Filistatidae

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Filistatidae
Kukulcania hibernalis, Männchen

Kukulcania hibernalis, Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Haplogynae
Überfamilie: Filistatoidea
Familie: Filistatidae
Wissenschaftlicher Name der Überfamilie
Filistatoidea
 ???
Wissenschaftlicher Name der Familie
Filistatidae
Ausserer, 1867

Die Filistatidae sind eine Familie der Echten Webspinnen und umfassen 18 Gattungen mit 126 Arten.[1] (Stand: Juni 2016)

Die Familie wird im Deutschen von Bellmann (1997) auch "Lochröhrenspinnen" genannt. Sie sind weltweit verbreitet.[1] In der Schweiz ist nur Pritha nana nachgewiesen (Blick et al., 2004). Weitere Vertreter der Familie sind bislang noch nicht in Mitteleuropa gefunden worden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestimmungsmerkmal der Familie ist der von oben gesehen eiförmige Vorderleib (Prosoma) und die Augenstellung. Die acht Augen liegen dicht beieinander auf einem Hügel am oberen Stirnrand, deutlich vor dem Vorderende des Prosomas (Bellman; Heimer und Nentwig, 1991). Filistata-Arten weisen keine deutliche Zeichnung auf. Die Form des Sternums und das Vorhandensein des Cribellums sind wichtige Merkmale. Die Männchen sind nur im Herbst und Winter (Tropen!) anzutreffen (Sauer und Wunderlich, 1985).

Die größte Art der Familie ist mit 7 mm (Männchen) bis 14 mm (Weibchen) Filistata insidiatrix (Bellmann). Filistata insidiatrix hat einen grauen Hinterleib (Opisthosoma) und ein gelbbraunes Prosoma mit kräftigen Beinen. Die acht Augen sind dicht gedrängt auf einem gemeinsamen Hügel (Bellmann, Heimer & Nentwig, 1991).

Pritha nana wird nur 2,5 bis 4,4 mm groß. Die Weibchen leben mehrere Jahre, die Männchen sind einjährig.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netz einer Filistatidae-Art

Die Angehörigen der Filistatidae hausen zwischen Steinen, in Mauerritzen oder Felsspalten, in denen sie sich Wohnröhren weben, die nach sich nach außen wie ein Trichter öffnen und in ein dichtes Gewebe cribellater Fangfäden (Fangwolle, vgl. Spinnennetz) übergehen. Radial ausstrahlende Fäden ergänzen das Fanggewebe (Bellmann, 1997). Der scheibenförmige Fangteppich von Filistata kann die Größe eines Handtellers erreichen. Die weiß schimmernden cribellaten Fäden halten die Beute zurück und die Spinne schnellt aus ihrer Wohnröhre hervor, in der sie sich fast ausschließlich aufhält. In dieser Wohnröhre bewacht das Weibchen auch ihren Eikokon (Sauer & Wunderlich, 1985). Die Tiere der Gattung Filistata können bis zu zehn Jahre alt werden (Foelix, 1979; Sauer & Wunderlich, 1985).

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungskarte der Filistatidae

Die Filistatidae bilden eine relativ kleine Spinnenfamilie mit 18 Gattungen und 126 Arten.[1] Von 21 Arten sind nur die Weibchen, von weiteren 5 Arten nur die Männchen bekannt. Viele Arten sind nur durch eine einzige taxonomische Publikation bekannt.[2] Ein Grund für den geringen Kenntnisstand über diese Spinnenfamilie könnte ihre verborgene Lebensweise in schwer zugänglichen Bergregionen sein. Wegen ihrer unauffälligen Färbung und schwer unterscheidbarem Habitus sind viele Arten nur durch die Untersuchung ihres Genitalapparats klar zu bestimmen. Pholcoides afghana wurde erst 2009 von der Familie Pholcidae in die Familie Filistatidae transferiert.[3]

Der Verbreitungsschwerpunkt der Familie liegt in den Tropen und Subtropen der alten Welt. Dazu gehören Südeuropa sowie Klein- und Zentralasien, China, Australien und Ozeanien sowie Teile Afrikas. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis zum 47. Breitengrad.

Die Gattungen Filistatinella und Kukulcania sind in Nordamerika beheimatet und werden dort häufig mit dem "Brown recluse spider" (Loxosceles reclusa) verwechselt. Die Gattung Filistatoides ist in Südamerika anzutreffen.

Sahastata nigra ist laut Platnick (2005) vom Mittelmeer bis nach Indien verbreitet; während die anderen drei Arten der Gattung Sahastata in Indien und im Jemen beheimatet sind. Pritha nana ist nach Platnick (2005) nur im Mittelmeerraum, aber von Maurer und Hänggi 1990 in der Schweiz nachgewiesen (Blick et al., 2004). Auch Filistata insidiatrix sowie Pritha pallida sind im Mittelmeerraum gefunden worden.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der World Spider Catalog listet für die Filistatidae aktuell 18 Gattungen und 126 Arten.[1] (Stand: Februar 2016)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Filistatidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heiko Bellmann: Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Kosmos, Stuttgart 1997 ISBN 3-440-07025-5.
  • Blick, T.; Bosmans, R.; Buchar, J.; Gajdoš, P.; Hänggi, A.; Van Helsdingen, P; Růžička, V.; Starega, W. & Thaler, K.: Checkliste der Spinnen Mitteleuropas (Arachnida: Araneae). Version 1. Dezember 2004. (PDF)
  • Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1979 ISBN 3-13-575801-X.
  • Stefan Heimer und Wolfgang Nentwig: Spinnen Mitteleuropas. Verlag Paul Parey, Berlin 1991 ISBN 3-489-53534-0.
  • Heimer & Nentwig (1991): Spinnen Mitteleuropas - Familienschlüssel.
  • B. A. Huber: Four new generic and 14 new specific synonymies in Pholcidae, and transfer of Pholcoides Roewer to Filistatidae (Araneae). Zootaxa, 1970, S. 64–68, 2009.
  • Frieder Sauer und Jörg Wunderlich, Jörg: Die schönsten Spinnen Europas. Fauna-Verlag, Karlsfeld 1985.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.0 – Amaurobiidae. Abgerufen am 5. Juni 2016
  2. Sergei L. Zonstein, Yuri M. Marusik & Seppo Koponen: Redescription of three species of Filistatidae (Araneae) described by C. F. Roewer from Afghanistan. Zootaxa, 3745, 1, S. 64-72, 2013 doi:10.11646/zootaxa.3745.1.5
  3. a b B. A. Huber: Four new generic and 14 new specific synonymies in Pholcidae, and transfer of Pholcoides Roewer to Filistatidae (Araneae). Zootaxa, 1970, S. 64–68, 2009.