Fersmanit

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Fersmanit
Fersmanite-18481.jpg
Fersmanit vom Eweslogtschorr in den Chibinen, Halbinsel Kola, Russland (Gesamtgröße: 6 × 4,5 × 2,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel
  • Ca4(Na,Ca)4(Ti,Nb)4(Si2O7)2O8F3[1]
  • (Ca,Na)8(Ti,Nb)4[O8|(F,OH)3|(Si2O7)2][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.BE.72 (8. Auflage: VIII/C.16)
56.02.05.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15[4]
Gitterparameter a = 10,183 Å; b = 10,183 Å; c = 20,396 Å
β = 97,19°[4][3]
Formeleinheiten Z = 4[4][3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,44 bis 3,46; berechnet: [3,43][5]
Spaltbarkeit keine[6]
Bruch; Tenazität uneben
Farbe dunkelbraun bis goldgelb
Strichfarbe weiß mit einem Stich ins Bräunliche
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,873 bis 1,886[7]
nβ = 1,914 bis 1,930[7]
nγ = 1,914 bis 1,939[7]
Doppelbrechung δ = 0,041 bis 0,053[7]
Optischer Charakter zweiachsig negativ

Fersmanit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca4(Na,Ca)4(Ti,Nb)4(Si2O7)2O8F3[1]. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Natrium und Calcium bzw. Titan und Niob können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen (Silikatkomplex, Sauerstoff und Fluor) des Minerals.

Fersmanit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, entwickelt aber meist pseudotetragonale, deformierte Kristalle bis etwa drei Zentimeter Durchmesser.[6] Die Kristalle sind durchsichtig bis durchscheinend und weisen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz auf. Die Farbe des Minerals variiert zwischen dunkelbraun und goldgelb. Seine Strichfarbe ist dagegen weiß mit einem Stich ins Bräunliche.

Mit einer Mohshärte von 5 bis 5,5 gehört Fersmanit zu den mittelharten Mineralen und entspricht in etwa der Härte des Referenzminerals Apatit (5), das auch im Zahnschmelz enthalten ist.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Fersmanit am Berg Eweslogtschorr in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola und beschrieben 1929 durch A. Labuncov, der das Mineral nach dem russischen Mineralogen, Geochemiker und Kristallographen Alexander Jewgenjewitsch Fersman benannte.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Fersmanit zur Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er zusammen mit Belkovit die unbenannte Gruppe VIII/C.16 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Fersmanit ebenfalls in die Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatgruppe, der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Si2O7 Gruppen mit zusätzlichen Anionen; Kationen in oktaedrischer [6] und größerer Koordination“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.BE.72 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Fersmanit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O“ ein. Hier ist er als zusammen mit Dovyrenit, Götzenit, Mosandrit, Nacareniobsit-(Ce), Rinkit und Roumait in der „Mosandrit und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 56.02.05 innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen in [4] und/oder >[4]-Koordination“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fersmanit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 10,183 Å; b = 10,183 Å; c = 20,396 Å und β = 97,19°[4] sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fersmanit bildet sich in aegirinreichen Nephelin-Pegmatiten, wo er unter anderem mit Apatit, verschiedenen Feldspaten, Lamprophyllit, Pektolith, Rinkit und verschiedenen Sulfiden vergesellschaftet auftritt.

Als seltene Mineralbildung konnte Fersmanit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 10 Fundorte als bekannt gelten.[8] An seiner Typlokalität Eweslogtschorr trat das Mineral dabei in den Gängen Nr. 1 und 2 des Labuntsov, dem 3. Nebenfluss des Vuonnemijok auf. Daneben fand es sich in Russland noch am Kukiswumtschorr in den dortigen Apatit-Gruben sowie am Raswumtschorr in den Chibinen.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist der etwa 800 Meter nordwestlich der Gemeinde Üdersdorf liegende Steinbruch „Löhley“ im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind nur noch der Steinbruch „Bortolan“ nahe Poços de Caldas in Brasilien und ein Selten-Erd-Grubenfeld im Gebiet der Wet Mountains im Custer County (Colorado).[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Labuncov: Ферсманит - новый минерал из Хибинских Тундр. In: Доклады Академии Наук СССР. 1929, S. 297–301 (russisch, rruff.info [PDF; 207 kB; abgerufen am 14. Oktober 2017] Titelübersetzung ins Französische: La fersmanite - un nouveau minéral des Monts Chibines. Publiziert durch Comptes Rendus (Doklady) de l’Académie des Sciences de l’URSS).
  • Melvin P. Machin: Fersmanite, (Ca,Na)4(Ti,Nb)2Si2O11(F,OH)2: a restudy. In: The Canadian Mineralogist. Band 15, 1977, S. 87–91 (rruff.info [PDF; 383 kB; abgerufen am 14. Oktober 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fersmanite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b IMA/CNMNC List of Mineral Names; September 2017 (PDF 1,67 MB)
  2. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 582.
  3. a b c Webmineral – Fersmanite
  4. a b c American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Fersmanite
  5. Fersmanite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 71 kB; abgerufen am 14. Oktober 2017]).
  6. a b Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 207.
  7. a b c d Mindat – Fersmanite
  8. Mindat – Anzahl der Fundorte für Fersmanit
  9. Fundortliste für Fersmanit beim Mineralienatlas und bei Mindat