Karsten Klingbeil

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Das Pallasseum in Berlin

Karsten Klingbeil (* 8. März 1925 in Stettin; † 1. Juli 2016[1] in Berlin) war ein deutscher Bildhauer, Sammler und Immobilienunternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde in Stettin geboren und wuchs in vermögenden Verhältnissen in einer Villa am Kleinen Wannsee auf. Sein Vater war ein hoher Bahnbeamter und zeitweise Chef der Berliner S-Bahn. Bereits als Schüler interessierte er sich für Lebewesen im Wasser, die er auf Paddelboottouren kennenlernte. Zudem nahm er Unterricht in der Bildhauerei bei den Berliner Künstlern Max Esser und Renée Sintenis. 1943 wurde er zur Panzerabwehr eingezogen, geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst nach zweieinhalb Jahren zurück. Danach studierte er Kunst und Biologie in Berlin. 1949 gründete er sein erstes Unternehmen, den studentischen Jobvermittlungsdienst TUSMA. Danach folgten die Gründungen eines Zeitungsvertriebes, einer Werbefirma, eines Bowling-Unternehmens und ein Engagement für die Fastfoodkette Kentucky Fried Chicken. Zudem baute er 1957 bis 1964 Schau-Aquarien in Westerland auf Sylt, am Timmendorfer Strand und in Oberstdorf im Allgäu (1957–1964)[2] und schrieb Bücher über Aquarienpflege und historische Verdienstorden.

Als seine Unternehmen gut liefen, begann er auf Empfehlung seines Steuerberaters wegen der Abschreibungen mit dem Bau von Immobilien. 1967 gründete er die Klingbeil-Gruppe, die in den 1970er und 80er Jahren gut 150 Bauprojekte mit mehr als 1000 Wohnungen in Berlin und Westdeutschland realisierte und zum damals größten Bau- und Wohnungsunternehmen Berlins aufstieg. Das Eigenkapital stellten überwiegend gutverdienende Westdeutsche, die mit 200-prozentigen Abschreibungen und Verlusten so viel Steuern sparten, dass sie unterm Strich fast nichts in die Berliner Immobilien investierten.

Anfang der 1970er erbaute sein Unternehmen das 1975 eingeweihte Sheraton-Hotel am Frankfurter Flughafen, seinerzeit mit 555 Zimmern das größte Flughafenhotel Europas. Von der Hessischen Landesbank erhielt er einen Kredit von 84 Millionen Mark. Während er Zeit übergab Klingbeil dem Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt Parteispenden von insgesamt 1,2 Millionen Mark in mehreren Raten, was zur Spendenaffäre der Frankfurter SPD beitrug. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, da sie einen direkten Zusammenhang von Kredit und Spende nicht beweisen konnte.[3]

1978 nahm er Axel Guttmann und Klaus Grönke als Mitgeschäftsführer in das Unternehmen auf, das nun als Holding für 92 Einzelunternehmen fungierte und bis 1000 Mitarbeiter beschäftigte.[4]

1985 war er in den Antes-Skandal verwickelt.[5] Im gleichen Jahr verkaufte er die Mehrheit seiner Geschäftsanteile an seine Mitgeschäftsführer.

1991 erwarb die Klingbeil-Groenke-Guttmann-Gruppe von der Treuhand die aus 23 Luxushotels bestehende DDR-Hotelkette Interhotel für über 1 Milliarde DM, die größtenteils über Kredite finanziert wurden. Kurze Zeit später zog er sich aus seiner Firma zurück, um sich wieder der Bildhauerei und seinen Sammlungen zu widmen. Seine Nachfolger Guttmann und Groenke wandelten daraufhin die 1995 fast insolvente Unternehmensgruppe in die noch bestehende TRIGON Immobilien Holding GmbH.

2012 verkaufte er seine über 300 Präparate umfassende Sammlung von Krustentieren.[6]

Wirken als Bildhauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klingbeil stellte seine Skulpturen im eigenen großen Garten am Wannsee aus, aber auch in Monte Carlo, Paris oder Verona. Er wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a mit der Goldmedaille für Kunst der Stadt Paris.[7] Im Berliner Friedrichstadt-Palast steht eine von ihm geschaffene Büste von Helga Hahnemann.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karsten Klingbeil war viermal verheiratet, zuletzt über 50 Jahre mit seiner ehemaligen Chefsekretärin Ulla Klingbeil. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.[8] Ulla Klingbeil engagiert sich im Wohltätigkeitsbereich. Die Klingbeils bezahlten u.a. eine (wenn auch letztlich nicht erfolgreiche) alternative Krebstherapie für Tamara Danz.[9]

Immobilienprojekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das bunte Aquarien-Buch, mit G. Keuer u.a., Bertelsmann, Gütersloh 1964
  • Orden: 1700-2000, in 4 Bänden, mit Andreas Thies, Klingbeil, Berlin 2008–2011, ISBN 978-3-000224-80-5

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem 2001 erschienenen Dokumentarfilm Berlin Babylon wird Klingbeil in seinem Atelier zur Stadtentwicklung in Berlin und seinem Ausstieg aus dem Bauträgergeschäft interviewt.[10]

„Es bringt nichts, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.“

Karsten Klingbeil über seinen Ausstieg aus dem Bauträgergeschäft

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Goldmedaille für Kunst der Stadt Paris

Literatur, Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Stollowsky: Der Tausendsassa: Karsten Klingbeil ist tot, Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Juli 2016 [1]
  • Christian van Lessen: Erst das Bauen, dann die Kunst, Der Tagesspiegel, Berlin 8. August 2005 [2]
  • Barbara Jänichen: Bildhauer Karsten Klingbeil lebt in Wannsee seinen Traum, Berliner Morgenpost, 6. März 2005 [3]
  • Esther Hoffmann: „Alt werden ist Mist, ich kann es keinem empfehlen“, Berliner Zeitung, 7. März 2015 [4]
  • DER SPIEGEL 6/92: „Das kam für uns goldrichtig“, Hamburg, 3. Februar 1992 [5]
  • Ralf Schönball: Die Party sollte nie zu Ende gehen, Der Tagesspiegel, Berlin, 31. Oktober 2001 [6]
  • Peter Sandmeyer: Der letzte Krebsgang, Mare Nr. 92, Hamburg, Juni 2012 [7]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stollowsky 2016
  2. Jänichen 2005
  3. Schönball 2001
  4. Sandmeyer 2012
  5. Schönball 2001
  6. Sandmeyer 2012
  7. www.morgenpost.de: Bauherr und Bildhauer Karsten Klingbeil gestorben, vom 21. Juli 2016, abgerufen am 5. August 2017
  8. Die Klingbeils - Glück seit 50 Jahren, vom 27. Mai 2012, abgerufen am 5. August 2017
  9. Alexander Osang: Tamara Danz - Legenden, Ch. Links Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-86153-124-0, S. 150ff.
  10. www.berlinbabylon.de: Protagonisten und Schauplätze des Films, abgerufen am 5. August 2017