Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform

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Die Frankfurter Erklärung ist eine rechtschreibreformkritische Resolution, die am 6. Oktober 1996 von prominenten Schriftstellern, Germanisten, Verlegern, Historikern und anderen namhaften Persönlichkeiten anlässlich der Frankfurter Buchmesse unterzeichnet wurde.

Initiator war Friedrich Denk, der als Deutschlehrer am Gymnasium Weilheim seit 1980 zusammen mit Kollegen 45 Lesungen von zahlreichen Autoren – u. a. Walter Kempowski, Martin Walser, Siegfried Lenz, Hans Magnus Enzensberger und Günter Grass – organisiert hatte. Um die deutsche Sprache und Literatur vor Eingriffen zu schützen, verteilte er auf der Frankfurter Buchmesse ein Flugblatt, worin er zum Stopp der Rechtschreibreform aufforderte, und sammelte Unterschriften.[1]

Am 11. Oktober 1996 schlossen sich 42 Mitglieder der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform an und forderten zum Boykott der Reform auf. Die Erklärung wurde am 19. Oktober 1996 zusammen mit einer Liste von 400 Erstunterzeichnern in einer ganzseitigen Anzeige in der FAZ veröffentlicht.

In der Erklärung forderten die Unterzeichner die verantwortlichen Politiker in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, die umstrittene Rechtschreibreform umgehend zu stoppen, „deren Einführung Millionen von Arbeitsstunden vergeuden, jahrzehntelange Verwirrung stiften, dem Ansehen der deutschen Sprache und Literatur im In- und Ausland schaden und mehrere Milliarden DM kosten würde.“

Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderen Ilse Aichinger, Wolfgang Balk, Dieter Borchmeyer, Vicco von Bülow, Dietrich Fischer-Dieskau, Wolfgang Frühwald, Günter Grass, Peter Härtling, Thomas Hürlimann, Ernst Jandl, Elfriede Jelinek, Joachim Kaiser, Walter Kempowski, Wulf Kirsten, Günter Kunert, Siegfried Lenz, Otfried Preußler, Gerhard Ruiss, Albert von Schirnding, Edgar Selge, Kurt Sontheimer, Patrick Süskind, Siegfried Unseld, Franziska Walser, Martin Walser und Roger Willemsen.

Am 9. November 1996, berichtete die „Weilheimer Initiative zur Rechtschreibreform“ in einer weiteren Anzeige in der FAZ über die Unterschriftenaktion, in deren Rahmen 37.442 Menschen schriftlich den Stopp der Rechtschreibreform gefordert hatten.[2]

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2004 unterzeichnete eine Vielzahl prominenter Vertreter der Literaturszene auf der Basis der „Frankfurter Erklärung“ den Frankfurter Appell. Zur Buchmesse 2016 schließlich erschien eine Anthologie „Zwanzig Jahre Rechtschreibreform“ mit 30 Beiträgen zum „Frankfurter Orthographie-Preis“ und mit einer „Frankfurter Erklärung nach 20 Jahren Rechtschreibreform“.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Murks mit Majonäse. In: Spiegel Online. Band 42, 14. Oktober 1996 (spiegel.de [abgerufen am 22. Juli 2019]).
  2. FAZ: 2. Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform. FAZ, 9. November 1996, abgerufen am 22. Juli 2019.
  3. Die Anthologie. Abgerufen am 22. Juli 2019 (amerikanisches Englisch).