilm Die flambierte Frau (1983) spielte er Markus, den arroganten und selbstgefälligen Ehemann der weiblichen Hauptfigur Eva. 1995 verkörperte er den Arzt Dr. Machnik in dem „kammerspielartigen“ Kinofilm Der Totmacher.[2]

Hörspiele und Sprechertätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchs war auch Sprecher in Hörspielen. 1961 wirkte er unter der Regie von Gert Westphal in einer Produktion von Anton Tschechows Drei Schwestern mit.[5] Im selben Jahr war er, neben Gustl Halenke als Partnerin, der Ulanenleutnant Anton Hofmiller in einer Hörspielfassung von Stefan Zweigs Novelle Ungeduld des Herzens.[6] Nach dem Tod von Peter Pasetti verkörperte er von 1996 bis zu seinem Tode 2001 die Rolle des Erzählers in 39 Folgen der Hörspielreihe Die drei ??? (Folgen 65 bis 103). Kurz vor seinem Tode sprach er den KZ-Kommandanten in dem von Konrad Halver produzierten Hörspiel Zeit der Unübertreffenlichkeit.[1] Als Hörbuch nahm er die Short Story Unschuld von Harold Brodkey auf. Daneben war er als Sprecher in Fernsehdokumentationen zu hören.

Matthias Fuchs starb im Alter von 62 Jahren im Hamburger Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf an einer Lungenkrebserkrankung.[1][2] Seine Grabstätte befindet sich auf dem Eiderstedter Gemeindefriedhof im Ortsteil Tetenbüll.[7]

Seine Tochter Maria Fuchs[8][9] spielt seit 2008 die Rolle der Carla Saravakos in der ARD-Telenovela Rote Rosen.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen. Müller, München, Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 277.
  • C. Bernd Sucher (Hrsg): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 209.
  • Manfred Brauneck, Wolfgang Beck (Hrsg.): Theaterlexikon 2. Schauspieler und Regisseure, Bühnenleiter, Dramaturgen und Bühnenbildner. Unter Mitwirkung von Werner Schulze-Reimpell. rowohlts enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2007, ISBN 978-3-499-55650-0, S. 225/226.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Schauspieler Matthias Fuchs Das letzte Interview vor seinem Tod in: Der Spiegel vom 3. Januar 2002
  2. a b c d Matthias Fuchs Biografie bei Deutsches Filmhaus
  3. Aufführungskritik zu: Maria Stuart in: Die Bühne, Ausgaben 376-387, Verlag Austria International 1990
  4. Zwanzig Jahre Hamburg in: Theater heute, Ausgaben 1-6, 2002 (Auszüge bei Google Books)
  5. Drei Schwestern HÖRDAT, die Hörspieldatenbank (Nr. 10)
  6. Ungeduld des Herzens HÖRDAT, die Hörspieldatenbank (Nr. 12)
  7. knerger.de: Das Grab von Matthias Fuchs
  8. Immenhofmuseum Ehrenmitglieder
  9. Immenhof-Festspiele Probe mit Fernsehteam (Memento vom 20. November 2013 im Internet Archive) Sonne – Land – Meer in Schleswig-Holstein, Bericht vom 6. Juli 2009