donum vitae (Verein)

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donum vitae zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens
Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 24. September 1999
Sitz Bonn (Koordinaten: 50° 44′ 16,9″ N, 7° 5′ 44,2″ O)
Zweck Schwangerschaftskonfliktberatung
Vorsitz Olaf Tyllack
Geschäftsführung Andrea Redding
Website www.donumvitae.org

Der eigenständige, bürgerlich-rechtliche Verein donum vitae zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens e. V. (lat. donum vitae „Geschenk des Lebens“) bietet Schwangerschaftskonfliktberatung in deutschlandweit über 200 Beratungsstellen sowie per Online-Beratung. Er wurde im September 1999 aus den Reihen der Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gegründet, nachdem die katholischen Verbände Deutscher Caritasverband und Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) sich nicht weiter an der staatlichen Schwangerschaftsberatung beteiligten. Im Gegensatz zu den kirchlichen Beratungsstellen stellt donum vitae Beratungsscheine aus, die nach § 218a Abs. 1 StGB einen Schwangerschaftsabbruch innerhalb einer festgelegten Frist ermöglichen.

Ziel des Vereins ist es nach eigenen Angaben, „sich für den Schutz des menschlichen Lebens, namentlich den Schutz des Lebens ungeborener Kinder einzusetzen“[1], was insbesondere durch die kostenfreie Beratung und Hilfe für Frauen in Konfliktsituationen geschieht.

Sitz des Vereins ist in Bonn. Gefördert wird er durch die gleichnamige Stiftung „DONUM VITAE – Stiftung deutscher Katholiken zum Schutz des menschlichen Lebens“. Die bayerischen Beratungsstellen werden zu 90 % über staatliche Zuschüsse finanziert.

Beratungsangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein berät jährlich rund 50.000 Frauen in seinen über 200 Beratungsstellen und der Online-Beratung. Im Jahr 2017 fanden rund 53.000 Erstberatungen statt, davon etwa 16.500 (ca. 1/3) Konfliktberatungen nach § 219.[2]

In Bayern wurden im Jahr 2017 24.082 Personen in den Beratungsstellen gezählt, davon 3.308 Personen zur Konfliktberatung, was einem Anteil von 14 % entspricht.[3]

Donum vitae ist über die Schwangerschaftskonfliktberatung hinaus auch noch in der Prävention und Sexualaufklärung vom Kindergarten bis in die Berufsschulen engagiert, bietet Trauerbegleitung und psychosoziale Beratung im Zusammenhang mit der Pränataldiagnostik an, berät und begleitet bei einer vertraulichen Geburt und ist in der Flüchtlingsarbeit engagiert.[4]

Kirchliche Haltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausstellung eines Beratungsscheins war den Beratungsstellen der katholischen Kirche 1999 von Papst Johannes Paul II. untersagt worden, da dieser Beratungsschein letztlich den mit der Lehre der katholischen Kirche unvereinbaren Schwangerschaftsabbruch mit ermögliche und somit das kirchliche Zeugnis für die Würde des Lebens verdunkele. Hierdurch verloren die katholischen Beratungsstellen ihre staatliche Anerkennung, setzten die Beratungstätigkeit jedoch ohne die Ausstellung eines Beratungsscheins fort.

Der damalige apostolische Nuntius in Deutschland, Giovanni Lajolo, erklärte nach der Gründung von donum vitae im November 2000 im Auftrag der Glaubenskongregation, der Verein befinde sich „in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters“ und sein Handeln verdunkle „das Zeugnis der katholischen Kirche, für die alle Glieder – Geistliche, Ordensleute und Laien – Verantwortung tragen“. Durch die Ausstellung des Beratungsscheines werde die Kirche in den Vollzug eines Gesetzes eingebunden, „das die Tötung unschuldiger Menschen zulässt“.[5]

Eine Erklärung der deutschen Bischöfe vom 20. Juni 2006 hält fest, dass es sich bei dem privaten Verein donum vitae um „eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche“ handle, die weder von Ortsbischöfen noch von der Deutschen Bischofskonferenz anerkannt sei.[6] Kooperationen mit Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) seien nicht möglich, auch nicht die gemeinsame Unterbringung kirchlicher Beratungsstellung und des Vereins donum vitae im selben Gebäude. Kirchlichen Mitarbeitern wurde die Mitwirkung bei donum viae untersagt. Darüber hinaus wurden alle Katholiken, die in kirchlichen Räten, Gremien, Verbänden und Organisationen mitwirken, „ersucht […], zum Zweck der größten Klarheit des kirchlichen Zeugnisses auf eine leitende Mitarbeit in Donum Vitae e. V. zu verzichten und so die Unterschiede zwischen Donum Vitae e. V. und Positionen der Kirche besser zur Geltung zu bringen und zu respektieren“.[6]

Am 12. Februar 2007 schrieb Kardinal Levada an Kardinal Wetter, er solle „klug und entschieden“ darauf hinwirken, dass die Gläubigen „nicht nur auf eine leitende Mitarbeit bei donum vitae e. V., sondern auf jegliche Form der Unterstützung verzichten“. Levada rief dabei in Erinnerung, dass die Entscheidung Papst Johannes Pauls II., keinen Beratungsschein auszustellen, „für alle Glieder der Kirche“ gelte.[7]

2007 äußerte der Fuldaer Bischof Algermissen in Bezug auf das Aufklärungs-Theater „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“, das die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und donum vitae organisierten:

„Dass die Organisation 'Donum Vitae' sich für diese Form des Zugangs zur körperlichen Sexualität für die Kinder fernab vom Elternhaus und ethischer Wertevermittlung bekennt, zeigt, dass sie keine katholische Vereinigung ist.“[8]

Im Januar 2009 wies der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz kirchenkritische Aussagen im Jahresbericht 2007 von donum vitae in Bayern e. V. „mit entschiedener Missbilligung zurück“;[9] er sehe darin „ein besorgniserregendes Zeichen für die Entwicklung des Verhältnisses von 'Donum Vitae' zur Kirche“. Nach Angaben der Zeitung Die Tagespost ging es dabei unter anderem um die Aussage der Landesvorsitzenden Maria Eichhorn, der Beschluss des Vatikans komme „einem Verbot der Nächstenliebe“ gleich.[10]

Im August 2010 machte der damalige Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, donum vitae mitverantwortlich für einen negativen Bewusstseinswandel und lehnte jede Beteiligung „an einem System“ ab, „das durch das Ausstellen eines Scheines den Anschein erweckt, jede Entscheidung sei rechtmäßig und damit gleich gültig. Die Entscheidung gegen ein Kind kann nicht vom Recht gedeckt werden.“[11]

Nach anfänglichem Widerstand erlaubte der Regensburger Bischof Voderholzer die Teilnahme von donum vitae beim Katholikentag 2014 in Regensburg.[12] Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hatte im Vorfeld des Katholikentags die Haltung der deutschen Bischöfe gegenüber dem Verein bekräftigt und „wenig Spielraum“ gesehen, fügte jedoch hinzu, Mitarbeiter von donum vitae dürften nicht aus der Kirche ausgegrenzt werden.[13]

In einem Schreiben an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken würdigte die Deutsche Bischofskonferenz im Januar 2018 die Arbeit des Vereins und erklärte, dass sich der Verein 'Donum Vitae' für den Schutz des Lebens einsetze und Erfolge in der Konfliktberatung erziele:

„Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von 'Donum Vitae' ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von 'Donum Vitae' gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten. Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein.“[14]

Personen, die in einer Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstelle des 'Donum Vitae' e. V. gearbeitet haben, können seitdem wieder in bischöflich anerkannten Schwangerenberatungsstellen beschäftigt werden.

Kirchenrechtliche Stellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein donum vitae ist nach dem kirchlichen Vereinsrecht der römisch-katholischen Kirche ein freier Zusammenschluss „für Zwecke der Caritas“ und „zur Förderung der christlichen Berufung“ (c. 215 CIC) und im Bereich des vorgeburtlichen Lebens zu qualifizieren. Er ist kirchenamtlich nicht anerkannt und damit ein kirchlicher, aber nicht-kanonischer Verein.[15] Nach weltlichem Recht ist donum vitae ein eingetragener Verein „e.V.“.[16]

Bundesvorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olaf Tyllack (Vorsitzender)
  • Angelika Knoll (stellvertretende Vorsitzende)
  • Constanze Nattermann (stellvertretender Vorsitzende)

Weitere Vorstandsmitglieder sind

Adelheid Wahlen (Berlin), Margareta Meyer (Niedersachsen), Monika Stolz (Baden-Württemberg), Irmgard Klaff-Isselmann (Hessen), Constanze Nattermann (Rheinland-Pfalz), Stefan Braun (Schleswig-Holstein), Christa Kaluza (Sachsen), Bernward Credo (Thüringen) und Thomas Quast (Nordrhein-Westfalen).[17] Andrea Redding ist Geschäftsführerin der Bundesgeschäftsstelle.[18]


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung donum vitae zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens e. V § 2 Abs. 1. Donum Vitae, 19. September 2015, abgerufen am 26. Juni 2019.
  2. Wer wir sind und was wir tun. donum vitae, abgerufen am 31. Mai 2014.
  3. Vgl. Jahresstatistik 2017 für ‚donum vitae‘ in Bayern e.V.
  4. "Beratung und Hilfe". In: Donum Vitae. Abgerufen am 8. Mai 2019.
  5. Donum Vitae: 100 Beratungsstellen geplant, Tagesspiegel vom 8. November 2000
  6. a b Erklärung der deutschen Bischöfe 2006
  7. www.domradio.de
  8. kath.net 23. Oktober 2007: Bischof Algermissen kritisiert ,Aufklärungstheater’ für Kinder.
  9. „Bischöfe verlangen Klärung vom ZdK“ in: Die Tagespost@1@2Vorlage:Toter Link/www.die-tagespost.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Jahresbericht 2007 von Donum vitae in Bayern e. V., S. 4. (PDF) donum-vitae-bayern.de, abgerufen am 6. September 2012.
  11. Pressemeldung des Limburger Bischofs „Keine Kompromisse beim Lebensschutz (vom 19. August 2010)
  12. Bischof gibt Widerstand auf: Donum Vitae darf zum Katholikentag. (Memento vom 12. Oktober 2013 im Webarchiv archive.today) www.br.de, 19. September 2013 (abgerufen am 12. Oktober 2013)
  13. kath.net, 29. Mai 2014, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  14. domradio.de: Bischöfe und donum vitae gehen aufeinander zu, 24. Januar 2018.
  15. Sabine Demel: Zur Verantwortung berufen. Nagelproben des Laienapostolats. Freiburg im Breisgau 2009, S. 316.
  16. Impressum. In: Donum Vitae. Abgerufen am 26. Juni 2019.
  17. https://www.donumvitae.org/Bundesvorstand
  18. Generationswechsel an der Spitze – Abgerufen am 21. Oktober 2019