Duales Studium

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Als duales Studium wird in Anlehnung an das duale Ausbildungssystem ein Hochschulstudium mit fest integrierten Praxiseinsätzen in Unternehmen bezeichnet. Von „klassischen“ Studiengängen unterscheidet es sich durch einen höheren Praxisbezug, der abhängig von Studiengang und Hochschule variiert.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Begriff duales Studium gibt es noch keine einheitliche Definition. Trotzdem hat sich in Wissenschaft und Praxis über die Jahre hinweg eine schärfere Definition entwickelt, die immer mehr an Akzeptanz gewinnt. Diese hilft, das duale Studium besser von einem klassischen Studium und einer Berufsausbildung zu unterscheiden.

In der Praxis wird ein duales Studium regelmäßig als aufeinander abgestimmte Kombination von theoretisch ausgerichtetem Studium und Praxiseinsätzen in einem Unternehmen oder einer ähnlichen Organisation bezeichnet. Die wesentlichen Merkmale eines dualen Studiums sind[1]:

  • Studium: Im Studium werden an einer Hochschule oder Berufsakademie theoretische Kenntnisse vermittelt. Das Studium ist der theoretische Schwerpunkt des dualen Studiums, bei dem die Ansprüche deutlich höher als in einer Berufsausbildung sind.
  • Praxispartner: Der Praxispartner kann ein Unternehmen, eine soziale Organisation oder eine staatliche Einrichtung sein. Der duale Student arbeitet dort, wird dort in der Praxis ausgebildet und bekommt meist noch ein festes Gehalt vom Praxispartner gezahlt.
  • Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis: Theorie und Praxis sind im dualen Studium eine Einheit und inhaltlich, organisatorisch und zeitlich aufeinander abgestimmt. Im Gegensatz zu Praktika in einem normalen Studium, sind die Praxiseinsätze während des dualen Studiums Teil eines einzigen umfassenden Ausbildungskonzeptes.

Nach dem Wissenschaftsrat handelt es sich bei einem Studium dann um ein duales Studium, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:[2]

  • Dualität: Die beiden Lernorte, Hochschule und Unternehmen, sind aufeinander abgestimmt. Dafür muss die Ausbildung an beiden Lernorten organisatorisch koordiniert sein. Inhaltlich müssen Studium und Aufgaben im Unternehmen zueinander in Verbindung stehen. Danach ist ein berufsbegleitendes Studium ohne einen inhaltlichen oder organisatorischen Bezug zum Beruf kein duales Studium.
  • Wissenschaftlichkeit des Studiums: Damit man von „Studium“ sprechen darf, muss ein duales Studium ein wissenschaftsbezogenes Ausbildungsformat sein und den Vorgaben der Kultusministerkonferenz zur Bildung im tertiären Bereich vom 15. Oktober 2004 entsprechen. Es wird empfohlen, dass die Lernzeit des dualen Studenten mindestens zur Hälfte an der Hochschule oder Berufsakademie verbracht werden soll.

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wissenschaftsrat teilt die dualen Studienangebote in Deutschland anhand der Gestaltung des Studienabschnitts (Erstausbildung oder Weiterbildung sowie mit Berufsausbildung oder mit Praxisanteilen) und der Beziehung der Lernorte zueinander (verzahnt oder parallel) wie folgt ein (englischsprachige Bezeichnung in Klammern):[2]

  • Ausbildungsbegleitende Studiengänge (Vocational Training Attendant Learning Programs)
  • Ausbildungsintegrierende Studiengänge (Vocational Training Integrated Learning Programs)
  • Berufsbegleitende Studiengänge (Job Attendant Learning Programs)
  • Berufsintegrierende Studiengänge (Job Integrated Learning Programs)
  • Praxisbegleitende Studiengänge (Work Attendant Learning Programs)
  • Praxisintegrierende Studiengänge (Work Integrated Learning Programs)

Im englischsprachigen Ausland werden die dualen Studiengänge dem Oberbegriff Cooperative education zugeordnet.

Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fraglich war, ob es sich hierbei um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis handelte oder Versicherungspflicht in der studentischen Pflichtversicherung besteht. Das Bundessozialgericht hat im Dezember 2009 in einer Grundsatzentscheidung Differenzierungen getroffen, die der Gesetzgeber durch das Vierte Gesetz zur Änderung des 4. Buchs Sozialgesetzbuch zum 1. Januar 2012 revidiert hat: Derartige Studiengänge sind generell als sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse einzuordnen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manuel Thaler, Florian Mörchel: Duales Studium - Der Wegbegleiter ins Berufsleben. 1. Auflage. Stark Verlag, ISBN 978-3-8490-2044-6.
  2. a b Wissenschaftsrat (Hrsg.): Empfehlungen zur Entwicklung des dualen Studiums - Positionspapier. Mainz Oktober 2013.