Fall Putten

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Eins der 105 von den Deutschen in Brand gesteckten Häuser in Putten

Der Fall Putten war ein Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs, das die deutsche Wehrmacht im Oktober 1944 in der niederländischen Ortschaft Putten beging. Dabei wurden 660 Männer aus der Ortschaft in verschiedene Konzentrationslager deportiert, von denen 540 dort umkamen. Die restliche Bevölkerung musste das Dorf verlassen, das dann in Teilen von der Wehrmacht zerstört wurde.

Hergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem niederländische Partisanen in der Nacht zum 1. Oktober 1944 vier deutsche Offiziere in einem Auto beschossen hatten und einer von ihnen dabei ums Leben kam, wurden auf Befehl von General der Flieger Friedrich Christiansen, dem damaligen Wehrmachtbefehlshaber in den Niederlanden, am 2. Oktober 1944 660 Puttener Männer ab 17 Jahre bei einer großen Razzia gefangen genommen und zunächst in das Lager Amersfoort deportiert. Dort wurden 59 von Ihnen freigelassen, anschließend wurden 601 Männer in das KZ Neuengamme verschleppt, 13 konnten auf dem Weg aus dem Zug springen, so dass 588 in Neuengamme ankamen. Von dort aus wurden die Puttener Häftlinge in weitere Konzentrationslager geschickt, insbesondere in die Außenlager Neuengammes.

Die Frauen, Kinder und alten Menschen der Gemeinde mussten das Dorf verlassen, ihre Häuser wurden niedergebrannt. Dabei wurden über 100 Gebäude und Wohnungen zerstört. In den sieben Monaten bis Kriegsende kamen die meisten der gefangenen und deportierten Männer in deutschen Konzentrationslagern um, alleine 110 im KZ Ladelund. Nur 48 der Deportierten kehrten nach der Befreiung zurück nach Putten, wobei weitere fünf von ihnen an den Folgen der KZ-Haft starben. Während der Razzia selbst wurden acht Menschen erschossen, darunter auch das einzige weibliche Todesopfer.

Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Razziadenkmal in Putten

Nach dem Krieg wurden die drei hauptverantwortlichen Militärs Fritz Fullriede, Friedrich Christiansen und Heinz-Hellmuth von Wühlisch von einem niederländischen Gericht dafür wegen Kriegsverbrechen verurteilt.

Zu Ehren der Opfer wurde im Zentrum der Gemeinde Putten ein Denkmal errichtet. Es wurde am 1. Oktober 1949 von Königin Juliana eingeweiht. Eine Ausstellung zur Geschichte der Razzia und Tafeln mit den Namen der Opfer ergänzen in einem 1999 eröffneten Gedenkraum diese Anlage.

1946 informierte der evangelische Pastor des nordfriesischen Dorfes Ladelund, dass 111 Männer aus Putten im dortigen Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme verstorben und am Ort bestattet worden seien. Daraus entstand eine „für die Niederlande und Deutschland einzigartige Versöhnungs- und Erinnerungsarbeit“ von Putten und Ladelund.[1] Die Ereignisse in Putten und das Schicksal der Verschleppten wurden erstmals 1981 in einer Ausstellung und 2015 im Rahmen einer Sonderausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme dargestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher

  • Madelon de Keizer: Razzia in Putten. Verbrechen der Wehrmacht in einem niederländischen Dorf. Aus dem Niederländischen übersetzt und bearbeitet von Stefan Häring. Dittrich Verlag, Köln 2001, ISBN 3-920862-35-X.
  • Madelon de Keizer: Kriegsverbrechen in den besetzten Niederlanden – Der „Fall Putten“. In: Wolfram Wette, Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert. Primus-Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-417-X, S. 259–273.
  • Andreas Pflock: Auf vergessenen Spuren. Ein Wegweiser zu Gedenkstätten in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006, ISBN 3-89331-685-X.
  • Pieter Dekker und Gert van Dompseler, Van naam tot nummer. Slachtoffers van de Puttense razzia, Leeuwaarden: Uitgeverij Louise 2014.
  • Raimo Alsen, Der Putten-Ladelund loop. Ein Staffellauf zum Gedenken an die KZ-Opfer, Grenzfriedenshefte 2/2015, S. 149–160.
  • Christine Gundermann, Die versöhnten Bürger. Der Zweite Weltkrieg in deutsch-niederländischen Begegnungen 1945–2000, Münster: Waxmann 2014.

Literarische Verarbeitung

  • Dieter Alpheo Müller: Und Gott wird trocknen alle Tränen. Geschichte einer Deportation. Ein dokumentarischer Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1983, ISBN 3-462-01526-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Denkmäler in Putten (Gelderland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katharina Hertz-Eichenrode: ‚Vergeltungsakktionen‘ in Murat, Meensel-Kiezegem und Putten. In: Oliver von Wrochem (Hrsg.):Repressalien und Terror. Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-78721-7, S. 189.