Augustusplatz

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Augustusplatz
Coat of arms of Leipzig.svg
Platz in Leipzig
Augustusplatz
Der Augustusplatz mit der Babauung seiner Westseite von der Hauptpost aus gesehen (2019)
Basisdaten
Ort Leipzig
Ortsteil Zentrum-Ost
Angelegt 18. Jahrhundert
Neugestaltet 1960er bis 2000er Jahre
Hist. Namen Grimmaischer Thorplatz, Karl-Marx-Platz (1945–1990)
Einmündende Straßen Georgiring,
Grimmaischer Steinweg, Grimmaische Straße, Goethestraße
Bauwerke City-Hochhaus, Neues Augusteum, Kroch-Hochhaus, Opernhaus, Hauptpost, Europahaus, Neues Gewandhaus
Nutzung
Nutzergruppen Autoverkehr, ÖPNV, Fußverkehr
Technische Daten
Platzfläche ca. 40.000 m²
Blick vom Europahaus über den Platz nach Norden auf das Opernhaus. Links der Mendebrunnen vor dem Gewandhaus (2007)
Das 1928 fertiggestellte Kroch-Hochhaus (43 m) an der Westseite war das erste Hochhaus Leipzigs (2005)
Das 1929 vollendete Europahaus, Höhendominante (56 m) an der östlichen Platzseite (2007)

Der Augustusplatz befindet sich am östlichen Rand der Leipziger Innenstadt und ist mit 40.000 m² einer der größten Stadtplätze in Deutschland. Der Platz am Leipziger Innenstadtring ist ein zentraler Knotenpunkt des Straßenbahnnetzes.

Bis zu ihrer Zerstörung durch die Luftangriffe auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg standen dort mit Neuem Theater, Bildermuseum und Hauptpost markante Bauten, die ihn zusammen mit dem im Krieg beschädigten altem Augusteum und der unbeschädigt gebliebenen Universitätskirche der Universität Leipzig zu einem der schönsten deutschen Plätze machten. Die Reste dieses historischen Bildes gingen während der DDR-Zeit im Jahr 1968 auf Initiative der SED durch Sprengung des Augusteums und der Universitätskirche am Karl-Marx-Platz (1945 bis 1990) verloren.

Einzig erhalten gebliebenes Teil des alten Platzensembles ist der Mendebrunnen aus den 1880er Jahren am Südrand vor dem Neuen Gewandhaus, das 1981 eingeweiht wurde. Im Norden wird der Platz vom 1960 eröffneten Opernhaus dominiert. Im Westen zur Innenstadt hin befinden sich das Augusteum und Paulinum. An der südwestlichen Ecke steht das City-Hochhaus von 1972. Die Ostseite wird vom Stahlbeton-Skelettbau der ehemaligen Hauptpost (1964) und dem neu gestalteten Radisson Blu Hotel beherrscht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Südteil des Platzes um 1800 mit Posthörnchen und Weinnäpfchen sowie dem noch unverfüllten Stadtgraben
Ostseite um 1840: „Neues Postgebäude“ und das Teubnersche Geschäftshaus (rechts) am Grimmaischen Steinweg
Westseite um 1850: Das „Café Français“ an der Grimmaischen Straße neben der Paulinerkirche (Universitätskirche)
Das Bildermuseum an der Südseite (1858 eröffnet) mit dem Mendebrunnen (ca. 1890–1900)
Das 1868 eröffnete Neue Theater an der Nordseite (um 1900). Auf dem Areal steht heute das Neue Opernhaus
Das Neue (dritte) Gewandhaus wurde von 1977 bis 1981 auf dem ehemaligen Areal des Bildermuseums gebaut
MDR-Kubus (Weitwinkel-Panorama) mit Verbindung zum Gewandhaus (links)

1785 begann man mit dem Bau des Platzes an der Stelle der niedergelegten Stadtbefestigung nach Entwürfen des Stadtbaumeisters Johann Carl Friedrich Dauthe, damals noch unter dem Namen »Platz vor dem Grimmaischen Thor«. Dazu legte er zwei Rasenrondelle an, die wiederum von einem Kreis von Pappeln eingefasst wurden.[1] Am östlichen Rand des späteren Augustusplatzes, direkt gegenüber der Universitätskirche, errichtete Benedictus Gotthelf Teubner 1821 an der südlichen Ecke des Grimmaischen Steinwegs auf dem Grundstück des früheren Poststalls, auch „Posthörnchen“ genannt, einen ersten repräsentativen Neubau. Später schrieb B. G. Teubner, „daß ich damit der Stadt zumal an diesem freien Platze eine wahre Zierde geschaffen und dadurch für die Herstellung schöner Gebäude eine neue Bahn gebrochen habe“.[2] An der Südseite des Platzes stand das Wohnhaus Weinnäpfchen.

Gegenüber auf der nördlichen Ecke des Grimmaischen Steinwegs, wo sich noch 1835 der Gasthof „Zum weißen Schwan“ befunden hatte, entstand bis 1838 nach einem Entwurf von Albert Geutebrück das 87 Meter lange klassizistischeNeue Postgebäude“, das neben dem späteren Hauptpostamt C 1 auch bis 1926 die Leipziger Oberpostdirektion beherbergte. Nach der Zerstörung im Krieg wurde dort 1964 der von Kurt Nowotny entworfene Stahlbetonbau der neuen Hauptpost eröffnet, der aktuell seit Sommer 2011 leersteht.

Das zu den vier Leipziger Stadttoren gehörende Grimmaische Tor wurde 1831 abgerissen. Im gleichen Jahr ließ der Leipziger Zuckerbäcker Wilhelm Felsche an der Einmündung der Grimmaischen Straße sein Café français (ab 1914 Café Felsche) neben der Paulinerkirche errichten. Das Kaffeehaus der Spitzenklasse wurde 1943 zerstört. 1831 wurde auch mit dem Hauptgebäude der Leipziger Universität, dem Augusteum, begonnen, das 1836 eröffnet wurde.

1837 beschloss die Stadt die Umbenennung in Augustusplatz, nach Friedrich August, dem ersten König von Sachsen. Ab 1945 hieß der Platz Karl-Marx-Platz.[3] Zum Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 1990, erhielt er den Namen Augustusplatz zurück.

Auf der Südseite wurde Ende 1858 das im Stil der italienischen Renaissance gebaute Bildermuseum eröffnet. Auf dem Areal des kriegszerstörten Baus fand 1977 die Grundsteinlegung für das heutige Neue Gewandhaus statt. Das Gewandhausorchester, das nach der Zerstörung des Neuen Concerthauses in der Kongreßhalle eine Bleibe fand, debütierte dort am 7. Oktober 1981 unter der Leitung von Kurt Masur mit einem Konzert für die am Bau Beteiligten. Zur Zierde wurde vor dem Museum der 1886 eingeweihte Mendebrunnen aufgestellt.

An der gegenüberliegenden Nordseite eröffnete Anfang 1868 mit Goethes Iphigenie auf Tauris das von Carl Ferdinand Langhans entworfene Neue Theater. Nachdem am seit 1945 nach Karl Marx benannten Platz die Ruine des von Bomben zerstörten Theaters abgetragen worden war, wurde von 1955 bis 1960 das Neue Opernhaus gebaut und mit den Meistersingern von Nürnberg eingeweiht.

Vor dem Theater erhob sich von 1895 bis 1897 das Leipziger Bismarckdenkmal. Etwa an seiner Stelle zierte von 1953 bis 1955 ein Bronzeabguss des Berliner Stalindenkmals den Karl-Marx-Platz. Das Denkmal, das erstmals 1952 auf der Leipziger Festveranstaltung zu Stalins 73. Geburtstag gezeigt worden war, kam unmittelbar nach Stalins Tod im März 1953 auf einer verkleideten Holzkonstruktion und vor einer mächtigen Wand, die die Theaterruine verdeckte, zur Aufstellung. Weil es dem Neubau der Oper im Wege stand und der Sockel baufällig geworden war, wurde es 1955 abgebaut und eingelagert. Zur geplanten Versetzung in die Leipziger Stalinallee kam es nicht. Es verschwand spurlos.[4]

An der Westseite stand an der Stelle des Neubaus des Paulinums der Universität die im Krieg unversehrte Universitätskirche St. Pauli (Paulinerkirche), die zusammen mit dem wiederaufbaufähigen alten Augusteum am 30. Mai 1968 gesprengt wurde. Die benachbarten Gebäude Johanneum und Albertinum folgten drei Wochen später, um Platz für die Neubauten der sozialistischen Karl-Marx-Universität zu schaffen.

An der Südostseite gegenüber dem Teubnerschen Geschäftshaus eröffnete die Niederländische Lebensversicherungs-Gesellschaft als Sitz ihrer deutschen Niederlassung 1903 das Niederländische Haus (Augustusplatz 8/Johannisgasse 2). Alliierte Luftangriffe zerstörten auch dieses Gebäude und auf den beiden Grundstücken wurde das 1965 als Hotel Deutschland eröffnete, 1973 in Hotel am Ring umbenannte, ab 1990 wieder Hotel Deutschland und nach 1992 Hotel Mercure erbaut. Das heutige Radisson Blu Hotel erstreckt sich bis zum Grimmaischen Steinweg; die Johannisgasse ist zur südlich gelegenen Goldschmidtstraße geführt. 1910/11 entstand das Geschäftsgebäude der Dresdner Bank und zwischen 1911 und 1913 das Kaufhaus Bamberger & Hertz.

Zum Ende der 1920er Jahre ergänzten die ersten Hochhäuser von Leipzig die Randbebauung. Zunächst das Krochhochhaus (1927/28) an der Westseite (Goethestraße 2) und als Gegengewicht kurz darauf neben dem „Niederländischen Haus“ zum Roßplatz hin das Europahaus (1929; Augustusplatz 7).

Während des Nationalsozialismus wurde der rund 40 000 m² große Platz als Aufmarschforum und Standort nationalsozialistischer Propagandaausstellungen genutzt. 1940 wurden dort die Ausstellungen "Die Wehrmacht zeigt Dokumente aus dem Polenfeldzug" und "Der Sieg im Westen" gezeigt.[1]

Jüngste Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Augustusplatz wurde von 1996 bis 1998 eine Tiefgarage gebaut, die Aufbauten u. a. für Aufgänge und Entlüftung auf dem Platz erforderte, die in der Bevölkerung umstritten sind. Insbesondere die acht beleuchteten Glaszylinder an den Treppenaufgängen wurden schnell als „Milchtöpfe“ verspottet.

Den 2001 neben dem Neuen Gewandhaus gebauten MDR-Kubus entwarf der Dresdner Architekt Peter Kulka.

Der Neubau des Universitätskomplexes, um den in den Jahren 2002 bis 2004 im Hinblick auf einen Wiederaufbau der Universitätskirche ein heftiger Streit entbrannt war, soll dem Platz wieder neue Akzente geben. Bis zum 600-jährigen Jubiläum der Universität Leipzig im Jahr 2009 sollte die Umgestaltung des Universitätskomplexes abgeschlossen sein, dieses Ziel konnte jedoch nicht erreicht werden. Der dem Augustusplatz zugewandte Hauptteil wird nach Entwürfen des Architekten Erick van Egeraat neu gestaltet und erinnert mit seiner Giebelkonstruktion und der Aula im Innern stilistisch an die zerstörte Universitätskirche. Das Augusteum wurde 2012 fertiggestellt.[5]

Die ursprünglich zur 600-Jahr-Feier der Universität im Jahr 2009 geplante Eröffnung des Paulinums verzögerte sich bis Anfang Dezember 2017.[6] Zwischenzeitlich führten Streitigkeiten um die künftige Nutzung des Neubaus an der Stelle der Paulinerkirche zu einer Blockierung der Arbeiten,[7] später waren es Komplikationen bei der Fertigstellung der Glassäulen für das Innere des Baus.[8]

Auf dem Augustusplatz wurde am 9. Oktober 2009 ein Denkmal des Künstlers Via Lewandowsky enthüllt, die Demokratieglocke, sie erinnert an die Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989. Die Glocke läutet jeden Montag um 18:35 Uhr, dies war etwa der Zeitpunkt des Beginns der Demonstration, außerdem an jedem 9. Oktober um 10:30 Uhr und jeden Tag zwischen 8 Uhr und 20 Uhr innerhalb jeder vollen Stunde nach dem Zufallsprinzip mit einem bis zu zwölf Schlägen. Die Glocke besteht aus Bronze und hat die Form eines etwa ein Meter hohen Eies.[9]

Auf dem Augustusplatz wird inzwischen jährlich ein temporärer Beachvolleyball-Platz aufgebaut. Neben dem seit 2009 ausgetragenen Jedermannturnier SachsenBeach fanden dort auch Austragungen der Techniker Beach Tour statt, so im Jahr 2018, eine Woche nach SachsenBeach.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gina Klank, Gernoth Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Hrsg.: Stadtarchiv Leipzig. 1. Auflage. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 30.
  • Thomas Topfstedt, Pit Lehmann (Hrsg.): Der Leipziger Augustusplatz. Funktionen und Gestaltwandel eines Großstadtplatzes. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1994, ISBN 3-929031-28-0.
  • Alberto Schwarz: Das Alte Leipzig – Stadtbild und Architektur, Beucha 2018, ISBN 978-3-86729-226-9.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Augustusplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Horst Riedel: Augustusplatz. In: PRO LEIPZIG (Hrsg.): Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. 2. Auflage. Leipzig 2012, S. 29.
  2. Jürgen Weiß: B. G. Teubner zum 225. Geburtstag. Adam Ries – Völkerschlacht – F. A. Brockhaus – Augustusplatz – Leipziger Zeitung – Börsenblatt. Edition am Gutenbergplatz Leipzig, 2009
  3. Gina Klank, Gernot Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen, Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 30
  4. Museum bittet um Mithilfe: Schicksale von Leipziger Denkmalen. Veröffentlichung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig mit Informationen zum Leipziger Stalindenkmal aus Anlass der Europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung vom 8. bis 10. November 2018 in Leipzig.
  5. Leipziger Internet Zeitung: Drei Jahre Planverzug: Neues Augusteum der Uni Leipzig geht nun etappenweise in Betrieb, 4. April 2012, Zugriff am 2. Mai 2012
  6. Einweihung Paulinum / Universitätskirche. (Nicht mehr online verfügbar.) 2. Dezember 2017, archiviert vom Original am 4. Dezember 2017; abgerufen am 3. Dezember 2017.
  7. Dankwart Guratzsch: Kirchenarchitektur: Ein Gotteshaus? Oh Gott! Versteckt es!, welt.de, 2. Dezember 2011, Zugriff am 1. Januar 2012
  8. Paulinum – auch 2016 keine Einweihung. 10. Februar 2016, abgerufen am 3. Dezember 2017.
  9. http://kulturstiftung-leipzig.de/projekte/archiv/
  10. Alexander Bley: Zur 10. Auflage der SachsenBeach: Deutsche Beachvolleyball-Tour macht Halt vor der Oper Leipzig. In: Leipziger Volkszeitung. 8. Februar 2018, abgerufen am 30. Juli 2019.

Koordinaten: 51° 20′ 21″ N, 12° 22′ 51″ O