Erwin Rousselle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Erwin Rousselle (* 8. April 1890 in Hanau; † 11. Juni 1949 in Eschenlohe) war ein deutscher Sinologe und Freimaurer, der bedeutende Beiträge insbesondere im Bereich der Buddhologie und des lebendigen Daoismus leistete.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwin Rousselle wurde an der Universität Heidelberg 1916 in Philosophie und 1921 in Rechtswissenschaft promoviert. In den frühen zwanziger Jahren lehrte er mit Hermann Keyserling an dessen „Schule der Weisheit“. Es begann eine erste interdisziplinäre Zusammenarbeit u. a. mit C.G. Jung, Heinrich Zimmer, Rabindranath Tagore. 1923 habilitierte er sich für Vergleichende Philosophie des Morgen- und Abendlandes an der Technischen Hochschule Darmstadt.

Von 1924 bis 1929 lehrte Erwin Rousselle in China als Professor für Deutsche Philosophie an der Chinesischen Reichs-Universität, als Gastprofessor für Vergleichende Linguistik an der Tsing-Hua-Universität und war Direktor des Sino-Indian-Instituts an der Yenching-Universität. Neben Richard Wilhelm war er wohl der einzige Europäer, der eine lebendige daoistische Übertragung bis zu deren Realisierung erfahren durfte.

1931 wurde er Direktor des China-Instituts Frankfurt und Dozent für Sinologie und Buddhologie an der Universität Frankfurt. Nach einer weiteren Habilitation für Sinologie und Buddhologie (1933) wurde er für diesen Bereich Professor an der Universität Frankfurt.

Ein zweiter Chinaaufenthalt (1938–1940) führte ihn ins Innere des Landes (u. a. Begegnung mit Thubten Chökyi Nyima, dem 6. Panchen Lama). Nach Deutschland zurückgekehrt, wurden ihm als NS-Regimekritiker sukzessiv die Professur entzogen, Redeverbot erteilt und die Leitung des China-Instituts entzogen. Nach dem Krieg wurde er wieder als kommissarischer Direktor des China-Instituts eingesetzt.

Erwin Rousselle war Mitglied der Freimaurerloge Zum flammenden Schwert in Darmstadt,[1] die der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland angehört, und deshalb auch mit Karl Bernhard Ritter bekannt. Er gehörte ebenfalls der Loge an.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwin Rousselle war neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten ein praktizierender Mystiker, der nicht nur in der buddhistischen und daoistischen Welt verkehrte, sondern auch u. a. als Diakon für ein positives Christentum von ökumenischer Breite und universalistischer Weite wirkte. Sein Leben war durch lebendige Gotteserfahrung geprägt, die ihn für ein gegenseitiges Verständnis aller Religionen auf Erden eintreten ließ.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Schriften und Artikel wurden in Der Weg zur Vollendung, Sinica, Eranos veröffentlicht.

  • Das Mysterium der Wandlung. Darmstadt 1923.
  • Vom Sinn der buddhistischen Bildwerke in China. Darmstadt 1958. (Nachdruck aus der Sinica 1931–35)
  • Lau-Dse, Führung und Kraft aus der Ewigkeit. 1946.
  • Lau-Dsis Weg. München 1973.
  • Zur seelischen Führung im Taoismus. Darmstadt 1962.
  • Kleine Schriften: Buddhistische Studien. Aschaffenburg 2011.

Einige Arbeiten Rousselles sind posthum erschienen, andere werden posthum neu aufgelegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang FenskeRousselle, Erwin. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 31, Bautz, Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8, Sp. 1160–1163.
  • Lisette Gebhardt: Akademische Arbeit und Asienkult: Wilhelm und Rousselle als Vermittler asiatischer Religion. In: Dorothea Wippermann, Georg Ebertshäuser (Hrsg.): Wege und Kreuzungen der Chinakunde an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main: Beiträge des Symposiums „90 Jahre Universität Frankfurt 2004: Chinaforschung – Chinabilder – Chinabezüge“ an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main vom 8. und 9. Juli 2004 IKO, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-88939-818-5, S. 159–183.
  • Mathias Tank: La maison de Rousselle. Chronik einer Klein-Steinheim-Hanauer Hugenottenfamilie. In: Steinheimer Jahrbuch für Geschichte und Kultur. Bd. 2 (1992), S. 9–46

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Loge Zum flammenden Schwert