Französisch-Indien

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Französische Gebiete in Indien und französisches Einflussgebiet zur Zeit seiner größten Ausdehnung 1741–1754, kurz vor dem Siebenjährigen Krieg
Kleinmünze, 1 Doudou, königliche Prägung mit Lilie, um 1750
Kleinmünze, 1 Doudou, republikanische Prägung mit Hahn, um 1800
Statue von Dupleix an der Uferpromenade von Pondy
Am Beispiel Pondichéry zeigt sich die Aufsplitterung des historischen Gebietes innerhalb Tamil Nadus

Französisch-Indien (seit 1816 offiziell frz. Établissements français de l'Inde, „Französische Niederlassungen in Indien“) bezeichnet Gebiete des heutigen Indien, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine französische Kolonie bildeten. Hauptstadt war Pondichéry, ein 1673 erworbenes Dorf – das heutige Puducherry. Geleitet wurde es ab 1685 von einem Gouverneur.

Französisch-Indien war 513 km² groß und hatte schließlich 300.000 Einwohner (1949). Heute hat das ungefähr entsprechende Unionsterritorium Puducherry eine Größe von 480 km² und etwa 1,2 Millionen Einwohner (2011).

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Französisch-Indien bestand zuletzt aus folgenden Teilen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1642 wurde unter der Regierung von Kardinal Richelieu die Compagnie française des Indes orientales, die Französische Ostindienkompanie gegründet. Die Kompanie wurde unter Finanzminister Jean-Baptiste Colbert reorganisiert und gründete 1668 in Surat an der Küste des heutigen indischen Bundesstaats Gujarat eine erste Handelsniederlassung. Es folgten weitere Niederlassungen entlang der West- und Ostküste des indischen Subkontinents. 1673 wurde der spätere Hauptort Pondychéry in Besitz genommen. Aufgrund der zahlreichen Kriege Ludwigs XIV. gingen viele dieser Besitzungen später wieder an die konkurrierenden Briten (die Britische Ostindien-Kompanie) verloren.

Ab den 1720er Jahren begannen die Franzosen, von Südindien ausgehend, ein Kolonialreich aufzubauen. Es kam erneut zum Konflikt mit der Britischen Ostindien-Kompanie. Die Kolonialkonflikte wurden in den drei Karnatischen Kriegen 1744 bis 1763, die das indische Gegenstück zu den drei schlesischen Kriegen auf dem europäischen Kriegsschauplatz waren, ausgetragen. Unter dem sehr aktiven und fähigen Gouverneur Joseph François Dupleix konnten die Franzosen anfänglich bemerkenswerte Erfolge erringen. Im Dritten Karnatischen Krieg 1756 bis 1763 (in Europa: Siebenjähriger Krieg) endete die britisch-französische Kolonialrivalität jedoch in einer vollständigen französischen Niederlage und dem Verlust fast des gesamten französischen Besitzes und Einflussgebiets. Kriegsentscheidend war der Sieg Robert Clives über eine weit überlegene, mit den Franzosen verbündete indische Streitmacht in der Schlacht bei Plassey 1757, die zum britischen Gewinn von ganz Bengalen führte. Damit waren die französischen Kolonialambitionen in Indien endgültig gescheitert. Fortan hatten die wenigen verbliebenen französischen Besitzungen in Indien nur noch eine quasi symbolische Bedeutung, während die Briten in den folgenden Jahrzehnten ihren Einfluss auf den gesamten indischen Subkontinent ausdehnten.

1946 wurden die französischen Besitzungen in Indien in ein Überseegebiet (Territoire d’outre-mer) der Vierten Französischen Republik umgewandelt. Spätestens nachdem Indien und Pakistan im Jahr 1947 durch die Briten in die Unabhängigkeit entlassen wurden stellte sich die Frage nach dem weiteren Verbleib der Kolonialbesitzungen anderer europäischer Mächte (Frankreich, Portugal) in Indien. 1949 kam es zur Volksabstimmung über die Auflösung oder den Verbleib von Französisch-Indien als freie Städte in der Französischen Union oder den Anschluss an Indien, wobei sich nur Chandannagar sofort mehrheitlich für den Anschluss an den Bundesstaat entschied. 1950 wurde Chandannagar an Indien angeschlossen (1952 vertraglich ratifiziert) und 1954 Teil des Bundesstaates Westbengalen. Die restlichen Städte folgten 1954, staatsrechtlich erst nach Ratifizierung des entsprechenden Vertrages durch das französische Parlament 1962 und bilden heute ein Unionsterritorium Indiens.

Pierre Desbassayns (Senator von 1876 bis 1882) und Jules Godin (von 1891 bis 1909) waren im 19. Jahrhundert in Frankreich im Senat aktive Politiker, die mit dem Gebiet eng verbunden waren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Douglas Gressieux: Les Comptoirs de L'Inde. Pondichéry, Karikal, Mahé, Yanaon et Chandernagor. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2004, ISBN 2-84910-072-2 (Mémoire en Images).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Französisch-Indien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien