Market-Maker

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Der Market-Maker (deutsch Marktpfleger oder auch Marktmacher) ist ein Marktteilnehmer auf dem Kapitalmarkt, der sich verpflichtet, für Finanzinstrumente verbindliche An- und Verkaufskurse zu stellen, zu denen er zum Handel bereit ist. Seine Tätigkeit heißt Market Making.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktteilnehmer auf den Kapitalmärkten sind allgemein natürliche Personen, institutionelle Anleger, Nichtbanken, Kreditinstitute oder Börsenmakler. Von diesen kommen im Regelfall nur Kreditinstitute, insbesondere Investmentbanken und Großbanken, sowie Börsenmakler als Market-Maker in Frage. Market Making gehört zur Kategorie des fortlaufenden Handels, bei dem der Market-Maker regelmäßig die Marktgegenseite (Kontrahent) verkörpert und als bestimmender Vertragskontrahent fungiert.[1] Der Market-Maker bestimmt seinen Preis, zu welchem er - aus seiner Sicht - kaufen (Geldkurs) und zu welchem Preis er verkaufen wird (Briefkurs). Beide Kurse werden zusammen Quote genannt. Indem er Geld- und Briefkurse nennt („stellt“), übernimmt er eine Quotierung. Der Market-Maker geht für eigene Rechnung eine offene Position ein, indem er aus eigenem Bestand liefert und für den eigenen Bestand erwirbt. Wesentliche Eigenschaft ist seine ständige Präsenz während der Geschäfts- oder Börsenzeit. Market-Maker ist „ein Händler, der während der Geschäftszeit stets bereit ist, bestimmte Titel auf Anfrage entweder zu einem von ihm genannten Kurs zu kaufen oder zu einem gleichzeitig von ihm genannten höheren Kurs zu verkaufen, und zwar ohne zu wissen, ob der Anfragende kaufen oder verkaufen möchte“.[2]

Obwohl Market Making und Designated Sponsoring oft synonym verwendet werden, sind diese zwar ähnliche, jedoch streng genommen durchaus unterschiedliche Tätigkeiten. Im Gegensatz zum Designated Sponsoring wird das Sicherstellen der Liquidität nicht im Auftrag eines Emittenten vollzogen, sondern zur Gewinnung eigener Vergünstigungen. So erhalten Börsenmakler, die im Rahmen einer Tätigkeit als Market-Maker über Eurex für eine gewisse Anzahl von Wertpapiertiteln die Liquidität zu z. B. mindestens 85 % garantieren, als Vergütung gewisse Nachlässe auf die zu zahlenden Handelsgebühren.

An der NASDAQ sind Market-Maker-Firmen sowohl im Kommissions- als auch im Eigenhandel tätig und repräsentieren einen Großteil des Umsatzes an der NASDAQ. Es gibt zurzeit insgesamt 550 Market-Maker-Firmen, von denen allerdings nur ungefähr 10 wirklich von Bedeutung sind. Alle Market-Maker in den USA müssen Mitglied der NASD (National Association of Securities Dealers) sein und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wie z. B. ein gewisses Mindestkapital vorweisen. Die Market-Maker können anhand eines vierstelligen Kürzels, dem sogenannten Market-Maker Identifier, der MMID, identifiziert werden.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generell gibt es drei Arten von Market Making:

  • Bei der permanenten Quotierung (Permanent Market Making, PMM) stellt der Market-Maker dauerhafte Kauf- und Verkaufsaufträge auf einen Wert in das Handelssystem ein.
  • Bei der erweiterten Quotierung (Advanced Market Making, AMM) werden von der jeweiligen Börse vorgegebene Mindestkriterien erfüllt, um entsprechende Rückvergütungen oder Vergünstigungen zu erhalten.
  • Bei der Quotierung auf Anfrage (Regular Quotation) stellt der Market-Maker einen Preis auf spezielle Anfrage eines Marktteilnehmers zur Verfügung.

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Market-Maker ist nach der Legaldefinition des Art. 4 Abs. 1 Nr. 8 der Richtlinie 2004/39/EG[3] „eine Person, die an den Finanzmärkten auf kontinuierlicher Basis ihre Bereitschaft anzeigt, durch den An- und Verkauf von Finanzinstrumenten unter Einsatz des eigenen Kapitals Handel für eigene Rechnung zu von ihr gestellten Kursen zu betreiben“. Seine Hauptaufgaben bestehen im

  • Stellen fester, zeitgleicher An- und Verkaufskurse vergleichbarer Höhe zu wettbewerbsfähigen Preisen, so dass der Markt regelmäßig und kontinuierlich mit Marktliquidität versorgt ist und in dem
  • Ausführen von Kundenaufträgen oder Aufträgen, die sich aus einem Handelsauftrag des Kunden ergeben,

im Rahmen ihrer normalen Tätigkeiten.

Market Making liegt vor, wenn Kreditinstitute bei einem gehandelten Finanzinstrument als Eigenhändler auftreten und dabei das Stellen fester An- und Verkaufskurse und/oder das Festpreisgeschäft wahrnehmen. Ein Kreditinstitut ist nur dann vom Verbot ungedeckter Leerverkäufe in Aktien und öffentlichen Schuldverschreibungen befreit, wenn es in seiner Eigenschaft als Market Maker handelt. Dadurch sichert der Market-Maker die Marktliquidität und beeinflusst den Kurs. Auch das Festpreisgeschäft und die Absicherung dieser Dienstleistungen gehören hierzu (Art. 2 Abs. 1k Leeverkaufs-VO). Market-Making gehört nicht zu den „verbotenen Geschäften“ des § 3 Abs. 2 und 4 KWG, die den Großbanken ab Juli 2016 untersagt sind.

Gegenstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenstand des Market Making sind Finanzinstrumente wie Wertpapiere (Aktien, Schuldverschreibungen), Devisen, Sorten oder Edelmetalle.

Nutzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kontrahenten des Market-Makers vermindern durch den Market-Maker ihr Ausführungsrisiko, der Gefahr, ein Wertpapier nicht verkaufen zu können, und haben den Vorteil bekannter Kauf- oder Verkaufskurse (kein Kursrisiko). Market-Maker wirken mit ihrer Tätigkeit stabilisierend auf die Kursentwicklung. Durch die erhöhte Handelbarkeit soll die Attraktivität bzw. Preisqualität der betreuten Werte steigen und den Investoren gewährleisten, innerhalb der Handelszeit zu angemessenen Preisen kaufen bzw. verkaufen zu können. Das auf diese Weise erworbene Vertrauen soll auf lange Sicht eine positive Kursentwicklung fördern. Dabei ist er durch einen maximalen Spread (Differenz zwischen Geld- und Briefkurs) gebunden. Dieses kontinuierliche Stellen von Kursen wird dabei heutzutage fast ausschließlich von Computerprogrammen (sogenannte Quote-Machines) übernommen. Im Rahmen des Corporate Finance übernehmen Market-Maker die Kurspflege für andere Emittenten. Market-Making-Tätigkeiten spielen bei der Bereitstellung von Liquidität auf den Märkten eine maßgebliche Rolle. Beim XETRA übernimmt der Designated Sponsor die Funktion des Market-Makers,[4] der als Handelsteilnehmer zugelassen sein muss.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Armin Hartmuth, Institutioneller Wandel von Börsen, 2004, S. 82 FN 254
  2. Hartmut Schmidt, Wertpapierbörsen: Strukturprinzip, Organisation, Kassa- und Terminmärkte, 1998, S. 24
  3. vom 21. April 2004, ABl. L 145
  4. Armin Hartmuth, a.a.O., S. 84