Fort McMurray

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fort McMurray
Luftbild von Fort McMurray
Luftbild von Fort McMurray
Lage in Alberta
Fort McMurray (Alberta)
Fort McMurray
Fort McMurray
Staat: Kanada
Provinz: Alberta
Regional Municipality: Wood Buffalo
Koordinaten: 56° 44′ N, 111° 23′ WKoordinaten: 56° 44′ N, 111° 23′ W
Höhe: 370 m
Fläche: 35 km²
Einwohner: 61.374 (Stand: 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 1.753,5 Einw./km²
Zeitzone: Mountain Time (UTC−7)
Postleitzahl: T9H – T9K
Gründung: 1870

Fort McMurray ist eine unselbständige Gemeinde im nordöstlichen Teil von Kanadas Provinz Alberta. Sie liegt in der Region Nord-Alberta und gehört zum Gemeindebezirk Wood Buffalo.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fort McMurray liegt 435 km nordöstlich der Provinzhauptstadt Edmonton, knapp 60 km westlich der Grenze zur Provinz Saskatchewan, umgeben von borealem Nadelwald an der Mündung des Clearwater River in den Athabasca River. Die Region ist durch das Vorkommen der Athabasca-Ölsande (tar sands) in durchschnittlich 30 Meter Tiefe geprägt, die zwischen einem und 18 Prozent Bitumen enthalten.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Durchschnittstemperatur beträgt −19,8 °C im Januar und +16,6 °C im Juli. Der Gesamtniederschlag pro Jahr beläuft sich auf 334,5 mm, der jährliche Schneefall beträgt 172,0 cm. Die Gesamtsumme an Sonnenschein im Jahr beträgt 2.108 Stunden im langjährigen Jahresdurchschnitt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Besiedlung durch weiße Pelzhändler im späten 18. Jahrhundert lebten Cree in der Region um das heutige Fort McMurray. Gegründet wurde die Siedlung 1870 als Wegposten der Hudson’s Bay Company. Die Alberta and Great Waterways Railway verknüpfte die Siedlung 1915 mit dem Eisenbahnnetz und ergänzte so den bestehenden Dampfbootverkehr auf dem Athabasca River. 1947 wurde Fort McMurray mit der Gemeinde Waterways vereint; der Namensbestandteil Fort entfiel bis 1962.

1980 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben; 1981 hatte sie aufgrund des Ölsandbooms bereits 31.000 Einwohner (1971: ca. 7000). In der Folge wurde sie als Zentrum der Ölsand- und Gasförderung in Alberta und wichtige Pipelinestation zu einer typischen Boomtown. Viele Menschen wanderten aus Neufundland und anderen kanadischen Ostprovinzen zu. 1996 wurde Fort McMurray mit angrenzenden Bezirken zur Municipality of Wood Buffalo (2016: ca. 125.000 Einwohner) zusammengelegt; seither gibt es keine eigenständige Stadt mehr unter dem Namen Fort McMurray.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während sich die Einwohnerzahl bis in die 1970er Jahre nur langsam entwickelte, setzte mit Beginn der Ölsandförderung eine starke Bevölkerungszunahme ein. In den letzten Jahren hat die Stadt dadurch einen ungemeinen Aufschwung erlebt. Innerhalb von zehn Jahren ist die Bevölkerung von 33.078 im Jahr 1996 bis zum Jahr 2006 auf 47.705 Einwohner, also um fast 50 % gewachsen. Im Jahr 2011 war die Einwohnerzahl nochmals um 28,7 % auf 61.374 Einwohner, angestiegen.[2] 2011 lebten damit mehr als 93 % der Bevölkerung des Bezirks in Fort McMurray.

In der Nähe von Fort McMurray liegen mehrere kleinere Reservate mit einer Fläche von 31 Quadratkilometern für etwa 750 Angehörige der First Nations der Woodland Cree und Athabasca Chipewyan. Diese verwalten das Gebiet gemeinsam als Fort McMurray First Nation.[3]

Ölsandvorkommen und Fracking[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereit im 18. Jahrhundert dichteten die Cree ihre Kanus mit dem Bitumen aus Ölsanden, die dort in großem Umfang bis an die Erdoberfläche lagern. Seit 1921 versuchte man durch thermische Verfahren das Öl vom Sand abzuscheiden. In den 1930er Jahren gelang es dem Unternehmen Abasands Oil in größerem Umfang, das Öl durch Heißwasserextraktion vom Sand zu trennen. In den 1970er Jahren wurde wegen der Nahostkrisen der Ölsandabbau intensiviert.

Auf Grund der starken Bevölkerungszunahme sind die Preise für Immobilien stark gestiegen und übersteigen die von Toronto oder Vancouver, der teuersten Großstädte Kanadas (Stand: 2006). Obwohl 1600 Häuser pro Jahr gebaut werden und von den Ölfirmen Containerhäuser aufgestellt werden, kann das Wohnungsangebot mit dem Wachstum kaum Schritt halten. Der Jahresdurchschnittsverdienst eines Ölarbeiters betrug Ende der 2000er-Jahre 100.000 kanadische Dollar, doppelt soviel wie im übrigen Kanada.[4]

Außer auf dem Ölsandabbau beruht die Wirtschaft der Stadt auf ihren Erdgasvorkommen, der Forstwirtschaft und dem Tourismus.

Umweltprobleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dichte Vegetation der nördlichen borealen Zone ist durch die Trockenheit der letzten Jahre gefährdet;[5] darüber hinaus wurde sie in den nördlich von Fort McMurray liegenden acht Abbaugebieten vollständig entfernt und durch Emissionen in weiterem Umkreis stark geschädigt. Um einen Liter Bitumen aus dem Sand zu waschen, benötigt man fünf Liter Wasser, das anschließend in Klärteichen gespeichert wird. Der Schlamm in diesen Teichen ist mit Kohlenwasserstoffen, Quecksilber und Arsen verseucht. Der aus dem Bitumen extrahierte Schwefel wird in großen Halden gelagert.[6]

Das Magazin der Royal Canadian Geographic Society berichtete im Juni 2008 über die „Disaster zone“, die als Folge der täglichen Förderung von über einer Million Barrel Rohöl nördlich von Fort McMurray entstanden sei. Einige Hundert Quadratkilometer Land seien verwüstet, dicker Smog steige aus den Extraktionsanlagen und Raffinerien auf. Damals wurde eine Vervierfachung oder Verfünffachung der Förderung bis 2020 vorausgesagt,[7] was aufgrund des Verfalls des Rohölpreises nicht eingetreten ist.

Waldbrände im April/Mai 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evakuierung der Bevölkerung am 3. Mai 2016 nach Süden über den Alberta Highway 63 (inzwischen unpassierbar)
Die Brände am 4. Mai 2016 aus Sicht des NASA-Satelliten Landsat 7

Zur Ortszeit 30. April 2016 16:00 Uhr wurde am Stadtrand von Fort McMurray ein Brand gemeldet.[8] Danach gab es nahe der Stadt zwei kontrollierte und einen unkontrollierten Brand, welcher später auf die Stadt überzugreifen drohte. Betroffen waren rund 130 Hektar, für einige Wohngebiete wurde die Evakuierung angeordnet oder empfohlen.[9]

Am 2. Mai ließ der Wind nach, was zwar den Brand beruhigte, aber dessen Lokalisierung aus der Luft erschwerte. Die Evakuierungsvorgaben wurden teilweise angepasst.[10]

Am 3./4. Mai 2016 wurden zunächst etwa die Hälfte und später die gesamten ca. 88.000 Bewohner der Stadt vom Katastrophenschutz aufgefordert, wegen eines Waldbrandes die Stadt zu verlassen und 20 km entfernte Schutzeinrichtungen aufzusuchen. Dies ist die größte Evakuierungsaktion, die jemals in Alberta stattfand. Die Menschen wurden aufgefordert, besonnen in Richtung Norden zu fahren, da der Alberta Highway 63 nach Süden vom Feuer erreicht wurde.[11][12] Am Abend des 4. Mai war auch die entsprechende Straße nach Norden vom Feuer blockiert.[13]

Bis zum 5. Mai wurden in Fort McMurray nach offiziellen Angaben ca. 2.000 Häuser zerstört. Die Behörden beabsichtigten, bis zu 25.000 Bewohner der Stadt über eine Luftbrücke in Sicherheit zu bringen.[14]

Am 6. Mai konnte ein großer Teil dieser Menschen doch vom Norden der Stadt in Konvois in südlicher Richtung evakuiert werden. Weitere Tausende wurden ausgeflogen.[15][16]

Bis zum 8. Mai war eine Fläche von über 160.000 ha verbrannt; in der Folge wurde eine Ausbreitung der Brände Richtung Osten in die Nachbarprovinz Saskatchewan mit einer Verdoppelung der betroffenen Fläche befürchtet.[17] Im Zuge zurückgehender Temperaturen, leichten Nieselregens und des umfassenden Einsatzes der Feuerwehr konnten die Brände in der Stadt gelöscht werden:[18] am 9. Mai wurde mitgeteilt, dass die Gemeinde vor der befürchteten ganz großen Katastrophe verschont geblieben war: ca. 10 % der Stadt, 2.400 Gebäude wurden zerstört.[19]

Als allgemeine Ursache der Waldbrände, die über das übliche Maß der in Kanadas borealen Nadelwäldern häufigen sommerlichen Brände hinausgehen, wurde die seit den 1970er Jahren verlängerte Brandperiode aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen und zurückgegangener Niederschlagsraten infolge des Klimawandels genannt. Außerdem gingen den Bränden ein wegen des Klimaphänomens El Niño außergewöhnlich milder und trockener Winter und ein sehr frühes und heißes Frühjahr voran. Starke Winde ließen die Feuer immer wieder anfachenden. Auch die Art der jahrzehntelange geübten Bekämpfung der saisonalen Waldbrände habe die Brandentwicklung beschleunigt und verstärkt, indem sie den regelmäßigen natürlichen Abbrand z. B. des Unter- und Totholzes verhindert habe.[20]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alberta Highway 63 in Fort McMurray

Der Alberta Highway 63 wurde im 21. Jahrhundert zur wichtigsten Gütertransportader Kanadas für LKW (gemessen in Tonnen pro Kilometer und Zahl der LKW). Er gilt insbesondere durch Schwertransporte als überlastet[21] und wird aufgrund der Schäden, Staus und vieler Unfälle seit 2008 für etwa eine Milliarde Kanadische Dollar ausgebaut. Dieser Ausbau ist jedoch im Frühjahr 2016 immer noch nicht fertiggestellt.[22] Als Folge des Verkehrsengpasses auf dem Highway ist auch der Flughafen Fort McMurray überlastet, der inzwischen mit fast einer Million Passagiere pro Jahr mehr als das Achtfache seiner Sollkapazität bewältigen muss.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fort McMurray, Alberta – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistics Canada – Census Fort McMurray 2011
  2. Government of Canada, Statistics Canada: Statistics Canada: 2011 Census Profile. In: www12.statcan.gc.ca. Abgerufen am 4. Mai 2016.
  3. Website der Athabasca Chipewyan First Nation
  4. Ölsand – Der dreckige Reichtum Kanadas Kapitel: Schnelles Geld mit Schattenseiten. hitec-Magazin auf 3sat vom 3. August 2009
  5. Zane Schwartz: Did climate change contribute to the Fort McMurray fire? McLean's, 4. Mai 2016.
  6. Ölsandabbau in Kanada: dramatische ökologische und klimatische Auswirkungen. Greenpeace 2010 (pdf)
  7. Scar Sands, in: Canadian Geographic, Juli 2008
  8. Fire burns on outskirts of Fort McMurray as forest fire risk raised to ‚very high‘. In: www.cbc.ca. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  9. Fire chief expects fire to hit Fort McMurray. In: www.cbc.ca. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  10. Fort McMurray braces for high winds in battle with wildfire. In: www.cbc.ca. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  11. ORF, 4. Mai 2016, orf.at: 100.000 Kanadier müssen vor Waldbrand fliehen (4. Mai 2016)
  12. orf.at: 60.000 Menschen müssen fliehen: Straße Richtung Süden gesperrt, (4. Mai 2016)
  13. Frankfurter Rundschau, 5. Mai 2016, Jörg Michel, fr-online.de: Eine ganze Stadt auf der Flucht (5. Mai 2016)
  14. Waldbrände: Kanada will Zehntausende Menschen per Luftbrücke retten. Spiegel Online, 6. Mai 2016.
  15. Deutsche Welle (www.dw.com): Waldbrände in Kanada weiten sich aus | Aktuell Amerika | DW.COM | 07.05.2016. In: DW.COM. Abgerufen am 8. Mai 2016.
  16. Deutsche Welle (www.dw.com): Feuer in Kanada immer bedrohlicher | Amerika | DW.COM | 07.05.2016. In: DW.COM. Abgerufen am 8. Mai 2016.
  17. Deutschlandfunk.de, Nachrichten, 8. Mai 2016: Waldbrände könnten weitere Provinz erreichen (8. Mai 2016)
  18. Deutschlandfunk.de, Nachrichten, 13. Mai 2016: Premierminister Trudeau in Fort McMurray (15. Mai 2016)
  19. badische-zeitung.de, Panorama, 11. Mai 2016: Fort McMurray entgeht großem Inferno (15. Mai 2016)
  20. spektrum.de, 6. Mai 2016, Daniel Lingenhöhl: Fort McMurray: Warum brennen die Wälder Kanadas? (15. Mai 2016)
  21. Fort McMurray today, 26. Mai 2014
  22. Mitteilung der Provinzregierung, 19. Oktober 2012