Zum Inhalt springen

Fernmeldetruppe EloKa

Überprüft
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Militärisches Symbol

Die Fernmeldetruppe EloKa ist eine Truppengattung der Bundeswehr, die für die elektronische Kampfführung (EloKa) zuständig ist. Als Teil der Teilstreitkraft Kommando Cyber- und Informationsraum stellen die Bataillone Elektronische Kampfführung allen militärischen Organisationsbereichen der Bundeswehr EloKa-Fähigkeiten zur Verfügung. Die rund 3000 EloKa Soldaten sind in vier Battalione aufgeteilt.[1]

Unterstellung und Geschichte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eloka Truppe der Bundeswehr wurde im Zuge des Ost-West Konfliktes aufgebaut und nach dessen Ende das Personal in den Einheiten reduziert.[2]

Bis zur Neuausrichtung waren jeder Division eine EloKa-Kompanie, jedem Korps ein EloKa-Bataillon unterstellt; so stellten sie sicher, dass im Einsatzraum der Fernmeldeverkehr beim Gegner überwacht oder gestört werden konnte.

Eine technologische Modernisierung in großem Umfang fand seit dem Ende des Kalten Kriedes nicht statt. Bei den Einsätzen in Afghanistan und Mali spielten die Fähigkeiten der Eloka eine untergeordnete Rolle: hier galt es vor allem Handys oder analogen, unverschlüsselten Funk von Aufständischen und Terroristen abzuhören. Dagegen war es nicht notwendig gegnerische Streitkräfte und deren Waffensysteme in Gefechtssituationen aufzuklären, zu stören, täuschen und lahmzulegen.[2]

Im Rahmen der Neugliederung der militärischen Organisationsbereiche wurde das Kommando Strategische Aufklärung und die ihm unterstellten Verbände zum 1. Juli 2017 aus der Streitkräftebasis herausgelöst und dem Kommando CIR unterstellt.

Mit dem stark im Cyber- und Informationsraum geführten Ukrainekrieg wurde den Eloka-Einheiten wieder eine größere Bedeutung zugemessen.[2]

Auftrag und Organisation

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mobile Verbände

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben von mobilen EloKa-Verbänden lassen sich in drei Bereiche gliedern:

Aufklären (EloUM)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittels hochempfindlicher Empfangsgeräte werden durch geeignete Messverfahren feindliche Funkabstrahlungen erfasst, aufgezeichnet und ausgewertet sowie deren Quelle ermittelt, um daraus abgeleitet geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können (z. B. Luftwaffeneinsatz, Artillerie-Schlag). Die so gewonnenen Informationen können über Stärke, Position und Pläne des Gegners Aufschluss geben.

Stören (EloGM)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Stören der Signale des Gegners wird dieser in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Stören umfasst einen weiten Bereich, der von Falschzieldarstellung über Geräteausfallsimulation beim Gegner bis zum Übersteuern dessen Prozessdatenverarbeitung reichen kann. Deshalb gewinnt der elektronische Kampf entscheidende Bedeutung in kommenden Kriegsszenarien.

Schutz eigener Kommunikation (EloSM)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Aufgabenspektrum des elektronischen Kampfes umfasst auch Maßnahmen, feindliche EloKa-Verbände davon abzuhalten, die eigenen Ausstrahlungen zu erfassen oder zu stören. Diese Aufgabe gehört zwar zur EloKa, ist aber Aufgabe aller Truppengattungen.

Stationäre Verbände

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsfeste EloKa-Verbände in allen drei Teilstreitkräften betreiben Fernmelde- und elektronische Aufklärung in der Regel über Distanzen im mindestens dreistelligen Kilometerbereich.

Die Gesamtheit dieser Aufgaben wird als elektronischer Kampf (in der Bundeswehr) oder elektronische Kriegsführung (englisch electronic warfare) bezeichnet. Da ihr Auftrag die EloKa-Truppen quasi zu einem militärischen Nachrichtendienst macht, werden sie in den USA auch als signal intelligence (SIGINT) bezeichnet.

Mögliche künftige Aufgaben

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zukunft wird auch der Bereich der Optronik zu den Aufgaben der Fernmeldetruppe EloKa gehören. Dies umfasst zum Beispiel die 3D-Laser-Darstellung (Target Designation) von Zielen, die vor allem in den USA vorangeschritten ist. Target Designation wird beispielsweise dazu benutzt, scheinbare Ziele zu projizieren und damit feindlicher Sensorik falsche Ziele oder Ziele in falscher Menge vorzugeben. Gegnerische Aufklärung und Waffenwirkung können dadurch reduziert werden. Ebenso wird umgekehrt an der Aufklärung von Laser-Signalen gearbeitet.

Die vier mobilen EloKa-Einheiten verfügen als Hauptsystem über den Ende der 1970er Jahren eingeführten Transportpanzer Fuch mit dem Rüstsatz für die elektronische Kampfführung und -Aufklärung. Die Variante wird Hummel genannt und nat neben einem 15kW-Stromerzeugungsaggregat an der linken Hecktür einen "Antennenwald" (Mehrfachantennenanlage Richtantenne LPU mit zwölf verschieden langen Stabantennen) auf dem Dach. Der Störsender EK 33 kann im automatischen Mehrkanalstörbetrieb gegen Sprach- und Datenverbindungen eingesetzt werden. Sein Frequenzbereich liegt im VHF-Bereich bei 20 bis 80 MHz und im UHF-Bereich bei 100 bis 500 MHz. Ab 2000 wurden die Fahrzeuge mit Cassidian SGS-2000-Störsendern nachgerüstet und 2007 eine verbesserter Antennenanlage. Eine GSM-Störantenne (900/1800 MHz) wurde nachgerüstet, sowie eine ausfahrbare VHF-LPD-Antenne für den Frequenzbereich zwischen 80 und 500 MHz am Heck. Im Inneren sind weiter ein 2 kW HF-Leistungsverstärker und zwei zusätzliche VHF-Funkgeräte SEM80/90 - deren Einsatz im Störbetrieb nicht möglich ist - nachgerüstet worden.

Die Bundeswehr war in drei Fernmeldebereiche untergliedert, die direkt dem Kommando Strategische Aufklärung unterstellt waren.

Fernmeldebereich Ortsfester Stützpunkt Mobiles Bataillon
FmBer 91 (Flensburg, aufgelöst) FmAufklAbschn 911 (Stadum) (wird EloKaBtl 911) EloKaBtl 912 (Clausewitz-Kaserne, Nienburg a. d. Weser)
FmBer 92 (ehem. FmBer 70, Trier, aufgelöst) FmAufklAbschn 921 (Berlin-Gatow) aufgelöst EloKaBtl 922 (Donauwörth) (aufgelöst)
FmBer 93 (ehem. FmEloAufklBrig 94; Daun, aufgelöst) Fernmeldeaufklärungsabschnitt 931 (ehem. FmAufklRgt 940; Daun; wird EloKaBtl 931) EloKaBtl 932 (Frankenberg (Eder))
  • Rudolf Grabau: Die Fernmeldetruppe EloKa des Heeres 1956-1990, 4 Bände, Bonn 1995–1998.
  • Rudolf Grabau: Der Neubeginn der FmEloAufkl und der EloKa der Luftwaffe ab 1956 und das dem Neuaufbau zugrundeliegende Konzept, Much 2000.
  • Rudolf Grabau: Funküberwachung und elektronische Kampfführung. Grundlagen, Technik und Verfahren, Stuttgart 1986, ISBN 3-440-05667-8.
  • Rudolf Grabau: Technische Aufklärung. Sensoren, Systeme und Verfahren, Stuttgart 1989, ISBN 3-440-06044-6.
  • Konrad Guthardt, Heinz Dörnenburg: Elektronischer Kampf. Historische Entwicklung mit Beispielen aus acht Jahrzehnten, Heidelberg 1986, ISBN 3-7785-1155-6.
  1. Schwachstelle der Bundeswehr? Kommandeur reagiert auf Kritik an Elektronischer Kampfführung. 22. Oktober 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  2. a b c Florian Flade, WDR, und Reiko Pinkert NDR: Bedrohung aus Russland - bei der elektronischen Kampfführung hat die Bundeswehr offenbar Schwächen. Abgerufen am 9. Dezember 2025.