Foie gras

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eine ganze Foie gras
Terrine von der Gänsefettleber
Werbung für Foie Gras in Straßburg

Foie gras (ˌfwɑː ˈɡrɑː, französisch für ‚fette Leber‘) Gänseleber, Gänsefettleber oder Gänsestopfleber ist eine kulinarische Spezialität, die aus der Leber von fünf bis sechs Monate alten Gänsen oder Enten gewonnen wird. Aus der Leber wird auch die Pâté de Foie gras (Gänseleberpastete) hergestellt.

Herstellung[Bearbeiten]

Die Fettlebern entstehen durch eine bestimmte Mastform (gavage), das Nudeln oder Stopfen, bei dem die Tiere in den letzten 21 bis 28 Tagen zwangsernährt werden. Rund drei bis vier mal pro Tag wird den Tieren mittels eines Rohres ein Futterbrei aus 95 Prozent Mais und 5 Prozent Schweineschmalz in den Magen gepumpt. Dadurch wiegen die Lebern statt üblicher 300 Gramm bei der Schlachtung 1000 bis 2000 Gramm, und der Fettgehalt schwankt zwischen 31 und 51 Prozent. Durch die Verfettung der Leber kommt es zu einer starken Ablagerung von Triglyceriden, im Gegenzug nimmt der Anteil an Phospholipiden ab. Der Gehalt an Cholesterin nimmt aber durch das Stopfen nicht zu.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits um 2500 v. Chr. wurde die Fettleber von Vögeln in Ägypten als Delikatesse geschätzt. Um diese Zeit begann auch die Praxis, Gänse zu überfüttern (zu stopfen) und dadurch Fettlebern herzustellen. Plinius der Ältere schrieb darüber, und durch das Römische Reich verbreitete sich die Technik nach Frankreich, das heute als das „Heimatland“ der Foie gras gilt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Ca. 75 Prozent der Weltproduktion (2008: 26.500 Tonnen)[1], davon 96 Prozent Entenleber (der Rest von Gänsen), und 98 Prozent der Verarbeitung finden in Frankreich statt. Der Industriezweig hat ca. 30.000 Beschäftigte, von denen 90 Prozent im Périgord und im Elsass arbeiten. Hinter Frankreich sind Ungarn mit 2.600 Tonnen und Bulgarien mit 2.000 Tonnen die bedeutendsten Produzenten[1].

Hauptabnehmer außerhalb Frankreichs ist Spanien mit jährlich 801 Tonnen, an fünfter Stelle steht Deutschland mit 121 Tonnen (2004).

Tierschutz[Bearbeiten]

Diese Mastform wird heute in zahlreichen Staaten als Tierquälerei angesehen und ist dort durch das Tierschutzgesetz oder andere Gesetze verboten, etwa in Argentinien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Irland, Israel (seit 2005), Italien (seit 2004), Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, Tschechien und der Schweiz.[2] Import und Verkauf sind aber beispielsweise in der EU weiter zugelassen.[3]

2005 wurde Foie gras von der französischen Nationalversammlung in einem Zusatz zum Landwirtschaftsgesetz zum nationalen und gastronomischen Kulturerbe erklärt und ist dadurch von französischen Tierschutzgesetzen ausgenommen.[4]

Bis zum 14. Mai 2008 war der Verkauf von Stopfleber in Chicago verboten, was als weltweit einmalig galt.[5]

Auf der Allgemeinen Nahrungs- und Genussmittel-Ausstellung (Anuga) in Köln, die als weltgrößte Fachmesse der Ernährungswirtschaft und Nahrungsmittelindustrie gilt, wurde 2011 die Produktbezeichnung Foie gras aus dem Warenverzeichnis der Messe gestrichen, was jedoch kein Ausstellungsverbot bedeutet.[6]

2004 wurde in Kalifornien ein Verbot der Herstellung und des Verkaufs der Leber von gestopften Tieren, außerdem des Handels mit Federn und anderen Produkten von gestopften Gänsen und Enten beschlossen. Es trat am 1. Juli 2012 in Kraft.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marc Caro: The Foie Gras Wars: How a 5,000-Year-Old Delicacy Inspired the World's Fiercest Food Fight, Simon & Schuster 2011. ISBN 978-1451640861

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.dgccrf.bercy.gouv.fr/documentation/hiver2009/foie_gras.htm
  2. Fakten zu Stopfleber-/Fettleberproduktion (PDF; 107 kB), pro iure animalis, abgerufen am 31. August 2011
  3. a b Leber und Leber lassen, Spiegel Online, 30. Mai 2012
  4. Französische Nationalversammlung erklärt Foie gras zum Kulturgut, netzeitung.de, 18. Oktober 2005
  5. Chicago hebt weltweit einziges Stopfleberverbot auf, AFP, 15. Mai 2008, abgerufen am 31. Dezember 2009
  6. Foie Gras: Aussteller ja, Auflistung nein, Lebensmittel Praxis, 12. August 2011