Robert Clive, 1. Baron Clive

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Robert Clive, 1. Baron Clive of Plassey (* 29. September 1725 in Styche, Shropshire; † 22. November 1774 in London), Clive of India, der Eroberer Bengalens, war ein britischer General und Staatsmann. Er begründete die britische Machtposition in Indien.

The Rt. Hon. the Lord Clive

Herkunft[Bearbeiten]

Robert Clive wurde auf dem Familiengut Styche geboren, das im Kirchspiel Moreton Say, Market Drayton, Shropshire, lag. Aus seiner zweiten Rede vor dem britischen Unterhaus 1773 ist zu ersehen, dass dieses Gut nur 500 Pfund im Jahr abwarf und sein Vater deshalb gezwungen war, zusätzlich als Rechtsbeistand zu arbeiten.

Die Clives oder Clyves waren eine der ältesten Familien in der Grafschaft Shropshire, die schon seit den Zeiten Heinrichs II. im Besitz des Landgutes waren. Ein Clive war irischer Schatzkanzler (chancellor of the exchequer) unter Heinrich VIII., ein anderer Mitglied des Langen Parlaments. Roberts Vater Richard saß lange Zeit für Montgomeryshire im Unterhaus. Seine Mutter Rebecca Gaskell, der er zärtlich anhing und die großen Einfluss auf seine Karriere hatte, war eine Tochter und - zusammen mit ihrer Schwester Sarah, Lady Sempill - Erbin des Nathaniel Gaskell von Manchester.

Robert war der älteste Sohn des Ehepaars. Seinen fünf Schwestern, die allesamt heirateten, blieb er zeit seines Lebens eng verbunden. Der einzige Bruder, William (* 1745), starb 1825.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Robert Clive galt als schwieriger Schüler. Er war der Schrecken seiner Lehrer und wurde von Schule zu Schule geschickt. Unter anderem besuchte er auch die renommierte Merchant Taylors’ School in Northwood, London. Er vernachlässigte aber seine Studien und stürzte sich lieber in vielfältige, manchmal gefährliche Abenteuer.

So ungebildet, wie seine frühen Biographen behaupten, kann er allerdings nicht gewesen sein, denn er las in seinem späteren Leben Horaz und muss auch in seiner Jugend den Grundstock für seinen klaren und energischen Stil gelegt haben, der alle seine Depeschen auszeichnet. William Pitt der Ältere, Lord Chatham, erklärte eine von Clives Ansprachen im Parlament zu der wortgewandtesten Rede, die er je gehört habe.

Schon seit frühester Jugend war es Clives Ziel, der Anführer seiner Kameraden zu sein. Auch sein Gefühl für Ehre, wie man sie damals verstand, war sehr ausgeprägt.

Die ersten Jahre in Indien[Bearbeiten]

Im Alter von 18 Jahren trat er als Schreiber (writer), d.h. als Sekretär, in den zivilen Dienst der East India Company, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und wurde nach Madras, dem bedeutendsten britischen Stützpunkt im Norden Pondicherrys, gesandt. Da sein Schiff neun Monate in Brasilien Aufenthalt hatte, nutzte er die Gelegenheit, Portugiesisch zu lernen. Wie sich später herausstellte, war dies eine Fähigkeit, die in einer Zeit, in der sich kaum einer der Kompanieangestellten die Mühe machte, die verschiedenen Sprachen Indiens zu erlernen, von großem Nutzen war.

Die ersten zwei Jahre seines Aufenthaltes in Indien waren nicht sehr angenehm für den jungen Mann. Er litt unter dem Klima, starkem Heimweh und den Einschränkungen, die den jüngeren Schreibern der Ostindienkompanie auferlegt waren. Auch lag er ständig im Streit mit seinen Kollegen; mit einem duellierte er sich sogar. Es zeigten sich früh die ersten Anzeichen der Depressionen, unter denen er sein ganzes Leben lang litt und unter deren Einfluss er schließlich seinem Leben selbst ein Ende setzte. Einer seiner Kameraden berichtete später, Clive habe zweimal erfolglos eine Pistole an seinem Kopf abgedrückt. Er selbst sprach später niemals darüber. Trost fand Clive während dieser schwierigen Zeit in der Bibliothek des Gouverneurs, wo er seine versäumte Schulbildung durch systematische Studien aufzuholen versuchte.

Ab 1744 kam es im Zuge der Auseinandersetzungen im Österreichischen Erbfolgekrieg zum Ersten Karnatischen Krieg mit Frankreich. Clive war gerade 21 und somit volljährig geworden, als Madras 1746 gezwungen wurde, sich dem französischen Admiral La Bourdonnais zu ergeben. Während der vertragsbrüchigen Besetzung der Stadt durch die Franzosen unter Joseph François Dupleix, dem französischen Statthalter in Indien, gelang es Clive und anderen, sich zum etwa 20 km südlich gelegenen Fort St. David abzusetzen. Unzufrieden mit der gegenwärtigen Lage und seiner rein kaufmännischen Tätigkeit überdrüssig, vertauschte Clive dort die Feder mit dem Degen und trat im Alter von 21 Jahren als Fähnrich (ensign) in den militärischen Dienst der Ostindien-Kompanie über. Dort bewährte er sich sofort als erfolgreicher Truppenführer und drängte in siegreichen Gefechten die französisch-indischen Truppen zurück, so dass Madras wieder britisch wurde.

Mit dem Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges 1748 endete auch der britisch-französische 1. Karnatische Krieg in Indien, so dass Clive wieder in den Zivildienst der Kompanie wechselte. Allerdings setzten sich die Auseinandersetzungen zwischen der französischen und britischen Kompanie fort, so dass 1750 Clive in den Militärdienst zurückkehrte, und zwar auf Grund seiner bisherigen Verdienste als Hauptmann und Proviantmeister der Truppen der Kompanie. 1751 kam es zum 2. Karnatischen Krieg, in dem Clive mit seiner britisch-indischen Truppe sofort Arcot eroberte und die anschließende Belagerung erfolgreich abwehrte. Mit weiteren Siegen führte er den Feldzug erfolgreich fort, was zum Ende der französischen Herrschaft in Südindien beitrug.

Die durch die Siege gewonnenen Beutegelder wurden verteilt, so dass Clive ein vermögender Mann wurde und eine Schwester des königlichen Astronomen und Mathematikers Nevil Maskelyne heiratete. Allerdings hatte seine Gesundheit so gelitten, dass er 1753 mit seiner Frau als hoch geschätzter General nach England zurückkehrte. Dort wurde er 1754 ins House of Commons gewählt, verlor aber den Sitz sogleich durch eine Parteiintrige.

Zweiter Aufenthalt in Indien: Ausbau der britischen Herrschaft[Bearbeiten]

Mitte des 18. Jahrhunderts war der indische Subkontinent nach Ansicht der Chronisten zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine leichte Beute für einen Eroberer, der die Entschlossenheit eines Soldaten mit den Fähigkeiten eines Administrators in sich vereinte. In den vierzig Jahren nach dem Tod des Großmoguls Aurangzeb 1707 war das Riesenreich schrittweise zerfallen und die Macht in die Hände seiner Vizekönige oder subadhars gelangt. Die drei mächtigsten unter ihnen waren der Nizam von Dekkan (Süd- und Zentralindien), der von Haiderabad aus regierte, der Nawab von Bengalen, dessen Hauptstadt Murshidabad war, und der Nawab oder Wesir von Awadh in Lakhnau.

Diese instabilen Verhältnisse und das Machtstreben der indischen Fürsten machte sich der französische Statthalter Dupleix, der ein fähiger Administrator, aber kein Soldat war, zunutze, um seinen eigenen Machtbereich auf Kosten des britischen auszudehnen. Infolge der Unfähigkeiten der lokalen Vertreter der britischen Kompanie wurde die Lage so bedrohlich, dass Clive zur Hilfe gerufen und 1755 erneut nach Indien entsandt wurde. Dort ergriff er sogleich erfolgreiche Gegenmaßnahmen, sammelte Truppen und eroberte die Piratenfestung Gheria. In der Schlacht bei Plassey führte er 1757 die Streitkräfte der Britischen Ostindien-Kompanie zum Sieg über jene des Siraj-ud-Daula, des letzten unabhängigen Nawabs von Bengalen. Die Schlacht von Plassey wird als der Beginn der britischen Herrschaft in Indien betrachtet, indem sie die Rückgewinnung Kalkuttas sowie die Eroberung und dauerhafte Besetzung Bengalens ermöglichte. Auch konnte Clive einen Angriff der Niederländischen Ostindien-Kompanie erfolgreich abwehren.

Schrittweise dehnte Clive in drei großen Provinzen die britische Vorherrschaft gegen den französischen Einfluss aus, aber sein besonderes Verdienst liegt in der Fähigkeit und der Weitsicht, mit der er die reichste Provinz, Bengalen, für die britische Krone erwarb. Durch die hohen Siegesgelder vermehrte er sein Vermögen enorm, ohne seine übermächtige Stellung ungebührlich auszunutzen.

1760 kehrte Clive nach England zurück und wurde von König Georg III. empfangen. Clive wurde der Titel Baron Clive von Plassey sowie die irische Peerswürde verliehen, und er erwarb Ländereien in den Counties Limerick und Clare in Irland. 1761 wurde er ins House of Commons gewählt. Clive war in der Tat der erste in einer ein Jahrhundert währenden Reihe brillanter soldier-politicals,wie sie genannt wurden, denen Großbritannien die Eroberung und Konsolidierung ihrer größten Kolonie verdankte.

Dritter Aufenthalt in Indien: Reform und Konsolidierung der britischen Herrschaft[Bearbeiten]

Durch Misswirtschaft und Korruption geriet die Verwaltung der britischen Ostindien-Kompanie in Indien schließlich in einen so zerrütteten Zustand, dass wieder Clive die Situation retten sollte. Er wurde zum Gouverneur und Oberbefehlshaber der britischen Besitzungen in Bengalen ernannt. Vor seiner Abreise ließ er sich jedoch noch zu einem der Direktoren der Ostindien-Kompanie wählen, um sich gegen heimische Intrigen schützen zu können. Im Mai 1765 reiste er nach Kalkutta und führte bis 1766 durchgreifende Reformen des Zivildienstes der Ostindien-Kompanie durch. Insbesondere setzte er für alle Bediensteten das strikte Verbot durch, Geschenke anzunehmen, und sorgte gleichzeitig für eine ausreichende Bezahlung der Bediensteten.

Wegen seiner angegriffenen Gesundheit kehrte Clive Ende Januar 1767 endgültig in seine Heimat zurück. Sein Vermögen hatte sich inzwischen verdreifacht. Dadurch und durch seine Reformen in Indien hatte er sich viele Feinde und Neider gemacht, die 1772 eine Parlamentsuntersuchung der Aktivitäten der Ostindien-Kompanie initiierten. Eine Verurteilung Clives wurde schließlich doch abgelehnt, so dass Clive als hoch geschätzter und anerkannter Vertreter der britischen Interessen aus diesen Untersuchungen hervorging.

Clive befand sich im Besitz ungeheurer Güter, unter anderem der Riesenschildkröte Adwaita, doch wurde er ihrer nicht froh. Sein Gemüt verdüsterte sich, und er ergab sich dem Genuss von Opium. Er starb am 22. November 1774 durch Suizid.

Literatur[Bearbeiten]

  • Macaulay's kritische und historische Aufsätze. Deutsch von J. Moellenhoff. Vierter Band: Lord Clive. Verlag Philipp Reclam jun. (Universal-Bibliothek Nr. 1591), Leipzig (1882), 120 S.
  • Eintrag in der Classic Encyclopedia (englisch)
  • John Basil Watney: Clive of India. Farnborough, Hants., 1974.
  • Mark Bence-Jones: Clive of India. 1974.
  • Patrick Turnbull: Clive of India. 1975.
  • Nirad Chandra Chaudhuri: Clive of India. A political and psychological essay. 1975.
  • R. Garrett: Robert Clive. 1976.
  • James Philip Lawford: Clive, pro-consul of India. A biography. 1976.
  • Michael Edwardes: Clive. The heaven-born general. 1977.
  • Robert Harvey: Clive. The life and death of a British emperor. Hodder and Stoughton, London 1998, ISBN 0340654406.

Weblinks[Bearbeiten]