Djer
| Namen von Djer | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Grabstele des Djer; Ägyptisches Museum, Kairo | |||||||||
| Horusname |
Ḥr.(w)-ḏr [j] Abwehrer des Horus[1] | ||||||||
| Eigenname |
Jtj | ||||||||
| Königspapyrus Turin (Nr.II./14) |
Jtt (mit NamensIdeogramm für einen König, das den Horusfalken darstellt) | ||||||||
| Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.3) |
Jtt Herrscher | ||||||||
Djer (eigentlich Hor-Djer) ist der Horusname eines altägyptischen Königs (Pharaos) der 1. Dynastie während der sogenannten Frühdynastischen Zeit, welcher gemäß Thomas Schneider etwa um 2980 v. Chr. regierte.[3] Er war der Nachfolger von König Aha und der Vorgänger von König Wadji.
Djer regierte ungewöhnlich lange, es wird gemutmaßt, dass er vielleicht schon als kleines Kind auf den Thron kam und seine Mutter als eigenständige Herrscherin anfänglich die Regierungsgeschäfte für ihn führte. Djer war außerdem ein politisch wie kulturell sehr aktiver Herrscher.
Name und Identität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In späteren Königslisten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Kairostein steht neben dem Horusnamen des Djer ein weiterer Name, der möglicherweise eine frühe Form des späteren Goldnamens darstellte: Ni-nebu („Der Goldene“). Ähnlich wie bei Ninetjer aus der 2. Dynastie sind sich die Ägyptologen bei der Zuordnung des Namens in seiner Funktion sehr unsicher, da der Goldname als Titulatur erst unter Djoser (3. Dynastie) eingeführt wurde.
Der Kairostein nennt auch den möglichen Eigennamen des Herrschers, der mit „Iti“ wiedergegeben wird und in einer Kartusche steht.[2] Hierbei handelt es sich jedoch um einen Anachronismus, da die Schreibung des Königsnamens in Kartuschen erst unter Pharao Huni gegen Ende der 3. Dynastie eingeführt wurde.[4] Gemäß Toby A. H. Wilkinson rührt die vermeintliche Stilblüte auf dem Kairostein daher, dass der oder die Verfasser der dortigen Einträge sich dem Druck ausgesetzt sah(en), königliche Namen und Titulaturen den Vorgaben anzupassen, wie sie seit König Snofru fest etabliert waren. Dies beinhaltete das Eintragen von Geburts-, Eigen- und/oder Nebti-Namen innerhalb der Königskartusche.[2]
In den Königslisten der Ramessidenzeit, nämlich in der Königsliste von Abydos und im Turiner Königspapyrus, erscheint Djer unter dem Kartuschennamen Itetj, der eine nur geringfügig abgeänderte Variante der Kairostein-Version darstellt. Ganz offensichtlich hatte der Annalenstein der 5. Dynastie als Vorlage für die Königslisten gedient, was gemäß Ägyptologen wie Toby Wilkinson, Toby Wilkinson, Iorwerth Eiddon Stephen Edwards und Georges Daressy die Glaubwürdigkeit der Steintafel untermauert.[2]
Die Königsliste von Sakkara aus dem Grab des Hohepriesters Tjuneroy (19. Dynastie) lässt Djer merkwürdigerweise gar nicht auftreten – allerdings fehlen hier auch die Könige Narmer, Aha, Wadji, Den und Semerchet der 1. Dynastie. Erwähnt werden nur die Könige Anedjib und Qaa. Warum dies so ist, bleibt rätselhaft. Walter Bryan Emery zum Beispiel schlägt als möglichen Grund vor, dass Anedjib und Qaa die einzigen Könige sind, deren Souveränität von Unterägypten anerkannt wurde. Und die Sakkara-Liste entspricht rein memphitischen (also unterägyptische) Traditionen. Damit waren Anedjib und Qaa als Herrscher über Memphis bestätigt. Die Königsliste von Abydos und die Königsliste von Karnak hingegen spiegeln thinitische (also oberägyptische) Traditionen wieder und führen deshalb alle Herrscher der 1. Dynastie auf.[5]
Herkunft und Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Mutter des Djer ist bislang nicht sicher identifiziert. Sie mag eine Dame namens Chenethapi gewesen sein. Ihr Name erscheint allerdings bislang nur auf dem berühmten Kairostein und sie ist zeitgenössisch nicht belegt.[6]
Stattdessen legen zeitgenössische Tonsiegelabdrücke, Gefäßgravuren und Felsritzungen nahe, dass Djers Mutter in Wirklichkeit eine gewisse Neithhotep gewesen ist.[7] Ähnlich wie die spätere Königin Meritneith könnte auch Neithhotep eigenständig regiert haben, da ihr Name auf Tonsiegeln aus dem Grab von König Aha und ihrem eigenen in einem königlichen Serech erscheint. Felsritzungen auf dem Sinai berichten von einer Expedition unter Neithhotep während Djers Herrschaft, die von ihr selbst in Auftrag gegeben und geleitet worden war. Ein solches Machtbefugnis hatten zu dieser Zeit aber nur Personen mit Königsrechten.[8] Weiter unterstützt wird diese These durch die ungewöhnlichen Ausmaße ihrer Grabanlage. Gewöhnliche Königsgemahlinnen erhielten zu dieser Zeit kein eigenes Grab, sondern wurden in einem verhältnismäßig unscheinbaren Nebenbegräbnis bestattet.[9][10] Eine Co-Regentschaft im Kindesalter würde freilich auch erklären, warum Djer so lange herrschen konnte.[2]
Verheiratet war Djer offenbar mit einer Prinzessin namens Herneith,[11] sowie möglicherweise mit einer Dame namens Penebui. Deren Tod wird auf einem Jahrestäfelchen aus Elfenbein erwähnt.[12] Als mögliche Nachkommen des Djer werden unter anderem Königin Meritneith und Pharao Wadji angesehen.[13]
Belege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Felszeichnungen des Djer fand man am 2. Katarakt am Nil (heute im Nationalmuseum Khartum). Sein Name erscheint auch im Wadi Halfa, was Expeditionen bis nach Nubien belegt.[13] Weitere Funde aus seiner Zeit sind aus Abydos und Sakkara bekannt. 2012 wurde eine Inschrift mit dem Namen von Djer auf der südlichen Sinai-Halbinsel entdeckt.[14]
- Elfenbeintäfelchen mit der Nennung der Domäne Hor-ib-netjeru („Horus, das Herz der Götterschaft“).
Regierungszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Djer regierte sehr lange; die Ägyptologie geht von 54 Jahren aus. Dies ergibt sich aus den Aufzeichnungen und Rekonstruktionen des Kairosteins und des Palermosteins.[16] So sind neun Jahre auf dem Kairo-Fragment Nr. 1 (C1 / K1 = Kairostein) erhalten, zehn weitere auf dem Palermostein. Die Eintragungen belegen, dass unter Djer die Tradition eingeführt wurde, alle zwei Jahre das Horusgeleit zu feiern.[6] Djer gründete die königliche Domäne Semer-netjeru („Vortrefflicher der Götter“),[17] sowie die neue königliche Residenz Hor-sechentj-dju („Horus überragt die Berge“[18]). Verwaltet wurde die Residenz vom hohen Beamten Amka.[19] Djer gab auch mehrere Expeditionen in den Sinai in Auftrag. Dort fand sich auch eine Felsinschrift mit seinem Namen.[20] In seinem Grab (und dem seiner Tochter Meritneith) fanden sich Schmuckstücke aus Türkis, das traditionellerweise aus dem Sinai stammt.[13]
Aus einem Kalendereintrag geht das Todesdatum von Djers Vorgänger, König Aha, vom 7. Peret III hervor. Die Regierungszeit von Djer begann am 22. Peret IV.[21] Da auf dem Annalenstein ansonsten bei einem Regierungswechsel innerhalb des Kalenderjahres die Regierungszeiten zweier Könige 365 Tage ergeben, bleiben die Gründe für die Differenz von 45 Tagen[22] unklar. In den Pyramidentexten des Alten Reiches wird eine Einbalsamierungsdauer von 70 Tagen genannt, die jedoch bei nur 45 Tagen Regierungszeitdifferenz nicht für eine Mumifizierung eingehalten werden konnte. Siegfried Schott vermutet deshalb ein Interregnum von 1 Jahr, 1 Monat und 15 Tagen. Daneben bleibt die Frage, ob bereits der altägyptische Kalender mit dem zugehörigen Wandeljahr in Gebrauch war oder ob sich die Datierungen auf den ebenfalls 365 Tage umfassenden Sothis-Mondkalender beziehen.[23]
Auf dem Palermostein sind zehn Regierungsjahre von König Djer erhalten, inklusive seinem Herrschaftsantritt (dargestellt durch das sogenannte „Krönungsjahr“, in der Abbildung im 3. Fenster von rechts zu erkennen).


| Jahr | Ereignisse |
|---|---|
| Krönungsjahr | 4. Monat, 13. Tag: Vereinigung von Ober- und Unterägypten, Umschreiten der Mauern (von Memphis). Nilfluthöhe: 2,67 m |
| 1. Jahr | Horusgeleit, Begehung des Descher-Fests. Nilfluthöhe: ??? (Angaben beschädigt, daher unsicher) |
| 2. Jahr | Geburt der beiden Königskinder. Nilfluthöhe: 2,17 m |
| 3. Jahr | Horusgeleit, Weihrauch für die Enthauptete(?). Nilfluthöhe: 2,17 m |
| 4. Jahr | Planung der Domäne Semer-Netjeru, Begehung des Sokar-Fest. Nilfluthöhe: 2,67 m |
| 5. Jahr | Horusgeleit, „Geburt“ der Statue der Göttin Iat. Nilfluthöhe: 2,38 m |
| 6. Jahr | Erscheinen des Königs von Unterägypten, „Geburt“ der Statue des Min. Nilfluthöhe: 2,28 m |
| 7. Jahr | Horusgeleit, „Geburt“ der Statue des Anubis. Nilfluthöhe: 2,83 m |
| 8. Jahr | Erste Begehung des Heb-djedet („Fest der Ewigkeit“). Nilfluthöhe: 2,06 m |
| 9. Jahr | Horusgeleit, „Geburt“ (einer Statue)... Nilfluthöhe: ??? (hier verläuft die Bruchkante der Steintafel) |
Toby Wilkinson, Iorwerth Eiddon Stephen Edwards und Marshall Clagett machen besonders auf den 3. Eintrag aufmerksam (in der Abbildung im 6. Fenster von rechts zu sehen). Die dort eingetragenen Zeichen bilden eine schwer zu deutende Aussage. Das Gardiner-Zeichen R6 (ein Weihrauchspender) steht für „Weihrauch“ und „beweihräuchern“, das darunter platzierte Zeichen zeigt einen Kiebitz hinter einem Messer (Gardiner-Sonderzeichen G23C). Es steht gewöhnlich für „Tötung“, „Opferung“ und „Hinrichtung“, aber auch für „Enthauptung“. Verkompliziert wird die Aussage durch das Determinativ einer sitzenden Hofdame, der augenscheinlich Blut aus der Stirn tritt. Wilkinson und Clagett argwöhnen, ob hier vielleicht eine rituelle Inszenierung gefeiert wurde, die an frühere, reale Hinrichtungen bezwungener Staatsfeinde erinnern sollte, besonders an die Enthauptungen des „Kiebitzvolkes“. Die Gelehrten fühlen sich an prädynastische Keulenkopf- und Palettendarstellungen der Könige Skorpion II. und Narmer erinnert, auf denen gehängte Kiebitze und geköpfte Feinde abgebildet sind. Allerdings betonen die Gelehrten ausdrücklich, wie spekulativ die Deutung sei, allein, weil die Ereignisbeschreibung einzigartig ist und eine historische Hinrichtungsszene auf einer öffentlich zur Schau gestellten Annalentafel in den Augen der Menschen der 5. Dynastie rückständig und anstößig hätte wirken können.[24]
Des Weiteren widmen die Gelehrten gesonderte Aufmerksamkeit dem „Descher-Fest“, dessen kultische Natur aufgrund fehlender zeitgenössischer Inschriften obskur bleibt. Descher (geschrieben mit einer Flamingo-Darstellung, Gardiner-Zeichen G27) bedeutet eigentlich „Rot“, Heb-Descher würde also „Rotes Fest“ bedeuten. Ganz ähnlich ist es um die regelmäßig erwähnte Begehung des „Festes der Ewigkeit“ (Heb-djedet) bestellt. Auch dessen kultische Natur bleibt obskur. Toby Wilkinson, Wolfgang Helck und Marshall Clagett erklären diese Obskuriäten damit, dass diese Feste zwar auf frühdynastischen Artefakten belegt sind und somit zu dieser Zeit noch abgehalten wurden, aber seit Beginn des Alten Reiches (etwa ab der 3. Dynastie) wurden sie nicht mehr erwähnt und somit offensichtlich nicht mehr begangen. Über die Gründe kann bestenfalls nur spekuliert werden – vielleicht kamen sie einfach aus der Mode oder wurden in bereits bestehende, „wichtigere“ Feste integriert und mussten deshalb nicht mehr extra erwähnt werden.[24]
Auf dem Kairostein C1 sind neun Regierungsjahre von König Djer erhalten geblieben. Es ist jedoch unbekannt, das wievielte Jahr jeweils genannt wird, weil die ursprüngliche Position des Kairosteins neben seinem Gegenstück, dem Palermostein, ebenfalls unbekannt ist. Sicher ist nur, dass hier die ziemlich genaue Regierungsmitte beschrieben wird, da sich Djers Namensbandarole genau darüber befindet und alle königlichen Bandarolen stets mittig über der Kalenderzeile positioniert wurden.[25]
| Jahr | Ereignisse |
|---|---|
| Namensbanderole | Hor-Djer, König der Doppelkrone, Itj, der Goldene, dessen Mutter Chenet-Hapi |
| 1. Fenster | Horusgeleit; „Geburt“ (Erschaffung) einer Statue des Anubis. Nilfluthöhe: 3,08 m |
| 2. Fenster | Umspannen der Beiden Länder, Begehung des Desher-Fests. Nilfluthöhe: ??? (Angaben beschädigt, daher unsicher) |
| 3. Fenster | Horusgeleit, „Geburt“ einer Statue des Thot. Nilfluthöhe: ??? (Angaben beschädigt, daher unsicher) |
| 4. Fenster | Strecken der Schnur für die Domäne Semer-netjeru, Sokar-Fest. Nilfluthöhe: ??? (Angaben beschädigt, daher unsicher) |
| 5. Fenster | Horusgeleit, Zerschlagung der Setjet. Nilfluthöhe: 2,77 m |
| 6. Fenster | Erscheinen des Königs von Unterägypten, „Geburt“ der Statue des Ha(?). Nilfluthöhe: ??? (Angaben beschädigt, daher unsicher) |
| 7. Fenster | Horusgeleit, „Geburt“ der Statue der Neith. Nilfluthöhe: 1,38 m |
| 8. Fenster | Begehen des Desher-Festes bei Semer-netjeru. Nilfluthöhe: 2,28 m |
| 9. Fenster | Horusgeleit, „Geburt“ der Statue des Anubis. Nilfluthöhe: 1,83 m |
Wilkinson, Edwards und Clagett machen hier auf den Eintrag im 2. Fenster aufmerksam, in welchem ein Fest namens „Umspannen der Beiden Länder“ beschrieben wird. Die kultische Natur dieser Zeremonie bleibt obskur, weil sie zeitgenössisch bislang nicht belegt ist. Sie erinnert Wilkinson jedoch an die Zeremonie „Umschreiten der Mauern zu Memphis“, die fester Bestandteil der Krönungszeremonie war und zuverlässig jeden neuen Kalender des jeweiligen Herrschers auf den Annalensteinfragmenten einleitet. Alternativ vergleicht er den Eintrag mit der Zeremonie „Umspannen der Felder“, die Bestandteil des Sed-Festes war. Clagett hingegen liest „Umfahren der Beiden Seen“, wobei offen bleiben muss, welche „Beiden Seen“ gemeint waren und/oder ob die Bezeichnung „die Beiden Seen“ symbolisch für etwas Anderes steht.[25]
Im 6. Fenster wird die Erschaffung einer Statue zu Ehren eines Wüstengottes genannt. Als Wappen für diese Gottheit wird ein Wüstensymbol (Gardiner-Zeichen N25) auf einer Götterstandarte verwendet. Toby A. H. Wilkinson und Georges Émile Jules Daressy verweisen auf den Prunkkeulenkopf des Königs Skorpion II., auf dem genau dieses Wappen innerhalb einer Standartenprozession erscheint. In den Pyramidentexten der 5. und 6. Dynastie wird das Wüstenwappen explizit dem Gott Ha zugewiesen. Da bislang kein weiterer Wüstengott des Alten Ägypten so dargestellt und signiert wurde, gilt die Lesung des Eintrags im 6. Fenster als „Statue des Ha“ als vorerst gesichert.[25]
Das Grab
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Grab des Königs Djer befindet sich in Umm el-Qaab bei Abydos unter der Bezeichnung Tomb O. Es verfügt über 318 Nebenbegräbnisse[26] für Gefolgsleute und galt in späteren Dynastien als Grab des Totengottes Osiris. Es besteht aus einer Grabkammer mit den Maßen 12 × 13 m, welche damit die größte Grabkammer der 1. Dynastie ist. Etwa 1,5 km nördlich der Königsgräber von Abydos wurde ein Talbezirk aus dieser Epoche ausgegraben, der wohl als Kultanlage zum Grab gehörte.
Wie schon bei Menes ordnete man früher auch Djer zwei Gräber zu: das oben erwähnte Grab O in Abydos und das Grab Nr. 3471 in Sakkara. Die Forschung tendiert jedoch gerade in den letzten Jahren stark dazu, in Sakkara die Grabanlagen hoher Beamter zu sehen.[27] Im Grabbezirk wurde eine Stele des Djer gefunden. Sie ist die bislang früheste Grabstele dieser Art. Ein besonderer Fund ist ein Feuerstein-Messer mit vergoldetem Griff, auf dem der Name des Djer eingraviert ist.[28] Im letzten Jahrhundert wurde eine Basaltplastik entdeckt (die unter dem Namen „Osirisbett“ bekannt ist). Die Plastik wurde zunächst in die 25./26., später in die 13. Dynastie datiert,[29] also ca. tausend Jahre nach dem Tod des Königs Djer. Sie ist heute im Ägyptischen Museum in Kairo zu sehen.
- Messerklinge aus Feuerstein mit vergoldetem Griff aus Djers Grab
- Siegelabdruck mit den Namen des Djer
- Elfenbeintäfelchen des Djer mit Sopdet als „Jahresöffner“.
- Armband des Djer, gefunden an einem mit Leinen eingebundenen Unterarm einer weiblichen Mumie der Königsfamilie
Daneben fanden Archäologen in Djers Grabanlage die sogenannte Opferplakette des Djer, auf der zu sehen ist, wie ein Gefangener rituell getötet wird. In einem darunter folgenden Register werden dem – offenbar verstorbenen – König mehrere Totems dargereicht: Eine Himmelsleiter, eine mumiengestaltige Kultstatue, ein Nar-Wels, eine Pelikan-Statuette und ein königlicher Speer. Im dritten Register werden weitere Totems überreicht, darauf folgt die Meldung, dass zwei Prinzessinnen verstorben seien. Deren Namen sind zwar eingetragen, aber derart unleserlich, dass es diesbezüglich zu heftigen Kontroversen innerhalb der Ägyptologie gekommen ist.[30]
Außerdem ist auf einer in der Grabanlage gefundenen Plakette die bislang älteste ikonografische Darstellung von Sopdet als „Jahresgöttin“ erhalten, die im Falle des Djer mit der Jahreshieroglyphe über dem Achet-Determinativ ruht. Die Abbildung führte Ägyptologen zu der Annahme, dass spätestens unter Djer ein Jahreskalender eingeführt wurde.[13] Richard Anthony Parker hält es für möglich, dass ein auf Sirius basierender Sothis-Mondkalender schon länger in Gebrauch war. Christian Leitz vermutet daher, dass der altägyptische Verwaltungskalender zwei Jahrhunderte später mit Sopdet als Jahresanfangsgöttin auf Grundlage eines älteren Kalendersystems erstmals Anwendung fand.
Flinders Petrie entdeckte bei der Untersuchung des Grabes im Jahr 1901 den Arm einer Mumie, mit Armbändern aus Gold und Halbedelsteinen; er vermutete, dass ein antiker Grabräuber überrascht wurde und seine Beute in einem Erdspalt versteckte. Der Schmuck befindet sich heute im Museum von Kairo, während die Mumienreste leider ohne Untersuchung blieben und mittlerweile abhandengekommen sind.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1984, ISBN 3-422-00832-2.
- Günter Dreyer: Ein Siegel der frühzeitlichen Königsnekropole von Abydos. In: MDAIK. Nr. 43, 1987, S. 33–43.
- Martin von Falck, Susanne Martinssen-von Falck: Die großen Pharaonen. Von der Frühzeit bis zum Mittleren Reich. Marix, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-7374-0976-6, S. 37–42.
- Henri Gauthier: Le livre des rois d’Égypte: Recueil de titres et protocoles royaux, noms propres de rois, reines, princes et princesses, noms de pyramides et de temples solaires, suivi d’un index alphabétique. Band 1: Des origines à la fin de la XIIe dynastie [Deutsch: Von den Anfängen bis zum Ende der XII. Dynastie] (= Mémoires de l’Institut Français d’Archéologique Orientale. Band 17, S. 55f). Imprimerie de l’Institut francais d’archéologie orientale, Kairo 1907 (Volltext online).
- Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. In: Ägyptologische Abhandlungen. (ÄA) Band 45, Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.
- Dilwyn Jones: An Index of ancient Egyptian titles, epithets and phrases of the Old Kingdom. Archaeopress, Oxford 2000, ISBN 1-84171-069-5.
- Jochem Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden / Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 94–115 (Online).
- Werner Kaiser: Zu den Königsgräbern der 1. Dynastie in Umm el-Qaab. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Nr. 37, von Zabern, Mainz 1981, S. 247–254.
- Werner Kaiser: Zum Siegel mit frühen Konigsnamen von Umm el-Qaab. In: MDAIK. Nr. 43, 1987, S. 115–119.
- Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Harrassowitz, Wiesbaden 1963.
- Peter Kaplony: Djer. In: Lexikon der Ägyptologie. Band I, Harrassowitz, Wiesbaden 1975, ISBN 3-447-01670-1.
- Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
- Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 30). 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, von Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-1142-7.
- Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt: The Palermostone and its associated Fragments. Kegan Paul International, London 2000, ISBN 1-136-60247-X.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 115.
- 1 2 3 4 5 Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2000, S. 186.
- ↑ Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 126.
- ↑ Wolfgang Helck: Der Name des letzten Königs der 3. Dynastie und die Stadt Ehnas. In: Studien zu Altägyptischen Kultur. Nr. 4, Buske, Hamburg 1976, ISSN 0340-2215, S. 125–128.
- ↑ Walter B. Emery: Ägypten. London (UK) 1999, Seite 19.
- 1 2 Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London / New York 1999, ISBN 0-415-18633-1, S. 71–73.
- ↑ Günter Dreyer: Umm el-Qaab: Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof. 3./4. Vorbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo (MDAIK) 46. Ausgabe, von Zabern, Mainz 1990, S. 71–74.
- ↑ Joachim Willeitner: Die erste Frau auf dem Pharaonenthron. In: Spektrum der Wissenschaft. Internet-Artikel vom 16. März 2016 (Deusch).
- ↑ Toby Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 70 & 291.
- ↑ Silke Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie. Wiesbaden 2001, S. 31–33.
- ↑ Walter Bryan Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200-2800 v. Chr. Fourier, Wiesbaden 1964, ISBN 3-921695-39-2, S. 53–58.
- ↑ Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4, S. 119 & 154.
- 1 2 3 4 Nicolas Grimal: A History of Ancient Egypt. Oxford University Press, Oxford 1998, ISBN 0-631-19396-0, S. 50–53.
- ↑ Pierre Tallet: Une inscription du roi Djer au Sud-Sinaï: la première phrase écrite en hiéroglyphes? In: Abgadeyat. Band 8, 2013, S. 121–126 (Online).
- ↑ Peter Kaplony: New fragments from Tomb Z at Abydos. In: MDAIK. Band 56, Ausgabe 2000, S. 10.
- ↑ Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 124.
- ↑ Dieter Arnold, Nigel Strudwick, Sabine H. Gardiner: The Encyclopaedia of Ancient Egypt Architecture. Tauris, London u. a. 2003, ISBN 1-86064-465-1, S. 71.
- ↑ Dilwyn Jones: An Index of ancient Egyptian titles, epithets and phrases of the Old Kingdom. Band 2, Nr. 2209.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 124 & 146 ff.
- ↑ P. Talle, D. Laisnay: Iry-Hor et Narmer au Sud-Sinaï (Ouadi 'Ameyra), un complément à la chronologie des expéditios minière égyptiene. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie Orientale. (BIFAO) Band 112, 2012, S. 387–389, Figur 11.
- ↑ Der 22. Peret IV ergibt sich in einem Normaljahr; in einem Schaltjahr wäre es der 21/22. Schemu I.
- ↑ 7. Peret III bis 22. Peret IV; in einem Schaltjahr ergeben sich bis zum 21./22. Schemu I 74 oder 75 Differenztage.
- ↑ Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. In: Akadermie der Wissenschaften und der Literatur (Hrsg.): Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse. Nr. 10. Mainz 27. Oktober 1950, S. 54.
- 1 2 Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2000, S. 91–101.
- 1 2 3 Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2000, S. 186–196.
- ↑ Thomas Kühn: Die Königsgräber der 1. & 2. Dynastie in Abydos. In: Kemet. Heft 1, 2008.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 11–12.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 72 ff.
- ↑ Kairo, Journal d’Entrée number, Egyptian Museum. (JdE) 32090; A. Leahy: The Osiris ‘Bed’ Reconsidered. In: Orientalia. Band 46, 1977, S. 424–434.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 266 & 267ff.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Teti I. | König von Ägypten 1. Dynastie | Wadji |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Djer |
| ALTERNATIVNAMEN | Hor Djer; Iteti; Kenkenes; Athothis; Djer |
| KURZBESCHREIBUNG | 3. altägyptischer König der 1. Dynastie |
| GEBURTSDATUM | 30. Jahrhundert v. Chr. |
| STERBEDATUM | 30. Jahrhundert v. Chr. |