Ernst Brandes (Politiker)

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Ernst Brandes (* 11. März 1862 in Dresden; † 4. April 1935 auf Gut Zaupern-Althof bei Insterburg) war ein Jurist und Landwirt. In der Weimarer Republik war er ein maßgeblicher Agrarpolitiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn des Rittergutsbesitzers und Kommerzienrates Dr. August Brandes auf Althof in Ostpreussen besuchte Brandes das Gymnasium in Insterburg. Er studierte Rechtswissenschaft an der Universität Leipzig und wurde im Sommersemester 1883 im Corps Lusatia Leipzig aktiv.[1] In vier Aktivensemestern focht er zwölf Mensuren, davon zwei PP-Suiten. 1886 promovierte er in Göttingen zum Dr. iur. Er diente als Einjährig-Freiwilliger im Bonner Königs-Husaren-Regiment und wurde Reserveoffizier. Gerichtsreferendar war er in Gumbinnen und Königsberg i. Pr., Regierungsreferendar in Trier, Saarbrücken und Hildesheim. 1893 wurde er Regierungsassessor.

Seit 1894 bewirtschaftete er das väterliche Gut im äußersten Nordosten des Deutschen Reiches. Er wurde als hervorragender Züchter bekannt. Diese Aktivität hat dann sein jüngerer Sohn Herbert (* 1898) mit Arbeiten über die Trakehner Pferdezucht weitergeführt und in einer viel beachteten Doktorarbeit 1927 publiziert.[2]

Daneben entfaltete Ernst Brandes eine vielseitige politische Tätigkeit: 1894 auf Kreisebene, 1900 im Ostpreußischen Provinziallandtag und 1902 in der Landwirtschaftskammer Ostpreußens, deren Präsident er 1914 wurde. Nach dem Einfall der russischen Truppen zu Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 blieb er auf seinem Gut, setzte sich kaltblütig für die bedrängte Bevölkerung ein und rief die Selbsthilfeaktion der ostpreußischen Landwirtschaft ins Leben. Er führte die Landwirtschaftskammer energisch durch die Kriegswirtschaft, die Inflation und die schwere Agrarkrise. 1919 wurde er Vorsitzender des Ostpreußischen Provinzialausschusses. Über Ostpreußen hinaus bekannt wurde er als Vorkämpfer einer konservativen Agrarpolitik in der Grünen Front. Von 1922 bis 1933 war er Vorsitzender der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer und des Deutschen Landwirtschaftsrats. Als am 23. November 1923 der Deutschen Inflation ein Ende gesetzt wurde, war Ernst Brandes als höchster Vertreter der deutschen Landwirtschaft im Verwaltungsrat der Deutschen Rentenbank benannt, und so befindet sich das Faksimile seiner Unterschrift auf den Banknoten der Rentenmark, mit der zum Kurs von 1 zu 1 Billion die (Papier-) Mark abgelöst wurde (zweite Unterschrift auf der Banknote).[3] Von 1928 bis 1933 war Brandes Mitglied im Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

1930 schrieb er den Aufruf an das deutsche Volk zur Unterstützung Ostpreußens und zur Beseitigung des Polnischen Korridors. 1931 wurde er Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates, 1933 des Preußischen Staatsrates. Die Landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim verlieh ihm den Ehrendoktor. Zu seinem 70. Geburtstag veranstaltete die Reichsregierung einen Festakt in Königsberg. Reichspräsident Paul von Hindenburg verlieh ihm den Adlerschild des Deutschen Reiches, die höchste zivile Auszeichnung der Weimarer Republik.

„Brandes’ Einfluß ist schwer zu überschätzen. Nicht nur vereinigte er in der Provinz das wichtigste Ehrenamt der provinziellen Selbstverwaltung mit der Funktion des Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer, eine in schwerer Zeit wirkungsvolle Personalunion, er war auch der erste Mann in Preußen und im Reich, um die Forderungen seines Berufsstandes zu vertreten. Sein Ansehen in der Provinz war umso unbestrittener, als er sich vom politischen Tageskampf und spektakulären Demonstrationen fernhielt.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft – Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Erster Band, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, ISBN 3-598-30664-4
  • D. Hertz-Eichenrode: Politik und Landwirtschaft in Ostpreußen 1919–1930. Köln und Opladen 1969
  • Chr. Krull: Die ostpreußische Landwirtschaft. Berlin und Königsberg 1931
  • Kurt Forstreuter: Ernst Brandes. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 520 (Digitalisat).
  • Christian Krollmann, Altpreußische Biographie, Bd. 1, 1974, S. 76
  • Festschrift des Corps Lusatia Leipzig, 1977, S. 31
  • Klaus von der Groeben: Ernst Brandes. In: Das Land Ostpreußen. Selbsterhaltung, Selbstgestaltung, Selbstverwaltung 1750 bis 1945. Quellen zur Verwaltungsgeschichte Nr. 7, Lorenz von Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität, Kiel 1993, S. 180 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, 93, 623
  2. Zeitschrift für Tierzüchtung und Züchtungsbiologie VII.2 (1926), S.169 – 216
  3. Mitteilung der Deutschen Bundesbank, bei der die Dokumente der Deutschen Rentenbank verwaltet werden.