Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

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Denkmalgeschützte Barackensiedlung von 1943 für Zwangsarbeiter
Baracken des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit
Innenansicht Baracke 13

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit befindet sich im Berliner Ortsteil Niederschöneweide im Bezirk Treptow-Köpenick. Es dokumentiert das Schicksal der Zwangsarbeiter in der Zeit des Nationalsozialismus und ist das einzige seiner Art in Deutschland.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das rund 32.000 m² große Gelände zwischen der Britzer, Köllnischen und Rudower Straße gehörte zum größten Teil der Deutschen Reichsbahn. Es war mit Kiefern bewachsen und diente den Anwohnern als Naherholungsgebiet. Ein weitaus kleineres Stück, rund 1.000 m² befand sich im Besitz der beiden jüdischen Brüder Kurt und Willy Mannheimer. 1939 sollte auf dem Areal zunächst ein Heim der Hitlerjugend entstehen. Auf Grund der dichten angrenzenden Wohnbebauung nahm man jedoch von dieser Überlegung wieder Abstand. Im Juli 1939 plante die GEHAG den Bau von Zweiraumwohnungen, doch auch dieser Plan wurde trotz einer Freigabe des Bauplatzes nicht umgesetzt. Stattdessen enteignete man die Brüder Mannheimer und deren Eckgrundstück an der Britzer/Köllnischen Straße gelangte im Juni 1942 an die Vermögensverwaltung des Landes. Durch die fortschreitenden Kriegshandlungen gab es nun andere Pläne für das Waldstück. 1943 begannen die Planungen für den Bau eines Wohnlagers. Es sollte aus 13 symmetrisch angelegten Steinbaracken bestehen und Platz für über 2000 ausländische Zwangsarbeiter bieten. Durch den dichten Baumbewuchs, von denen einige Kiefern heute noch erhalten sind, erhoffte man sich einen gewissen Schutz gegen Luftangriffe. Außerdem wurden die Baracken aus Stein und nicht wie zuvor üblich aus Holz hergestellt. Einige erhielten einen Luftschutzbunker, obwohl dies nach den geltenden Richtlinien nicht zulässig war.[2] Geplant wurde es unter der Bezeichnung ‚Lager 75/76‘ vom Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, Titel Albert Speers und einer ihm unterstellten Behörde. Die Bezeichnung 75/76 zeigt an, dass es streng genommen zwei Lagerbauten sind, die über das mittlere Versorgungsgebäude miteinander verbunden waren. Architekt war Hans Freese, seinerzeit Ordinarius an der Technischen Hochschule in Charlottenburg und später Rektor der Technischen Universität Berlin.[3][4]

In sechs Baracken des ‚Italienerlagers‘ lebten neben rund 500 italienischen Militärinternierten und Zivilarbeitern vermutlich auch Zwangsarbeiter aus Osteuropa. In der anderen Hälfte des Doppellagers dienten zwei Baracken zeitweise als KZ-Außenlager für weibliche Häftlinge, die bei der Batteriefabrik Pertrix (VARTA) arbeiten mussten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lagerareal kurzzeitig von der Roten Armee benutzt, später zog 1946 unter anderem ein Seruminstitut der DDR in den westlichen Bereich an der Britzer Straße ein. Eine Baracke wurde abgerissen, weitere wurden unterschiedlichen Zwecken zugeführt. Nach der Wende brachen große Teile der umliegenden Industrieunternehmen zusammen und wurden abgewickelt. Dadurch stellte sich für den Bezirk die Frage, wie das Gebiet künftig angesichts der fortschreitenden Deindustrialisierung städtebaulich entwickelt werden sollte. 1993 wurde bei sanierungsvorbereitenden Untersuchungen ermittelt, dass sich in Niederschöneweide die weitgehend erhaltenen Überreste eines Zwangsarbeiterlagers aus der NS-Zeit befinden. 1995 fand eine erste Open-Air-Ausstellung auf dem Gelände statt. Verschiedene Initiativen und Einzelpersonen setzten sich seitdem für die Errichtung eines Dokumentations- und Gedenkortes ein. Seit 2004 sind sie im Förderverein Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zusammengeschlossen. Im Jahr 2014 befinden sich in der östlichen Lagerhälfte an der Köllnischen Straße unter anderem ein Physiotherapie mit Sauna, eine Kita und ein Kegelverein.

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Juli 2001 war die Anlage mit einer Gedenktafel markiert. Als letztes von rund 3000 Berliner Zwangsarbeiter-Unterkünften steht das gesamte 3,3 Hektar große Ensemble seit 1995 unter Denkmalschutz.

Seit April 2005 betreut die Stiftung Topographie des Terrors das Projekt. Im Rahmen des Gedenkstättenkonzepts wurden sechs der heute noch elf vorhandenen Baracken baulich gesichert. Zwei davon wurden als Vortrags-, Ausstellungs- und Seminarräume sowie als Bibliothek und Archiv ausgebaut. Die Schlüsselübergabe für das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide am 24. August 2006 war der Beginn für eine kontinuierliche und intensive Aufbereitung und Darstellung von Fakten zum Thema Zwangsarbeit an diesem authentischen Ort. Neben wechselnden Ausstellungen finden in den Räumlichkeiten seitdem unter anderem Vorträge, Lesungen und Zeitzeugengespräche statt. Die Forschungsstelle leitet die Historikerin Christine Glauning.

Am 30. August 2010 wurde die sogenannte ‚Baracke 13‘ der Öffentlichkeit übergeben. Sie markiert den östlichen Rand des Lagergeländes. Sie wurde als eines der ersten Gebäude errichtet. In ihr sind insbesondere im Luftschutzbunker noch viele Originalspuren, u. a. Inschriften früherer Insassen, erhalten. Von außen ist teilweise noch der grüne Tarnanstrich sichtbar. Die unverputzten Mauersteine, der Wasch- sowie der Toilettenraum sind ebenfalls noch im Original erhalten geblieben. In einem der Räume befindet sich der Waschbrunnen aus Baracke 4. Die Einrichtung aus Holz ist nicht mehr vorhanden. Zeitzeugen zufolge bestand sie aus neun Etagenbetten, neun Doppelschränken, einem Tisch, einigen Gartenstühlen, einem Gusseisenofen sowie einem Eimer. Als Beleuchtung diente eine spärliche Glühlampe. Diese Baracke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Materiallager sowie für unterschiedliche Werkstätten genutzt. Zeitweilig unterhielt der VEB Kühlautomat Berlin dort eine Ausbildungswerkstatt. Seit 2003 lagerten dort Antiquitäten und Baustoffe. Im Erdgeschoss riss man zwar einige Trennwände heraus, diese wurden jedoch bei der Instandsetzung wieder eingezogen. Spalte zwischen der Trennwand und dem ursprünglichen Gebäude zeigen, dass es sich nicht um die originalen Wände handelt. Als behutsam, unter Beachtung denkmalpflegerischer Anforderungen instandgesetztes Architekturzeugnis ergänzt sie den pädagogischen und gesellschaftspolitischen Auftrag des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit. Die Eröffnung fand unter Teilnahme diplomatischer Vertreter Italiens und Polens sowie eines ehemaligen polnischen Zwangsarbeiters, der 1944/1945 in der nahe gelegenen S-Bahn-Hauptwerkstatt arbeiten musste, statt.

Dauerausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Mai 2013 wurde in der Baracke Nr. 2 auf 600 m² eine Dauerausstellung eröffnet. Die Vorbereitungen dauerten drei Jahre, in denen insgesamt 1,5 Millionen Euro aufgewendet wurden. Hinter dem Eingangsbereich befinden sich insgesamt sechs Abschnitte, die – im Uhrzeigersinn betrachtet – die Geschichte der Zwangsarbeit von ihren Anfängen bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beschreiben.

Auftakt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausstellung Alltag Zwangsarbeit 1938–1945 beginnt mit dem Abschnitt Auftakt. Unter den Stichworten Massenphänomen, Allgegenwart und Rassismus zeigen am Fußboden aufgereihte Quader Fotografien aus dem Deutschen Reich von Zwangsarbeitern in alltäglichen Situationen. Deutlich wird, dass Zwangsarbeit allgegenwärtig und nicht auf bestimmte Regionen im Deutschen Reich beschränkt war. Die Zwangsarbeiter mussten Identifikationsmerkmale tragen, um den Kontakt zu Einheimischen auf das Notwendige zu beschränken. Zu den drei Stichworten wird je ein Kurzfilm gezeigt.[5]

Kapitel 1: Ein Eckpfeiler des NS-Staates. Logik und Logistik der Zwangsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Kapitel beschreibt den Beginn der Rekrutierung der Zwangsarbeiter. Zunächst waren es Sozialämter, die vornehmlich deutsche Staatsangehörige zur Arbeit in ihrer Gemeinde heranzogen. Dazu gehörten Personen, die als „asozial“ galten, aber auch Sinti und Roma sowie deutsche Juden. Später warb man – wenn auch mit mäßigem Erfolg – Arbeiter in ganz Europa an. Die Ausstellung zeigt beispielsweise Werbeplakate, mit denen seinerzeit für die Arbeit geworben wurde. Ab 1942 wurden unter der Leitung von Fritz Sauckel gezielt Menschen ins Gebiet des Deutschen Reiches verschleppt. Sie wurden nach ihrer Herkunft klassifiziert; Unternehmen entwickelten zum Teil eigene Erkennungsmarken, wie beispielsweise die dreiecksförmigen Marken der Deutschen Lufthansa, die in einem Schaukasten gezeigt werden. An diese schließt sich eine Projektionsfläche an, auf der die Herkunft der Zwangsarbeiter animiert dargestellt wird.[6]

Kapitel 2: 44 Mark für Deutsche, 5 Mark für Russen. Die Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im zweiten Kapitel stehen die Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter im Mittelpunkt. Während ein deutscher Zwangsarbeiter 44 Reichsmark erhielt, mussten sich Arbeiter anderer Nationalitäten mit einem deutlich geringeren Lohn zufriedengeben. Nach der Ausweitung des Krieges war die Wirtschaft immer stärker auf Zwangsarbeiter angewiesen. Gleichzeitig stieg in den Betrieben die Sorge vor Sabotage, woraufhin der Druck auf die Arbeiter erhöht wurde. Gezeigt werden Produkte, die von Zwangsarbeitern hergestellt wurden, beispielsweise eine Elektronenröhre oder ein Flugzeugmotor Argus As 10, einer abgestürzten Maschine, dessen verwertbare Teile von den Arbeitern wiedergewonnen werden mussten. Eine weitere Projektionsfläche verdeutlicht die unterschiedliche Entlohnung der Arbeiter.[7]

Kapitel 3: Am Feierabend nichts zu feiern. Die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im gegenüberliegenden Trakt zeigt das Kapitel 3 den Alltag der Zwangsarbeiter. Häufig waren sie direkt beim Arbeitgeber untergebracht, teilweise in Privathaushalten. Da von dem geringen Lohn Abzüge für Essen und Unterkunft abgezogen wurden, blieb kaum Geld zur freien Verfügung übrig; kranke Arbeiter erhielten keinerlei Zahlungen. Gezeigt wird, wie die Zwangsarbeiter unter diesen schwierigen Umständen dennoch versuchten, mit ihren Angehörigen im Kontakt zu bleiben. Die Ausstellung macht auch deutlich, welche Sanktionen den Zwangsarbeitern drohten, wenn etwa Frauen Kontakt zu deutschen Männern suchten. An der Stirnseite der Baracke ist eine schematische Karte von Berlin zu sehen, auf der die zurzeit bekannten Lager eingezeichnet sind.[8]

Kapitel 4: Wer leben will riskiert das Leben. Disziplinierung durch Terror[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nun folgende Kapitel beginnt mit einer Projektion, welche die verbotene Liebesbeziehung eines Paars und dessen Folgen zeigt. Weitere Exponate verdeutlichen, dass Unternehmen die Zwangsarbeiter bevorzugt auf dem eigenen Werksgelände zu disziplinieren versuchten, damit diese nicht in andere Betriebe abgezogen werden. Ein auffälliges Exponat ist beispielsweise eine Arrestzellentür der Fritz-Werner-AG, die zu diesem Zweck eigene Arrestzellen auf dem Werksgelände einrichteten. Doch auch für Bagatelldelikte konnte man hart bestraft werden – sei es durch eine öffentliche Zurschaustellung oder, zum Beispiel im Fall von Plünderungen, mit dem Tod.[9]

Kapitel 5: Zu Ende aber nicht vorbei. Der Umgang mit der NS-Zwangsarbeit nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das letzte reguläre Kapitel der Ausstellung befasst sich mit dem Umgang der NS-Zwangsarbeit nach dem Krieg. Viele Zwangsarbeiter wurden in ihrer Heimat als Kollaborateure verunglimpft; Entschädigungszahlungen wurden mit dem Hinweis verweigert, dass Zwangsarbeit ein Teil des Krieges sei. Zwangsarbeiter galten als „vergessene Opfer“, deren Schicksal erst in den 1980er Jahren wieder in das Blickfeld der Öffentlichkeit gelangte. Hierzu zählt auch die Aufarbeitung auf dem Gelände in Niederschöneweide.[10]

Ausklang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im letzten Raum befinden sich mehrere Computerarbeitsplätze, auf denen man beispielsweise die genauen Orte und Verwendungszwecke der Arbeitslager in Berlin recherchieren kann. Auf dieser Grundlage entstand die Karte Berlins aus dem dritten Kapitel. An einer Wand befindet sich das vierteilige Kunstwerk untitled (Lager) der deutschen Künstlerin Susanne Kriemann. Sie nähert sich dem Thema auf insgesamt vier Paneelen. Das erste zeigt Luftaufnahmen noch erhaltener Lagerbaracken in Bochum, Erlangen, München und anderen Städten. Es folgt ein weiteres Paneel mit Standorten von Firmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten. Das dritte Paneel zeigt die Ansicht heutiger Orte ehemaliger Zwangsarbeiterunterkünfte in Erlangen. Auf dem vierten und letzten Paneel sind Kosmetikartikel zu sehen. Sie stammen von Unternehmen, die zur NS-Zeit Zwangsarbeiter beschäftigten. Zwar sind die Verkaufsverpackungen unbeschriftet, dennoch kann der Betrachter anhand der Form bzw. Aufmachung erkennen, um welche Firmen es sich handelt. Durch diese vierteilige Annäherung kommt der Betrachter dem Thema kontinuierlich näher. Zunächst aus der Vogelperspektive gelangt das Thema Zwangsarbeit schließlich auf die Haut des Betrachters.

Mittelgang mit Biografien und Lagermodell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zentralen Achse des Gebäudes sind insgesamt 17 dreieckige Stelen aufgebaut. Auf ihnen ist jeweils das Schicksal eines Zwangsarbeiters abgebildet. Die Auswahl soll dabei nach Möglichkeit das große Spektrum der Personen zeigen, die Zwangsarbeit leisten mussten. Drei der Personen waren im Lager in Niederschöneweide interniert. Zu jeder Person beschreibt die Stele in groben Zügen den Lebenslauf, ergänzt durch persönliche Ausstellungsstücke wie etwa Briefe an Angehörige, Zeichnungen aus dem Lager oder Videointerviews, die mit den wenigen Überlebenden geführt wurden, die man bislang ausfindig machen konnte. Auf der gegenüberliegenden Seite der Sichtachse wurden 16 rechteckige Säulen aufgestellt. Sie zeigen Personen, die auf die unterschiedlichste Art und Weise – als Profiteur, Zuschauer oder Täter – mit dem Lager in Kontakt kamen, etwa ein dort behandelnder Arzt, der Architekt Freese oder ein Anwohner, der den Insassen Lebensmittel zukommen ließ. An die Stelen schließt sich eine Videoinstallation mit einem Modell des Lagers an. Dort werden dem Besucher die einzelnen Gebäudebereiche und deren Funktion vorgestellt, etwa der Baracke 13.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Batterien für die Wehrmacht. Zwangsarbeit bei Pertrix 1939–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pertrix, eine Tochterfirma der zum Quandt-Konzern gehörenden AFA (Akkumulatorenfabrik AG) stellte Trockenbatterien und Taschenlampen für die Wehrmacht her und lieferte Zünderbatterien für Kampfflugzeuge an die Luftwaffe. Batterien waren ein zentrales Produkt der Kriegsindustrie und eine der wichtigsten Einnahmequellen des Quandt-Konzerns. Im Laufe des Krieges beschäftigte die Pertrix alle Zwangsarbeitergruppen: Berliner Juden im „geschlossenen Arbeitseinsatz“, Kriegsgefangene und italienische Militärinternierte, westeuropäische Zivilarbeiter, Ostarbeiter, Polen, KZ-Häftlinge. Nach der Dokumentenlage waren rund 2000 Personen aus 16 Nationen bei Pertrix eingesetzt[11], die meisten von ihnen waren Frauen, In der Ausstellung wird die Rolle der Firma in der deutschen Rüstungsindustrie und innerhalb des Konzerns beleuchtet. Anhand von Originalobjekten und Zeitzeugeninterviews wird von der gefährlichen Arbeit in der Batteriefabrik berichtet.

Die Ausstellung befindet sich in Baracke 5 und wird bis zum 20. November 2016 zu sehen sein.

Zwangsarbeit in Berlin 1938–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

24. August 2006 - 3. Mai 2007 und seit 11. Juni 2009 - 5. Mai 2013

Eine Ausstellung der Berliner Regionalmuseen

Wer waren die Menschen, die in Berlin Zwangsarbeit leisten mussten, woher kamen sie und unter welchen Bedingungen mussten sie leben und arbeiten? Wer waren die Profiteure und wer organisierte und verwaltete den Zwangsarbeitseinsatz? Wie war das Nachkriegsschicksal der Überlebenden? Welche Spuren hinterließ der massenhafte Zwangsarbeitseinsatz im Berliner Stadtraum und in der Erinnerung der Berliner Bevölkerung? Diesen und anderen Fragen geht diese Ausstellung nach, die auf der Grundlage der regionalen Forschungen von elf Regionalmuseen und Einrichtungen 2002 erarbeitet wurde. 2005 ist diese Ausstellung aus aktuellem Anlass erweitert worden um das Thema Zwangsarbeit in den berlin-brandenburgischen Betrieben des Flick-Konzerns.

Bausteine. Geschichte und Perspektiven des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

24. August 2006 - 27. Januar 2013

Die Ausstellung „Bausteine“ informiert über die Geschichte des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in Berlin-Schöneweide von 1943 bis 1945, das heute noch als Gesamtensemble einzigartig ist. Gebaut vom „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ Albert Speer war es eine von rund 3.000 Sammelunterkünften für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Berlin. Hier waren italienische Militärinternierte und Zivilarbeiter, weibliche KZ-Häftlinge sowie Zivilarbeiter aus verschiedenen europäischen Nationen untergebracht. Sie mussten in einem der zahlreichen Betriebe des Rüstungszentrums Schöneweide arbeiten. Die Ausstellung dokumentiert zudem die Entstehungsgeschichte des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, das erst durch langjähriges bürgerschaftliches Engagement möglich war, und seine Aufgaben als Ausstellungs-, Archiv- und Lernort. Zu sehen sind Fotografien, Dokumente, Pläne und Originalobjekte

Zwangsarbeit und Arisierung. Warnecke & Böhm - Ein Beispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

27. September 2011 - 27. Januar 2013

Die Firma Warnecke & Böhm – Fabriken für Lacke und Farben hatte ihren Firmensitz in der Goethestraße im Berliner Stadtbezirk Weißensee. Bis 1945 wurde Warnecke & Böhm zu einem der führenden Lieferanten von Schutzanstrichen für die Rüstungsindustrie des Deutschen Reiches. Die Firma beschäftigte zwischen 1939 und 1945 eine große Anzahl von Zwangsarbeitern, darunter in Berlin lebende Juden und ausländische Zivilarbeiter. Zur Geschichte der Zwangsarbeit von Juden bei Warnecke & Böhm gehört auch die „Arisierung“ des Unternehmens und damit das Herausdrängens des Mitinhabers Heinrich Richard Brinn nach 1933. Er wird später in Berlin zur Zwangsarbeit verpflichtet, deportiert und ermordet.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Personalakten ehemaliger jüdischer Zwangsarbeiter bei Warnecke & Böhm. Dieser Aktenbestand umfasst insgesamt 352 Akten, die seit 1991 im Archiv der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum in Kopie überliefert sind. Erst im Zuge der Ausstellungsvorbereitung ist es gelungen, die bis dahin verschollen geglaubten Originalakten aufzuspüren. Die Personalakten dokumentieren, wie der „Geschlossene Arbeitseinsatz“ jüdischer Zwangsarbeiter durch eine Anzahl behördlicher sowie innerbetrieblicher Stellen im Sinne „ordnungsgemäßen Verwaltungshandelns“ organisiert war. Sie erhalten Stellenzuweisungen, Personalbogen, An- und Abmeldungen bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Firmenausweise, Stempelkarten, Lohn- und Steuerabrechnungen, Arbeitsunfall-Protokolle, Krankenatteste, Urlaubsgesuche, Freistellungsanträge, aber auch Beschwerden, Einsprüche und Forderungen von Zwangsarbeitern. Angesichts dieses bürokratisch durchorganisierten Systems von Entrechtungen, Drangsalierungen, gesundheitlichen Gefährdungen bis hin zu offener Gewalt, dokumentieren die Personalakten auch das Bemühen, den Mut und die Kraft jüdischer Zwangsarbeiter, gegen die Behandlung bei Warnecke & Böhm Einspruch zu erheben und sich insbesondere für den Ermessensspielraum, den die Firma besaß, zu ihren Gunsten einzusetzen.

61 jüdische Zwangsarbeiter der Firma Warnecke & Böhm haben die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur überlebt. Die anderen – 306 Menschen – wurden in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet.

Frau Zhuk und ihre Enkelin - Fotoausstellung von Roland Stelter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

21. September 2010 - 13. November 2011

Die Fotoausstellung wurde von forum bmp und anderen privaten und öffentlichen Förderern ermöglicht.

Maria Zhuk Geb. 1924 im Dorf Begatsch/Ukraine. 1932/33 Golodomor Hungerperiode. 1937 Zwangskollektivierung. 1939-41 Vater im Gulag. 1942 als Zwangsarbeiterin nach Deutschland. 1943 KZ Ravensbrück, 1944 KZ Sachsenhausen, Waffenfabrik Silvia. 1945 Rückkehr. Mutter im Bombardement getötet, Vater 1945 Selbstmord. Zweite Hungerperiode. Volksfeindin, Überwachung durch den NKWD/KGB. 1947 Heirat. Der Mann sieben Jahr zur Armee, stirbt 1995. 1948 Geburt des ersten von vier Kindern. Veröffentlichung verschiedener Erinnerungen in sowjetischen und ukrainischen Zeitungen.

Yanina Lazarenko Geboren 1976 in Chernigow. 1995 Model in Kiew. 1997 Studium am Institut für Internationale Beziehungen. 1999–2001 mehrfach längere Zeit in Westeuropa. 2002-03 Moskau. 2005 Leben auf der Krim unter freiem Himmel. 2006-07 Projektmanagerin in Moskau für Elle, Psychology und Departures. 2008 Geburt der Tochter. 2009-10 alleinstehende Mutter in Kiew.

Vergessen. Verdrängt. Versöhnt. Orte der NS-Zwangsarbeit in der Region Dahme-Spreewald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

18. Juni 2010 - 11. September 2011

Eine Ausstellung des Vereins Kulturlandschaft Dahme-Spreewald

Auch in der Region Dahme-Spreewald war die Zwangsarbeit Teil einer gewaltigen Rüstungsmaschinerie, die nur so lange funktionieren konnte, wie hier Tausende ausländischer Zwangsarbeiter eingesetzt waren. In Schönefeld wurden Flugzeuge gebaut, in Wildau Lokomotiven und Torpedos, in der Heeresmunitionsanstalt Nr. 6 in Töpchin die dafür notwendige Munition erzeugt. Die Zwangsarbeiter waren in der mittelständischen Industrie wie auch in städtischen Dienstleistungsbetrieben und privaten Haushalten eingesetzt. Ein besonderer Abschnitt der Ausstellung widmet sich der Zwangsarbeit der jüdischen Häftlinge im KZ-Außenlager Königs Wusterhausen.

Riss durchs Leben. Erinnerungen ukrainischer Zwangsarbeiterinnen im Rheinland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

11. Juni 2009 - 6. Juni 2010

Eine Ausstellung des Landschaftsverbandes Rheinland-Pfalz

Im Anschluss an ein Besuchsprogramm des Landschaftsverbandes Rheinland im März 2006 für ehemalige Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine ergab sich die Möglichkeit, ein weiteres Projekt auf den Weg zu bringen. Viele der Überlebenden waren nicht mehr reisefähig, aber an einer Kontaktaufnahme sehr interessiert. Das Projekt ermöglichte es, zu ihnen zu reisen, ihre Lebensgeschichten aufzuzeichnen und in einer Wanderausstellung nebst begleitender Publikation und CD-ROM zu dokumentieren. Die Zwangsarbeiterinnen, die in der Ukraine besucht werden konnten, waren als „Ostarbeiterinnen“ Patientinnen in der damaligen Landesfrauenklinik und Hebammenlehranstalt Wuppertal Elberfeld. Vorgestellt werden zehn Lebensgeschichten, die ganz individuelle Schicksale widerspiegeln. Die meisten von ihnen haben die Geburt ihres ersten Kindes unter den Bedingungen der Zwangsarbeit durchmachen müssen, zwei sind Töchter von Zwangsarbeiterinnen, die in Wuppertal zur Welt kamen.

Im Totaleinsatz. Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung für das Dritte Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

29. Mai 2008 - 31. Mai 2009

Die Ausstellung thematisiert im Kontext der NS-Besatzungspolitik die allmähliche Entwicklung der NS-Zwangsarbeit im „Protektorat Böhmen und Mähren“. Sie zeigt die Mobilisierung der tschechischen Bevölkerung bis zur Zwangsrekrutierung ganzer Jahrgänge. Die Ausstellung dokumentiert den Arbeitseinsatz und die Lebensbedingungen der tschechischen Zwangsarbeiter sowie das System von Arbeit und Strafe in den Arbeitserziehungslagern. Auch die Sklavenarbeit der KZ-Häftlinge sowie die spezifische Situation der tschechischen Juden und Roma werden ausführlich dargestellt. Zu sehen sind rund 250 vor allem persönliche Dokumente und Fotografien, die zum Teil erstmals in Deutschland gezeigt werden. Besonders hervorzuheben sind die einzigartigen Bilder des tschechischen Fotografen Zdeněk Tmej aus den Jahren seiner Zwangsarbeit 1942–1944. Ein Ausstellungskapitel ist speziell der Zwangsarbeit der Tschechen in Berlin gewidmet. Ein Film mit Ausschnitten aus Interviews mit Überlebenden und thematische Erinnerungshefte ergänzen diese Zeugnisse.

Die Ausstellung kann über den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond ausgeliehen werden.

Bosch-Konzern. Zwangsarbeit für eine Rüstungsfabrik in Kleinmachnow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

31. Januar – 18. Mai 2008

Die Dreilinden-Maschinenbau GmbH Kleinmachnow, eine Tochtergesellschaft des Bosch-Konzerns, setzte während des Zweiten Weltkrieges über 2500 zivile Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, Kriegsgefangene sowie KZ-Häftlinge unterschiedlicher Nationalität ein. Die von Angela Martin für das Dokumentationszentrum überarbeitete und von Hanna Sjöberg gestaltete Ausstellung dokumentiert mit zahlreichen Fotografien, Dokumenten, Plänen sowie originalen Exponaten die Entstehungsgeschichte des Unternehmens und den Zwangsarbeitseinsatz. Auf Lesepulten findet sich vertiefendes Material. Zitate aus Interviews mit Überlebenden bilden einen eigenen Erzählstrang aus der Perspektive der Opfer.

Erinnerung bewahren. Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

8. Mai 2007 - 20. Januar 2008

Thema dieser Ausstellung ist die Geschichte der 2,8 bis 3 Millionen polnischen Männer, Frauen und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges zur Arbeit in der deutschen Kriegs- und Landwirtschaft gezwungen wurden. Schautafeln mit Fotos und Dokumenten, Originalobjekten, Biographien sowie ein Film verdeutlichen das Schicksal dieser Menschen.

Die polnische Fassung der Ausstellung wurde von der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ Warschau erarbeitet und seit 2005 in verschiedenen polnischen Städten gezeigt. In Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit entstand eine aktualisierte deutsche Fassung, die an weiteren Standorten in Deutschland zu sehen ist. Sie kann über die Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung ausgeliehen werden.

Führungen und Seminare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei, auf Anfrage finden kostenlose Führungen und Seminare – auch für Schulklassen – statt. Öffentliche Führungen ohne Anmeldung werden an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat um 15 Uhr angeboten.[12] Die Baracke 13 ist nur im Rahmen von einer Führung, sowie ganztägig am Internationalen Museumstag und am Tag des offenen Denkmals zugänglich. Eine Bibliothek sowie Sammlung und das Archiv sind auf Anfrage zu nutzen.

Künftige Erinnerungsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch eine Spende der Johanna-Quandt-Stiftung konnten 2015 zwei bisher ungenutzte Baracken ausgebaut werden. Am 12. November 2015 konnten diese mit der Eröffnung an die Öffentlichkeit übergeben werden. In Baracke 5 befinden sich nun Sonderausstellungs-, Veranstaltungs- und Archivräume, sowie die Bibliothek. In Baracke 6 wurde eine internationale Jugendbegegnungsstätte eröffnet. Der Betrieb beider Häuser sowie die Arbeit der Jugendbegegnungsstätte ist durch die Spende der Familie Quandt für vorerst zehn Jahre gesichert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. epd/ank: Dauerausstellung für NS-Zwangsarbeiter eröffnet. In: Die Welt, 7. Mai 2013, abgerufen am 18. Mai 2014.
  2. Gabriele Layer-Jung und Cord Pagenstecher: Vom vergessenen Lager zum Dokumentationszentrum? Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager in Berlin-Schöneweide, in: GedenkstättenRundbrief Nr. 111, März 2003, S. 3–13, (PDF; 150 kB), Webseite des Fördervereins für ein Dokumentations- und Begegnungszentrum zur NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide, abgerufen am 18. Mai 2014.
  3. zwangsarbeit-in-berlin.de, Cord Pagenstecher: Das GBI-Lager 75/76 in Schöneweide., S. 2 (PDF; 153 kB), abgerufen 11. November 2007
  4. lt. tu-berlin.de, abgerufen 11. November 2007, Rektor von 1949–1950
  5. Prolog und Geschichte des Ortes, Webseite des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, abgerufen am 18. Mai 2014.
  6. Ein Eckpfeiler des NS-Staates, Webseite des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, abgerufen am 18. Mai 2014.
  7. 44 Mark für Deutsch, 5 Mark für Russen, Webseite des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, abgerufen am 18. Mai 2014.
  8. Am Feierabend nichts zu feiern, Webseite des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, abgerufen am 18. Mai 2014.
  9. Wer leben will, riskiert das Leben, Webseite des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, abgerufen am 18. Mai 2014.
  10. Zu Ende aber nicht vorbei, Webseite des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit, abgerufen am 18. Mai 2014.
  11. Uwe Aulich: Was mir gesagt wurde, musste ich tun. In: Berliner Zeitung, 6. Januar 2016, S. 16.
  12. Führungen und Workshops im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

Koordinaten: 52° 27′ 11″ N, 13° 31′ 11″ O