Diehl Metall

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Diehl Metall

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Rechtsform Teilkonzern der Diehl Stiftung
Gründung 1938
Sitz Röthenbach an der Pegnitz bei Nürnberg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Heiner Schunk (Sprecher)
Rainer Wehn
Manuela Kallinowsky
Dieter Landgraf
Mitarbeiterzahl 3680 (Trend 2018)[1]
Umsatz 940 Mio Euro (Trend 2018)[1]
Website www.diehl.com/metall

Diehl Metall ist ein Teilkonzern der Diehl Stiftung & Co. KG mit Hauptsitz in Röthenbach an der Pegnitz bei Nürnberg. Diehl Metall produziert an 13 Standorten in Europa, Asien, Südamerika und den USA. Im Jahr 2017 erwirtschaftete das Unternehmen mit 3420 Beschäftigten einen Umsatz von 917 Mio Euro[2]. Diehl Metall produziert Halbzeuge, Schmiedeteile und Walzfabrikate, Hochpräzisionsstanzteile mit Oberflächenbeschichtungen sowie Schempp+Decker Einpresszonen und Metall-Kunststoff Verbundsysteme. Das Unternehmen betreibt Werkstoffentwicklung und -erzeugung, Blechumform- und Schmiedetechnik sowie Oberflächen-, Stanz-, Einpress-, Umspritz- und Montagetechnik vollständig im eigenen Unternehmen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1902 gründeten Margarete geb. Schmidt (* 25. August 1880 in Nürnberg) und Heinrich Diehl (* 3. August 1878 in Kölschhausen, † 1938 in Nürnberg) eine Kunstschmiede in Nürnberg. 1914 begannen sie mit dem Guss von Stangen und der anschließenden Fertigung von Gesenkpressteilen in der Nürnberger Geuderstraße.

In den nächsten Jahren wurde ein Metallwerk am Nordostbahnhof in Nürnberg gebaut und eine moderne Strangpresse zur Herstellung von Stangen und Rohren errichtet. 1930 trat Karl Diehl, der einzige Sohn von Margarete und Heinrich Diehl, in das Unternehmen der Eltern ein. Er übernahm den Metallverarbeitungsbetrieb kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. 1938 wurde mit dem Bau eines neuen Halbzeugwerkes in Röthenbach an der Pegnitz begonnen.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurden weite Teile der Werksanlage durch Luftangriffe zerstört und nahezu die gesamten Betriebseinrichtungen demontiert. 1949 wurde auf Grundlage der noch vorhandenen Pressen, Öfen und Werkzeugmaschinen damit begonnen, die Anlage wieder aufzubauen. Die Gießereianlage wurde von Leichtmetall auf Schwermetall umgestellt.

1951 wurde eine 3.500-Tonnen-Presse aufgebaut. 1956 begann Diehl Metall mit der Synchronringfertigung.

Das Unternehmen kaufte die Sundwiger Messingwerk KG in Hemer und wurde Hersteller von Walzfabrikaten. Während der nächsten Jahre baute Diehl Metall ein neues Rohrwerk mit einer 1.600-Tonnen-Rohrpresse und errichtete die erste kontinuierliche Doppelstranggussanlage für Messing mit einer Jahreskapazität von 47.000 Tonnen.

1973 wurde Diehl do Brasil Metalúrgica durch Diehl Metall in São Paulo, Brasilien gegründet.

Von 1974 bis 1984 wurde die Gesenkschmiede erweitert, eine weitere Rohrpresse installiert, eine Entstaubungsanlage für die Gießerei gebaut und um die kontinuierlich arbeitende „Demag-Stranggießanlage“ erweitert. 1977 wurde die sogenannte Schumaghalle errichtet. 1981 wurde ein neues Bandwalzwerk im Sundwiger Messingwerk eingeweiht.

1985 wurden Wärmerückgewinnungsanlagen in der Gießerei installiert. Gleichzeitig wurde das Laborgebäude bei Diehl Metall Messing ausgebaut. 1990 nahm Diehl Metall bei einem Pilotprojekt des Umweltamtes Berlin teil und errichtete eine neue Entstaubungsanlage.

1998 wurde ein Schneid- und Servicecenter in Shenzhen, China errichtet. Diehl Metall Schmiedetechnik wurde in neue Räumlichkeiten verlagert.

1999 wurde Röthenbach an der Pegnitz zum Hauptsitz von Diehl Metall. Ein Jahr später übernahm Diehl Metall The Miller Company (USA).

Unternehmensexpansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 schied Karl Diehl aus dem Unternehmen aus und sein erstgeborener Sohn Werner Diehl übernahm den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden.

2003 wurde die Diehl Synchro Tec Manufacturing (Wuxi) Co. Ltd. in China gegründet. 2006 übernahm Diehl Metall die OTB Oberflächentechnik in Berlin und gründete Diehl Power Electronic S.A.S. in Frankreich. Ein Jahr später übernahm das Unternehmen Diehl Augé Découpage in Frankreich. Im Jahr 2009 wurde die Diehl Metal Applications GmbH (DMA) mit Standorten in Deutschland, Frankreich und China errichtet, die Unternehmen der Diehl Metal Applications sind Diehl Metal Applications GmbH (Standort Berlin), Diehl Metal Applications GmbH (Standort Teltow), Sundwiger Messingwerk (Hemer), Diehl Augé Découpage (Besançon), Diehl Power Electronic (Siaugues), Diehl Metall (Shenzhen).

Ein Jahr darauf übernahm Diehl Metall die Zehdenick Innovative Metall- und Kunststofftechnik GmbH (ZIMK) die ebenfalls ein Unternehmen der Diehl Metall Applications wird. Dort wurde 2011 eine DMA Produktentwicklung aufgebaut die unter anderem Lösungen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge entwickelt[3]. 2012 übernahm Diehl die Schempp & Decker Präzisionsteile und Oberflächentechnik GmbH in Berlin und gründet im gleichen Jahr Diehl Metal India Pvt. Ltd. in Indien. 2013 wurden die beiden Gesellschaften OTB Oberflächentechnik in Berlin und Schempp & Decker Präzisionsteile und Oberflächentechnik auf die Diehl Metal Applications GmbH vereint.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diehl Metall Messing in Röthenbach an der Pegnitz stellt Messinghalbzeuge wie Stangen, Rohre und Profile sowie Gussbolzen und Masseln aus der eigenen Gießerei her. Die Gesamtkapazität für Halbzeug beträgt 150.000 Tonnen pro Jahr. Diehl Metall Schmiedetechnik ist ebenfalls in Röthenbach an der Pegnitz angesiedelt und stellt Gesenkschmiedeteile sowie Synchronringe für Kraftfahrzeuggetriebe her. Das Werk hat europaweit eine der größten Schmiedekapazitäten.

Diehl do Brasil Metalúrgica in São Paulo/Brasilien produziert Messingsynchronringe für den nord- und südamerikanischen Markt.

Diehl Metal India mit Sitz in Pune/Indien, einem Zentrum der Automobilindustrie, produziert und vertreibt Synchronringe auf dem indischen Markt. Diehl Synchro Tec Manufacturing in Wuxi/China stellt Synchronringe für den asiatischen Markt her.

Franconia Industries in Meriden, Connecticut/USA ist die Verkaufsorganisation der Geschäftsfelder Press- und Ziehfabrikate, Schmiedeteile und Walzfabrikate für die Märkte in den USA und Kanada.

SMH Süddeutsche Metallhandelsgesellschaft in Röthenbach an der Pegnitz bietet die Möglichkeit Legierungsmetalle, vor allem Kupfer, Zinn, Zink und Nickel in Form von Rohmetall oder Recyclingmaterial bei Diehl Metall abzusichern und so Risiken der Preisentwicklung und die hohe Volatilität der Metallpreise abzufedern.

Diehl Metal Applications in Berlin bietet metallische Beschichtung von Bändern und Stanzteilen, sogenannte Oberflächenveredelung an. Schwerpunkt im Kunststoffbereich bei Diehl Metal Applications in Teltow liegt in der Herstellung von Lampensockeln für Automobillampen, außerdem zählt das Unternehmen zu den Marktführern in den Bereichen Präzisionsteile und Oberflächenbeschichtung. Diehl Augé Découpage am Standort Besançon/Frankreich hat einen eigenen Werkzeugbau, der eigenes Werkzeugdesign und damit Präzisionsstanztechnik für anspruchsvollste Präzisionsstanzteile in Klein- und Serienproduktion ermöglicht.

Bei Diehl Power Electronic in Siaugues Sainte-Marie/Frankreich werden vollflächige metallische Beschichtung und die Streifenveredelung von Bändern aus verschiedenen Metallen sowie von gestanzten Teilen angeboten.

Das Sundwiger Messingwerk in Hemer entwickelt und produziert Bänder und Drähte auf Basis der Legierungsgruppen Zinnbronze, Neusilber, Messing und aus Kupfer-Speziallegierungen wie Kupfer-Eisen und Kupfer-Nickel-Silizium.

The Miller Company in Meriden, Connecticut/USA zählt nach Eigenangaben zu den Marktführern im Bereich von Kupferbändern aus verschiedenen Legierungen und ist ein Spezialhersteller von Phosphorbronze in den USA.

ZIMK (Zehdenick Innovative Metall- und Kunststofftechnik) in Zehdenick ist ein Unternehmen für Werkzeug-, Stanz- und Kunststofftechnik und Zulieferer in den Bereichen Automotive, Elektronik und Kommunikation.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diehl Metall fertigt folgende Produkte[4]:

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diehl Metall bietet folgende Marken[5]:

Diehl Metall Messing

  • CUPHIN: Bleifreier Armaturenwerkstoff für die Trinkwasserinstallation
  • AQCUARIN: Entzinkungsbeständiges Messing für die Trinkwasserinstallation mit reduzierter Bleiabgabe
  • ECOMERICA: Bleiarme Messinglegierung für den Trinkwasserbereich nach US-Gesetzgebung
  • TEC.PURE: Bleifreie und verschleissbeständige Messingwerkstoffe für die Automobilindustrie
  • ECOBRASS: Bleifreies Sondermessing für die Automobilindustrie ohne toxische Zusätze
  • BMOTION: Sondermessinge für die Automobilindustrie


Diehl Metall Schmiedetechnik


Diehl Metal Applications

  • rolled@Diehl: Kupferlegierungen als Werkstoff für Bänder
  • drawn@Diehl: Drähte aus Kupferlegierungen
  • Schempp+Decker Einpresszonen: Lötfreie Verbindungstechnik
  • Diehl Ökobronze BB05xi: Direkt recycelbare Phosphor-Bronze
  • Diehl ECO-SILVER 18: Neusilber-Legierung für elektromagnetische Schirmungen
  • SKEDD: Direktstecktechnologie für Leiterplattenanschlüsse

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gregor Schöllgen: Diehl – Ein Familienunternehmen in Deutschland, 1902–2002. Propyläen, Berlin/München 2002, ISBN 3-549-07170-1, 336 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Diehl Stiftung & Co. KG: Unternehmenspräsentation 2018/2019
  2. Diehl Stiftung & Co. KG: Geschäftsbericht 2017
  3. Alles aus einer Hand – innovative Produktlösungen für den Zukunftsmarkt Elektromobilität. Pressemeldung der Diehl Metal Applications vom 9. Dezember 2011.
  4. Produkte auf der Homepage von Diehl Metall
  5. Marken auf der Homepage von Diehl Metall