Die geheimnisvolle Fremde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher TitelDie geheimnisvolle Fremde
OriginaltitelLa Femme du Vème
ProduktionslandFrankreich, Großbritannien, Polen
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2011
Länge85 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegiePawel Pawlikowski
DrehbuchPawel Pawlikowski
ProduktionCaroline Benjo,
Carole Scotta
MusikMax de Wardener,
Sylvain Morizet
KameraRyszard Lenczewski
SchnittDavid Charap
Besetzung

Die geheimnisvolle Fremde (Originaltitel: La Femme du Vème) ist ein französisch-britisch-polnischer Psychothriller von Paweł Pawlikowski aus dem Jahr 2011. Der Film basiert lose auf dem Roman The Women in the 5th von Douglas Kennedy.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schriftsteller Tom Ricks kommt nach einem nicht näher erläuterten Skandal an einer amerikanischen Universität, an der er unterrichtet hat, nach Paris, um sich dort seiner Tochter aus seiner geschiedenen Ehe mit der Französin Nathalie wieder anzunähern. Nathalie, die offensichtlich Angst vor ihm hat, unterbindet jedoch jeglichen Kontakt zwischen Vater und Tochter, sogar mit Hilfe der Polizei.

Als Ricks übermüdet in einem Bus einschläft, wird er ausgeraubt. Ihm bleiben nur sein Pass, ein wenig Bargeld und eine Plüschgiraffe für seine Tochter. Er ist fernab von den Touristenzentren in einem schäbigen Viertel gelandet. Der Inhaber einer schmuddeligen Kneipe, aus der arabisch klingende Musik dringt, gibt ihm ein Zimmer in seinem heruntergekommenen Hotel. Er nimmt ihm aber den Pass weg, bis Ricks bezahlen kann, und er bietet ihm einen Nachtjob an. Eingeschlossen in eine kahle Betonzelle, in die gelegentlich undefinierbare Laute eindringen, soll Ricks Leute, die er nur über einen Monitor sehen kann und die ein bestimmtes Codewort kennen, in das Haus einlassen. Es ist ihm streng verboten, Nachforschungen über das, was in dem Haus vorgeht, anzustellen.

Tagsüber streift er durch Paris, beobachtet heimlich seine Tochter, und er beginnt an einem Roman zu arbeiten. Ein flüchtiger Bekannter lädt ihn zu einem „literarischen Salon“ in seine Wohnung ein, wo sich ein gemischt-intellektuelles Publikum trifft. Dort lernt er eine Frau kennen, die einen Flirt mit ihm beginnt und ihm ihre Visitenkarte zusteckt. Sie wohnt im 5. Arrondissement und erwähnt, dass sie immer ab 16.00 Uhr zu Hause ist. Während er in der Nacht in dem zweifelhaften Haus – einmal findet er frische Blutspuren auf dem Flur – seiner Arbeit nachgeht und bei Tag schreibt, geht er am Nachmittag in das Appartement der Fremden, die ihn sowohl in ihr Bett zieht als auch immer tiefer in ihre eigene Welt einspinnt, in der ihm unverständliche Regeln gelten, und die ihn mit vagen, mehrdeutigen Versprechungen an sich bindet.

Das hindert ihn jedoch nicht, der Verführung durch die schöne junge Polin Ania, der Geliebten des Caféinhabers, nachzugeben. Er schläft mit ihr und gibt sich damit in die Hand seines brutal-animalischen Nachbarn, der ihn erpresst. Als dieser tot, mit durchschnittener Kehle, in der verdreckten Toilette – ewiger Streitpunkt zwischen den beiden – vorgefunden wird, gerät Ricks unter Verdacht und wird eingesperrt. Als er der Polizei die Fremde für sein Alibi vorstellen will, stellt es sich heraus, dass die Wohnung seit Jahren leer steht. Der wahre Täter wird jedoch gefunden: es ist der Caféinhaber, dem Ricks auf dem Weg aus der Haftzelle begegnet und der ihm offen droht. Als Ricks’ Tochter verschwindet (jedoch bald darauf wieder auftaucht), wird Ricks nochmals von der Polizei verhört.

Das Ende des Films bleibt offen, der Regisseur überlässt es dem Zuschauer, zu urteilen, ob er nur Zeuge der Ängste und Phantasmagorien des Protagonisten war, oder ob sich die Geschichte real ereignet hat.

Produktion und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geheimnisvolle Fremde ist der erste Spielfilm, den Pawlikowski nach einer Pause von fast acht Jahren drehte. Gedreht wurde von Mitte April bis Anfang Juni 2010 in wenig bekannten Gegenden von Paris, z. B. in der Rue des Poissoniers 131 (Bar und Hotel), am Boulevard Pereire 142 (Nathalies Wohnung) und in der Rue de L’Ourq, die sich im 17., 18. und 19. Arrondissement von Paris befindet. Ein Spielort im Film ist allerdings das 5. Arrondissement, in dem die geheimnisvolle Fremde wohnt und auf das sich Roman- und Filmtitel La femme du Vème beziehen.

Der Film wurde, bevor er am 16. November 2011 in Frankreich in den Kinos anlief, auf dem Toronto International Film Festival, dem Austin Film Festival und dem Rome Film Festival gezeigt sowie im Oktober 2011 auf dem Gijón Film Festival.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roger Ebert bezeichnet Die geheimnisvolle Fremde als einen Film über Einsamkeit und Verzweiflung.[1] Der Rezensent von Time nennt ihn einen kühlen, gruseligen Psychothriller. Das nachdenkliche, verführerische Drama sei voller indirekter Anspielungen („devious strategies“), angefangen vom Namen des Protagonisten: T. Ricks = Tricks.[2]

David Gritten, der Filmkritiker des Telegraph lobt die Arbeit von Ryszard Lenczewsk, langjähriger Kameramann des Regisseurs, seine ungewöhnlichen Kameraeinstellungen und das wiederholte Filmen unvertrauter Pariser Örtlichkeiten, von denen eine fast hypnotische Wirkung ausgehe und die visuelle Parallelen zum Geisteszustand des Protagonisten evozierten.[3]

Auch die US-amerikanische Filmkritikerin Manohla Dargis würdigt die Leistung des Kameramanns und ist des Lobes voll über die Arbeit des Sound Teams. Der Film habe einen dunklen Glanz, sowohl Eleganz als auch Rätselhaftes, die Darstellung sei angemessen zurückhaltend und faszinierend.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film war 2011 für den Gold Hugo als „Best International Feature“ des Chicago International Film Festival nominiert sowie für den Golden Marc’Aurelio Award des Rome Film Fest 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Woman in the Fifth auf rogerebert.com, abgerufen am 15. November 2016.
  2. The Women in the 5th and La Mort. In: Time, 14. Juni 2012, abgerufen am 16. November 2016.
  3. David Gritten: The Woman in the Fifth, review. In: The Telegraph, 17. Februar 2012, abgerufen am 15. Februar 2016.
  4. Review Sacrebleu! What the Hell Happens at the End of The Woman in the Fifth? auf movieline.com, abgerufen am 15. November 2016.