Fitting

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Das Fitting (von Englisch, hier: „Passstück, Formstück, Verbindungsstück, Zubehör, Zubehörteil“[1]; deutscher Plural die Fittings) ist ein Oberbegriff für passgenaue und häufig genormte Verbindungs- und Zubehörteile in der Montagetechnik. In größeren Dimensionen bzw. bei geringerem Anspruch an die Passgenauigkeit werden sie auch als Formstücke bezeichnet.

Fittinge werden insbesondere zur Herstellung von Rohrleitungsverbindungen verwendet.

Rohrleitungsfittings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fittings aus Kupfer zur Kapillar-Lötverbindung
PVC-Fittings für Steck- und Flanschverbindungen

Fittings bzw. Formteile dienen in Rohrleitungssystemen zur Verbindung der geraden und gebogenen Rohrstücke untereinander sowie mit Rohrleitungsarmaturen (Ventile, Reinigungsöffnungen, Dichtungen, Thermometer, Manometer usw.).

Der Anschluss kann durch Verschraubung, Flansch-, Löt-, Klemm-, Quetsch-, Steck-, Press- oder Klebeverbindung hergestellt werden. Der Begriff ist überall in der Rohrleitungsplanung und auch in der Haustechnik gebräuchlich.

Fittings werden für verschiedene Nennweiten und Nenndrücke angeboten.

Aufgrund der Zeitersparnis und einfacheren Anwendung hat der Einsatz von Fittings in der häuslichen Installationstechnik das handwerkliche Biegen, Aufweiten, Aushalsen und fittingslose Hartlöten von Kupfer- bzw. Verschweißen sogenannter schwarzer Stahlrohre fast verdrängt.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Herstellung von komplexen, verzweigten Rohrleitungsnetzen werden Verbindungsstücke unterschiedlicher Art und Dimensionen angeboten, die je nach Typ beispielsweise folgende Funktionen erfüllen:

  • Gerade Verbindungen durch Lang- oder Kurzmuffen, Doppelnippel und Kupplungen
  • Richtungswechsel durch Winkel (mit kleinem Radius) oder Bögen (mit größerem Radius)
  • Durchmesserwechsel durch Reduzierungen (Reduzierstücke)
  • Abzweige durch T-Stücke (3-armig) und Kreuzungen (4-armig)
  • Verbindung zu Einbauteilen beispielsweise durch Flansche oder Verschraubungen (Nippel)
  • Verbindung verschiedener Rohrmaterialien, zur Vermeidung von Korrosionselementen sollten bei der Verbindung unterschiedlicher Metalle Isolierstücke verwendet oder Kombinationsregeln beachtet werden. Zwischen Stahl- und Kupferrohren werden beispielsweise Messing- oder besser Rotgußfittings eingesetzt.
  • Trennstellen sowie Reinigungs- und Inpektionsöffnungen für Montage und Wartungsarbeiten, z. B. durch Verschraubungen

Werkstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

verzinktes 90°-Innen/Innen-Schraubfitting aus Temperguss; auf dem linken Wulst sind Riefen zu erkennen, die beim Verschrauben des Fittings mit einer Rohrzange entstanden

Fittings gibt es aus Edelstahl, Temperguss, Messing, Rotguss, Kupfer, Stahl und Kunststoffen.

Für Verschraubungen werden Fittings aus Kunststoff, Messing, Rotguß oder weißem Temperguss verwendet. Tempergussfittings werden einer speziellen Wärmebehandlung unterzogen, um die Zähigkeit des ursprünglich spröden Gusswerkstoffes zu erhöhen.

Standardisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richtungswechsel, Versprung und Anpassung von Rohrachsabständen mittels Rohrbögen

Form und Maße von Rohrleitungs-Fittings werden durch Normen (DIN, EN, ANSI) geregelt.

Die Durchmesser der Durchströmungsöffnungen werden meist als Nennweiten (DN, engl: NB (nominal bore) oder NPS (nominal pipe size)) angegeben.

Alle Fittings, die für Wasser- und Gasinstallationen eingesetzt werden, sollten ebenso wie Rohre mit der Buchstabenkombination "DVGW" gekennzeichnet sein.

Neue Verbindungstechniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den traditionellen geschraubten, gelöteten und geschweißten Rohrverbindungen kommen moderne Techniken wie Stecken, Klemmen, Pressen, Kleben und das Verschweißen von Kunststoffrohren. Im Gegensatz zu Schweiß- und Lötverbindungen können diese auch in brand- und explosionsgefährdeter Umgebung eingesetzt werden. Die Abdichtung der Verbindung wird bei Steck-, Klemm- und Pressverbindungen gewöhnlich durch einen Dichtring (O-Ring) hergestellt, der in eine Nut im Fitting eingelegt wird. Zum Ansetzen der Pressbacken beim Herstellen einer Pressverbindung wird etwas mehr Platz benötigt, als bei Gewinderohren für die Drehung der Schraubfittinge vonnöten ist. Auch die Geräte für das Heizelementmuffen- und Heizelementstumpfschweißen von Kunststoffrohren benötigen einen gewissen Arbeitsraum. Demgegenüber können insbesondere Löt-, Klebe-, Steck- und Klemmverbindungen sowie Heizelementschweissungen in der Regel auch unter beengten Verhältnissen ausgeführt werden.

Kupfer-Lötfittings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fittings zur Kapillarlötung von Kupferrohr sind nach DIN EN 1254 (ehemals DIN 2856) genormt. Die Formstücke werden durch eine Typennummer gekennzeichnet.

Typenserie 5000: Lötfittings aus Kupfer nach DIN EN 1254   
Nummer Bild Benennung
5001A Cu-Fitting Typ 5001A (15 mm, 90 Grad, Bogen, Aussen + Innen).jpeg Bogen 90° mit Innen- und Außenlötende
5002A 1-1111 CU-solderfitting-type 5002-18.jpg Bogen 90° mit Innenlötenden
5002 L Langer Bogen 90° mit Innenlötenden
5040 1-1111 CU-solderfitting-type 5040.jpg Bogen 45° mit Innen- und Außenlötende
5041 1-1111 CU-solderfitting-type 5041.jpg Bogen 45° mit Innenlötenden
5060 Doppelbogen 180° mit Innenlötenden
5085 Überspringbogen mit Innenlötenden
5085 Überspringbogen mit Innenlötenden
5086 Überspringbogen mit Innen- und Außenlötende
5090 Winkel 90° mit Innenlötenden
5090R Winkel 90° reduziert mit Innenlötenden
5092 Winkel 90° mit Innen- und Außenlötende
5130 1-1111 T-Stueck kupfer typ 5130.jpg T-Stück mit Innenlötenden
5130 R T-Stück reduziert mit Innenlötenden
5180 R Kreuzstück mit Innenlötenden
5240 1-1111 CU-solderfitting-type 5253-28x15.jpg Reduziermuffe mit Innenlötenden
5240G Halbe Verschraubung mit Innenlötende, Überwurfmutter, flach dichtend
5243 Reduziernippel mit Innen- und Außenlötende
5243G Reduziernippel mit Innenlötende und Außengewinde
5246G Übergangs-Muffennippel mit Innengewinde und Außenlötende
5270 1-1111 CU-solderfitting-type 5270.jpg Muffe mit Rohranschlag und Innenlötenden
5270 G Übergangsmuffe mit Innenlötende und Innengewinde
5270S Schiebemuffe ohne Rohranschlag mit Innenlötenden
5280G Doppelnippel mit Innen- und Außenlötende
5290 Stopfen
5301 1-1111 CU-solderfitting-type 5301.jpg Kappe mit Innenlötende
5340 Verschraubung, kegelig (metallisch) dichtend
5340G Verschraubung, einerseits Innengewinde, kegelig (metallisch) dichtend
5340G Verschraubung, einerseits Außengewinde, kegelig (metallisch) dichtend
5359G Halbe Verschraubung, flach dichtend mit Überwurfmutter
5870 Ausdehnungsbogen

Steckfittings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HT-Rohr mit Muffen zur Steckverbindung

Steckverbindungen werden für Abwasserleitungen aus Keramik, Beton, sowie HT- und KG-Rohren verwendet.

Es sind auch Steckfittinge für Kupfer- und Stahlrohre erhältlich, die ohne Werkzeugeinsatz verwendet und je nach System mit speziellen Zangen wieder gelöst werden können. Die zugfeste Verbindung wird meist durch einen dünnen, lamellierten Ring aus Federstahl hergestellt. Die scharfkantigen lamellenartigen Flügel des Rings erlauben das Einstecken des Rohrs und verkrallen sich beim Auftreten von Zugkräften wie Widerhaken auf dessen Außenseite. Aufgrund des hohen Preises werden diese druckfesten Steckfittinge nur in besonderen Fällen eingesetzt. Ein bekannter Markenname ist Tectite.

Pressfittings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

T-Stücke für Mehrschichtverbundrohr
Eingebautes Kupfer-Pressfitting mit 90°-Bogen in 15mm-Rohr

Das Pressen ist im professionellen Bereich mittlerweile die vorherrschende Verbindungstechnik bei Heizungs- und Sanitärinstalltionen.

Pressfittings besitzen angeformte Muffenenden und werden mittels einer manuellen oder elektrischen Presszange auf Kupfer-, Stahl- oder Mehrschichtverbundrohr verpresst. Diese Fittings sind noch relativ teuer, Vorteile ergeben sich insbesondere aus der schnellen Montage. Presswerkzeuge lassen sich oft in Baumärkten und Fachunternehmen mieten.

Presswerkzeuge für die verschiedenen Systeme sind oft nicht miteinander kompatibel. Die verschiedenen Prägemuster der Werkzeuge werden als Konturen bezeichnet.

Vorteile:

  • schnellere Verarbeitung
  • keine Brandgefahr oder Verschwelung der Umgebung durch Löt- und Schweißarbeiten
  • kein Einsatz schwerer Gasflaschen oder Schweißgeräte
  • sauberes Aussehen ohne Nacharbeiten

Nachteile:

  • Die Formstücke sind vergleichsweise teuer
  • An Engstellen ist das Heranführen des Presswerkzeuges schwer oder gar nicht möglich
  • Nach dem Zusammenstecken sind die Verbindungen häufig auch ohne Verpressung der Muffen dicht. Versehentlich unverpresste Verbindungsstellen rutschen nach einiger Zeit auseinander, was insbesondere bei Gas- und Wasserleitungen katastrophale Folgen haben kann, wenn die Leckage nicht gleich bemerkt wird. Die meisten Hersteller statten ihre Pressfittinge daher inzwischen mit O-Ringen aus, deren speziell geformte Einschnürungen das in der Rohrleitung geführte Medium kontrolliert austreten lassen, solange die Verbindungen nicht verpresst worden ist ("unverpresst undicht").
  • Die Hersteller gewähren auf ihre Produkte in der Regel 5 Jahre Garantie. Da noch keine Langzeiterfahrungen über das Verhalten des Materials der Dichtringe vorliegen, ist nicht bekannt, ob die Haltbarkeit der seit langem bewährten Rohrverbindungen erreicht werden kann. Daher sollte die Dichtheit in gewissen Abständen überprüft werden (problematisch bei Unterputz-Installation).

Pressgeräte für gewerblichen Einsatz werden u. a. von Geberit (Hersteller ist Novopress), Klauke, Novopress, Nussbaum, Rems (teilweise baugleich mit Roller), Roller (teilweise baugleich mit Rems), Ridgid, Rothenberger, Viega (Hersteller ist Novopress, zuvor auch Ridgid), und Wavin (Hersteller sind Klauke oder Novopress) angeboten.

Liste verfügbarer Pressfittings   
Verbindungsende Pressende Außengewinde Innengewinde Armaturenanschluß Flanschende Verschluss
Bogen 90° I/I

Bogen 90° I/A Bogen 45° I/I Bogen 45° I/A Pressmuffe I/I Schiebemuffe I/I T-Stück (Reduziert) Reduzierstück Durchgangsverschr. Pressmuffe Sprungbogen

Übergangswinkel 90° AG

T-Stück AG Übergangsstück AG Durchgangsverschraubung AG Einsteckende AG

Übergangswinkel 90° IG

T-Stück IG Übergangsmuffe IG Durchgangsverschraubung IG Sprungbogen

3-Teiliger Pressende Übergangsflansch Verschlußstopfen

Pressfittings für Kupfer, Edelstahl und C-Stahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fittings zur Verpressung von metallischem Rohr besitzen einen gut sichtbaren Wulst, in dem von innen ein O-Ring zur Abdichtung des Ringspalts eingelegt wird. Bei der Verwendung von gewöhnlichen O-Ringen sind die Rohrverbindungen meist bereits nach dem Zusammenstecken dicht, auch ohne Verpressung. Unverpresste Verbindungsstellen werden daher bei der obligatorischen Druckprüfung nicht bemerkt. Da unverpresste Verbindungen im regulären Betrieb jedoch oft nach einiger Zeit auseinanderrutschen, kam es häufiger zu verheerenden Wasserschäden. Inzwischen bieten die meisten Hersteller speziell geformte O-Ringe an, die gewährleisten, dass die Verbindungen "unverpresst undicht" sind und so rechtzeitig erkannt werden können. Viega und Nussbaum verwenden für unverpresst undichte Pressverbindungen die Bezeichnung SC-Contur bzw. SC-Contour,[2] Seppelfricke bzw. VSH verwendet den Begriff LBP oder ‘Leak Before Pressed’.

Die Haltbarkeit des O-Rings ist entscheidend für die Lebensdauer des Systems.

  • Für Heizungs-, Kühl- und Trinkwasserinstallationen sowie bei Sprinkleranlagen werden in der Regel schwarz gefärbte Dichtringe aus EPDM eingesetzt.

In Verbindung mit C-Stahl- und Edelstahl-Fittings sind bei einem Druck von bis zu 16 bar Betriebstemperaturen von −35°C bis +135°C bzw. kurzzeitig bis +150°C vorgesehen. Mit Kupfer-Fittings sind bei gleichem Druck −20°C bis +110°C und kurzzeitig +130°C vorgesehen. Höhere Drücke sowie Vakuum bis −0,85 bar sind möglich.[3]

  • Für Solaranlagen mit Betriebstemperaturen von −20°C bis +200°C und kurzzeitig bis 230°C werden Dichtringe aus FKM (Viton) oder FPM eingesetzt, die oft grün (VSH/ Seppelfricke) oder blau eingefärbt sind. Für Edelstahlrohr und -pressfittinge ist ein Betriebsdruck von 16 bar vorgesehen, für halbharte und harte Kupferrohre von 10 bar.[3]
  • Zum Transport von Kohlenwasserstoffen (z. B. Öle) werden Dichtringe aus FKM eingesetzt, die oft grün (VSH/Seppelfricke) oder blau eingefärbt sind.[3]
  • Für Gasinstallationen mit Kupferfittings werden gelb gefärbte Dichtringe aus NBR verwendet, die bis zu 5 bar Überdruck und Betriebstemperaturen von −20°C bis +70°C eingesetzt werden können. In Verbindung mit Edelstahlfittings werden gelb gefärbte Dichtringe aus HNBR verwendet, die im Brandfall zusätzlich Dichtheit bei einer Temperatur von 650°C über 30 Min gewährleisten sollen.[3]
  • Für Druckluft werden EPDM Dichtringe bis zu einem Wassergehalt von 7800 mg/m³ (Klasse 5, ISO 8573 Teil 1) und Ölgehalt von 25 mg/m³ (Klasse 5, ISO 8573 Teil 1) eingesetzt. Darüber werden Dichtringe aus FKM (Viton) verwendet.

Für C-Stahlrohre darf der Wassergehalt 880 mg/m³ (Klasse 3, ISO 8573 Teil 1) und der Ölgehalt 25 mg/m³ (Klasse 5, ISO 8573 Teil 1) betragen. Darüber sollte Kupfer oder Edelstahl verwendet werden.

  • Für Dampf bis zu einem Druck von 9 bar und Betriebstemperaturen von −20°C bis +175°C und kurzzeitig bis 190°C werden spezielle Dichtringe aus FKM verwendet, die z. B. grau gefärbt sind (VSH/ Seppelfricke).[3]

Bei Fittings mit M-Kontur bzw. M-Profil sitzt der Wulst am äußeren Ende des Fittings. Der Wulst wird beim Verpressen allseitig zusammengedrückt. Dadurch verformt sich der eingelegte O-Ring und legt sich ans eingeschobene Rohr an.[3] Um eine dreh- und zugfeste Verbindung (Verzahnung) zwischen Fittung und Rohr zu erreichen, wird die Muffe neben dem Wulst umlaufend an mehreren Stellen eingeprägt.

Bei Fittings mit V-Kontur bzw. V-Profil sitzt der Wulst vor dem Ende des Fittings. Die Muffe wird vom Presswerkzeug umlaufend an mehreren Stellen vor und hinter dem Wulst eingeprägt mit so dem Rohr verpresst. [4]

Presssysteme zur Verpressung mit M-Kontur

  • Geberit Mapress Pressfittinge
  • Inoxpress
  • GdPress
  • X-Press
  • VSH (Seppelfricke) Xpress - Pressverbinder aus Kupfer, C-Stahl und Edelstahl für Rohre mit 76,1 – 108 mm Aussendurchmesser
  • Sanha Fittinge sind im Allgemeinen sowohl zur Verpressung mit M-, als auch mit V-Kontur zugelassen.

Presssysteme zur Verpressung mit V-Kontur:

  • Viega verwendet den Begriff SC-Contur für Fittinge, die "unverpresst undicht" sind, die Verpressung erfolgt jedoch mit Werkzeugen mit V-Kontur.
    • Profipress bietet Press​verbinder aus Kupfer, Rotguss oder Siliziumbronze an, geprüft nach DVGW-​Arbeitsblatt W 534
  • VSH (Seppelfricke) Sudopress stellt Pressverbinder aus Kupfer, C-Stahl und Edelstahl für Rohre mit 12 – 54 mm Aussendurchmesser her
  • Sanha Pressfittinge sind im Allgemeinen sowohl zur Verpressung mit M-, als auch mit V-Kontur zugelassen.
  • Rothenberger stellt Pressgeräte her und benennt Presswerkzeuge zur Verpressung von Fittingen mit V-Kontur auch als SV-Kontur-Werkzeuge

Bei Trinkwasserinstallationen, die keinen größeren Temperaturunterschieden ausgesetzt sind und bei denen der zulässige Höchstdruck nicht ausgenutzt wird, sind in der Regel keine Schäden zu erwarten, wenn Verbindungen mit der falschen Kontur verpresst werden. Bei Verwendung der falschen Presskontur, abgenutzten Pressbacken und zu schwachen oder schlecht gewarteten Pressgeräten wird im Allgemeinen der mögliche Höchstdruck sowie die Auszugfestigkeit abgemindert. Die Verdrehfestigkeit kann deutlich reduziert sein, doch hängt diese auch von anderen Faktoren wie dem verwendeten Presssystem und der Ausführung und Materialstärke der Fittinge ab. Bei Warmwasserleitungen, Heizungskreisläufen und anderen Rohrsystemen, bei denen die Rohre regelmäßig einer mechanischen Belastung durch thermische Dehnung o. ä. unterliegen, ist in Ausnahmefällen denkbar, dass sich regelwidrig verpresste Verbindungen im Laufe der Zeit auseinanderschieben.


Edelstahl Gewinde- und Schweißfittings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edelstahl-Gewindefittings und -Gewinderohrteile DIN/EN 150 Lbs (10 bar)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als in den USA, wo Gewindefittings und Gewinderohrteile nach Standard MSS SP114 genormt sind, werden Abmessungen für Fittings in Europa den Lieferanten überlassen. Die meisten Hersteller wie Starfit, Aperam, Thyssen Krupp, Kohler AG, Hage Fittings und Flanschen produzieren die Fittings in Asien, da die Herstellungskosten deutlich geringer als in Europa sind. Hage Fittings und Flanschen waren die letzten Gewindefittings-(Feingussverfahren)-Hersteller in Deutschland und wurden 2003 von Aalberst Industries erworben.[5][6] Gewindefittings aus Edelstahl werden durch Feingussverfahren hergestellt und anschließend mit CNC-Maschinen bearbeitet. Gewinderohrteile werden aus Edelstahlrohr zugeschnitten und danach mit einem Gewinde versehen. Die Gewindefittings und Gewinderohrteile für den europäischen Markt haben standardmäßig ein ISO7-1-Gewinde, während Fittings für den nordamerikanischen Markt ein NPT-Gewinde haben. Standard-Gewindegrößen für Gewinderohrteile und Gewindefittings aus Edelstahl sind 1/8", 1/4", 3/8". 1/2", 3/4", 1", 1 1/4", 1 1/2", 2", 3", und 4". Der größte Teil der Fittings aus Edelstahl wird in 1,4404 (316L, V4A), 1,4408 oder 1,4571 (316Ti) hergestellt, jedoch gibt es auch günstigere Ausführungen in 1,4307 (304L, V2A).

Nach der „Bewertungsgrundlage für metallene Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser“[7] können nichtrostende Stähle (Edelstahl) im Passivzustand für alle Produktgruppen A bis D verwendet werden.[8] Im Gegensatz zu Kupferfittings, Temperguss-Fittings, können Edelstahl-Fittings unbedenklich auch ohne DVGW-Zulassung in Deutschland für Gewinnung, Aufbereitung oder Verteilung von Trinkwasser verwendet werden.

Liste verfügbarer Edelstahl-Gewindefittings   
Verbindungsende Gewindeende Anschweißende Schlauchanschluss Verschluss
Gewindeende

Bogen A/A* (außen/außen),
Winkel 90° I/I (innen/innen; auch als Reduzierwinkel und Deckenwinkel bzw. Wandscheibe),
Winkel 90 I/A (innen/außen; auch als Reduzierwinkel),
Winkel 45° I/I,
Winkel 45° I/A,
T-Stück (auch als Reduzier-T-Stück),
Kreuzstück,
Doppelnippel (auch als Reduziernippel bzw. Absetznippel),
Rohrnippel*,
Rohrdoppelnippel*,
Muffe gegossen (auch als Reduziermuffe und reduzierter Muffennippel),
Muffe nahtlos*,
Verschraubung,
Hahnverlängerung,
Reduzierstücke: Reduziernippel (Absetznippel), Reduziermuffe, reduzierter Muffennippel („Reduzierung“)

Anschweißnippel*

Verschraubung kon./fl. Anschweißende Anschweißverschraubung kon./fl.

Schlauchnippel mit Gewinde*

Schlauchtülle

Sechskant-Stopfen

Vierkant-Stopfen Verschlussschraube DIN 910 Rundkappe Sechskant-Kappe

Anschweißende Schlauchnippel mit Anschweißende*
* Gewinderohrteil

Edelstahlschweißfittings Unbearbeitet/Bearbeitet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Schweißfittings mit unbearbeiteter Oberfläche werden insbesondere in der Lebensmittelindustrie Schweißfittings mit polierter Oberfläche installiert. Die Fittings werden entweder aus geschweißten oder nahtlosen Edelstahlrohren geformt. In Europa sind Schweißfittinge nach DIN genormt, während in den USA der ASTM/ASME Standard benutzt wird.

Nach Beschwerden europäischer Rohrbogenhersteller wurde in der EU ein Anti-Dumping-Verfahren gegen Edelstahl-Schweißfittings aus China durchgeführt.[9] Nach der Prüfung der Herstellungskosten der Unternehmen Rohrbogen AG, Erne Fittings, Swiss Fittings, Acrus, OSTP, Ta Chen (China), King Lai (China) und Jndia, wurden Einfuhrzölle eingeführt, um einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen[10].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Kassler:Kupfer als Baustoff für Wasserleitungen. 1. Auflage, Salzwasser Verlag, ISBN 978-3-864-44830-0.
  • Johann Mutschmann, Fritz Stimmelmayr:Taschenbuch der Wasserversorgung. 13. vollständig überarbeitete Auflage, Vieweg Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-663-12398-9.
  • Stefan Wirth:Verbinden von Rohren mit Pressfittingsystemen. 1. Auflage, Grin Verlag, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-640-41093-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Merriam-Webster: fitting (Memento vom 29. Januar 2016 im Internet Archive); Meyers grosses Taschenlexikon von 1998: "Fitting [engl.] das, ↑ Formstück"; Die deutsche Rechtschreibung, Bellavista 2004: "Fitting [engl.] n. 9 Verbindungsstück (Gelenk u. Ä.) bei Rohrleitungen"
  2. Optipress-Aquaplus, Presssystem mit Edelstahl- und Rotgussfittingen für Edelstahlrohr; Optipress-Therm, Presssystem mit Zink-Nickel-beschichteten Fittingen für C-Stahl- bzw. Präzisionsstahlrohr und Optifit-Press, Presssystem mit Zink-Nickel-beschichteten Fittingen für Gewinderohr und Siederohr, R. Nussbaum AG, Olten, Schweiz
  3. a b c d e f VSH Technisches Handbuch XPress
  4. Darstellung von M- und V-Kontur im Vergleich, In: EuroTubiEuropa.it
  5. Aalberts Industries. Abgerufen am 25. November 2017 (englisch).
  6. IKZ-HAUSTECHNIK. Abgerufen am 25. November 2017.
  7. Trinkwasserverordnung (TrinkwV), veröffentlicht am 26. März 2018 von Deutschen Umweltbundesamt
  8. Umwelt Bundesamt: Bewertungsgrundlage für metallene Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser (Metall-Bewertungsgrundlage)1. In: www.umweltbundesamt.de. Umweltbundesamt, 26. März 2018, abgerufen am 6. April 2018 (deutsch).
  9. Case AD622 - Tubes and pipe fittings of stainless steel (butt-welding fittings) - Trade - European Commission. Abgerufen am 28. November 2017 (englisch).
  10. THE EUROPEAN COMMISSION,: imposing definitive anti-dumping duties on imports of certain stainless steel tube and pipe buttwelding fittings, whether or not finished, originating in the People's Republic of China and Taiwan. Official Journal of the European Union, 26. Januar 2017, abgerufen am 28. November 2017 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fittings – Sammlung von Bildern