Rudolf Voderholzer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bischof Voderholzer an Weihnachten 2014 im Regensburger Dom
Bischofswappen

Rudolf Voderholzer (* 9. Oktober 1959 in München) ist ein deutscher Theologe, Dogmatiker und römisch-katholischer Bischof von Regensburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wuchs in München-Sendling (Pfarrei St. Margaret) auf. Bereits Anfang der 1970er Jahre veröffentlichte er gemeinsam mit seiner Mutter, der Lehrerin und Kinderbuchautorin Maria Voderholzer, autobiographisch geprägte Bücher, wie z. B. Wir sind vier Geschwister oder Eine lustige Familie.[1] Nach dem Abitur am Münchner Dante-Gymnasium studierte Voderholzer an der Universität München Philosophie (M.A. 1985) und katholische Theologie (Dipl.-Theol. 1986). 1987 empfing er für das Erzbistum München und Freising durch Friedrich Kardinal Wetter im Freisinger Dom die Priesterweihe und war anschließend als Kaplan in Traunreut, Haar und Zorneding tätig. 1992 wurde er Wissenschaftlicher Assistent bei Gerhard Ludwig Müller am Lehrstuhl für Dogmatik der Universität München. 1997 wurde er in München mit einer Dissertationsschrift mit dem Titel Die Einheit der Schrift und ihr geistiger Sinn. Der Beitrag Henri de Lubacs zur Erforschung von Geschichte und Systematik christlicher Bibelhermeneutik zum Dr. theol. promoviert. 2004 habilitierte er sich an der Katholisch-Theologischen Fakultät München. Im gleichen Jahr wechselte er an das Departement für Glaubens- und Religionswissenschaft und Philosophie an die Schweizer Universität Fribourg; er war von 2004 bis 2005 Präsident des Departements.

Von 2005 bis zum Jahresbeginn 2013 war Rudolf Voderholzer ordentlicher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Trier. In dieser Zeit lebte er in Kasel an der Ruwer, wo er sich zeitgleich als Seelsorger der Pfarrgemeinde St. Nikolaus engagierte und im Juni 2012 sein Silbernes Priesterjubiläum feierte.[2]

Am 6. Dezember 2012 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Regensburg.[3] Die Bischofsweihe durch Reinhard Kardinal Marx fand am 26. Januar 2013 im Regensburger Dom statt; Mitkonsekratoren waren sein Vorgänger Gerhard Ludwig Kardinal Müller und František Radkovský, Bischof von Pilsen. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet Christus in vobis spes gloriae („Christus ist unter Euch – die Hoffnung auf Herrlichkeit“) (Kol 1,27 EU). Am 11. Januar 2013 hat Voderholzer den nach Bayerischem Konkordat und Reichskonkordat abzulegenden Treueeid in Gegenwart von Ministerpräsident Horst Seehofer abgelegt.[4][5]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voderholzer gilt als Experte für Henri de Lubac. Durch seine Übersetzung von « L’Ecriture dans la Tradition » (deutsch: „Die heilige Schrift in der Tradition der Kirche“) und weiterer Aufsätze hat er wesentliche Teile des vierbändigen Werks de Lubacs « Exégèse médiévale » (deutsch: „Exegese des Mittelalters“) in deutscher Sprache mit dem Titel „Typologie. Allegorie. Geistiger Sinn. Studien zur Geschichte der christlichen Schriftauslegung“ (Freiburg, 2. Auflage 2007) veröffentlicht.

Er ist Gründungsdirektor des 2008 gegründeten „Institut Papst Benedikt XVI.“ in Regensburg[6] und Herausgeber der gesammelten theologischen Schriften von Papst Benedikt XVI.

Seit 30. Oktober 2010 ist Voderholzer Ordentliches Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste (Geisteswissenschaftliche Klasse).

Papst Franziskus ernannte Voderholzer am 28. Mai 2014 zum Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre.[7]

In der Deutschen Bischofskonferenz gehört er der Glaubenskommission, deren stellvertretender Vorsitzender er ist, und der Kommission für Wissenschaft und Kultur an.[8]

2016 wurde er von Kardinal-Großmeister Edwin Frederick Kardinal O’Brien zum Großoffizier des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 21. Mai 2016 im St.-Paulus-Dom in Münster durch Reinhard Kardinal Marx, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert. Er gehört der Komturei Regensburg des Päpstlichen Laienordens an.[9] Er ist zudem Mitglied des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande.

Im Juli 2017 ließ er in den Gemeinden des Bistums ein Hirtenwort verlesen. Er bitte die 500 Opfer körperlicher Gewalt sowie die Opfer sexueller Gewalt bei den Regensburger Domspatzen „in Demut“ „anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung“ und bitte, „dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde.“[10][11]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Einheit der Schrift und ihr geistiger Sinn, Johannes Freiburg 1998, 3-89411-344-8
  • Henri de Lubac begegnen, Sankt-Ulrich-Verlag Augsburg 1999, ISBN 3-929246-44-9
  • Fundamentaltheologie, Ökumenische Theologie, 2001, ISBN 3-89710-186-6
  • Die göttliche Offenbarung: Kommentar zum Vorwort und zum ersten Kapitel der dogmatischen Konstitution „Dei verbum“ des Zweiten Vatikanischen Konzils, Johannes Freiburg 2001, ISBN 3-89411-369-3 (Von Henri de Lubac; aus dem Französischen übertragen)
  • Hermeneutik : Von der Schrift bis Schleiermacher (Handbuch der Dogmengeschichte), Herder Freiburg 2003, ISBN 3-451-00701-0
  • Incontro con Henri de Lubac, Eupress 2004, ISBN 88-88446-21-4 (italienisch)
  • (Zusammen mit Ernst Kögler) Er führte mich hinaus ins Weite. Pater Victricius Berndt OFMCap (1915–2003). Lebensbild eines sudetendeutschen Priesters. Aufzeichnungen. Predigten. Erinnerungen (= Für Kirche und Volksgruppe. Kleine Reihe des Sudetendeutschen Priesterwerkes, Band 11), Reimlingen 2006.
  • Christian Schaller, Michael Schulz, Rudolf Voderholzer (Hersg.): Mittler und Befreier: Die christologische Dimension der Theologie, Herder Freiburg 2008, ISBN 3-451-29804-X (Festschrift für Gerhard Ludwig Müller)
  • Meet Henri de Lubac, his life and work, Ignatius Press San Francisco 2008, ISBN 978-1-58617-128-5 (Übersetzung Michael J. Miller)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudolf Voderholzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Münchner wird Bayerns jüngster Bischof (Abendzeitung München vom 25. Januar 2013)
  2. Katholische Kirche im Ruwertal: Silbernes Priesterjubiläum Voderholzer
  3. Nomina del Vescovo di Regensburg (Germania), in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. Dezember 2012.
  4. Treueeid auf die Verfassung
  5. Voderholzer legt Treueeid ab (Memento vom 15. März 2013 im Internet Archive)
  6. „Benedikt-Institut“, Radio Vatikan, 13. September 2008
  7. Nomina di Membri della Congregazione per la Dottrina della Fede. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 28. Mai 2014, abgerufen am 28. Mai 2014 (italienisch).
  8. Pressemeldung vom 20. September 2016 - Nr. 175
  9. Live Übertragungen aus dem St.-Paulus-Dom Münster: Pontifikalamt mit Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Bistum Münster, 21. Mai 2016
  10. Hirtenwort vom Juli 2017
  11. Ulrich Weber / Johannes Baumeister: Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen. 18. Juli 2017