Fasanerie (Aschaffenburg)

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Teich in der Fasanerie Aschaffenburg
Karte von Fasanerie, Großmutterwiese und Godelsberg

Die Fasanerie ist ein etwa 75 Hektar großer, bewaldeter Landschaftspark in der kreisfreien Stadt Aschaffenburg (Bayern).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aschaffenburger Fasanerie liegt östlich bis nordöstlich der Innenstadt. Sie reicht vom Park Schöntal über die Großmutterwiese und die Tunnel von Ringstraße und Maintalbahn bis zum Lufthofweg. Im Norden der Fasanerie liegt der Stadtteil Österreicher Kolonie, im Süden verläuft die Bismarckallee. Der Fasaneriesee wird vom Röderbach durchflossen. Der südöstlich liegende Godelsberg (247,6 m ü. NHN) ist in die Parkgestaltung mit einbezogen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landschaftspark Fasanerie wurde ab 1779 unter Erzbischof und Kurfürst Friedrich Carl Joseph von Erthal nach Plänen von Emanuel Joseph von Herigoyen im Bürgerwäldchen der Stadt Aschaffenburg angelegt [1]. Der Park war ursprünglich mit einem Plankenzaun versehen. Er wurde als Wildpark angelegt und mit mehreren Fischteichen, einem Wild- und einem Fasanengehege ausgestattet. Dieses ersetzte eine ältere ähnliche Anlage im Nilkheimer Wäldchen, als dieses zum Park Schönbusch umgestaltet wurde. Die Fasanerie lieferte Wild, Fisch und Geflügel für die Hofküche im Schloss Johannisburg. Ein eigens dafür angestellter "Fasanenjäger" war für die Lieferung von etwa 800 bis 1.000 Fasanen pro Jahr verantwortlich.

Andriansplätzchen

Nach dem Ende des alten Reiches wurde Aschaffenburg 1803 Residenzstadt des Fürstentums Aschaffenburg und danach des Großherzogtums Frankfurt. Nachdem Aschaffenburg 1814 an die Krone Bayern gefallen und damit in eine Randlage geraten war, fiel die Anlage in den Stand eines parkartigen Waldes zurück.

1824 ereignete sich in der Fasanerie ein Zweikampf, an den ein Gedenkstein in Form eines abgebrochenen Säulenstumpfes erinnert: Am 6. September jenen Jahres starb der erst 27-jährige „Forstcandidat“ Ferdinand Anton Freiherr von Andrian-Werburg an den Folgen eines verabredeten Säbelduells mit dem Würzburger Studenten Johann Baptist Berg. Die kleine Platzanlage um den Gedenkstein wird „Andriansplätzchen“ genannt.[2]

Fasanerie-Gaststätte mit Biergarten

1826 wurde unter König Ludwig I. die Fasanerie der Erholung der Bürger gewidmet.

1872 wurde der damals weitgehend verlandete Fasaneriesee auf Antrag der Stadt Aschaffenburg auf etwa ein Viertel seiner Wasserfläche verkleinert.

1935 wurden der Pachtvertrag über die Fasanerie gelöst und die Flächen vom bayerischen Staat an die Stadt Aschaffenburg zurückgegeben. Ein Jahr später ließ die Stadt Aschaffenburg im Bereich des Jägerhauses eine Sport- und Festhalle für 2000 Gäste errichten. Sie existiert heute nicht mehr. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden zwischen dem Gleis der Hafenverbindungsbahn und dem Waldrand die ersten Gärten der heute etwa 8 ha großen Kleingartenanlage Fasanerie.

An der Einmündung des aus Richtung Moltkestraße kommenden Parkweges in den Verbindungsweg, der zwischen der Großmutterwiese und der Fasaneriegaststätte verläuft, liegt im Bereich eines ehemaligen Steinbruches vor einer markanten Felsformation ein länglicher Steinblock. Dieser Block stand noch bis 1943 senkrecht und war in dieser Aufstellung auf der dort bestehenden Felsenkuppe Teil einer vermutlich nachempfundenen Menhiranlage.

Die Bombenabwürfe des Zweiten Weltkrieges vernichteten 4,5 ha Parkwald.

Von 1965 bis 1968 wurde auf der im Wirtschaftsplan Aschaffenburg 1958 ursprünglich vorgesehenen Trasse der städtischen Ringstraße das Kronberg-Gymnasium errichtet.

In den Jahren nach 1968 wurden das Wegenetz und die Gewässer der Fasanerie nach einem von Gartendirektor a. D. Christian Bauer, München, entworfenen Zehnjahresplan unter Berücksichtigung der historischen Parkentwürfe instandgesetzt. Dabei wurde der auf seine ursprüngliche Größe ausgeschürfte Fasaneriesee mit Hilfe des in Aschaffenburg stationierten 9. Engineer Bataillons der US-Army mit einer Lehmschicht abgedichtet. Mit Biergärten, Wassertret-, Trimm-Dich- und Spielplatzanlagen hat die Fasanerie an manchen Stellen den Charakter eines Volksparkes angenommen.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hirschkopf am Forstamt
  • Aus der Entstehungszeit der Fasanerie sind das Jägerhaus mit der Fasanerie-Gaststätte und das Jagdzeughaus erhalten – beides beliebte Ausflugslokale mit Biergärten. Der östlich anschließende Röderbachshof, Lufthof genannt, ist in den Planentwürfen für die Fasanerie noch nicht enthalten. Seine Existenz lässt sich erst für 1821 nachweisen.
  • Auf dem Gelände des ehemaligen Wirtschaftshofes ist heute das Forstamt der Stadt Aschaffenburg untergebracht. Von dort werden die städtischen Forstreviere wie Fasanerie, Gailbach, Hohewart, Obernau, Schweinheim und der Wasserwerkswald im Stadtteil Nilkheim betreut.
  • Das Kronberg-Gymnasium hat in der westlichen Fasanerie seinen Standort. 1968 zog die Schule dort ein, nachdem zuvor eine kontroverse Diskussion innerhalb des Stadtrats und der Bevölkerung ob des Standorts, für den zahlreiche Bäume gefällt wurden, stattgefunden hatte.[3]

Großmutterwiese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwigsdenkmal auf der Großmutterwiese

Die Großmutterwiese liegt mit etwa 20000 Quadratmetern Rasenfläche im Südwesten der Fasanerie. Dort befinden sich der vom Kühruhgraben durchflossene Hannewackersee, ein Wasserspielplatz sowie ein Bolz- und Bouleplatz. Über das Sommerhalbjahr verteilte Veranstaltungen und Feste werden auf der Großmutterwiese abgehalten. Das 1925 eröffnete Planschbecken wird in den Wintermonaten zum Schlittschuhlaufen genutzt.

Beim Bau der Bahnlinie nach Miltenberg, 1875, wurde die Großmutterwiese von der übrigen Fasanerie durch einen tiefen Graben getrennt. Dieser Graben wurde ab 1918 für den Bau der Verbindungsbahn Goldbach–Neuer Hafen verbreitert und nach Nordosten verlängert. Im Herbst 1969 wurde das 1897 zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. im Offenen Schöntal errichtete Ludwigsdenkmal, der Ludwigsbrunnen, an die Großmutterwiese versetzt.

Am 28. Juni 2013 wurde der östliche Abschnitt der Städtischen Ringstraße verkehrswirksam. Dieser Ringstraßenabschnitt verläuft im Bereich der Fasanerie in Tieflage und ist dort mit einer Grünanlage überbrückt, mit der die historischen Verbindung zwischen Fasanerie und Großmutterwiese wieder hergestellt wurde.

Godelsberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Godelsberg vom Klinikum Aschaffenburg aus gesehen
Blick von der Teufelskanzel auf dem Godelsberg auf die Stadt

Bereits die ersten Entwürfe zu einem großen Tierpark (um 1777), der sowohl die Fasanerie als auch die Talauen im Krämersgrund und in der später so genannten Haibacher Schweiz, den Westhang des Schellberges und den Hasenkopf einschlossen, haben auch den bewaldeten Teil des Godelsberges in die Parkgestaltung einbezogen. Der Wildpark war zum Schutz der angrenzenden Wiesen, Felder und Weinberge mit einem Plankenzaun umgeben. Am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Berg vor allem wegen seiner Felspartien und seiner Fernsicht ein beliebtes Ausflugsziel.[4][5] Im Notjahr 1816 und den Jahren danach verhalf der von Kronprinz Ludwig, dem späteren Ludwig I. von Bayern, veranlasste Ausbau von Feldwegen zu Alleestraßen (Ludwigsallee) wie auch eine „Verschönerung nach dem Goldsberg“ den unter der Lebensmittelteuerung leidenden ärmeren Bevölkerungsschichten zu Arbeit und Einkommen. Danach verlief die parkartige Gestaltung des Godelsberges in zwei weiteren Phasen und erreichte um 1912 ihren Abschluss.[6] In den 1830er und 1840er Jahren wurde unter Bürgermeister Adalbert von Herrlein auch der Büchelberg in die parkartige Gestaltung einbezogen. Beide Berge sind über die Ludwigsallee von der Innenstadt aus zu erreichen und untereinander mit einer Walnussallee und einer Kastanienallee verbunden.

Der Godelsberg weist Kleinarchitekturen wie die Ludwigssäule und die Kippenburg auf, ein 1839 mit Unterstützung des Stadtmagistrats errichteter Staffagebau in Form einer Burgruine. An bestimmten Stellen des stellenweise nach Art eines Alpineums angelegt gewesenen Berges befinden sich Aussichtspunkte – die Goldbacher Kanzel, die Teufelskanzel und eine kleine Aussichtsplattform mit spitzem Zeltdach. Zudem gibt es einen von Eiben, Mahonien und Schneebeersträuchern gesäumten Serpentinenweg, der von der Haibacher Straße über sieben Kurven an Felsengruppen vorbei zum Burgturm führt. Von einer mit Gneisglimmerbrocken umgebenen Linde an der Schmerlenbacher Straße aus kommend, gelangt man am Waldrand links auf den Forstrat-Dotzel-Weg, einen Fußpfad der sanft ansteigend spiralförmig zur Goldbacher Kanzel führt. An den Wegen gibt es vier Sandsteinbänke und nahe dem höchsten Punkt ein künstlich aufgeschüttetes Baumrondell mit kreisrunder Holzbank um eine Linde herum. Der Godelsberg weist an bestimmten Plätzen seltenere Solitärgehölze auf (Speierling, Douglasie, Platane, Ahorn, Eibe, Stechpalme, Kirschlorbeer).

Kippenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kippenburg

Der Aschaffenburger Pflasterermeister und Landwirt Adam Kipp (1789–1851) errichtete 1839 mit Unterstützung des Stadtmagistrats ein Weinberghäuschen im Stil einer Burgruine. Schon am 25. August 1839 wurde anlässlich des Geburts- und Namenstages Ludwigs I. von Bayern das erste Fest auf der Kippenburg gefeiert. Nach dem Tod von Adam Kipp (1851) und seiner Ehefrau Margarete (1854) gelangte die Kippenburg ins Eigentum des Buchhändlers Carl Krebs, der sie ebenfalls bis zu seinem Tod (1872) besaß. Der nächste Eigentümer, ein Herr Vogel, überließ dem am 6. Juli 1874 gegründeten Verschönerungsverein Aschaffenburg die Schlüssel der Kippenburg noch im selben Jahr. In der Folgezeit wurde die Anlage um einen Torbogen und ein Wirtschaftsgebäude nach Osten hin erweitert. Um 1900 wurden die Kippenburgfeste (oft auch nach politischen Festreden meist liberaler Vereine) mit Musik und Tanz gefeiert. Die Feste des Vereins „Jung-Aschaffenburg“ erreichten ihren Höhepunkt in einem Feuerwerk und einer bengalischen Beleuchtung der Kippenburg und klangen mit einem Lampionzug in die Stadt aus. In den 1920er Jahren wurden die Kippenburgfeste abgelöst vom Aschaffenburger Volksfest am Main – ebenfalls mit Feuerwerk und mit der Schlossbeleuchtung des Vereins „Jung-Aschaffenburg“. Mitte der 1960er Jahre wurde die Tradition der Kippenburgfeste durch das Engagement des Aschaffenburger Karnevalvereins „Stadt-Garde“ wiederbelebt und fortgesetzt. In den 1990er Jahren wurde die Kippenburg mit dem übrigen Gelände der „Stadt-Garde“ eingezäunt. Mit Ausnahme der Zeit um das Kippenburgfest (Mitte Juni bis Mitte August) ist das Gelände zugänglich.[7]

Teufelskanzel und Goldbacher Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teufelskanzel

Unweit der auf dem Godelsberg befindlichen Kippenburg befinden sich die Teufelskanzel (Westhang) und die Goldbacher Kanzel (Nordosthang), aus natürlichen Felsen bestehende Aussichtspunkte, die mit Geländern gesichert sind. Im Jahre 2011 wurden die Wege zu beiden Kanzeln wiederhergestellt und weitere Rastplätze geschaffen, sodass die Kanzeln für Besucher wieder attraktiv wurden.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fasanerie (Aschaffenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grünlagen und Parks. auf der Webseite der Stadt Aschaffenburg
  2. Peter Burkart, Gisela van Driesum, Martin Kempf, Peter Ziemer: Bildstöcke, Flurdenkmale und Kreuze in Aschaffenburg. Aschaffenburg 2003, S. 72–79. (Andrian-Denkmal in der Fasanerie)
  3. Chronik. des Kronberg-Gymnasium
  4. C. C. L. Hirschfeld: Theorie der Gartenkunst. Band V, Leipzig 1785, S. 330.
  5. Markus Theodor von Haupt in: Miszellen für die Neueste Weltkunde. Nro. 7, 27. Januar 1809, S. 27 ff.
  6. Anton Rottmayer: Statistisch-topographisches Handbuch für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern. Würzburg 1830, S. 481.
  7. Festung Kippenburg. In: Main-Echo. 14. Oktober 2010.
  8. Freie Sicht in Richtung Spessart. In: FAZ. 9. Juni 2011, S. 48.

Koordinaten: 49° 58′ 50″ N, 9° 10′ 2″ O