Hut

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Kopfbedeckung. Für weitere Bedeutungen siehe Hut (Begriffsklärung).
Hutabteilung im Centrum Warenhaus am Berliner Ostbahnhof (1981)

Der Hut ist eine Kopfbedeckung, die sich durch die feste Form und die umlaufende Krempe von einer Mütze unterscheidet. Verläuft dieser Rand um den Hut nicht ganz um den Kopf, spricht man von einer Kappe. Unter der Bedeutung Hut gleich Schutz gibt es differenzierende Bezeichnungen wie Regenhut, Sommer- oder Sonnenhut, wobei der breite Rand den Träger vor dem Wetter schützt, kühlt oder wärmt, wie zum Beispiel beim Sombrero und beim Südwester. Neben seiner praktischen Funktion kann der Hut zur Unterstreichung und zum Ausdruck der Persönlichkeit seines Trägers dienen und die Zugehörigkeit des Trägers zu einer Gesellschaftsschicht, Berufsgruppe oder ähnlichen Vereinigung symbolisieren.

Traditionelle Hersteller von Hüten sind Modisten und Hutmacher, deren Zulieferer ist der Hutformenbauer. Als Hutstumpen bezeichnet man ein Zwischenprodukt für die Herstellung der verschiedensten Hutformen. Die sprichwörtliche Hutschnur um die Hutkappe verhindert das Auseinandergehen des Hutes.

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Material[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hüte können aus verschiedensten Materialien hergestellt werden, zum Beispiel

aus Filzen von Schafwolle, Kaninchenhaar, Biberhaar und Kaschmirwolle sowie, heutzutage seltener, aus Nutriahaar,[1][2] oder es werden den Filzen andere Tierhaare zugemischt, zum Beispiel vom Chinchilla oder Nerz[3][4], selten wird Guanaco, Rothirsch (Cervelt)[5], Vikunja oder Mohair verwendet. Ein spezieller Wollfilz ist der Antilopenfilz, er besteht nicht aus Antilopenhaar, sondern bezeichnet eine besonders dichte Woll-Filzart.[6] Man unterscheidet bei Filzen glatte Filzsorten sowie aufgerauhte Peachbloom/Velours und langhaarige Melousine.[7] In Amerika wird die Filzqualität auch mit dem sogenannten X-Wert angegeben. Dies ist jedoch keine eindeutig vergleichbare Angabe, da jeder Huthersteller seine eigenen Werte hat.[8]

Bei Filzhüten wird weiter unterschieden zwischen normalen (mit vorgepressten Formen) und falt- und rollbaren {engl. crush-, rollable (foldaway)} Qualitäten. Hier gibt es verschiedene bekannte Markennamen für diese Filzqualitäten Litefelt®, Pliofelt® (Akubra), Vitafelt® (Stetson), wobei falt- und rollbar nicht dasselbe ist.[9]

Außerdem können Hüte auch aus Baumwoll-, Leinen- und Hanfstoffen und verschiedenen Stroharten sowie Papierarten, Chemiefasern oder Leder bestehen. Ferner unterscheidet man bei Stoffhüten die Webart und bei Strohhüten die Flechtart eines Hutes. Ein spezielle Hutart ist der brasilianische Tarp Hut, dieser besteht aus recyclierten LKW-Planen.[10]

Hutanatomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Hutstumpen in Form gebracht wurde, werden die verschiedenen Hutstellen und Hutteile wie folgt unterschieden:[4][11]

  • Krone (engl. Crown)
  • Kronenform (engl. Crownshape, -crease, -bash)
  • Kniff-seitlich oder vorne (engl. center- oder front-Dent, Pinch)
  • C-Krone (engl. Center Dent Crown) ein Hut dessen Krone an der Längsseite nach unten geknickt ist.[12]
  • Kronendach (engl. Crowntip)
  • Hutschulter (engl. Hatshoulder) dort wo die Krone in die Krempe übergeht.
  • Hutkrempe (engl. Brim)
  • Seitenband (engl. Sideband) der Kronenteil der aufwärts geht beim Kopf.
  • Krempenrand (engl. Brimedge) hier sind verschiedene Ausführungen möglich.
  • Hutband (engl. Ribbon oder Hatband, -trim)
  • Hutbandschlaufe (engl. Bow)
  • Hutschmuck (engl. Hatdecoration)
  • Hutfutter (engl. Lining)
  • Schweißband (engl. Sweatband)
  • Futterdach (engl. Linertip)
  • Hutschnur, -kordel oder Kinnband (engl. Chincord, -strap)

Zur Verbesserung der Luftzirkulation (engl. Venting, Crownventing) werden Belüftungsösen (engl. Grommets), Mesheinsätze und Perforationen eingesetzt.

Die Konfektionsgröße für Hüte entspricht dem Kopfumfang in Zentimetern (cm), gemessen oberhalb der Ohren und über die Mitte der Stirn. In Großbritannien und den USA wird der Kopfdurchmesser in Zoll (inches) als Größenangabe verwendet,[13] wobei die englische und die amerikanische Hutgrösse nicht dieselbe ist.[14] Es gibt auch noch eine französische, italienische Hutgröße, die in „Punti“ angegeben wird und sich durch eine spezielle Berechnungsmethode deutlich von den üblichen Hutgrößen unterscheidet. Sie wird aber heutzutage praktisch nicht mehr verwendet. Es werden auch Hüte nach Mass angefertigt, hier wird ein sogenannter Hutkonformer (engl. Hat Conformer oder Conformateur[15]) verwendet, damit kann der Kopf exakt ausgemessen werden.[16][17]

Herkunft des Wortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Hut stammt vom mittelhochdeutschen Huot ab und bedeutete ursprünglich Decke oder Schutz (im Sinne von Obhut), wurde dann aber spezieller in der Bedeutung Kopfbedeckung verwendet. Es entstand aus einer indogermanischen Wurzel *kadh- oder *skad- („schützende Bedeckung“; so noch in Sanskrit chad) durch Verlust des eventuellen „s“-Anlautes und Lautverschiebung des an- und auslautenden Konsonanten.[18]

Die feminine Form (mhd. huote) bezeichnet dagegen Aufsicht, Fürsorge, Schutz im Allgemeinen, vgl. hüten. Diese wurde unter anderem in Bezug auf Lehnsverhältnisse, die Bewachung von Frauen (siehe huote-Exkurs in Tristan), aber auch militärische Wachen verwendet. Daraus entwickelte sich die Redensart „auf der Hut sein“.[19]

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Funktion des Hutes ist die Funktion als Kopfbedeckung zum Schutz gegen Kälte, Nässe oder Sonnenstrahlung. Heute werden an Stelle des Hutes oft auch Mützen, Kopftücher oder Kappen (Baseballcaps) verwendet. Bei offiziellen Anlässen wird teilweise auch heute noch von Frauen das Tragen eines Hutes erwartet. Ein bekanntes Beispiel ist das Pferderennen im englischen Ascot.

Der Hut stellt in vielen Kulturen ein Symbol für einen sozialen Status oder die Gruppenzugehörigkeit dar. Das Bedecken oder Entblößen des Kopfes hat häufig symbolische Bedeutung.

Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Griechische Frau mit Sonnenhut und Fächer. Aus Tanagra (325–300 v. Chr.).

Die antiken Griechen gingen meist barhäuptig, nur der Handwerker setzte die runde Kappe, den Pileus, auf. Der vornehme Grieche trug auf Reisen oder bei der Jagd den breitrandigen Petasos oder die Kausia, die an einer Schnur hängend auch auf dem Rücken getragen werden konnte.

Runde und spitze Hüte waren im Römischen Reich vor allem bei Schauspielen, Festen und bei heiligen Riten gebräuchlich. Man erhob im Römischen Reich den Hut zum Symbol der Freiheit, weshalb freigelassene Sklaven bei ihrer Freilassung einen Hut erhielten.

Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus ließen nach der Ermordung Gaius Iulius Caesars auf Münzen einen Hut zwischen zwei Dolchen anbringen, auch dies zum Zeichen der Freiheit nach der Alleinherrschaft. Dies ahmte man in den Niederlanden nach, als man die spanische Herrschaft abgeschüttelt hatte.

Erst nach dem Tod Neros wurde die Sitte verbreiteter, Hüte auch im Alltag aufzusetzen.

Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Federhut (links), 16. Jahrhundert

In Deutschland kommen Hüte zuerst im 10. Jahrhundert vor. So ist der Strohhut ein Abzeichen des Stammes der Sachsen. Sehr verschiedene Formen gab es dann bereits im 12. und 13. Jahrhundert. Seit 1360 sind auch Hutmacher bekannt.

Im 16. Jahrhundert trug man in Deutschland – wie auch in Holland und der Schweiz – hohe, spitz zulaufende Hüte mit breiter Krempe, wie man sie bei festlichen Gelegenheiten noch heute in Tirol und in der Schweiz sehen kann.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1800 wurden große, oft reich dekorierte Schutenhüte modern. Sie konnten mit einem zu einer Schleife gebundenen Band unter dem Kinn befestigt werden. Die Krempen der Schuten überragten im Halbkreis das Gesicht der modebewussten Dame.

Bestimmte Herrenhüte waren im 19. Jahrhundert Symbol politischer Gesinnung. In Schweden gab es sogar eine Partei, die sich Hattarne („Hüte“) nannte. Um 1848 war das Tragen eines grauen Filzhutes mit breitem Rand Zeichen einer demokratischen Gesinnung. Nach 1849 wurden deshalb Träger dieser Kalabreser (oder „Heckerhüte“) genannten Kopfbedeckungen in Deutschland polizeilich verfolgt.

Anna Gräfin Kinsky 1847 mit einer Schute

Kaiserreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die weibliche Silhouette durch kleine, zierliche Teller-Hütchen oder kleine Kapotten ergänzt.

Nach der Jahrhundertwende trugen die Damen ausgesprochen kunst- und eindrucksvolle Hüte. Pariser Hutmodell, um 1911

Das Verhältnis von Kleid und Hut veränderte sich, als um 1900 die Kleider schmaler wurden. Nun kamen die großen Hüte für Damen auf, die meist reich mit Blüten, Spitze oder exotischen Federn von Paradiesvögeln oder Afrikanischen Straußen geschmückt wurden.[20][21] Einen einzigartigen Hut zu tragen symbolisierte den Wohlstand der Trägerinnen.

1920er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1910 tauchte ein dazu konträres Modell auf: die toque („Kochmütze“), der Hut in „Glocken- oder Topfform“, der tief über den Kopf gezogen wurde. Seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre bestimmte der sachlich-enge Topfhut und wurde von allen Frauengenerationen getragen. Der schlichte, praktische und unkomplizierte Topfhut verlängerte die gerade Silhouette einer Frauenmode, die sich eher am sportlich-männlichen als am klassisch weiblichen Schönheitsideal orientierte. „Und die Frisur, der kurze Bubikopf, machte es möglich, Kappen und Hüte bis auf die Augen herunterzudrücken. Schmal und elegant wie Figur und Kleid sollten nun auch die Kopfbedeckungen sein: tiefgezogene Topfhüte und Kappen oder solche mit kleinerer Krempe harmonierten besser mit der schlichten Form der Kleidung als große Wagenräder. Die Hutformen ab 1923 entsprachen ganz dem Bild der Versachlichung und Vermännlichung der Mode bzw. des Körpers, da sie ein wichtiges Zeichen der Weiblichkeit komplett verhüllten: das Haar.“[22]

In der Türkei erfolgte 1925 für die Herren mit der sogenannten Hutrevolution eine gesellschaftliche Umwälzung. Mit der staatlichen Durchsetzung des Hutes verschwand der orientalische Fes vollständig.

1930er/1940er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn der 1930er Jahre wurde die Frauenrolle neu definiert. Die große Arbeitslosigkeit in der Weltwirtschaftskrise und der Mutterkult der Nationalsozialisten sorgten dafür, dass viele Frauen aus dem Beruf verdrängt wurden und sich verstärkt wieder um Küche und Kinder kümmern sollten.

Die Mode betonte wieder die weiblichen Formen. Die eng anliegenden Kappen der 1920er Jahre verwandelten sich in flache Hütchen, die schräg aufgesetzt wurden. Die Hutmode gab sich individualistisch und extravagant. Die Hüte werden auffallend asymmetrisch und überraschen mit verrückt-verspielten Proportionen.

Im Zweiten Weltkrieg – die Uniform war allgegenwärtig – kamen kleine Schiffchen in Mode. In der Notzeit des Krieges konnte man sich kaum noch neue Hüte kaufen: „Folglich wurden Hüte – wie die übrige Kleidung auch – selbst hergestellt. Anleitungen ‚Wie mache ich einen Hut’ oder ‚Ein alter Hut wird neu’ fanden sich in jeder Modezeitschrift. Je kreativer der Kopf, umso exzentrischer und waghalsiger waren die Entwürfe ‚Marke Eigenbau‘. Mit viel Phantasie und einfachsten Mitteln versuchte man, das Fehlen schicker Kleidung durch eine ausgefallene Hutmode wettzumachen.“[22] In der Notzeit der Nachkriegsjahre standen die Trümmerfrauen „ihren Mann“. Sie banden Tücher in Form eines einfachen Turbans, oft mit einem Knoten auf dem Kopf. Das schützte vor Dreck und Staub und verdeckte das – auf Grund von Seifen-, Wasser- und Zeitmangel – weniger gepflegte Haar.

Hutmodenschau zwischen Trümmern, Leipzig 1951

1950er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Dior prägte Ende der 1940er Jahre mit seinem New Look eine sehr feminine und üppige Mode mit weiten Röcken und Wespentaille. Passend dazu entwickelte sich in den 1950er Jahren eine höchst fantasievolle und formenreiche Hutmode. Alles war möglich: von kleinen, neckischen Käppchen, über raffinierte Hutschleier oder asiatische Elemente bis hin zu riesigen, extravaganten Wagenradhüten. Die 1950er Jahre präsentieren damit die letzte große Blüte der Hut-Kultur. Für Mann und Frau galt: „Ohne Hut sind sie nicht gut angezogen!“

Schon Mitte der 1950er Jahre vereinigte sich die gesamte Hutwirtschaft in der „Arbeitsgemeinschaft Hut“, für die Hartwig Gottwald eine erfolgreiche Werbekampagne unter dem Slogan „Man trägt wieder einen Hut“ durchführte. Er veranstaltete Hutparaden und Strohhutturniere in den Einkaufsstraßen der Großstädte und Luxuskurorte.[23]

1960er und 1970er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingrid Loscheck stellt fest, dass „nach etwa 1960 Kopfbedeckungen bei beiden Geschlechtern außer Gebrauch kamen“ und nennt als Gründe dafür die starke Verbreitung des Autos, in dem große Hüte eher stören, und den Trend zu einem sportlich-ungezwungenen Lebensstil. Der jung-dynamische John F. Kennedy schwor 1961 als erster US-Präsident barhäuptig den Amtseid, Elvis Presleys stilikonische Haartolle wäre vom Hut plattgedrückt worden.[24] Die Kopfbedeckung verlor als fester Bestandteil der gepflegten Kleidung in den 1960er Jahren an Bedeutung – und auch an Extravaganz. Die Form des Damenhutes vereinfachte sich mit der sachlich-geometrischen Mode der 1960er Jahre – hin zu eher schlichten, glockenförmigen, turban- oder kugelförmigen Gebilden.[25]

Mit der Kulturrevolution der 68er-Bewegung wurde der Damen- und Herren-Hut endgültig zum Symbol der biederen und altmodischen Adenauer-Ära, von überholten Rollenklischees und abgestandenen Traditionen. Ende der 1960er Jahre war es nicht mehr chic, einen Hut aufzusetzen.[22] In den 1970er und 1980er Jahren wurden eher Kopftücher, Kappen, Mützen, Turbane oder Arafat-Tücher als Kopfbedeckung gewählt, allenfalls noch die Leder- und Strohhüte der Hippies. Anfang der 1970er Jahre gab es sogar Abendkleider mit Kapuzen. „Allgemein werden Kopfbedeckungen nur noch als Kälteschutz getragen“ hieß es 1999 – fast schon abschließend – in dem wichtigsten deutschen Modelexikon.[26]

Der klassische Hut wird allenfalls noch von Exzentrikern oder zu ganz besonderen Anlässen getragen: Hochzeiten, Pferderennen, Beerdigungen … . Bekanntes „Hutereignis“ ist das Pferderennen auf der königlichen Pferderennbahn in Ascot, bei dem das weibliche Publikum mit phantasievollen Hutkreationen wetteifert. Die Herren tragen meist einen grauen Zylinder zum Cutaway.

Mit dem Niedergang des klassischen Hutes verlor das ehemals nicht unbeträchtliche Hutmacherhandwerk (Putzmacherei) an Bedeutung und wird heute insbesondere als Theaterberuf betrieben.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugendliche führten in den 1970er Jahren in Deutschland die US-amerikanische Baseballcap ein. Seit den 1980er Jahren ist die preiswerte Kappe in Einheitsform in sämtlichen Schichten und Kreisen zu Hause. Der einst variantenreiche und individuelle Hut ist damit fast vollständig von einer denkbar schlichten Kopfbedeckung ersetzt worden.

Gerade weil der Hut inzwischen eher „out“ ist, eignet er sich gut, um – in leicht abgewandelter Form und etwas ungewöhnlich aufgesetzt – wieder zum Hingucker zu werden. Bei Events des europäischen Hochadels ist er immer noch Pflicht. So gab es in letzter Zeit eine kleine Wiederbelebung der Kopfbedeckung.

Es begann damit, dass sich männliche Jugendliche in einer coolen Attitüde Strick-Mützen bis über die Ohren zogen – unabhängig davon, ob sie drinnen oder draußen waren, ob es gerade warm oder kalt war. Die Mützen werden „Beanie“ genannt – vermutlich nach dem englischen bean für ‚Bohne‘, ‚Kopf‘ oder ‚Birne’.

Historischer Laden „Georg“ für Herrenhüte im Freilichtmuseum Roscheider Hof, Konz

Seit etwa 2005 feiert der klassische Herrenhut im Retro-Stil ein Comeback. Er heißt jetzt „Trilby“ und ist ein recht kleines Modell mit schmaler Krempe, der etwas neckisch und höher als gewohnt getragen wird. Popmusiker und Stil-Trendsetter Justin Timberlake begann mit dieser Attitüde, der Jazz-Sänger Roger Cicero und Mehrzad Marashi (DSDS-Superstar 2010) treten sogar grundsätzlich mit Hut auf und machten ihn zu ihrem Markenzeichen. Der traditionsreiche Huthersteller Mayser bot 2010 unter dem Motto „Ein Stil wird Hut. Elegant und cool“ sogar einen „Roger-Cicero-Hut“ an. Der Trilby wurde wohl zuerst von jungen Männern, dann aber auch von modebewussten jungen Frauen getragen.

Mit den Hüten verschwanden auch die Hutläden und die entsprechenden Abteilungen in Kaufhäusern. Der letzte Trierer Laden für Herrenhüte – von ursprünglich über 20 – sowie ein Hutladen für Damenhüte, beide aus der Zeit um 1900, sind heute im Freilichtmuseum Roscheider Hof aufgebaut.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ganz Links: Zylinder Links: Schirmmütze Rechts: Borsalino Ganz Rechts: Melone

Man unterscheidet unter anderem:

  • Akubra, eine australische Hutmarke
  • Andalusier, schwarzer Herrenfilzhut mit Kinnband aus Spanien
  • Bergère, Frauenhut des 18. Jahrhunderts
  • Borsalino, eine italienische Hutmarke, steht für klassische Herrenhüte
  • Chapeau Claque oder Klapphut, ein zusammenklappbarer Seidenzylinder
  • Dreispitz oder Dreimaster
  • Fedora, Filzhut
  • Florentinerhut, ein Damenstrohhut des 19. Jahrhunderts mit schwingender Krempe aus Weizenstroh
  • Glockenhut oder Cloche
  • Homburg, elegant, staatstragend
  • Kalabreser, Filzhut mit einem spitz zulaufenden Kopf
  • Kapotte, ein kleiner Damenhut des 19. Jahrhunderts
  • Kastorhut, aus Biberfilz gefertigter Vorläufer des Zylinders
  • Kreissäge, flacher Herrenstrohhut mit gezacktem Rand
  • Melone oder Bowler, hauptsächlich in England
  • Panamahut, ein Strohhut, das Material stammt von einer Palmenart aus Ecuador.
  • Porkpie, ein runder Hut mit schmaler Krempe und einem leicht aufgebogenen Rand
  • Schühut, ein gekalkter Strohhut des 18. Jahrhunderts aus dem Schwarzwald
  • Schute oder Kiepenhut, ein haubenartiger Damenhut des 19. Jahrhunderts
  • Sombrero, besonders breite Krempe, hauptsächlich mexikanische Folklore,
  • Stetson, ein amerikanischer Huthersteller, steht für Cowboyhüte
  • Stößer, österreichisch, der Hut des Fiakers
  • Strohhut, wird in der warmen Jahreszeit getragen, Damen- oder Herrenhut, aus Panamastroh, Hanf, Seegras oder anderem.
  • Topfhut, Damenfilzhut, der beide Ohren bedeckt
  • Tweedhut, weich, leger, meistens ein Stoffhut
  • Zimmermannshut
  • Zylinder, zum Frack, aus Filz oder Seide

Besondere Hüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geweihte Hüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Papst verschenkte in früheren Zeiten Hüte, die er in der Christnacht geweiht hatte, an verdiente Fürsten und Feldherren oder an solche, die er zu gewinnen suchte. Den letzten derartigen Hut erhielt Feldmarschall Daun nach der Schlacht bei Hochkirch.

Kirchenhüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pronotarien der päpstlichen Kurie tragen einen schwarzen Hut, genannt Cappello romano mit Quasten. Die Kardinäle haben einen roten Hut, genannt Galero, mit 15 Quasten, der Erzbischof einen mit 10, der Bischof einen mit sechs und der Abt einen solchen mit drei Quasten auf jeder Seite.

Fürstenhüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltliche Fürsten trugen den so genannten Fürstenhut, der zwischen der Grafen- und der Königskrone stand. Der Kurhut der deutschen Kurfürsten wich vom Fürstenhut ab: er besaß keine Metallspangen.

Laut Schillers Wilhelm Tell befestigte der Landvogt Hermann Gessler seinen Hut als Symbol für den Landesherren selbst an einer Stange und ließ diesen von der Bevölkerung grüßen. Bei Nichtbeachtung drohte eine Strafe.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gisela Albrod: (K)ein alter Hut. Eine Ausstellung des Landschaftsverbandes Rheinland, Rheinisches Museumsamt. Köln 1986
  • Hilda Amphlett: Hats: a history of fashion in headwear. 1974, Nachdruck Mineola, Dover Publications 2003.
  • Tobias Engelsing: Chapeau! Berühmte Kopfbedeckungen 1700–2000. Anlässlich der Ausstellung vom 23. Juli bis 27. November 2011, Stadt Konstanz 2011, ISBN 978-3-929768-29-9.
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe/Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Hut & Co. 150 Jahre Hutgeschichte. Bocholt 2007.
  • Ingrid Loscheck: Reclams Mode- und Kostümlexikon. Stuttgart 1999.
  • Roswitha Mattausch-Schirmbeck: „Gut behütet“. Begleitschrift zur ständigen Ausstellung des Hutmuseums im Museum der Stadt Bad Homburg v.d. Höhe. Bad Homburg 1985
  • Münchener Stadtmuseum: Von Kopf bis Hut. Kopfbedeckungen aus der Textilsammlung des Münchner Stadtmuseums vom 18. Jahrhundert bis 1984. München 1984
  • Christiane Syré in: Arbeit & Alltag. Industriekultur im Ruhr Museum. 1. Auflage. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2015, ISBN 978-3-86335-821-1, S. 33.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hüte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Hut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bibliographisches Institut: Meyers Hand-Lexikon des allgemeinen Wissens in einem Band: Band 2, 1872, S. 1167
  2. Brenda Grantland: Hatatorium: An Essential Guide for Hat Collectors
  3. Super Felt auf montecristihats.com, abgerufen am 15. März 2016.
  4. a b Hat Glossary auf publiusforum.com, abgerufen am 15. März 2016.
  5. Cervelt auf cervelt.com, abgerufen am 15. März 2016.
  6. Antilopfilz auf muehlbauer.at, abgerufen am 15. März 2016.
  7. Kopka Hutzubehör auf kopka.de, abgerufen am 15. März 2016.
  8. Felt Quality Guide auf vintagehaberdashers.com, abgerufen am 15. März 2016.
  9. Packable Hats auf delmonicohatters.com, abgerufen am 18. März 2016.
  10. Tarphut auf tarphat.de, abgerufen am 16. März 2016.
  11. Hutanatomie auf pinterest.com, abgerufen am 17. März 2016.
  12. C-Krone auf kuriose-feiertage.de, abgerufen am 17. März 2016.
  13. Hutgröße messen auf muehlbauer.at, abgerufen am 15. März 2016.
  14. Hatsizes auf hatlife.com, abgerufen am 15. März 2016.
  15. Beverly Chico: Hats and Headwear around the World: A Cultural Encyclopedia: ABC-CLIO, 10. März 2013, S. 117, 118.
  16. Head Shape auf rosieboylan.com, abgerufen am 16. März 2016.
  17. Conformateur auf szaszi.com, abgerufen am 16. März 2016.
  18. Eintrag im Grimmschen Wörterbuch. Archiviert vom Original am 17. März 2008, abgerufen am 16. März 2016.
  19. Eintrag im Grimmschen Wörterbuch. Archiviert vom Original am 17. März 2008, abgerufen am 16. März 2016.
  20. Loscheck: S. 311 ff, 143 f.
  21. Schirmbeck: S. 18.
  22. a b c Claudia Gottfried: Zur Kulturgeschichte des Frauenhutes, in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe/Landschaftsverband Rheinland: Hut & Co. 150 Jahre Hutgeschichte. Bocholt 2007, S. 17, 19.
  23. Erhards Verbrauchswelle. In: Der Spiegel. Nr. 30, 1955, S. 14 (online).
  24. Björn Finke: Mehr Mut zum Hut. In: Süddeutsche Zeitung vom 30. Dezember 2015, abgerufen am 16. März 2016.
  25. Loscheck: S. 314f.
  26. Loscheck: S. 315.