Edward Flanagan

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Edward J. Flanagan

Edward Joseph Flanagan (geboren am 13. Juli 1886 im County Roscommon in Irland; gestorben am 15. Mai 1948 in Berlin) war ein amerikanischer katholischer Geistlicher.

Father Flanagan war Gründer der Organisation Boys Town (deutsch: „Jungenstadt“), einer der bekanntesten amerikanischen Jugendhilfeeinrichtungen. Gründungsort und Sitz der Einrichtung ist der Ort Boys Town, ein Vorort von Omaha im amerikanischen Bundesstaat Nebraska und ein Zentrum für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flanagan wurde 1886 im irischen County Roscommon geboren, kam 1904 in die Vereinigten Staaten und wurde 1919 eingebürgert. Er besuchte die Mount St. Mary's University in Emmitsburg, Maryland, wo er 1908 diplomierte. Danach setzte er seine Studien im Priesterseminar St. Joseph’s Seminary in „Dunwoodie“, Southeast Yonkers (Bundesstaat New York) fort, anschließend studierte er am Canisianum in Innsbruck und in Italien. Seine erste Pfarrstelle war im Städtchen O’Neill, Nebraska, in der Gemeinde St. Patrick’s. In Folge zog er nach Omaha, in die größte Stadt Nebraskas, wo er zunächst in einer weiteren Kirche St. Patrick’s diente und dann die Gemeinde St. Philomena’s leitete.

1917 gründete er in Omaha ein ‚Obdach für obdachlose Jungen‘. Da die Räumlichkeiten im Stadtzentrum sich als ungeeignet herausstellten, gründete er vier Jahre später, im Jahr 1921, die „Jungenstadt“ Boys Town 16 km westlich vor den Stadtgrenzen Omahas. Unter seiner Leitung wurde Boys Town zu einer großen Gemeinde mit eigenem minderjährigem Bürgermeister, Schulen, einer Kapelle, einem Postamt, Bauernhöfen, einem Sport-Komplex und anderen Einrichtungen, in denen Jungen zwischen 10 und 16 Jahren Unterricht erhalten und ein Handwerk lernen konnten.

1938 entstand unter dem Titel Boys Town (dt. Titel: Teufelskerle) ein Kinofilm über das Leben von Edward Flanagan mit den Schauspielern Spencer Tracy in der Rolle des Priesters (er erhielt dafür einen Oscar) und dem damals 17-jährigen Mickey Rooney. Eine Fortsetzung unter dem Titel Men of Boys Town entstand 1941.

Edward Flanagan erhielt viele Ehrungen für seine Arbeit mit jugendhilfebedürftigen Jungen. Er war in mehreren Wohlfahrtsverbänden tätig und verfasste etliche Presseartikel zum Thema. International gewürdigt, reiste Flanagan im Jahr 1947 nach Japan und Korea, um dortige Probleme der Jugendhilfe zu studieren. Eine ähnliche Reise unternahm er im Folgejahr nach Österreich und Deutschland, wo er am 15. Mai 1948 in Berlin einem Herzinfarkt erlag. Sein Grab befindet sich in der Dowd Chapel in Boys Town.[1]

1965 wurde Flanagan als vierter Bürger seines Bundesstaats in die Nebraska Hall of Fame aufgenommen.[2] 1986 erschien eine US-Briefmarke, die an Edward J. Flanagan erinnert.

Zur Rezeption Flanagans in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Auswirkungen und Einflüsse von Flanagans Boys Town-Ansatz in Deutschland sind bislang nicht systematisch untersucht worden. Dennoch kann festgehalten werden, dass es unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedene Versuche gab, Flanagans Idee einer Jugendhilfe-Einrichtung nach Deutschland zu übertragen. Die Initiative hierzu ging in der Regel von den amerikanischen Besatzungsstreitkräften aus, was auf deutscher Seite teilweise zu prinzipiellen Vorbehalten führte. Den am weitesten fortgeschrittenen Versuch der Übertragung stellt dabei die 1947 bei Starnberg gegründete Jungenstadt Buchhof dar, die jedoch Mitte der 1950er Jahre aus finanziellen Gründen geschlossen wurde.[3][4]

Ein weiterer belegbarer Versuch, den „Boys Town“-Ansatz in Deutschland zu verwirklichen, wurde 1969 mit der Einrichtung des Jugenddorfs Bökenförde unternommen, das seit 1971 unter dem Namen Jugendwerk Rietberg fortgeführt wurde.[5] Inspiriert durch Flanagans Konzept war in diesem Erziehungsheim ein sogenannter „Jungenrat“ eingeführt und weitere Ideen des Boys-Town-Konzepts aufgenommen worden.[6]

Darüber hinaus gibt es in Babenhausen (Hessen) eine Eduard-Flanagan-Schule,[7] die – obwohl der Vorname etwas eingedeutscht ist – zu Ehren von Edward J. Flanagan benannt ist, und eine Flanaganstraße im Berliner Ortsteil Dahlem.

In einer sportpädagogischen Studie von 1967 wurde Flanagans vorsorgende Erziehung zusammen mit der des Italieners Giovanni Bosco und des Russen Anton Semjonowitsch Makarenko genannt. Gemeinsam wurde ihnen neben einer Präventivmethode in besonderer Weise auch die Intention der Leibeserziehung zuerkannt. Flanagan erklärte: „Der Vorteil des geleiteten Spiels liegt darin, dass es die unbewussten Triebkräfte in eine heilsamen Richtung lenkt./..../Ein gesunder Körper ist für jeden Menschen ein Aktivkapital. Körperliche Gesundheit fördert die seelische.“[8]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verstehe ich meinen Jungen und erziehe ich ihn richtig? Englisch: Understanding your boy. 2. Auflage. Herder, Freiburg i. B. u. a. 1960.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willy Hane: Edward Josef Flanagan. Ein Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik? Neubauer, Lüneburg 1987, ISBN 3-88456-038-7.
  • Wolfgang Brezinka: Erziehung als Lebenshilfe. Österreichischer Bundesverlag f. Unterricht, Wiss. u. Kunst, Wien 1961 (2. Auflage), S. 213–219
  • Wilhelm Hünermann: Die Stadt der tausend Jungen - Father Flanagans Boys-Town. F.H. Kerle Verlag, Heidelberg 1966.
  • Friedrich Fetz: E. J. Flanagan (1886 – 1948). In: Ders./Horst Ueberhorst/Hans Wieland: Vorbildliche Erzieher und die Leibeserziehung, Limpert, Frankfurt/M. 1967
  • Johannes-Martin Kamp: Kinderrepubliken. Geschichte, Praxis und Theorie radikaler Selbstregierung in Kinder- und Jugendheimen. Leske+Budrich, Opladen 1995 (Dissertation Universität Essen 1994), ISBN 3-8100-1357-9, Kap. 21., S.545–556, Flanagan in Boys Town.
  • Jörg Martens: Boys Town. Eine Darstellung der Pädagogik Father Edward J. Flanagans. Dissertationsdruck, Universität Göttingen 1998.
  • Hugh Reilly, Kevin Warneke: Father Flanagan of Boys Town. A Man of Vision. Boys Town Press, Boys Town 2008, ISBN 978-1-889322-99-5.
  • Georg Wagner: Father Flanagan und seine Jungenstadt. Austria-Edition, Wien 1957.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Edward J. Flanagan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edward Flanagan in der Datenbank von Find a Grave. Abgerufen am 7. Mai 2017 (englisch).7. Mai 2017
  2. Nebraska State Historical Society: Nebraska Hall of Fame Members; abgerufen 7. Mai 2017.
  3. Johannes-Martin Kamp: Kinderrepubliken. Opladen 1995; online (PDF): 2. Aufl. 2006 (Bildungsserver paed.com), S.597.
  4. jungenstadt-buchhof.de, Seite eines Forschungsprojekts über die Jungenstadt Buchhof; abgerufen 7. Mai 2017.
  5. boekenfoerde.de (KLJB): Jugendgruppe spendet 800 DM an Jugenddorf@1@2Vorlage:Toter Link/www.boekenfoerde.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; abgerufen 11. Mai 2017.
  6. Jugendwerk Riedberg: Historie; abgerufen 11. Mai 2017.
  7. flanaganschule.de, die Seiten der Eduard-Flanagan-Schule Babenhausen; abgerufen 7. Mai 2017.
  8. Zit. n. Fetz/Ueberhorst/Wieland: Vorbildliche Erzieher und die Leibeserziehung, S. 68