Douai

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Dieser Artikel befasst sich mit der französischen Stadt Douai, andere Bedeutungen unter Douai (Begriffsklärung).
Douai
Wappen von Douai
Douai (Frankreich)
Douai
Region Nord-Pas-de-Calais
Département Nord
Arrondissement Douai
Kanton Hauptort von 4 Kantonen
Gemeindeverband Communauté d’agglomération du Douaisis.
Koordinaten 50° 22′ N, 3° 5′ O50.3708333333333.079166666666725Koordinaten: 50° 22′ N, 3° 5′ O
Höhe 16–38 m
Fläche 16,88 km²
Einwohner 41.732 (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 2.472 Einw./km²
Postleitzahl 59500
INSEE-Code
Website www.ville-douai.fr

Douai [dwɛ] (niederl. Dowaai, ältere Form Douay, lat. Duacum) ist eine nordfranzösische Stadt mit 41.732 Einwohnern (Stand 1. Januar 2012) im Département Nord, Region Nord-Pas-de-Calais und ist Sitz einer Unterpräfektur.

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Scarpe, 200 km von Paris entfernt, 40 km südlich von Lille und 25 km von Arras.

Geschichte[Bearbeiten]

Evakuierung der Stadt 1916
Glockenturm von Douai, Jean-Baptiste Camille Corot, 1871.

Douai entstand wohl auf dem Gebiet der spätantiken römischen Festung Castrum Duacense. Seit dem 9. Jahrhundert gehörte Douai den Grafen von Flandern. Es entwickelte sich bis zum 12. Jahrhundert zu einem Zentrum der flandrischen Tuchindustrie sowie zu einer bedeutenden Handelsstadt und erhielt Ende des 12. Jahrhunderts das Stadtrecht. 1312 fiel es (bis 1369) an die französischen Krondomäne.

1384 wurde Flandern und mit ihm Douai durch Heirat Teil der Territorien Herzog Philipps des Kühnen von Burgund, die 1477 wiederum durch Heirat größtenteils zum Herrschaftsgebiet von Kaiser Maximilian kamen, d.h. zum sog. burgundischen Kreis des Heiligen Römischen Reiches. Als dieser nach dem Tod von Kaiser Karl V. (1558) an die spanische Krone ging, wurde Douai mit Flandern ein Teil der spanischen Niederlande.

1562 gründete König Philipp II. eine Universität in Douai, zu deren Studenten unter anderem der spätere Präsident des Reichskammergerichts Moritz von Büren gehörte. Sie wurde 1888 nach Lille verlegt.

Nachdem Douai 1667 im sog. Devolutionskrieg von Ludwig XIV. erobert wurde, kam es im folgenden Jahr durch den Frieden von Aachen zu Frankreich. Während des Spanischen Erbfolgekriegs wurde es am 26. Juni 1710 durch die Alliierten unter Marlborough nach einer zweimonatigen Belagerung genommen. Villars versuchte zuerst vergeblich, Douai zu überrumpeln, nahm es aber am 7. September 1712 durch Kapitulation. So kam es von neuem an Frankreich, dem es durch den Utrechter Frieden 1713 dauerhaft zufiel. 1713-1789 war Douai Sitz des flandrischen Parlaments; nach dem Ausbruch der Französischen Revolution diente es von 1790-1802 als Hauptstadt des Départements Nord.

Der Flugzeugkonstrukteur Breguet gründete hier 1911 seine Flugzeugfirma, sein Flugplatz wurde im Ersten Weltkrieg von der deutschen Fliegertruppe genutzt. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt stark bombardiert.

1990 wurde das letzte verbliebene Bergwerk geschlossen.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im nordfranzösischen Kohlebecken und lebte lange vom Steinkohlebergbau, von der Metall- und Fahrzeugindustrie. Douai ist ein Zentrum der chemischen Industrie. Außerdem befindet sich in Douai ein Werk der Automarke Renault. Hier werden die Modelle Mégane und Scénic produziert; 2009 stellten 4.900 Mitarbeiter rund 165.000 Autos her.[1]

Seit 1846 hat Douai einen Bahnhof auf der Bahnstrecke Paris–Lille. Heute ist Douai durch den TGV direkt mit Paris verbunden; die Fahrzeit beträgt rund 75 Minuten. Die elektrische Straßenbahn Douai verkehrte von 1898 bis 1950.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fêtes de Gayant 1984 in Douai
Marie Cagenon, die Frau von Gayant 2005

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Douai

Wahrzeichen der Stadt ist der Belfried, ein 1380 erbauter Turm, der zunächst als Wachtturm diente. Seit 2005 gehört er zum UNESCO-Welterbe Belfriede in Frankreich. In seinem Innern befindet sich seit 1391 ein Glockenspiel, das heute mit 62 Glocken eines der größten Europas ist.

Das frühere Kartäuserkloster aus dem 16. Jahrhundert diente während der Französischen Revolution militärischen Zwecken und wurde im Zweiten Weltkrieg während der Bombardierung der Stadt beschädigt. Seit 1958 ist hier das Kunstmuseum Musée de la Chartreuse untergebracht.

Die Fêtes de Gayant, jährlich Anfang Juli (Wochenende nach dem 5. Juli) stattfindende Umzüge mit Figuren von Riesen, die bis über acht Meter hoch sind, wurden 2005 von der UNESCO als Teil der Umzüge der Riesen und Drachen in Belgien und Frankreich in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Wissenschaft[Bearbeiten]

Seit 1878 hat Douai eine Hochschule für Ingenieure, die École des mines.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Douai ist verschwistert mit

  • Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Harrow in der Region Greater London (England)
  • BelgienBelgien Seraing in Wallonien (Belgien), seit 1964
  • DeutschlandDeutschland Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen, seit 1965
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Kenosha in Wisconsin (USA)
  • Burkina FasoBurkina Faso Dédougou in Burkina Faso, seit 2003
  • PolenPolen Puławy in der Wojewodschaft Lublin (Polen), seit 2004

Weitere Partnerschaften[Bearbeiten]

  • Seit 1969 besteht ein jährlicher gegenseitiger Schüleraustausch zwischen dem Lycée Albert Chatelet, Douai und dem Gymnasium Petrinum, Recklinghausen.
  • Das Lycée Jean-Baptiste Corot unterhält eine Partnerschaft mit dem Marie-Curie-Gymnasium in Recklinghausen.
  • Das Collège André Streinger in Douai pflegt einen langjährigen Schüleraustausch mit dem Windthorst-Gymnasium in Meppen.
  • Seit vielen Jahren gibt es auch einen Schüleraustausch zwischen Douai und der Realschule Bad Gandersheim (Deutschland).
  • Außerdem besteht eine enge Partnerschaft des Lycées Saint Jean mit dem Gymnasium der Benediktiner in Meschede, die ein jährliches Austauschprogramm von Schülern und den Aufenthalt von deutschen Sprachassistenten (assistants allemands) in Frankreich ermöglicht.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Douai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dokument der Firma Renault; Zahlen für Douai auf S. 37 (PDF; 4,1 MB), abgerufen 25. Dezember 2010