Freya von Moltke

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Freya von Moltke, 2009.

Freya Gräfin von Moltke (* 29. März 1911 in Köln als Freya Maria Helene Ada Deichmann; † 1. Januar 2010 in Norwich, Vermont) war eine deutsche Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, Schriftstellerin und Juristin. Sie wurde einer breiten Öffentlichkeit vor allem als Witwe des Widerstandskämpfers Helmuth James Graf von Moltke bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freya von Moltke wurde am 29. März 1911 in Köln dem Bankier Carl Theodor Deichmann (Enkel von Wilhelm Ludwig Deichmann) und seiner Frau Ada, geb. von Schnitzler, geboren. Ein Bruder von ihr war Hans Deichmann. Getauft wurde sie am 13. Mai 1911 in der Antoniterkirche vom liberalen evangelischen Pfarrer Carl Jatho.[1] Nach der Mittleren Reife an der Liebfrauenschule besuchte sie nach einer Auszeit eine Hauswirtschaftsschule in der Nähe von Gera. Dort bekam sie Freude am Lernen. Hauslehrer bereiteten sie auf das Abitur vor. Nach dem Abitur im Oktober 1930 an der Kaiserin-Augusta-Schule in ihrer Heimatstadt[2] studierte sie Rechtswissenschaft zuerst an der Universität zu Köln[3] und wurde dann 1935 an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin mit der Arbeit über Beglaubigung und öffentlicher Glaube. Zur Auslegung des § 1155 BGB zum Dr. iur. promoviert.

Hochzeitsbild von Freya Deichmann (links) mit Helmuth James Graf von Moltke vom 18. Oktober 1931. Rechts die beiden Mütter

1931 heiratete sie Helmuth James von Moltke und bekam 1937 mit ihm ihren ersten Sohn. 1941 bekamen die Eheleute den zweiten Sohn.[4] Sie begründete 1940 mit ihrem Ehemann sowie Peter und Marion Yorck von Wartenburg eine Gruppe, die sich Gedanken machte über eine demokratische Gesellschaft nach Ende der nationalsozialistischen Tyrannei. Aus dieser Gruppe entwickelte sich noch im gleichen Jahr der Kreisauer Kreis, benannt nach dem Gut der Familie von Moltke in dem schlesischen Dorf Kreisau. Freya von Moltke selbst organisierte mit den Gleichgesinnten drei Zusammenkünfte im Mai 1942, Oktober 1942 und Juni 1943 mit dem Ziel, Gesellschaftsentwürfe für eine Nachkriegszeit zu erstellen. Im August 1943 wurde ihr Ehemann von der Gestapo verhaftet und am 23. Januar 1945 in Plötzensee hingerichtet. Gegen Ende des Krieges verließ Freya von Moltke Kreisau und flüchtete mit den zwei Söhnen.

Das Gut der Moltkes in Kreisau (Schlesien)

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte sie von 1947 bis 1956 zunächst in Südafrika, der Heimat ihrer verstorbenen Schwiegermutter, wo ihre beiden Söhne aufwuchsen. Sie lernte den protestantischen Kulturphilosophen Eugen Rosenstock-Huessy kennen und siedelte 1960 zu ihm nach Norwich (Vermont) in den USA um, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

Mit ihrer Unterstützung wurde das Gut der Moltkes in Kreisau nach 1990 zu einer Begegnungsstätte umgewandelt, die der deutsch-polnischen und europäischen Verständigung dient. 2004 wurde in Berlin eine Bürgerstiftung mit dem Ziel gegründet, die Kreisauer Begegnungsstätte langfristig abzusichern und die dort geleistete Arbeit zu fördern: die Freya-von-Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau.[5] Freya von Moltke unterstützte dieses Anliegen aktiv. Sie war darüber hinaus Ehrenvorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung (Trägerin der Kreisauer Begegnungsstätte) sowie des Kuratoriums des Institutes für kulturelle Infrastruktur Sachsen in Görlitz.

Postume Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu ihrem 100. Geburtstag (März 2011) wurde an sie mit einem Veranstaltungsprogramm erinnert. „Ein Leben im Dienst der Menschlichkeit“ lautete der Titel des Programms. Es begann bereits am 24. Februar. Beteiligt am Programm waren u. a. die Melanchthon-Akademie Köln und Freya von Moltkes Taufkirche: die Kölner Antoniterkirche.

In der Trinitatiskirche wurde an ihrem 100. Geburtstag ein ökumenischer Gedenkgottesdienst gefeiert, an dem der Bundespräsident Christian Wulff teilnahm. Margot Käßmann, Kuratoriumsmitglied der „Freya-von-Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau“, predigte.[6]

An ihrem 101. Geburtstag wurde nach zweijähriger Planung auf Initiative der Stiftung, der Stadt Köln und evangelischer und katholischer Stellen eine vom Mönchengladbacher Künstler Christian Bauer gestaltete Glasstele in Anwesenheit ihres Sohnes vor dem Geburtshaus aufgestellt.[7]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (Hgn.): Briefe an Freya 1933–1945. (Briefe ihres Mannes), C. H. Beck, München ³2005, ISBN 3-406-35279-0
  • Erinnerungen an Kreisau 1930–1945. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-51064-7
  • (mit Annedore Leber): Für und wider. Entscheidungen in Deutschland 1918–1945. Mosaik-Verlag, Berlin u. Frankfurt/M. 1961
  • Die Verteidigung Europäischer Menschlichkeit. In: Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament vom 28. Juni 2004, Aus Politik und Zeitgeschichte, B 27/2004, Bonn 2004
  • Helmuth James und Freya von Moltke: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel September 1944–Januar 1945. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61375-3

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film/Interview[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothée von Meding: Mit dem Mut des Herzens: die Frauen des 20. Juli; Emmi Bonhoeffer… – Siedler Berlin, 1995. ISBN 3-88680-403-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Freya von Moltke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Freya von Moltke von ihrer Taufkirche, der Antoniterkirche Köln. Abgerufen am 24. Januar 2015.
  2. Jörg Böhnk: Gottesdienst für eine mutige Kölnerin, in Kölner Stadtanzeiger vom 16. Dez. 2010, S. 35
  3. Präzisierung ihrer Ausbildung nach Kölner Stadtanzeiger vom 18. März 2011, S. 25
  4. Aus dem Leben der Freya von Moltke
  5. Freya-von-Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau
  6. Evangelische Kirche im Rheinland: Bundespräsident kommt zur Ehrung von Freya von Moltke.
  7. Welt online 30. März 2012 (Memento vom 31. März 2012 im Internet Archive)
  8. Komitee zur Förderung der Deutsch-Französisch-Polnischen Zusammenarbeit e. V. weimarer-dreieck.eu, abgerufen am 3. Januar 2010 (deutsch).