Einsteckschloss

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Einsteckschloss
Einsteckschloss DIN L – Innenansicht

Das Einsteckschloss ist ein Türschloss mit Falle und Riegel nach DIN 18 251 zum Einbau in Stumpftüren, Falztüren oder Rohrrahmentüren.

Einsteckschlösser können ein Buntbart-, Zuhaltungs-(Chubb-) oder Profilzylinderschließwerk haben oder Einsteckschlösser mit Badriegel sein. Der Vorteil eines Einsteckschlosses gegenüber dem aufgeschraubten Kastenschloss ist nicht nur das elegantere Aussehen, sondern auch der Sicherheitsaspekt, da es bei geschlossener Tür nicht einfach abgeschraubt werden kann. Andererseits wird das Material, etwa einer einfachen Zimmertür, durch die für das Einsteckschloss notwendige Aussparung geschwächt.

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Falle ist der angeschrägte Bolzen, welcher durch den Druck der Fallenfeder in die entsprechende Öffnung des Schließblechs schnappt, wenn die Tür ins Schloss fällt.

Das Achsmaß bezeichnet den Abstand der Mitte der Falle zur nächstgelegenen Kante des Türblatts bzw zur Außenkante des Schließblechs.

Das Stegmaß bezeichnet den Abstand zwischen der langen Seite der Falle und der nächstgelegenen Kante des Türblatts bzw. der Außenkante des Schließblechs.

Der Riegel sitzt meist unterhalb der Falle im Stulp (das im Türfalz sichtbare Blech eines eingebauten Einsteckschlosses) und wird nach dem Schließen der Türe mithilfe des Schlüssels in eine weitere Öffnung im Schließblech geschoben, um die Türe zu verriegeln.

Beim Wechsel handelt es sich um eine Schubstange im Inneren des Schlosses, welche dazu dient, die Falle auch mittels Schlüsselumdrehung öffnen zu können (notwendig bei Haus- oder Wohnungstüren mit festem Knauf anstelle eines beweglichen Türdrückers).

Mit Drückernuss wird der zentrale, runde Einsatz im Schloss bezeichnet, durch welchen der Vierkant des Türdrückers geführt wird. Nach Betätigung des Türdrückers sorgt die Nussfeder (auch Kontréfeder genannt) dafür, dass sich Drückernuss, Vierkant und Türdrücker wieder in die Ausgangsstellung bewegen.

Mit Schlossboden und Schlossdecke werden das untere bzw das obere Schlossblech bezeichnet, welche hinter dem Stulp den Kasten (Korpus) des Schlosses bilden.

Bei der Zuhaltung handelt es sich um ein oder mehrere verschiebliche Bleche im Inneren des Schlosses, welche von der Zuhaltungsfeder in Aussparungen des Riegels gedrückt werden, um diesen in seiner Position zu sichern, bis er durch einen passenden Schlüssel entsperrt und vor oder zurück bewegt wird.
Alternativ befinden sich die Aussparungen im Zuhaltungsblech selber, welches durch die Schlüsseldrehung angehoben wird, um einen auf dem Riegel befestigten Schlossstift (Tourstift) freizugeben und somit die Bewegung des Riegels zu ermöglichen. Chubbschlösser enthalten mehrere dieser Zuhaltungsbleche, welche vom jeweiligen Absatz des abgestuften (gezackten) Bartes des zugehörigen Buntbartschlüssels auf die richtige Höhe gehoben werden, um den Riegel freizugeben.[1]

Als Beispiel die Bezeichnung eines Einsteckschlosses als Buntbartschloss (BB), Dornmaß 55 mm, Rechtsschloss in der Widerstands-Klasse 1: „Schloss DIN 18 251 BB 55 R-l“.

Auswahl der Öffnungsrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oben: Falle (zum Wenden), unten: Riegel

Bei der Auswahl eines Einsteckschlosses ist auf die Öffnungsrichtung der Tür zu achten. Die Bezeichnung der Öffnungsrichtung kennzeichnen die Hersteller meist als "R" oder "L" in der Artikelbezeichnung. Wenn sich die Falle (am ausgebauten Schloss) wenden lässt, kann das Schloss gleichermaßen für links wie rechts öffnende Türen eingesetzt werden (vgl. Abbildung).

Dornmaß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dornmaß: Abstand vom Mittelpunkt von Schlüsselloch und Vierkantstift bis zur Außenkante

Das Dornmaß ist eines der wichtigen Maße bei Schlössern. Es bezeichnet den Abstand vom Mittelpunkt von Schlüsselloch und Vierkantstift bis zur Außenkante. Das Dornmaß wird üblicherweise in Millimeter (mm) angegeben.

Dornmaße liegen normalerweise im Bereich von ca. 20–100 mm. Übliche Dornmaße betragen bei hölzernen Zimmertüren 55 mm, bei massiven Haustüren 65 mm, bei (verglasten) Rohrrahmentüren 24/30 mm und bei Brandschutztüren aus Metall 40–45 mm.

Die Einstecktiefe (Kastenbreite) ist unter anderem beim Einbau in ein vorhandenes Türblatt maßgebend. Gelegentlich wird auch das Hinterdornmaß angegeben: Dornmaß + Hinterdornmaß = Einstecktiefe (Kastenbreite).

Entfernungsmaß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

auch genannt: Distanznorm oder Lochmittelabstand

Zur Auswahl des passenden Türbeschlags (Drückergarnitur) muss der Abstand zwischen dem Mittelpunkt der Drehachse (Vierkant) des Türdrückers und dem Drehpunkt des Schließzylinders berücksichtigt werden. In Deutschland sind dies meist 72 mm bei Zimmertüren mit Buntbart-Schlüsseln sowie 72 oder 92 mm bei Türen mit Profilzylindern (PZ).[2]

Als Sonderanfertigung erhältlich sind häufig Schlösser und Beschläge mit Entfernungsmaßen im Bereich von 47 - 110 mm.

Land Anwendung Entfernung in mm[3]
Deutschland Zimmertür (Buntbart oder PZ) 72
Deutschland Haustür 92
Deutschland Fluchttür/Panikschloss 92 oder 72
Deutschland WC-Tür 78
Schweiz 78
Österreich Buntbart (Zimmertür) 90
Österreich Profilzylinder (Haustür) 88 (seltener auch 85 und 90)[4]
Frankreich Haustür 70
Frankreich Zimmertür 70 oder 72
England Haustür 48
England Zimmertür 57
Holland Zimmertür 56
Holland Haustür 55, 72 oder 85
Belgien Zimmertür 72 oder 90
Belgien Haustür 72, 85 oder 110
Tschechien Zimmertür 72, 90
Tschechien Haustür 72, 90, 92
Ungarn 90

Drückernuss - Vierkant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vierkantmaße der Drückernuss haben sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten auf drei gängige Maße reduziert: 8 x 8 mm für Zimmertüren, während viele Haustüren stattdessen 10 x 10 mm verwenden. Feuerschutztüren sowie Panikschlösser verwenden im Allgemeinen 9 x 9 mm.

International ist das Maß von 8 x 8 mm am verbreitetsten. WC-Riegel sind hingegen oft unterschiedlich bemaßt, bis hinab zu 5 x 5 mm (England). Neben den in der Tabelle genannten Maßen kommt selten auch das Maß 7,6 x 7,6 mm vor.

Land Vierkantmaß in mm
Deutschland (allgemein) 8
Deutschland (Panikschlösser & Feuerschutztüren) 9
Deutschland (manche Haustüren) 10
Frankreich 7
Frankreich 8
Österreich 8,5

Bei Fluchttür- und Paniktürbeschlägen ist der Vierkant oft zweiteilig ausgeführt. Der eine Teil ist dann in der Regel mit einer Längsbohrung versehen, durch welche der andere Teil mit einer Schraube zugfest, aber gegeneinander drehbar verbunden werden kann. Der geteilte Vierkantstab ermöglicht es, dass der Drücker auf der Innenseite gegenüber dem Drücker auf der Aussenseite eine unterschiedliche Funktion auslöst. So soll bei einer Paniktür die Türe auch dann bei Betätigung des Drückers auf der Innenseite öffnen, wenn die Türe mit einem Schlüssel abgesperrt wurde.

Stulp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stulp

Der Stulp (auch: die Stulpe)[5] ist bei einem Schloss das nach dem Einbau noch sichtbare, in der Türkante eingelassene Blechteil. Er hat meist zwei Löcher für die Befestigungsschrauben des Schlosses, zwei Aussparungen für die Falle und den Riegel sowie gegebenenfalls ein Loch unterhalb des Riegels für die Befestigungsschraube des Profilzylinders. Die Breite, Länge und Dicke des Stulps, wie auch die Ausführung seiner Enden (rund oder rechteckig) und der Abstand zwischen Falle und Riegel sind nicht einheitlich. Typisch sind z. B.

  • Breite: 18, 20 oder 24 mm
  • Dicke: 3 mm
  • Länge: 235 mm (bei 72 mm Entfernung/Zimmer- oder Korridortür) oder 280 mm (bei 92 mm Entfernung/Haustür)
  • Abstand von der Unterkante der Falle zur Oberkante des Riegels(Zargenmaß): 50 mm

Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss DIN 18 251 – 1: Schlösser – Einsteckschlösser – Teil 1: Einsteckschlösser für gefälzte Türen[6]
  • Schloss DIN 18 251 – 2: Schlösser – Einsteckschlösser – Teil 2: Einsteckschlösser für Rohrrahmentüren[7]
  • Schloss DIN 18 251 – 3: Schlösser – Einsteckschlösser – Teil 3: Einsteckschlösser als Mehrfachverriegelung[8]
  • Schloss DIN EN 12209: Schlösser und Baubeschläge – Schlösser – Mechanisch betätigte Schlösser und Schließbleche[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe auch die Abbildung beim KoksaWiki.
  2. Galbusera (ital. Hersteller), PDF Seite 54
  3. Bestellhinweise der Firma Einzellhandel für Beschläge und Bauelemente, Fürstenwalde/Spree, abgerufen im Februar 2016
  4. Katalog der Firma Gege bzw. Kaba GmbH, Herzogenburg, Österreich, abgerufen im Februar 2016
  5. http://www.sicherheitstechnik.fermatec.de/lexikon-sicherheitstechnik/stulpe.html
  6. [1]
  7. [2]
  8. [3]
  9. [4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]