Feldgeschworene

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Feldgeschworene wirken in Bayern, Rheinland-Pfalz und teilweise auch in Thüringen bei der Kennzeichnung von Grundstücksgrenzen und Flurstücken mit. Sie setzen Grenzsteine höher oder tiefer, wechseln beschädigte Grenzzeichen aus und entfernen Grenzzeichen. Als Hüter der Grenzen und Abmarkungen in Gemeindegebieten arbeiten sie eng mit Vermessungsbeamten zusammen.

Das Amt des Feldgeschworenen, regional auch Siebener oder Siebnerei[1] genannt, ist eines der ältesten noch erhaltenen Ämter der kommunalen Selbstverwaltung. Seit rund 500 Jahren gibt es Feldgeschworene. Im bayerischen Abmarkungsgesetz (AbmG) vom 6. August 1981 bzw. in der rheinland-pfälzischen LGVermDVO (§§ 21 und 22) vom 30. April 2001 sind gegenwärtig Details geregelt. In Bayern gibt es etwa 20.000 Feldgeschworene, wovon 50 Frauen sind (Stand Juni 2010).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ehrenamt ist im 13. Jahrhundert in Franken entstanden. Dort erkannten die fränkischen Gerichte, dass vor Ort Ansprechpartner in den einzelnen Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten. Weil ursprünglich eine Gruppe von meist sieben Personen in der Gemeinde zur Regelung und Bestimmung von Grundstücksgrenzen eingerichtet wurde, bürgerte sich der Begriff Siebener ein. Heute wird eine Mindestzahl von vier Personen gefordert.

Bis zum Erlass des Abmarkungsgesetzes im Jahr 1900 hatten sie das Recht, Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen. Seitdem unterstehen die Siebener den Vermessungsämtern. Dennoch sind sie weiterhin berechtigt, in begrenztem Umfang selbständig tätig zu werden. Sie können beispielsweise auch von Eigentümern zur Sicherung oder Erneuerung eines Grenzzeichens bestellt werden. Bei Unstimmigkeiten haben sie aber keine Entscheidungsbefugnisse mehr.

Eine wichtige historische Quelle zur Arbeit der Feldgeschworenen ist das in Frammersbach im Spessart von 1572 bis 1764 geführte „Sechserbuch“.[3] Es wurde im Winter 2002/03 von Rainer Leng redigiert.

Als 1970 dieses Ehrenamt in Bayern abgeschafft werden sollte, kämpften Landtagsabgeordnete aus Unterfranken für dessen Erhalt. Bis Anfang der 1980er Jahre waren ausschließlich Männer Feldgeschworene.

Andere deutsche Bundesländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb von Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen existiert diese eigenständige Aufgabe nicht.

Die Vermessung wird alleine von Beamten der Vermessungsämter oder von öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren wahrgenommen. Gegen das Verrücken von Grenzsteinen vertraut man dort dem Vermessungszahlenwerk und den daraus bestimmten Koordinaten. Zusätzlich werden auch dort die Grenzzeichen durch unterirdische Marken (Tonkegel, Flaschen usw.) gesichert, die in der Grenzverhandlung bekannt gegeben werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Henninger: Sichere Grenzen schaffen Frieden – über die Entwicklung und das Wesen der Siebenerei. In: zfv Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement Heft 4/2011, S. 233–238, Wißner-Verlag, Augsburg 2011, ISSN 1618-8950
  • Rainer Leng: Grenzen, Steine, Sechsersprüche. Die dörfliche Rechtspraxis im Spiegel des Frammersbacher Sechserbuches. Königshausen und Neumann, Würzburg 2017, ISBN 978-3-8260-6160-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950; 2. Auflage. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 312 und öfter.
  2. Sendung des BR „Jetzt red i“ vom 2. Juni 2010
  3. Das Sechserbuch auf der Seite des Archäologischen Spessartprojekts
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