Edmund Campion

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Edmund Campion

Edmund Campion (auch latinisiert Edmundus Campianus) (* 25. Januar 1540 in London; † 1. Dezember 1581 in Tyburn) war ein Pater im Jesuitenorden und ist ein kanonisierter Märtyrer der katholischen Kirche.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Campion wurde in London geboren. Er war Stipendiat am St John’s College in Oxford, wo er sich schnell durch seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen einen Namen machte. 1569 erhielt er die Ernennung zum Diakon der anglikanischen Kirche von England. Er legte zwar den Suprematseid ab, blieb aber in seinem Denken und Fühlen katholisch. 1570 ging er auf Einladung Richard Stanihursts nach Irland. Es ist unklar, ob er zu diesem Zeitpunkt bereits innerlich konvertiert war und sich dort sicherer fühlte, oder ob die Konversion erst in Irland stattfand. Mehrere Widersacher setzten ihm so sehr zu, dass er nach Flandern floh, wo er im Englischen Kolleg von Douai Theologie studierte. 1573 trat Edmund Campion in Rom dem Jesuitenorden bei. Das Noviziat absolvierte er in Brünn, anschließend wirkte er als Rhetoriklehrer an der Jesuitenschule in Prag, wo er im Jahre 1578 das Sakrament der Priesterweihe empfing. Kurze Zeit später erhielt er zusammen mit Robert Persons den Auftrag, in England eine Mission der Jesuiten aufzubauen. Trotz der großen Gefahr stellten sich die Männer der Aufgabe. Sie reisten verkleidet nach England ein und wirkten dort ab 1580 im Untergrund. Edmund Campion wirkte schriftstellerisch für den katholischen Glauben und reiste durch weite Teile Englands, wobei er Gefangenbesuche bei inhaftierten Katholiken machte und die Sakramente spendete. Durch seine Tätigkeit gewannen die verunsicherten und verfolgten Katholiken neuen Mut. Am 27. Juli 1581 wurde er verhaftet und im Tower von London inhaftiert. Vier Tage verbrachte er im Little Ease. Dann wurde ihm Schonung angeboten, falls er dem katholischen Glauben abschwöre, doch Campion blieb trotz schwerer Folter standhaft. Am 1. Dezember 1581 wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung unter Anwendung der für Hochverrat vorgesehenen verschärften Hinrichtungsmethoden exekutiert (Schleifung vom Gefängnis durch London zum Richtplatz, Entmannung, Ausdärmen, Verbrennen der Eingeweide vor den eigenen Augen – das alles demnach bei lebendigem Leibe –, sodann Enthauptung und Vierteilung).[1]

Edmund Campion wurde 1970 von Papst Paul VI. heiliggesprochen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein wichtigstes Werk ist das auf englisch verfasste Two bokes of the histories of Ireland (1571). Es wurde erst 1633 in James Wares Ancient Irish Histories gedruckt. Das erste Buch behandelt die Geschichte der Iren bis auf die Eroberung durch die Normannen unter Strongbow, das zweite Buch die Ereignisse nach der normannischen Eroberung.

Da Campion kein Irisch sprach, konnte er die irischen Chroniken und das einflussreiche Lebor Gabála Érenn nur indirekt nutzen. Insgesamt stützt sich die Darstellung vor allem auf Giraldus Cambrensis und William Camden, ist aber weniger negativ den Iren gegenüber [2]. Campion rechtfertigt in dem Werk die englische Herrschaft über Irland. Er betont bereits frühere Unterwerfung unter England, zum Beispiel Tributzahlungen irischer Könige an Arthus und das Angebot der milesischen Könige Éber und Éremón zur Unterwerfung unter den englischen König Gurguntius, der sie nach Irland geschickt hatte (was dieser freilich ablehnt, da er keine Möglichkeiten der Kontrolle sieht). Die irische Sprache hält er der spanischen für nahe verwandt.

Außerdem verfasste er lateinische Schriften über Theologie, die heute nur noch wenig bekannt sind, darunter, bereits im Untergrund in England, unter dem Druck der Verfolgung zu seiner Rechtfertigung und zur Erläuterung seines Auftrages die seinerzeit weit verbreiteten Decem rationes (Verteidigung des katholischen Glaubens gegen den anglikanischen, 1580).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Simons (Hrsg.): Ambrosia. A Neo-Latin Drama by Edmund Campion S. J. Van Gorcum, Assen 1970, ISBN 90-232-0002-0 (lateinischer Text und englische Übersetzung)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evelyn Waugh: Edmund Campion. Jesuit und Blutzeuge, München 1954

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Edmund Campion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. die Artikel Edmund Campion sowie Hanged, drawn and quartered in der englischen Wikipedia.
  2. Bianca Ross: Britannia et Hibernia, nationale und kulturelle Identitäten im Irland des 17. Jahrhunderts. Heidelberg 1998, S. 331.