Dietrich Claude

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Dietrich Claude (* 12. Oktober 1933 in Düsseldorf; † 2. August 1999 in Marburg) war ein deutscher Historiker.

Dietrich Claude besuchte von 1946 bis 1950 die Landesschule Pforta. Anschließend wechselte er auf das Heese-Gymnasium in Berlin-Steglitz. 1953 legte er das Abitur ab. Claude studierte in Tübingen, Toulouse und Berlin Geschichte, Romanistik und Volkswirtschaft. Bei Walter Schlesinger an der Freien Universität Berlin wurde er promoviert mit einer Arbeit über „Topographie und Verfassung der Städte Bourges und Poitiers bis in das 11. Jahrhundert“. Seine Habilitation erfolgte 1969/70 über die ersten Jahrhunderte des Erzbistums Magdeburg. Die mehr als 1000 Seiten umfassende Darstellung wurde zum grundlegenden Werk. Über Frankfurt kam Claude als Assistent von Schlesinger an die Philipps-Universität Marburg. 1969 erhielt er die Venia Legendi für mittelalterliche Geschichte. 1971 wurde er Professor in Marburg und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1990. Claude war Mitglied der Kommission für die Altertumskunde Nord- und Mitteleuropas der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Seine Forschungsschwerpunkte waren der Mittelmeerraum in der Spätantike und der Völkerwanderungszeit unter besonderer Berücksichtigung von Gallien, Spanien und Byzanz. Zu diesem Themenbereich verfasste er drei Monografien: „Die byzantinische Stadt im 6. Jahrhundert“ (1969), die „Geschichte der Westgoten“ (1970) und „Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich“ (1971). Zur Geschichte der Ost- und Westgoten, der Franken, Sueben, Vandalen und Alamannen veröffentlichte Claude wichtige Aufsätze. Ein weiterer Forschungsbereich war die frühmittelalterliche Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Claude verfasste außerdem Studien über die ostsächsischen Königspfalzen, Königshöfe und Reichsburgen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Handel im westlichen Mittelmeer während des Frühmittelalters (= Untersuchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in Mittel- und Nordeuropa. Tl. 2 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Nr. 144). Bericht über ein Kolloquium der Kommission für die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas im Jahre 1980. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1985, ISBN 3-525-82427-0.
  • Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert. 2 Bände. Böhlau, Köln u. a. 1972–1975, (Zugleich: Marburg, Universität, Habilitations-Schrift, 1969/1970);
    • Band 1: Die Geschichte der Erzbischöfe bis auf Ruotger (1124) (= Mitteldeutsche Forschungen. 67, 1). 1972, ISBN 3-412-90072-9;
    • Band 2: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert (= Mitteldeutsche Forschungen. 67, 2). 1975, ISBN 3-412-11375-1.
  • Adel, Kirche und Königtum im Westgotenreich (= Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte. Vorträge und Forschungen. Sonderbd. 8, ISSN 0933-4467). Thorbecke, Sigmaringen 1971, (online).
  • Geschichte der Westgoten (= Urban-Taschenbücher. Bd. 128, ZDB-ID 995319-x). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1970, (In russischer Sprache und kyrillischer Schrift: Дитрих Клауде: История вестготов, Евразия, Санкт-Петербург 2002, ISBN 5-8071-0115-4).
  • Die byzantinische Stadt im 6. Jahrhundert (= Byzantinisches Archiv. H. 13, ISSN 1864-9785). Beck, München 1969, (Index hierzu in: Günter Prinzing: Ortsnamenindex zu stadtgeschichtlichen Arbeiten aus der Byzantinistik. Harrassowitz, Wiesbaden 1994, ISBN 3-447-03538-2).
  • Topographie und Verfassung der Städte Bourges und Poitiers bis in das 11. Jahrhundert (= Historische Studien. H. 380, ZDB-ID 514152-7). Matthiesen, Lübeck u. a. 1960, (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, vom 22. Februar 1960).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans K. Schulze: Dietrich Claude (1933–1999). In: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt. Bd. 22, 1999/2000, ISSN 0945-2842, S. 424–426.
  • Catalogus professorum Academiae Marburgensis. = Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität in Marburg. Band 3: Von 1971 bis 1991. Teil 1: Inge Auerbach: Fachbereich 01–19 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 15, 3). Ewert, Marburg 2000, ISBN 3-7708-1159-3, S. 154.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]