Ettenhausen an der Suhl

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Ettenhausen an der Suhl
Koordinaten: 50° 52′ 50″ N, 10° 13′ 53″ O
Höhe: 277 m
Fläche: 5,38 km²
Einwohner: 389 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner/km²
Eingemeindung: 6. Juli 2018
Postleitzahl: 36469
Vorwahl: 036925
Karte
Ettenhausen im Nordosten des Stadtgebietes

Ettenhausen an der Suhl (offiziell Ettenhausen a.d. Suhl) ist ein Ortsteil der Stadt Bad Salzungen im Wartburgkreis in Thüringen. Zu Ettenhausen gehört die Kleinsiedlung Hetzeberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ettenhausen an der Suhl befindet sich in der Mitte des Wartburgkreises, etwa 10 km nördlich der Kernstadt von Bad Salzungen und etwa 17 km südlich von Eisenach am südwestlichen Rand des Thüringer Waldes.

Etwa dreißig Kilometer in nordöstlicher Richtung entfernt, ebenfalls im Wartburgkreis, liegt ein Ort gleichen Namens: Ettenhausen an der Nesse.

Nachbargemeinden und -städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ettenhausen grenzt im Osten und Süden an die Ortsteile Kupfersuhl und Möhra der Gemeinde Moorgrund, im Südwesten an die Gemarkungen Hüttenhof und Weißendiez des Bad Salzunger Ortsteils Tiefenort, im Westen und Norden an die Ortsteile Lindigshof und Burkhardtroda der Gemeinde Gerstungen.

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höchster Punkt der Gemarkung ist der Hetzeberg (359,9 m ü. NN). Bemerkenswert sind auch die Berge und Hügel Sandberg (346,9 m ü. NN) und die Margarethenhöhe (307,7 m ü. NN).[1]

Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im Tal der Suhl, die im Mittelalter zum Antrieb einer Mühle am Ortsrand benutzt wurde. In den 1980er Jahren wurde in der benachbarten Gemarkung Lindigshof die Talsperre Ettenhausen angelegt, deren Stauraum teilweise in der Gemarkung Ettenhausen liegt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrkirche von Ettenhausen
Die Hetzeberger Linde
An der Kirchenburg
Die ehemalige Dorfschule
Haltepunkt der Werratalbahn

Frühgeschichte und Ersterwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstanden in der zweiten fränkischen Siedlungsperiode wird Ettenhausen um 825–876 Eitenhusen, 876 Heienhuson, nach 918 Hetenhusen und 1231 Hattenhusen in Urkunden genannt.[2][3] Archäologische Funde vom Hügel des Kirchberges sprechen jedoch für eine frühere Besiedlung bereits in der Bronzezeit. Um 900 zählen zu Eitenhusen die am westlichen Rand der Gemarkung befindliche Wüstung Zehndhausen und der Hof „Heizzils“, das spätere Gut Hetzeberg. Teichmannssuhl, heute ebenfalls eine Wüstung, existierte wohl um 1100.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Abwehr von Überfällen errichteten die Ettenhäuser eine Kirchenburg mit Schutzmauer, Gaden und Torturm. Bei der Sanierung der Ringmauer in den 1990er Jahren wurden diese heute verschwundenen Bauteile nachgewiesen. Am Möhraer Weg, unterhalb der Margarethenhöhe, wurde im 17. Jahrhundert am Richtplatz der Gemeinde ein Schnappgalgen errichtet. Gegen die zahllosen Überfälle während des Dreißigjährigen Krieges war man machtlos, der Ort wurde mehrfach ausgeplündert, nach dem Krieg standen nur noch 7 Häuser.[4] Bereits im 15. Jahrhundert wurde im Nachbarort Kupfersuhl Bergbau betrieben. Der Flurname Bergmannsweg erinnert daran, dass auch zahlreiche Ettenhäuser ihr Glück im Bergbau versuchten. Vermutlich wurden in der mittelalterlichen Wehrkirche die Eltern Martin Luthers getraut, da deren Wohnort Möhra zu dieser Zeit über keine eigene Kirche verfügte und nach Ettenhausen eingepfarrt war.[5]

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert entstand unterhalb der Margarethenhöhe eine Kupferhütte zum Schmelzen der aufbereiteten Erze. Viele Bauern waren auf Anordnung der herzoglichen Verwaltung verpflichtet, für die Kupferhütte Erztransporte und Kohlenfuhren durchzuführen, was über Jahrzehnte zu Zwistigkeiten und Prozessen führte.[6] Seit 1741 gehörte Ettenhausen mit dem Amt Krayenberg zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1841 wurde ein Staatsvertrag zwischen den Ländern Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Coburg und Gotha sowie Sachsen-Meiningen zur Errichtung der Bahnstrecke von Eisenach nach Coburg abgeschlossen und Baupläne für die Trassierung der sogenannten Werrabahn geprüft. Beim Bau der Trasse erhielt auch Ettenhausen/Suhl einen eigenen Haltepunkt und ein Bahnwärterhaus.

Nach einer großen Teuerung im Jahre 1847 wurde zur Fortbildung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge vom damaligen Gutsbesitzer Jungheinrich auf Gut Hetzeberg eine landwirtschaftliche Lehr- und Versuchsanstalt begründet, die dort bis 1870 bestand.[7]

Im Jahr 1879 wurden, basierend auf der Volkszählung von 1875, erstmals statistische Angaben publiziert. Ettenhausen/Suhl zählte mit Gut Hetzeberg 56 Wohnhäuser und 288 Einwohner. Die Ettenhäuser Gemarkung betrug 488.9 ha – davon Höfe und Gärten 12.6 ha, Wiesen 49.2 ha, Äcker 250.9 ha, Wälder 53.4 ha, Teiche, Bäche und Flüsse 2.2 ha, Wege, Triften und Obstplantagen 120.5 ha. Der noch separat ausgewiesene Hetzeberg bestand damals aus 2 Wohnhäusern; Gesamtfläche 51.4 ha – davon Höfe und Gärten 0.7 ha, Wiesen 4.8 ha, Äcker 38.9 ha, Wälder (kein eigener Bestand), Teiche, Bäche und Flüsse 0.1 ha, Wege, Triften und Obstplantagen 6.8 ha. Nach Ettenhausen war der benachbarte Lindigshof und Hetzeberg eingepfarrt und eingeschult.[4]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

August Stauch wurde am 15. Januar 1878 als 3. Kind einer Eisenbahnerfamilie in Ettenhausen/Suhl geboren. Nach dem Militärdienst arbeitete Stauch an mehreren Bahnbauprojekten in Norddeutschland. In die Kolonie Deutsch-Südwestafrika entsandt, wurde Stauch 1908 während der Arbeiten an einem Bahnprojekt in der Wüste Namib durch einen sensationellen Diamantenfund zum Multimillionär. Für seine Heimatgemeinde stiftete er neue Kirchenglocken.[8]

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. Juli 2018 wurde Ettenhausen an der Suhl in die Stadt Bad Salzungen eingegliedert.[9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl :

  • 1994: 497
  • 1995: 486
  • 1996: 508
  • 1997: 505
  • 1998: 521
  • 1999: 536
  • 2000: 525
  • 2001: 515
  • 2002: 500
  • 2003: 507
  • 2004: 515
  • 2005: 497
  • 2006: 483
  • 2007: 487
  • 2008: 481
  • 2009: 480
  • 2010: 467
  • 2011: 455
  • 2012: 417
  • 2013: 403
  • 2014: 386
  • 2015: 388
  • 2016: 389
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Ettenhausen an der Suhl setzte sich zuletzt aus sechs Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[10]

Ortsteilbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenamtliche Bürgermeisterin von Ettenhausen war seit 2010 Renate Lämmerhirt.[11] Seit der Eingemeindung fungiert sie als Ortsteilbürgermeisterin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mundart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet der westthüringischen Mundart

Der in Ettenhausen gesprochene Dialekt, das Ettenhäuserisch bzw. Attehisch, im Volksmund auch als Attehüser Platt bekannt, zählt zum westthüringischen Sprachraum der thüringisch-obersächsischen Dialektgruppe. Nur noch sehr wenige in Ettenhausen Geborene sind in der Lage, diesen Dialekt zu verstehen und zu sprechen.

Einige Sprachbeispiele:

Ettenhäuserisch
  • Guudn Dach.
  • Bee geds dej?
  • En Sunnowe homme mii Schwaasder besochd.
  • Buume heimkoome, woor schläächd Waader.
Deutsch
  • Guten Tag.
  • Wie geht es dir denn?
  • Am Sonnabend haben wir meine Schwester besucht.
  • Als wir heimgekommen sind, gab es schlechtes Wetter.
Quelle: div. Sprecher

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ettenhäuser Wehrkirche, eine ehemalige Kirchenburg, ist das bekannteste Bauwerk des Ortes. Im Ort befinden sich mehrere denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. An den Grenzen der Gemarkung mit Weißendiez findet man noch mehrere historische Wappensteine aus dem 17. Jahrhundert.

Töchter und Söhne des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner Ettenhausens arbeiten überwiegend in den Betrieben der benachbarten Kreisstadt Bad Salzungen, in Eisenach und in den Umlandgemeinden. Im Ort befindet sich ein Standort der Agrargenossenschaft Moorgrund e.G.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Ettenhausen verläuft die Kreisstraße K 9, die Marksuhl mit Etterwinden verbindet und die Landesstraße 1023 im Abschnitt Marksuhl – Möhra – Waldfisch. Über diese Straßen besteht Anbindung an die Bundesstraße 84 in Marksuhl und an die Bundesstraße 19 in Etterwinden und Waldfisch.

Am Ortsrand befindet sich ein Haltepunkt der Süd-Thüringen-Bahn an der Bahnstrecke Eisenach-Bad Salzungen-Meiningen.

Nach Ettenhausen/Suhl verkehren die Buslinien 119 und 191 des Verkehrsunternehmen Wartburgmobil.[12]

Wasserversorgung und Abwasserentsorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2003 beauflagte die Kommunalaufsicht des Wartburgkreises die Gemeinde Ettenhausen an der Suhl zur Erfüllung der Aufgaben der Wasserversorgung einem Wasserzweckverband beizutreten. Die Trinkwasserversorgung erfolgte seit 2003 durch einen Hochbehälter der Gemeinde Marksuhl. Im Jahr 2005 wurde eine Zweckvereinbarung über die Übernahme der Wasserver- und Abwasserentsorgung mit der Gemeinde Marksuhl geschlossen, welche der Gemeinde Ettenhausen 278.081,97 € für den Buchwert des Anlagevermögens auszahlte. Die Zweckvereinbarung wurde seitens der Gemeinde Marksuhl zum 31. Dezember 2018 gekündigt.[13] Damit musste die Stadt Bad Salzungen, der Ettenhausen mit Wirkung zum 6. Juli 2018 beigetreten ist, die Wasserver- und Abwasserentsorgung übernehmen. Seit dem 1. Januar 2019 wird diese Aufgabe, wie für das restliche Bad salzunger Stadtgebiet, durch den Wasser- und Abwasserverband Bad Salzungen wahrgenommen.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thüringer Landesvermessungsamt TK25 – Blatt 5127 Bad Salzungen, Erfurt 1997, ISBN 3-86140-063-4
  2. Otto Dobenecker (Bearb. und Hg.): Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae (1128 –1266 ). Band 3. Fischer, Jena 1925. Nr. 231.
  3. Volker Schimpf: Die Heden-Orte in Thüringen. (PDF; 3,5 MB) 2012, S. 27–28, abgerufen am 5. Mai 2012.
  4. a b C. Kronfeld, Landeskunde des Großherzogthumes Sachsen-Weimar-Eisenach. Zweiter Teil. Weimar 1879. S. 43–44.
  5. Johann Conrad Ortmann: Möhra, der Stammort Doctor Martin Luthers und die Lutherbuche bei Altenstein und Steinbach, Salzungen 1844.
  6. Siegfried Wünscher: Die Geschichte des Kupferschieferbergbaues und seines Hüttenwesens im Fürstentum Eisenach. Selbstverlag, Eisenach 1932, S. 160.
  7. Die Schule wurde ab 1900 als Winterschule für Landwirte im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach im Schloss Marksuhl betrieben.
  8. Ulrike Bischoff: Die Taschenuhr mit dem Kratzer im Glas – vor 100 Jahren fand August Stauch aus Ettenhausen/Suhl im heutigen Namibia den ersten Diamanten. (Nicht mehr online verfügbar.) Südthüringische Zeitung, 2008, ehemals im Original; abgerufen am 5. Januar 2009 (Der Artikel wird von der STZ nicht mehr gehostet).@1@2Vorlage:Toter Link/www.stz-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr.7 2018 vom 5. Juli 2018, aufgerufen am 6. Juli 2018
  10. Kommunalwahlen in Thüringen am 25. Mai 2014. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 26. Mai 2014.
  11. Kommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  12. Verkehrsgesellschaft Wartburgmobil – Regionalverkehrsangebote und aktuelle Fahrpläne ab dem 1. Juni 2019
  13. Veröffentlichung auf der Internetseite der ehemaligen Gemeinde Marksuhl am 13. Juli 2018
  14. WVS-Direkt Kundenmagazin, Ausgabe 1/2019, abrufbar unter [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ettenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien