Erfurter Hof

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Der Erfurter Hof im Oktober 2007
Der Erfurter Hof 1970
Willy-Brandt-Denkmal auf dem Dach des Hauses
Der Erfurter Hof vor der Sanierung mit markiertem „Willy-Brandt-Fenster“ (2006)
Werbeinserat (um 1920) für Haus Kossenhaschen

Der Erfurter Hof ist ein ehemaliges, zur Interhotel-Kette gehörendes Hotel am Willy-Brandt-Platz in Erfurt. Hier fand 1970 das erste deutsch-deutsche Gipfeltreffen zwischen Willy Brandt und Willi Stoph statt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde im Jahr 1872 ein Ensemble „Erfurter Hof“ am Bahnhofsplatz 1-3. Nach dem Neubau des Erfurter Hauptbahnhofs im Jahr 1890 folgte 1904/05 ein Hotelneubau nach Plänen von Otto March und 1914/1916 eine Erweiterung um das Haus Kossenhaschen nach Plänen des Erfurter Architekten Arthur Hügel. Das Hotel des Gastronomieunternehmers Georg Kossenhaschen gehörte als „erstes Haus am Platze“ in Erfurt zu den führenden Häusern Europas. 1923 entstand das Palast-Café im Erdgeschoss. 1926/27 sorgte der Auftritt des Hochstaplers Harry Domela für eine deutschlandweite Bekanntheit des Hotels.

Obwohl direkt am Bahnhof gelegen, überstanden die Häuser den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. 1948 wurden beide Hotels in „Erfurter Hof“ umbenannt, enteignet und in Staatseigentum überführt. In den folgenden 20 Jahren wurde das Hotel mehrfach umgebaut und verlor dabei den prächtigen Dachabschluss in Form von Kuppeln und Giebeln zugunsten eines einfachen Mansarddaches. 1965 wurde der Erfurter Hof eines von zwölf Interhotels der DDR. International bekannt wurde es 1970, als darin das erste deutsch-deutsche Gipfeltreffen zwischen Willy Brandt und Willi Stoph stattfand. Dabei stürmten die Massen trotz Polizei- und Stasi-Absperrungen den Bahnhofsplatz und riefen „Willy! Willy!“. Rasch folgten die eindeutigen Rufe „Willy Brandt ans Fenster!“, worauf sich der westdeutsche Kanzler kurz am Fenster des Hauses zeigte.

Nach der Wiedervereinigung wurde der Erfurter Hof wie die anderen Interhotels von der Treuhandanstalt übernommen. 1991 verkaufte die Treuhand die Interhotel AG an die Klingbeil-Gruppe, die jedoch bei ihrem Versuch, den Erfurter Hof weiterzubetreiben, scheiterte. 1995 übernahm die Deutsche Bank und die Depfa Bank die Deutsche Interhotel Holding GmbH & Co. KG mit allen Häusern im Jahr 1995 von der Berliner Trigon-Gruppe (vormals Klingbeil-Groenke-Guttmann-Gruppe). Das Hotel wurde am 30. Juni 1995 geschlossen und stand bis 2004 leer. Ende der 90er Jahre stellte der Thüringer Wirtschaftsminister Franz Schuster 40 Millionen DM zur Förderung eines Fünf-Sterne-Hotels in Erfurt bereit, da das Land die Notwendigkeit eines Luxushotels in der Landeshauptstadt erkannt hatte. Daraufhin erwarb die LEG Thüringen unter der Führung von Reinhold Stanitzek den Erfurter Hof, jedoch nicht mit dem Ziel, hierzu einen geeigneten Investor und Betreiber zu finden, sondern um eine Konkurrenz für ein geplantes 5-Sterne-Hotel im LEG-eigenen Brühl zu verhindern und mit den 40 Millionen den Neubau eines Fünf-Sterne-Hotels im Brühl vom Land gefördert zu bekommen. Die von Manfred Ruge geführte Stadt Erfurt als Träger der Planungshoheit wirkte dabei mit. Den Erfurter Hof baute die LEG danach mit Landesmitteln zu einem Büro- und Geschäftshaus um, er wurde 8. September 2007 wiedereröffnet.

Am 27. Januar 2009 genehmigte die Bau-Stadtverwaltung – nach längerer, kontroverser Debatte – die Errichtung eines Denkmals in Form einer Leuchtschrift Willy Brandt ans Fenster des Berliner Künstlers David Mannstein auf dem Dach des Erfurter Hofes. Das Denkmal wurde am 20. Mai 2009 feierlich eingeweiht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erfurter Hof – Die Geschichte eines Luxushotels. Ein Film von Rainer Erices und Jan Schönfelder. MDR, Erstausstrahlung am 5. September 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hotel Erfurter Hof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 58′ 23″ N, 11° 2′ 14″ O