Feldgeschworene

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Feldgeschworene wirken in Bayern, Rheinland-Pfalz und teilweise auch in Thüringen bei der Kennzeichnung von Grundstücksgrenzen und Flurstücken mit. Sie setzen Grenzsteine höher oder tiefer, entfernen Vermessungspunkte oder ersetzen beschädigte Vermessungspunkte. Als Hüter der Grenzen und Abmarkungen in Gemeindegebieten arbeiten sie eng mit Vermessungsbeamten zusammen.

Es gibt eine Vielzahl von alternativer Bezeichnungen mit teilweise nur regionaler Verwendung. Die bekanntesten sind Siebener oder Siebner (deren Tätigkeit, die Siebnerei, durch Siebnereiordnungen geregelt war[1]), Landscheider[2] oder Untergänger.

Seit rund 500 Jahren gibt es Feldgeschworene. Das Amt des Feldgeschworenen ist eines der ältesten noch erhaltenen Ämter der kommunalen Selbstverwaltung.

Alleine in Bayern gibt es etwa 25.000 Feldgeschworene, wovon 15.000 aus Franken kommen (Stand 2016).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ehrenamt ist im 13. Jahrhundert in Franken entstanden, wo durch die klein-strukturierten Grundstücksparzellen besonders viele Grenzverläufe zu dokumentieren waren.[4] Die Obrigkeit erkannte, dass Ansprechpartner vor Ort nötig waren, die sich mit den lokalen dörflichen Gegebenheiten auskannten und die die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten. Weil ursprünglich eine Gruppe von meist sieben Personen zur Regelung und Bestimmung von Grundstücksgrenzen eingerichtet wurde, bürgerte sich der Begriff Siebener ein. Heute wird eine Mindestzahl von vier Personen gefordert.

Zur Sicherung der Grenzsteine existierte das Siebenergeheimnis, über die die Siebener Stillschweigen zu halten hatten, und die nur mündlich weitergegeben wurden. Dieses bestand aus individuell plazierten besonders geformte, manchmal beschriftete Zeichen aus gebranntem Ton, Glas, Porzellan oder Metall.[5] Ihr Wissen um die Grundstücksverhältnisse und die Richterfunktion bei Bodenstreitigkeiten machten die Siebener zu „Leute[n], die im Dorf am meisten angesehen, aber auch gefürchtet waren“.[6]

Bis zum Erlass des Abmarkungsgesetzes im Jahr 1900 hatten sie das Recht, Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen. Seitdem unterstehen die Siebener den Vermessungsämtern. Dennoch sind sie weiterhin berechtigt, in begrenztem Umfang selbständig tätig zu werden. Sie können beispielsweise auch von Eigentümern zur Sicherung oder Erneuerung eines Grenzzeichens bestellt werden. Bei Unstimmigkeiten haben sie aber keine Entscheidungsbefugnisse mehr.

Eine wichtige historische Quelle zur Arbeit der Feldgeschworenen ist das in Frammersbach im Spessart von 1572 bis 1764 geführte „Sechserbuch“.[7] Es wurde im Winter 2002/03 von Rainer Leng redigiert.

Als 1970 dieses Ehrenamt in Bayern abgeschafft werden sollte, kämpften Landtagsabgeordnete aus Unterfranken für dessen Erhalt. Seit den 1980er Jahren dürfen auch Frauen Feldgeschworene werden. 2016 erfolgte die Anerkennung als deutsches UNESCO-Kulturerbe.[8]

Andere deutsche Bundesländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb von Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen existiert diese eigenständige Aufgabe nicht.

Die Vermessung wird alleine von Beamten der Vermessungsämter oder von öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren wahrgenommen. Gegen das Verrücken von Grenzsteinen vertraut man dort dem Vermessungszahlenwerk und den daraus bestimmten Koordinaten. Zusätzlich werden auch dort die Grenzzeichen durch unterirdische Marksteinzeugen (Tonkegel, Flaschen usw.) gesichert, die in der Grenzverhandlung bekannt gegeben werden.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Tätigkeit des aktiven Kontrollierens und Abgehens der Gemeindegrenze durch die Bürger, der sogenannten Grenzbegehung, entwickelten sich vielerorts Volksfeste mit regional wechselnder Benennungen wie Schnadegang, Banntag oder Grenzgang.

Im Rahmen der Brauchtumspflege und Fremdverkehrsunterstützung entstanden 2007 im fränkischen Langenzenn mehrere Siebenerwege, auf denen die lokalen Siebenersteine sinnlich erwanderbar sind.[9]

Details zum Ehrenamt des Feldgeschworenen sind geregelt im bayerischen Abmarkungsgesetz (AbmG) vom 6. August 1981 bzw. in der rheinland-pfälzischen LGVermDVO (§§ 21 und 22) vom 30. April 2001.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Henninger: Sichere Grenzen schaffen Frieden – über die Entwicklung und das Wesen der Siebenerei. In: zfv Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Heft 4/2011, S. 233–238, Wißner-Verlag, Augsburg 2011, ISSN 1618-8950
  • Rainer Leng: Grenzen, Steine, Sechsersprüche. Die dörfliche Rechtspraxis im Spiegel des Frammersbacher Sechserbuches. Königshausen und Neumann, Würzburg 2017, ISBN 978-3-8260-6160-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950; 2. Auflage. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 144, 312 und 342 f.
  2. Hembach: Die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner (PDF) S. 8
  3. Feldgeschworene: Siebener werden Kulturerbe. infranken.de, 4. August 2016 ; abgerufen am 18. September 2018
  4. Immaterielles Kulturerbe: Feldgeschworenenwesen in Bayern. Deutsche UNESCO-Kommission; abgerufen am 18. September 2018
  5. Keine Spur mehr vom Siebenergeheimnis. Nordbayerischer Kurier, 15. Juni 2016; abgerufen am 18. September 2018
  6. Entzauberte Geheimnisträger. Süddeutsche Zeitung, 12. Januar 2016; abgerufen am 18. September 2018
  7. Das Sechserbuch (Memento des Originals vom 25. November 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.spessartprojekt.de auf der Seite des Archäologischen Spessartprojekts
  8. Feldgeschworene gehören zum Weltkulturerbe. Landratsamt Würzburg, 27. März 2018; abgerufen am 18. September 2018
  9. Wandern zu steinernen Zeugen. In: Nürnberger Zeitung, 13. September 2010; abgerufen am 18. September 2018
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