Differenzkontrakt

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Ein Differenzkontrakt (englisch contract for difference, kurz CFD) ist eine Form eines Total Return Swaps. Hierbei vereinbaren zwei Parteien den Austausch von Wertentwicklung und Erträgen eines Basiswerts gegen Zinszahlungen während der Laufzeit.[1] Er reflektiert damit die gehebelte Kursentwicklung des zu Grunde liegenden Basiswertes.

Differenzkontrakte gehören zur Gruppe der derivativen Finanzinstrumente. Sie sind hochspekulative Instrumente, bei denen das Risiko des Totalverlusts des ursprünglich eingesetzten Kapitals und von Nachschusspflichten besteht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Differenzkontrakte kommen ursprünglich aus dem Investmentbanking. In den 1980er Jahren wurden sie bei der UBS in London entwickelt, um die britische Stempelsteuer zu umgehen. Diese sah für jede Aktientransaktion an der London Stock Exchange eine staatliche Abgabe in Höhe von 0,5 % vor. Die Konstruktion der Differenzkontrakte erlaubte jedoch einen außerbörslichen Handel direkt mit dem Anbieter, wodurch die Steuer umgangen werden konnte.[2] Als OTC- (over-the-counter) bzw. außerbörslich gehandelte Produkte sind Differenzkontrakte bis heute deutlich weniger reguliert als börsengehandelte Wertpapiere.

In den USA sind CFDs hingegen gemäß den Regeln der Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commisson (SEC) verboten.[3]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Differenzkontrakten können Anleger sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse des Basiswertes setzen (siehe auch Long und Short). Der Anleger handelt also nicht den Basiswert (Underlying) selbst, sondern ausschließlich dessen Preis und Kursveränderungen. CFDs haben selbst keinen Nominalwert.

Im Unterschied zu Futures haben Differenzkontrakte keine normierte Laufzeit oder Kontraktgröße und können von den Kontrahenten frei verhandelt werden. Beim Handel mit Differenzkontrakten muss eine Sicherheitsleistung (Margin) auf die zu Grunde liegende Position hinterlegt werden, weil der Anbieter bzw. Market Maker dem Bonitätsrisiko des Anlegers ausgesetzt ist. Da diese Margin nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Werts des Basiswerts ausmacht, ergibt sich ein „Hebeleffekt“ (Leverage). Broker bieten in der Regel eine Auswahl für den Hebel zwischen 5:1 bis 100:1 an. Rechnerisch eröffnet wird eine Position mit dem Kauf oder Verkauf von Differenzkontrakten. Geschlossen wird sie durch finanziellen Differenzausgleich und nicht durch Anschaffung des Basiswertes.[4]

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Handel mit CFDs können folgende Kosten entstehen:

Die Kostenangaben bei CFDs beziehen sich auf den gehebelten Gesamtbetrag. In einem Vergleich des CFD-Brokers Onvista von deutschen Anbietern vom August 2009 lag die Sicherheitsleistung abhängig von Basiswert und Anbieter zwischen 0,5 und 100 Prozent, die Finanzierungskosten bei 0 bis 12 Prozent p. a. (Aufschlag bzw. Abschlag gegenüber dem Kapitalmarktzins) und die Kommissionen bei bis zu 0,2 Prozent. Bezogen auf die Sicherheitsleistung betrugen die laufenden Finanzierungskosten dann bis zu 2.400 Prozent p. a.[5]

Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da CFDs in der Regel gehebelte Geschäfte sind, bestehen Risiken über den Totalverlust des Einsatzes hinaus: Steht auf dem Konto nicht mehr genügend freies Kapital zur Verfügung, um die Sicherheitsleistung in voller Höhe zu erbringen, wird die Position geschlossen. Durch Kurssprünge kann es dennoch vorkommen, dass die Position zu einem Kurs jenseits der Sicherheitsleistung geschlossen wird. Dann muss der Anleger über sein hinterlegtes Kapital hinaus noch Geld nachschießen.

Im außerbörslichen Handel mit Differenzkontrakten können die gestellten Kurse daher – ggf. auch zum Nachteil des Kunden – von denen an der Referenzbörse abweichen. Dies birgt das Potential, Aufträge von Kunden zu einem wesentlich ungünstigeren Kurs auszulösen, um dadurch mit einer erhöhten Gewinnspanne ein Gegengeschäft einzugehen.[6]

Im Vergleich zu Zertifikaten und Optionsscheinen ist für Privatanleger bei Differenzkontrakten das Kreditrisiko gegenüber dem Anbieter durch die gesetzliche Einlagensicherung teilweise abgesichert.[7][8]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der hohen Verlustrisiken kritisieren die europäischen Aufsichtsbehörden für Wertpapiere und Banken diese Derivate als hoch spekulativ und raten vor allem unerfahrenen Klein- und Privatanlegern davon ab.[9]

Im Rahmen der Insolvenz des CFD-Brokers FXdirekt diskutierte u. a. das ARD-Börsenportal und die Wirtschaftswoche die Seriosität dieser Anlageform. FXdirekt habe Kunden regelrecht ausgenommen; es dürfte weitere schwarze Schafe geben und Außenstehende könnten erst recht nicht die vielen Grauzonen erkennen.[10][11] BaFin und Staatsanwaltschaft seien damit überfordert, das unseriöse Gebaren nachzuweisen.[10] Oberstaatsanwalt Bernhard Englisch hatte auf Anzeigen von Kunden gegen den Broker geantwortet, es handle sich um aufsichtsrechtlich genehmigte Tätigkeiten, die aber im Grunde ähnlich wie im lizenzierten Glücksspiel auf Dauer nur auf Seiten der Bank zu Gewinnen führen könnten.[12] Bei der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen läuft seit dem 22. Januar 2013 die Abwicklung der Entschädigungsfälle für Gläubiger, die bis zu 20.000 € pro Person beträgt. Das Börsenportal der ARD stellte die Frage, wie überhaupt die weißen Schafe gefunden werden könnten und zog das Fazit, Sparer und Anleger sollten die Finger davon lassen.[10]

Schon zuvor war der unregulierte Handel kritisiert worden. FXdirekt bot daher seit Frühjahr 2009 bis zu seiner Insolvenz Ende 2012 in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Börse[13] einen überwachten Handel mit CFDs an. Aber auch dieses Angebot stand von Anfang an in der Kritik.[14] Es bot keinen Börsenhandel, sondern bestand lediglich aus dem nachträglichen Versand von Kursen des gewöhnlichen außerbörslichen CFD-Handels an Mitarbeiter der Handelsüberwachung der Bayerischen Börse, zudem gegen eine zusätzliche Gebühr.[15]

Steuerliche Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland fallen seit Anfang 2009 auch alle Gewinne aus CFDs unter die Abgeltungsteuer (Deutschland). Bis zum 31. Dezember 2008 galt für CFDs nicht das Halbeinkünfteverfahren nach § 3 Nr. 40 EStG, sondern entsprechend Termingeschäften unterlagen sie § 23 Abs. 1 Nr. 4 EStG.

Meistens werden die Geschäfte jedoch von internationalen CFD-Brokern betrieben, sodass die rechtliche Kontoführung in deren Zentrale außerhalb Deutschlands liegt. In diesen Fällen muss der Anleger seine Gewinne eigenverantwortlich in seiner persönlichen Steuererklärung angeben. Gewinne und Verluste können dabei in aller Regel verrechnet werden, sodass nur die tatsächlichen Gewinne versteuert werden.[16]

Abgrenzung zu Optionsscheinen, Futures und Hebelzertifikaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch mit Optionsscheinen und Hebelzertifikaten können Basiswerte mit hohem Hebel gehandelt werden. Es gibt jedoch einige wesentliche Unterschiede:

  • Im Gegensatz zu Optionsscheinen ist der Wert der CFDs nicht abhängig von der Restlaufzeit (Zeitwert) und Volatilität des Basiswerts. Lediglich die Kursveränderung des Basiswertes beeinflusst den Wert der CFDs.
  • CFDs sind unregulierte Derivate und werden nur über sogenannte „Black Pools“ oder OTC („over the counter“) gehandelt, nicht jedoch an Börsen. Die Gegenpartei (also Broker oder Bank) bestimmt die Kurse für den Kunden, nicht Angebot und Nachfrage.
  • Sehr ähnlich sind jedoch Hebelzertifikate. Statt eine Margin zu hinterlegen, muss vom Anleger der aktuelle Wertpapierpreis bezahlt werden. Vom Emittenten wird dabei ein Wertpapierkredit gewährt. Sie sichern sich durch ein Knock-out-Level ab, bei dem das Zertifikat wertlos wird. Eine Nachschussmöglichkeit oder -pflicht besteht hier nicht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carol Alexander: Market Risk Analysis, Volume III, Pricing, Hedging and Trading Financial Instruments. John Wiley & Sons., 2008, ISBN 978-0-470-77281-2, S. 40f
  2. CFD - Der Hebel macht die Differenz
  3. http://www.fow.com/Article/3061394/AssetClasses/26535/Exclusive-NYSE-shelves-plans-for-CFD-market.html
  4. R. Venkata Subramani: Accounting for Investments: Equities, Futures and Options. 2009, John Wiley & Sons, ISBN 978-0470824313, S.419ff
  5. http://cfds.onvista.de/themes/default/media/pdf/Brokervergleich_Juni_2011.pdf
  6. http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/insider-packen-aus-die-zweifelhaften-geschaefte-der-fxdirekt-bank/7219416.html
  7. EAEG §1, §2, §3, §4
  8. boerse.ARD.de: Quantensprung im CFD-Universum, abgerufen am 24. Mai 2013.
  9. https://www.test.de/Contracts-for-Difference-Nur-fuer-Zocker-geeignet-4530210-0/
  10. a b c http://boerse.ard.de/boerse-ard-de-klaert-auf/handel_nicht_mit_den_schmuddel_brokern100.html
  11. http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/insider-packen-aus-die-zweifelhaften-geschaefte-der-fxdirekt-bank/7219416.html
  12. http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/fxdirekt-ermittler-haben-wenig-in-der-hand/7427670-3.html
  13. Bayerische Börse: Geschichte, abgerufen am 28. Oktober 2012
  14. http://www.finanzen.net/eurams/bericht/Boerse-der-anderen-Art-1292184
  15. http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/fxdirekt-banken-handelten-blauaeugig/7427670-5.html
  16. Abgeltungssteuer: Fallen CFDs allgemein unter die Abgeltungsteuerpflicht? Abgerufen am 24. Juli 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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