ELSTAT

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Das Griechische Statistische Amt, griechisch Ελληνική Στατιστική Αρχή Ellinikí Statistikí Archí, abgekürzt ΕΛ.ΣΤΑΤ, EL.STAT, ist die nationale statistische Behörde Griechenlands mit Sitz in Piräus. Sie erhebt, sammelt und analysiert statistische Informationen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.

Vorgängerinstitution ESYE[Bearbeiten]

Mit Beschluss des Parlaments wurde 1986 der Bereich Statistik in dem Generalsekretariat für statistische Dienste Griechenlands (Γενική Γραμματεία Εθνικής Στατιστικής Υπηρεσίας της Ελλάδος Γ.Γ.ΕΣΥΕ. oder kurz griechisch Εθνική Στατιστική Υπηρεσία της Ελλάδος, Ethnikí Statistikí Ypiresía, ΕΣΥΕ) gebündelt. Es unterstand dem Wirtschafts- und Finanzministerium. Faktisch hatte dies zur Folge, dass Regierungen auf die Behörde Einfluss nehmen konnten.

Im November 2004 veröffentlichte Eurostat einen umfassenden Bericht über die von der der griechischen Regierung geänderte Berechnung des Haushaltsdefizits und der staatlichen Verschuldung. Der Bericht zeigte auf, dass die in den Jahren vor 2004 von den griechischen Behörden der Kommission mitgeteilten Defizitzahlen nicht nach den europäischen Regeln berechnet waren. So waren Militärausgaben dem Lieferungs- und nicht dem Bestelljahr zugeordnet. Die Änderungen betrafen nicht weniger als elf verschiedene Punkte. Nach der Neuberechnung lagen die griechischen Defizitangaben für die Jahre 1997 bis 2000 über dem Maastrichter Konvergenzkriterium von 3 Prozent des BIP. Griechenland hätte der Europäischen Währungsunion auf der Grundlage der korrekten Daten nicht beitreten dürfen. [1] [2]

Nachdem sich nach dem Regierungswechsel im Oktober 2009 zu Giorgos Papandreou die bis dahin verschleierte Höhe des Haushaltsdefizites zeigte, hatte der neue Finanzminister Giorgos Papakonstantinou eine Kommission eingesetzt, die das Gebaren der vergangenen Jahre untersuchte und feststellte, dass die Vorgängerregierung unter Ministerpräsident Kostas Karamanlis ihr nicht genehme Zahlen einfach unter den Tisch fallen ließ, um die Statistik nicht damit zu belasten. Auch aus einer Analyse von Eurostat ergab sich das Bild einer regelrechten Fälscherwerkstatt. [3] Die EU-Kommission urteilte in einem Bericht [4], das nationale Statistikamt ESYE liefere keine zuverlässigen Daten, da es am Gängelband der Politik sei. Solange diese Schwäche nicht behoben sei, bleibe die Zuverlässigkeit der Daten fragwürdig. [5]

Neugründung 2010[Bearbeiten]

Auf Empfehlung der Eurostat wurde die bisherige ESYE aufgelöst und die ELSTAT als neue regierungsunabhängige Behörde gegründet. Ihr wurden sämtliche Aufgaben des Nationalen Statistischen Diensts Griechenlands (ESYE) übertragen.

Während ESYE ein Generalsekretariat des griechischen Wirtschafts- und Finanzministeriums war, ist ELSTAT eine regierungsunabhängige Behörde, die nur der Kontrolle des griechischen Parlaments untersteht. Von den sieben Mitgliedern des Führungsgremiums werden vier vom Präsidium des griechischen Parlaments gewählt, je ein weiteres vom Finanzminister, den Gouverneur der Bank von Griechenland und vom Verband der Angestellten der ELSTAT ernannt.

Zu den Aufgaben der ELSTAT gehört auch die Durchführung von Volkszählungen.

Präsident der ELSTAT ist Andreas Georgiou.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bericht der EU-Kommission vom 8. Januar 2010 (S. 13). Abgerufen am 5. Mai 2010 (PDF; 239 kB).
  2. FAZ vom 12. Januar 2010: “Schwere Fehler in der griechischen Statistik“. Abgerufen am 5. Mai 2010.
  3. FAZ vom 4. Februar 2010: “ Meister kreativer Buchführung. Abgerufen am 5. Mai 2010.
  4. Bericht der EU-Kommission vom 8. Januar 2010. Abgerufen am 5. Mai 2010 (PDF; 151 kB).
  5. Frankfurter Rundschau vom 12. Januar 2009: “Statistik-Sirtaki“. Abgerufen am 5. Mai 2010.
  6. [1]

Weblinks[Bearbeiten]