Echtes Leinkraut

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Echtes Leinkraut
Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris)

Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Gattung: Leinkräuter (Linaria)
Art: Echtes Leinkraut
Wissenschaftlicher Name
Linaria vulgaris
Mill.

Das Echte Leinkraut (Linaria vulgaris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Leinkräuter (Linaria). Andere deutsche Namen für die Pflanze sind Gemeines Leinkraut, Gewöhnliches Leinkraut, Kleines Löwenmaul sowie Frauenflachs.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die ausdauernde, krautige Pflanze kann Wuchshöhen von 20 bis 75 Zentimetern erreichen. Die Stängel stehen aufrecht. Sie sind unverzweigt oder am Grunde oder im Blütenstandsbereich etwas verzweigt. Die Stängel sind kahl oder oben drüsig behaart. Die Laubblätter sind lineal-lanzettlich, 2-6 cm lang und 1-15 mm breit und 1-3nervig.

Die Blüten stehen zu 5-30 in einem traubigen, zuweilen einseitswendigen Blütenstand zusammen. Sie sind gestielt, der Blütenstiel ist 2-8 mm lang und oft drüsig behaart. Der Kelch ist 3-6 mm lang. Die Blüten besitzen einen 10-13 mm langen Sporn. Sie sind 19-33 mm lang. Die Blütenfarbe ist gelb mit einem orangegelben Fleck auf der Unterlippe. Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober.[1]

Es werden eiförmig-kugelige Kapselfrüchte gebildet. Die Kapseln sind 5-11 mm lang und 5-7 mm breit. Die Fruchtreife erfolgt zwischen Juli und September.[1] Die Samen sind 2-3 mm lang.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 12.[2]

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Echte Leinkraut ist häufig an warmen Böschungen zu finden. Es handelt sich bei dieser Art um eine typische Schuttpflanze, sie liebt lockeren, steinigen und sandigen Boden.

Das Echte Leinkraut ist in Mitteleuropa ein sogenannter Apophyt, da die ursprünglich in der Küstenvegetation heimische Art auf anthropogene Standorte wechselte, als in Mitteleuropa vor etwa 7.000 Jahren Wälder durch Menschen gerodet wurden, um Platz für Äcker zu schaffen. Diese Standorte waren offener als die meisten natürlichen und sie wurden regelmäßig gestört und boten damit dem Echten Leinkraut optimale Lebensbedingungen.

In den Allgäuer Alpen steigt sie in Warmatsgund in Bayern bis zu 1320 m Meereshöhe auf.[3]

Ökologie[Bearbeiten]

Das Echte Leinkraut ist ein bis 1 m tief wurzelnder Wurzelknospen-Geophyt oder ein Hemikryptophyt.[1]

Die Blüten sind „Echte Maskenblumen“ und reich an Flavonen; sie sind hellgelb und haben orangefarbene Saftmale auf der Unterlippe. Die Unterlippe ist durch ein federndes Gelenk an die Oberlippe gepresst und so nur von Hummeln und größeren Wildbienen zu öffnen. Man nennt die Blüte deshalb eine „Kraftblume“. Die Haarwülste der Unterlippe sind eine Abdichtung und Führungslinie zum Nektar, der sich in dem 10 bis 13 mm langen Kronblattsporn befindet. Die Blüten sind homogam aber selbststeril. Bestäuber sind besonders Hummeln und andere langrüsselige Bienen, auch Falter gelangen mit Hilfe ihres schmalen Rüssels an den Nektar. Erdhummeln begehen „Blüteneinbruch“ durch Aufbeißen des Sporns.[1]

Eindrucksvoll ist die Mutante „Peloria“, die eine radiärsymmetrische, statt einer dorsiventralen Blüte hat, 5 statt 4 Staubblätter besitzt, und bei der alle 5 Kronblätter gespornt sind. Wegen der starken äußerlichen Abweichung stellte Linne´ die Pflanze in eine eigene Gattung Peloria. Genetisch besteht der Unterschied allerdings nur darin, dass bei der Mutante ein Gen durch Methylierung eines einzigen DNA-Bausteins blockiert ist.[1]

Die Früchte sind als Porenkapseln Wind- und Tierstreuer. Die flachen, hautrandigen Samen breiten sich als Segelflieger und Wasserhafter aus, aber auch Ameisenausbreitung findet statt. Es erfolgt eine reiche Samenproduktion von bis zu 32.000 Samen pro Pflanze.[1]

Vegetative Vermehrung erfolgt durch Ausläufer und Wurzelsprosse.[1]

Taxonomie[Bearbeiten]

Das Basionym Antirrhinum linaria L. wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.[4] Philip Miller stellte sie 1768 in die Gattung Linaria und benannte sie mit dem nomen novum Linaria vulgaris Mill.[5]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für das Echte Leinkraut sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Dorant, Druut (Mecklenburg), Feigblätterkraut, Feigwarzenkraut, Wilder Flachs, Flachskraut, Wille Flachs (Göttingen), Frauenflachs (Schlesien, Mark, Ostpreußen), Harnkraut, Heidenflachs, Hundskopf, Hunthaubito (althochdeutsch), Katharinenblumen (Schlesien), Katharinenflachs (Sachsen), Katharinenkraut (Sachsen), Krottenflachs, Lammkraut, Leinkraut, Linkraut (Mecklenburg), Wäld Liwemeltcher (Siebenbürgen), Marienflachs (Schlesien), Mauerflachs, Nabelkraut, Schänndegräber (Eifel bei Altenahr), Scheisskraut, Stallkraut (im Sinne von Harnkraut), Stockkraut, Tackenkrut (Mecklenburg), Takenkraut (Schlesien), Uckerleinkraut, Unser Frauen Flachs und Unser Frau Har gebräuchlich.[6]

Weitere Fotos[Bearbeiten]

Blütenstand des Echtes Leinkrautes (Linaria vulgaris):

Quellen[Bearbeiten]

  •  Dietmar Aichele, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Wildwachsende Blütenpflanzen Mitteleuropas. 54. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1991, ISBN 3-440-05615-5.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
  • A.O. Chater, B. Valdés, D.A. Webb: Linaria Miller. In: Thomas Gaskell Tutin et al.: Flora Europaea. Band 3, Seite 226-236. Cambridge University Press 1972. ISBN 0-521-08489-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1, S. 461–462.
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  4. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 616 (Digitalisat).
  5. Philip Miller: The Gardeners Dictionary. 8. Auflage. John & Francis Rivington, London 1768 (online).
  6. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 34–35 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echtes Leinkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien