Evangelischer Posaunendienst in Deutschland

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Der Evangelische Posaunendienst in Deutschland, kurz EPiD, ist der Dachverband der rund 30 deutschen Posaunenwerke und -verbände und damit aller ca. 7.000 Posaunenchöre, in denen über 100.000 Bläserinnen und Bläser aktiv sind. Er hat seinen Sitz in Bielefeld-Brackwede.

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Der erste Leitende Obmann war Pfarrer Holger Gehrke aus Bremen. Ab 2003 war Pfarrer Friedemann Schmidt-Eggert aus Erpel in dieser Position und von März 2007 bis September 2014 Pfarrer Bernhard Silaschi aus Bad Oeynhausen. Im September 2014 übernahm Pfarrer Rolf Bareis aus Königsbronn dieses Amt.

Über den Auftrag des EPiD, der 1994 gegründet wurde, heißt es in seiner Satzung: „Der Verein hat den Zweck, das Evangelium von Jesus Christus durch die Posaunenchormusik weiterzutragen. Es ist seine Aufgabe, die Mitglieder geistlich und musikalisch zu fördern, ihre Zusammenarbeit zu stärken, sie zu beraten sowie gemeinsame Aufgaben wahrzunehmen...“

Der EPiD ist Herausgeber zweier Publikationen, des Magazins POSAUNENCHOR und der Notenausgabe GLORIA. Die erste ist ein vierteljährlich erscheinendes Magazin, in dem Berichte aus der Arbeit des Werkes sowie musikalische Fachartikel, Andachten, Rezensionen, Kurzberichte u. ä. veröffentlicht werden. Bei der jährlich erscheinenden GLORIA handelt es sich um eine Notenausgabe für Posaunenchöre, in der Neukompositionen und Arrangements unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade enthalten sind, die vom Musikausschuss des EPiD ausgewählt werden.

Ein Schwerpunkt in der Arbeit des EPiD ist die Organisation der musikalischen Unterstützung der Deutschen Evangelischen Kirchentage.

Mitgliedsverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in alphabetischer Reihenfolge

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde 1994 im Haus Nazareth der Westfälischen Diakonenanstalt in Bethel, einem Stadtteil von Bielefeld, gegründet. Hier wirkte in den Jahren 1893 - 1925 Pastor Johannes Kuhlo (1856–1941). Er war nicht nur Anstaltspfarrer von Bethel, sondern auch Pionier und Altmeister der Posaunenchöre - von den Posaunenbläsern überall in Deutschland liebevoll „Posaunengeneral“ genannt. Als erster und einziger bekleidete er das Amt eines „Reichsposaunenwartes“ (vor dem Dritten Reich).

Der EPiD ist der erste freiwillige Zusammenschluss aller evangelischen Posaunenchöre in Deutschland. Der von 1934 bis 1945 bestehende „Verband evangelischer Posaunenchöre Deutschlands“ (VePD) innerhalb der Reichsmusikkammer war nur durch Druck von politischer Seite her entstanden, und das nach dem Krieg gegründete „Posaunenwerk in der EKD“ umfasste nicht alle deutschen Posaunenchöre: Die Bläser im CVJM-Westbund und in Süddeutschland (Württemberg, Baden, Bayern, Pfalz) gehörten nicht dazu. Die ostdeutschen Posaunenwerke mussten nach dem Mauerbau 1961 eine separate „Arbeitsgemeinschaft“ bilden.

Vor 1933 hatte es keinen selbständigen Posaunenchorverband gegeben. Er war auch nicht nötig gewesen, denn seit Gründung der Posaunenchöre im 19. Jahrhundert waren diese Teil der evangelischen Jungmännerarbeit und ihrer Organisationen unter dem Dach des „Reichsverbandes der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands“. Diese Phase endete 1933, als Hitler den nationalsozialistischen Pfarrer Ludwig Müller zum "Reichsbischof" ernannte, der im Dezember 1933 die evangelischen Jugendverbände in die Hitler-Jugend überführte.

60 Jahre später trafen sich nach dreijähriger Vorbereitungszeit am 24. September 1994 – wie eingangs erwähnt − in Bethel 79 Delegierte aus 31 Posaunenwerken und -verbänden, um den neuen Dachverband „Evangelischer Posaunendienst in Deutschland e. V.“ zu gründen. Der Vorsitzende des EPiD erhielt die Bezeichnung „Leitender Obmann“. Neben der Vorstandschaft wurden ein „Posaunenrat“ gebildet, in dem jeder Verband vertreten ist, sowie vier Ausschüsse (für Theologie, Musik, Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit). Zum ersten Leitenden Obmann wurde Pastor Holger Gehrke, Bremen, gewählt. Das „Posaunenwerk in der EKD“ hatte seinen Zweck erfüllt und konnte aufgelöst werden. Die einzelnen Werke und Verbände, die zum Teil sehr unterschiedlich geprägt sind, behielten unter dem gemeinsamen neuen Dach ihre Selbständigkeit, vereint in dem gemeinsamen Auftrag: „Lobet den Herrn mit Posaunen!“ (Psalm 150).

Posaunentage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Mitgliedsverbänden finden regelmäßig größere Treffen der Posaunenchöre auf Kreis- oder Bezirksebene statt und in bestimmten Abständen (je nach Verband alle zwei bis fünf Jahre) Landesposaunentage; beim CVJM-Westbund und dem Bund christlicher Posaunenchöre werden die verbandsweiten Bläsertreffen „Bundesposaunentage“ genannt, beim Gnadauer PosaunenbundBundesposaunenfest“. Dabei kommen teilweise mehrere tausend Bläserinnen und Bläser zusammen. Zahlenmäßig der größte Landesposaunentag ist der württembergische, bei dem sich alle zwei Jahre 8.000 bis 9.000 Musikanten in Ulm treffen.

Seit den Anfängen der Posaunenchorbewegung im 19. Jahrhundert in Westfalen haben deren „Väter“, Eduard Kuhlo und sein Sohn Johannes, Posaunentage durchgeführt, ab 1874 in der Münsterkirche zu Herford und später in Bethel bei Bielefeld. Bekannt wurde Johannes Kuhlo auch durch seine Kaiserhuldigungen in Westfalen in den Jahren 1899/1900, als tausende von Sängern und Bläsern zusammen musizierten.

Der „1. Reichs-Posaunentag“ mit rund 4500 Bläsern fand im Oktober 1936 in Bielefeld statt - anlässlich des 80. Geburtstages des „Posaunengenerals“ und ehemaligen Reichsposaunenwartes Johannes Kuhlo. Der Zweite Weltkrieg verhinderte dann weitere solche Großveranstaltungen. Erst 1956, als es längst schon wieder Landesposaunentage der verschiedene Werke und Verbände gab, wurde der „2. Deutsche Evangelische Posaunentag“ mit 6.000 Bläsern in Dortmund vom 5. bis 8. Oktober aus Anlass des 100. Geburtstages des 1941 verstorbenen Johannes Kuhlo durchgeführt.

2008 veranstaltete der EPiD den Deutschen Evangelischen Posaunentag, einen Posaunentag mit Beteiligung aller deutschen Posaunenchorverbände, der unter dem Motto „OhrenBlickmal“ in Leipzig vom 30. Mai bis 1. Juni unter Beteiligung von mehr als 16.000 Bläserinnen und Bläsern stattfand. Hauptkonzertorte waren der Augustusplatz im Stadtzentrum und das Leipziger Zentralstadion mit einem feierlichen und stimmungsvollen Abschlussgottesdienst am 1. Juni 2008. Der 2. Evangelische Deutsche Posaunentag aller Verbände (DEPT 2016) fand vom 3. bis 5. Juni 2016 in Dresden statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]