Franz Thedieck (Politiker)

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Franz Thedieck als Staatssekretär im Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen, 1960

Franz Josef Bernhard Thedieck (* 26. September 1900 in Hagen;[1]20. November 1995 in Bonn[2]) war ein deutscher Politiker (CDU).

Leben und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thediecks Eltern waren der Jurist Josef Thedieck und seine Frau Johanna.[3] Thedieck junior wuchs jedoch, obwohl in Hagen/Westfalen geboren, im Rheinland auf[4], da sein Vater von 1903 bis 1938 – nach Geburt des Sohnes – Landgerichtsdirektor in Köln wurde[5]. Der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer und der spätere juristische Kommentator der Nürnberger Rassegesetz, dann zunächst Referatsleiter, später Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Hans Globke, absolvierten zumindest einen Teil ihres juristischen Referendariats bei Thedieck senior in Köln.[6]

Franz Thedieck besuchte zunächst eine – in der bisher ausgewerteten Literatur weder örtlich noch namentlich näher bezeichnete, – „in der Nähe seines Elternhauses gelegene katholische Volksschule“ in oder bei Köln und später „das Realgymnasium in Köln-Lindenthal[7].[8]

Berufliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thedieck war von 1923 bis 1930 stellvertretender Leiter der – geheimdienstlichen[9]Preußischen Abwehrstelle gegen den Separatismus im Rheinland.[10] Dort lernte er während Aufständen rheinischer Separatisten (vgl. Rheinische Republik) Konrad Adenauer kennen und wurde 1931 Regierungsrat in Köln[11] – und zwar als Beauftragter der preußischen Regierung für Eupen-Malmedy[12]. Dabei war er jeweils (auch) im Rahmen der Volkstumsarbeit für die Unterwanderung und Finanzierung der deutschen Vereine in Eupen-Malmedy, das seit dem Versailler Vertrag zu Belgien gehörte, zuständig.

In einem Dossier des Oberabschnitts West des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) über die verschiedenen Akteure der Infiltrationspolitik in Bezug auf die westlichen Nachbarländer heißt es über Thediecks Tätigkeit beim Verband der Deutschen im Ausland (VDA):

„VDA: Der Landesverband Rheinland unter Haake sowie vermutlich auch die Landesverbände Oldenburg und Hamburg arbeiten im Raume Luxemburg-Holland. Für diesen Raum ist zum Sonderbeauftragten des Verbands der Deutschen im Ausland seit etwa 1920 der oben [...] erwähnte Regierungsrat [Franz] Thedieck in Köln, früher bei der Regierung in Aachen, [ernannt].“

Fahlbusch, Philanthrop, S. 44 in Fußnote 11[13]

Während des Zweiten Weltkriegs war Thedieck von 1941 bis 1943 Oberkriegsverwaltungsrat und „Generalreferent“, genannt „Flamenreferent“, im Büro des Militärbefehlshabers Belgien zur Zeit der Judenverfolgung:[14]

„Im April 1943, als die Kinder und die Alten ergriffen wurden, richtete der Generalsekretär des belgischen Justizministeriums zwei Briefe an Oberkriegsverwaltungsrat Thedieck im Büro des Militärbefehlshabers, in denen er darauf hinwies, daß viele der Kinder nicht von ihren Eltern begleitet würden und alte Menschen, manche davon über achtzig, doch kaum zur Arbeit verwendungsfähig seien.“

Hilberg, Vernichtung, S. 640 bei Fußnote 792[15]

Mit dieser Formulierung wurde die nationalsozialistische Legende, die Deportationen der jüdischen Bevölkerung erfolgten zum Zwecke von Arbeitseinsätzen, in Frage gestellt.[16]

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Thedieck als Oberregierungsrat beim Regierungsbezirk Köln.

Von 1950 bis 1964 war er beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen.[17] Ab 1960 war er Beiratsvorsitzender der Deutschen Langwelle (später Deutschlandfunk) und von 1966 bis 1972 Intendant des Deutschlandfunks.

Er wurde mit dem Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband, der Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen sowie der Lodgmann-Plakette der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet.[18]

Im Jahr 1946 wurde Thedieck verurteilt wegen Fragenbogenfälschung über seine Tätigkeit in Brüssel.

Parteimitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Weimarer Republik war Thedieck Mitglied der Zentrumspartei. 1945 beteiligte er sich an der Gründung der CDU. Von 1964 bis 1968 war er Vorsitzender der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung.[19]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gespräche und Begegungen mit Konrad Adenauer – Aus einem halben Jahrhundert deutscher Politik, in: Dieter Blumenwitz / Klaus Gotto / Hans Meier / Konrad Repgen / Hans-Peter Schwarz (Hg.), Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers. [Band 1:] Beiträge von Weg- und Zeitgenossen, DVA: Stuttgart, 1976 (ISBN 3-421-01752-2), 326 - 339.

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere zu Thediecks Tätigkeit von 1923 bis 1943[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burkhard Dietz u. a. Hgg.: Griff nach dem Westen. Die "Westforschung" der völkisch-nationalen Wissenschaft zum nordwesteuropäischen Raum 1919 – 1960. Waxmann, Münster 2003 ISBN 3830911440.
  • Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden. Bd. 2, Fischer: Frankfurt am Main, 1994.
  • Bruno Kartheuser: Die 30er Jahre in Eupen-Malmedy. Einblick in das Netzwerk der reichsdeutschen Subversion (Band 1 von: ders., Walter, SD in Tulle, Krautgarten: St. Vith, 2001 (Bibliotheksbestandsnachweise im Karlsruher Virtuellen Katalog; Buchprospekt; Auszüge aus französischen, niederländischen und deutschsprachigen Pressestimmen und anderen Stellungnahmen zum Buch)).[20]
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, S. Fischer: Frankfurt, 2003 (ISBN 978-3-596-16048-8) / aktualisierte Taschenbuchausgabe: Fischer: Frankfurt am Main, 2005; 5. Auflage: 2015, S. 621 (Eintrag zu Franz Thedieck).
  • Carlo Lejeune: Die deutsch-belgischen Kulturbeziehungen 1925 – 1980 Böhlau, Köln 1992 ISBN 3412010928 (Thedieck: S. 112–212 passim).
  • Martin R. Schärer: Deutsche Annexionspolitik im Westen. Die Wiedereingliederung Eupen-Malmedys im Zweiten Weltkrieg. (Reihe: Europäische Hochschulschriften R. 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften Bd. 38), Lang: Bern / Frankfurt am Main / Las Vegas, 1. Aufl.: 1975. 2., verbesserte um eine Einleitung und ein Register vermehrte Auflage: 1978 (zu Thedieck auf Seite 32 und 108).
  • Maurice de Wilde: België in de Tweede Wereldoorlog. Deel 3: De nieuwe orde. in: DBNL Digitale Biblioteek voor de Nederlandse letteren. Uitgeverij Peckmans, Kapellen 1982 (darin Interview mit Th. vom 23. Dezember 1981) Inhaltsverzeichnis.

Insbesondere zu Thediecks Tätigkeit ab 1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Creuzberger: Kampf für die Einheit. Das gesamtdeutsche Ministerium und die politische Kultur des Kalten Krieges 1949 – 1969 (Schriften des Bundesarchivs 69), Droste; Düsseldorf, 2008; ISBN 978-3-7700-1625-9 (dazu: Rezension bei Sehepunkte) (das 604-seitige Buch enthält drei Abschnitte, die Thediecks Namen im Titel führen, und zahlreiche weitere Stellen zu ihm).
  • Walter Henkels, Franz Thedieck, in: ders., 99 Bonner Köpfe, Econ: Düsseldorf/Wien, 1963, 107 - 109.
  • Erich Kosthorst, Jakob Kaiser. Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen 1949-1957, Kohlhammer: Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz, 1976 (ISBN 3-17-210031-6) (darin laut Personenregister: zwölf – zum Teil mehrseitige – Stellen zu Thedieck).
  • Klaus Körner: Herbert Wehner und Franz Thedieck. Die Bonner Debatte über die Abwehr der Westpropaganda der SED 1949–1953. In: Heiner Timmermann: Das war die DDR. Münster 2004. ISBN 3-8258-8167-9 (S. 238–248).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katalogeinträge zu Thedieck bei der Deutschen Nationalbibliothek und Archivalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiteres (in alphabetischer Reihenfolge der Nachnamen der Verfasser und Verfasserinnen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Kartheuser: Subversion nazie et action secrète. (PDF) L’encadrement nazi et allemand des cantons de l’est de la Belgique. Épisodes, aperçus, constat. In: Annexion et nazification en Europe. Actes du colloque de Metz 7 - 8 Novembre 2003. Sylvian Schirmann, S. 27-46, archiviert vom Original; (französisch, 6,7 MB; 222 Seiten. Seite 46 enthält ausschließlich eine Kopfzeile). (Über die Protagonisten der nationalsozialistischen Eroberung Ostbelgiens schon vor dem militärischen Einmarsch 1940: Franz Thedieck, Heinrich Haake u. a. und ihre Organisationen. Thedieck wird in der .pdf-Datei zwölfmal genannt. Auf S. 42 findet sich ein Bild des Thediecks; auf S. 32 ist der Haushaltsplan 1939/40, also vor der militärischen Eroberung des Landes, den Thedieck für antibelgische Propaganda in Eupen-Malmedy zur Verfügung hatte [113.110 Reichsmark] dargestellt.)
  • Denise Lindsay: Thedieck, Franz. In: [Homepage]. Konrad-Adenauer-Stiftung, archiviert vom Original am 4. Februar 2019; abgerufen am 4. Februar 2019. (Biographischer Artikel über Thedieck auf der Webseite der Konrad-Adenauer-Stiftung, deren Ko-Vorsitzender Thedieck von 1964 bis 1968 war. Die ‚zerschossenen‘ ersten zwei Sätze des Abschnittes „Jugendzeit und Ausbildung“ sollen anscheinend lauten: „Franz Josef Bernhard Thedieck kam in Hagen in Westfalen als Sohn des Landgerichtsrates Josef Thedieck und seiner Frau Johanna zur Welt (Geburts- und Taufurkunde).“ Anscheinend aufgrund eines Formatierungsfehlers wiederholen sich Fragmente aus der gerade zitierten Passage über rund einem Drittel des Artikels in jeweils leicht ‚verschobener‘ Form.)
  • o. Verf.: Thedieck, Franz. In: „Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung“ online. Bundesarchiv, abgerufen am 4. Februar 2019. (eine kurze biographische Notiz zu Thedieck)
  • o. Verf.: Franz Thedieck. In: Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv. Munzinger-Archiv, 8. Januar 1996, abgerufen am 3. Februar 2019 (Nur teilweise kostenlos zugänglich). (zitiert als „Munzinger/IBA“).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die weiteren Vornamen sowie Geburtsdatum und -ort nach Thedieck, Franz. Abgerufen am 4. Februar 2019., wo sich für die Namen von Thediecks Eltern auf Geburts- und Taufurkunde berufen wird, sodass also auch die hier interessierenden Informationen anhand der genannten Unterlagen ermittelt worden sein dürften.
  2. Die Geburts- und Sterbedaten sind in der zitierten Literatur unstrittig.
  3. Denise Lindsay (Thedieck, Franz. Abgerufen am 4. Februar 2019.) nennt – unter Berufung auf „Geburts- und Taufurkunde“ – die Namen beider Eltern. Den dienstlichen Rang von Thedieck senior vor dem Wechsel nach Köln bezeichnet sie als „Landgerichtsrat“; Munzinger/IBA (Franz Thedieck. Abgerufen am 4. Februar 2019.) und Henkels (99 Köpfe, S. 309) schreiben „Geheime[r] Justizrat“; Klee (Personenlexikon, S. 621) schreibt nur „Justizrat“.
  4. Siehe:
    • Munzinger/IBA (Franz Thedieck. Abgerufen am 4. Februar 2019.): „Franz Thedieck […] wuchs jedoch im Rheinland auf.“ (Hervorhebung getilgt)
    und
    • Lindsay (Thedieck, Franz. Abgerufen am 4. Februar 2019.): „Als Kind zog er mit seiner Familie nach Köln“.
  5. Siehe:
    • Munzinger/IBA (Franz Thedieck. Abgerufen am 4. Februar 2019.): „Josef Thedieck war von 1903 bis 1938 Landgerichtsdirektor in Köln“
    • Henkels, 99 Köpfe, S. 308: „in Köln von 1903 bis 1938 Landgerichtsdirektor“
    und
    • – ohne Datierung – Lindsay (Thedieck, Franz. Abgerufen am 4. Februar 2019.): „Köln, wo sein Vater eine Stelle als Landgerichtsdirektor erhalten hatte“.
  6. Siehe:
    • Henkels, 99 Köpfe, S. 308: „Die Rechtsreferendare Konrad Adenauer und Hans Globke sind in ihrer Ausbildung durch seine [Thedieck senior] Hände gegangen.“
    und
    • – nur zu Adenauer – Munzinger/IBA (Franz Thedieck. Abgerufen am 4. Februar 2019.): „Konrad Adenauer war als Rechtsreferendar in seiner Ausbildung durch seine Hände gegangen.“
  7. Grün gefärbt im Westen: Der Kölner Bezirk Lindenthal; dessen – namensgebender – östlichster Stadtteil Lindenthal, der an die Innenstadt-Bezirk-Stadtteile Neustadt-Nord- und Neustadt-Süd grenzt.

    Das heute in Köln-Lindenthal gelegene Apostelgymnasium scheint nicht gemeint zu sein, denn dieses befand sich bis 1939 in der Kölner Altstadt (Bezirk Innenstadt; siehe Artikel „Köln#Stadtgliederung“; zwischen Lindenthal und der Altstadt befinden sich die Stadtteile Neustadt-Nord und Neustadt-Süd).

  8. Thedieck, Franz. Abgerufen am 4. Februar 2019. (jeweils ohne Quellenangabe).
  9. Bruno Kartheuser: Subversion nazie et action secrète. S. 28, abgerufen am 1. Februar 2019.: „Bureau de contre-espionnage (Abwehr) pour combattre le séparatisme rhénan“ (Hervorhebung hinzugefügt).
    Vgl. zur Begrifflichkeit: Von 1920 bis 1944 wurde der deutsche militärische Nachrichtendienst „Abwehr“ genannt; aber auch das Außenministerium (Auswärtige Amt) hatte eine „Abwehrabteilung“; auch der Verein für das Deutschtum im Ausland konkurrierte mit dem militärischen Nachrichtendienst um Kompetenzen (siehe Abwehr (Nachrichtendienst)#Abwehr AA).
    Weitere Stützung erfährt die Lesart von „Abwehr“ als „geheimdienstlich“ durch zwei weitere Umstände:
    1. Als Konrad Adenauer und Thedieck in den 1920er Jahren mal wegen Thediecks Tätigkeit aneinander geraten waren, soll Adenauer Thedieck als „Spitzel Severings“ bezeichnet haben (Henkels, 99 Köpfe, S. 308). (Carl Severing, der zu den Befürwortern des I. Weltkrieges in der SPD gehörte hatte, war von 1920 bis 1926 und von 1930 bis 1932 preußischer Innenminister. Bei dessen Ministerium war besagte „Abwehrstelle“ angesiedelt.)
    2. Adenauers Groll legte sich aber später: Als Bundeskanzler soll er „im Dezember 1949 [anscheinend am 5. des Monats] […] in eimem persönlichen Gespräch Thedieck das Angebot gemacht [haben], künftig die Führung des im Aufbau befindlichen Bundesamtes für Verfassungsschutz zu übernehmen“ (Creuzberger, Kampf, S. 69 bei Fußnote 110) – dieses Angebot wäre vermutlich nicht ohne gemeindienstliche Vorerfahrungen Thediecks erfolgt. Thedieck zog nach eigener Darstellung allerdings das Amt als Staatssekretär im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen vor.
    Als Belege für ein Angebot Adenauers an Thedieck führt Creuzberger
    • einerseits Thedieck selbst an, der das Angebot Adenauers allerdings auf den Januar 1950 – also etwas später – datierte: „Anfang 1950 gab es ein bemerkenswertes Zwischenspiel [in der Auseinandersetzung um Thediecks Ernennung zum Staatssekretär im BMG]. Bundeskanzler Adenauer bat mich zu sich und versuchte mich zu bewegen, das Amt des Präsidenten des zu begründenen Bundesamtes für Verfassungsschutz zu übernehmen. […]. Als ich das Zimmer des Bundeskanzlers verließ, traf ich den damaligen Bundesinnenminister Dr. Heinemann, […].“ (Thedieck, Gespräche, S. 332 [dort auch Thediecks Ablehnung des Angebotes von Adenauer])
    und
    • andererseits einen Brief des Bundesministers für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, vom 8. Dezember 1949 an Adenauer an, der zwar nicht explizit auf den Verfassungsschutz eingeht, aber zusammen mit Thediecks Hinweis auf Heinemann eine Datierung des Gesprächs Adenauer – Thedieck erlaubt und in dem es hieß: „Ich bedauere außerordentlich, Herr Bundeskanzler, daß Sie sich leider immer noch nicht entschließen konnten, Herrn Thedieck, das verdiente Vertrauen entgegenzubringen [d.h.: seiner Ernennung zum Staatssekretär zuzustimmen]. Lebhafter noch bedauere ich es, daß Sie – wie ich aus einer Unterhaltung mit Dr. Heinemann entnehmen mußte – glaubten, schon anderweitig über ihn [Thedieck] verfügen zu können, ohne mir selbst ein Wort davon zu sagen.“ (zitiert nach Kostkorst, Kaiser, S. 98)
    (Auch Adenauer selbst spricht in seiner Antwort vom nächsten Tage an Kaiser von einer kürzlichen „Besprechung, die ich [Adenauer] mit Herrn Thedieck gehabt habe“ (Brief) Nr. 153, in: Rudolf Morsey / Hans-Peter Schwarz [Hg.], Adenauer. Briefe 1959-1951 bearbeitet von Hans Peter Mensing [= Adenauer. Rhöndorfer Ausgabe. Band 1.3], Siedler: Berlin, 1985, S. 143 - 145 [144]. In den editorischen Anmerkungen von Mensing [S. 467, Fußnote 9] heißt es [unter Berufung auf Archivunterlagen: StBKAH04.01], dass Heinemann am 5. Dezember 1949 um 11:30 Uhr „nach Thedieck“ bei Adenauer gewesen sei.)
  10. Siehe dazu:
    • Schärer, Annexionspolitik, S. 32 bei Fußnote 39 und 40: Thedieck hatte schon bevor er „1931 als ‚Beauftragter der preussischen Regierung für Eupen-Malmedy’ eingesetzt worden war, […] für die ‚preussische Abwehrstelle gegen den Separatismus im Rheinland’“ gearbeitet.
    sowie
    • Bruno Kartheuser: Subversion nazie et action secrète. S. 28, abgerufen am 1. Februar 2019.: „Le Regierungsrat Franz Thedieck fut chargé d’orchestrer toutes les initiatives allemandes visant à œuvrer pour le retour des Cantons de l’Est à l’Allemagne. Ce fonctionnaire qui, de 1923 à 1930, avait dirigé le Bureau de contre-espionnage (Abwehr) pour combattre le séparatisme rhénan, […].“ (Hervorhebung hinzugefügt)
  11. Siehe dazu:
    • Klee, Personenlexikon, S. 621: „1931 Regierungsrat in Köln“
    und
    • Bruno Kartheuser: Subversion nazie et action secrète. S. 28, abgerufen am 1. Februar 2019.: „devint en 1931 Regierungsrat auprès du gouvernement de Cologne. Il fut l'adresse centrale pour tout ce qui avait trait aux intérêts allemands dans les Cantons de l'Est et il coopérait – selon son propre aveu – ‚étroitement avec les divers services et les diverses personnalités du NSDAP‘.“
  12. Schärer, Annexionspolitik, S. 32 vor Fußnote 39: „1931 als ‚Beauftragter der preussischen Regierung für Eupen-Malmedy’“.
  13. Ein – anscheinend: ausführlicherer – Auszug aus dem Dossier ist laut Fahlbusch bei Thomas Müller, Außenarbeit im Westen, Jahreswende 1936/37, in: Geschichte im Westen. 2003, S. 82–105 abgedruckt.
  14. Klee, Personenlexikon, S. 621 (unter Hinweis auf Hilberg): „1941-1943 Oberkriegsverwaltungsrat und Generalreferent im Büro des Militärbefehlshabers Belgien zur Zeit der Judenverfolgung“.
  15. Dort unter Hinweis auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Schleswig vom 8. März 1977, in: Serge Klarsfeld / Maxime Steinberg, Die Endlösung der Judenfrage in Belgien, Beate-Klarsfeld-Foundation: New York / Paris, 1980, 116 - 181 (139).
  16. „Das [Diese Schreiben und andere Umstände] waren von Anfang an […] untrügliche Zeichen, daß ein ‚Arbeitseinsatz‘, […], nie beabsichtigt war.“ (Oberlandesgericht Schleswig an der gerade genannten Stelle). – Thedieck war in diesem Strafverfahren aber trotzdem ausschließlich als Zeuge und nicht als Angeklagter beteiligt.
  17. Der Nachlass Thedieck liegt im Bundesarchiv Microfilm Nr. 105, 1946 – 1951, mit Personalia Th. und Aussagen im Prozess gegen Militärverwaltungschef Brüssel, Eggert Reeder, SS-Gruppenführer
  18. Klee, Personenlexikon, S. 621 (unter Hinweis auf Munzinger).
  19. Klee, Personenlexikon, S. 621 (ohne Nennung der Dauer der Mitgliedschaft in der Zentrumspartei und ohne Nennung des Endes der Amtszeit bei der Adenauerstiftung).
  20. Über die Jahre 1917 – 1930: Thedieck untergräbt deutsch-staatlicherseits die belgische Souveränität in Ostbelgien. Von dem Buch sind auch französische und niederländische Ausgaben erschienen.