Friede von Lunéville

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Preußens Abtretungen im Frieden zu Lunéville und Entschädigungen durch den Reichsdeputationshauptschluss

Als Friede von Lunéville wird der am 9. Februar 1801 in Lunéville zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich unter dem römisch-deutschen Kaiser Franz II. unterzeichnete Friedensschluss bezeichnet. Dem Vertrag ging ein Waffenstillstand voraus, der am 25. Dezember 1800 in Steyr unterzeichnet worden war.

Der Friede von Lunéville beendete den Zweiten Koalitionskrieg gegen Frankreich und bestätigte den Frieden von Campo Formio von 1797.

Bestimmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Friedensgöttin tröstet Germania – Allegorie auf den Frieden von Lunéville, Friedrich Georg Weitsch, 1801
Napoleon Bonaparte und der Frieden von Lunéville auf einer französischen Medaille von 1801

Der Frieden von Lunéville regelte die rechtliche Eingliederung der seit 1794 besetzten linksrheinischen Gebiete in das französischen Staatsgebiet. 63 000 km2 Land und 3,5 Millionen Menschen fielen damit an Frankreich. Den Fürstentümern des Heiligen Römischen Reiches wurde jedoch eine Entschädigung durch die Säkularisation geistlicher und zum Teil auch Mediatisierung kleinerer weltlicher Territorien zugesagt. Auf diese Weise sollten die vergrößerten deutschen Mittelstaaten, aber auch die Großmacht Preußen auf die französische Seite gezogen werden. Die rechtsrheinische Verteilung der Territorien wurde aber erst 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss umgesetzt. Während Venedig, Istrien und die dalmatinische Küste österreichisch blieben, musste Kaiser Franz II. die französischen Tochterrepubliken, die Batavischen (Niederlande), die Cisalpinischen (Mailand), die Helvetischen (Schweiz) und die Ligurische Republik (Genua) im Gegenzug anerkennen. Das zuvor habsburgisch regierte Großherzogtum Toskana wurde dem Königreich Etrurien, einem weiteren französischen Vasallenstaat, einverleibt. Der Großherzog Ferdinand III. erhielt zum Ausgleich das Fürsterzbistum Salzburg und die Fürstpropstei Berchtesgaden. Mit dem Frieden von Lunéville ersetzte Frankreich die Rolle Österreichs als stärkste kontinentaleuropäische Macht.[1][2]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da durch den Frieden von Lunéville französische Gesetze, die in den annektierten Gebieten förmlich publiziert wurden, staatsrechtliche Anerkennung erhielten, gelten oder galten sie subsidiär in linksrheinischen Gebieten der deutschen Länder teilweise noch bis heute oder in jüngste Zeit, etwa das hauptberufliche sogenannte linksrheinische Notariat, das Friedhofswesen oder bestimmte Staatsleistungen an die Kirchen. Auch der fortschrittliche, für die Wirtschaftsentwicklung des Rheinlands wichtige Code civil galt in diesen Gebieten auch in preußischer und für Rheinhessen in großherzoglich-hessischer Zeit lange weiter und wurde erst 1900 durch die Ausführungsgesetze zum Bürgerlichen Gesetzbuch[3] abgelöst.

Durch den Frieden von Lunéville wurden insbesondere am Rhein Städte voneinander getrennt. Zum Beispiel wurde die Stadt Laufenburg aufgeteilt: Der rechtsrheinische Teil kam zur Markgrafschaft Baden und der linksrheinische zur Helvetischen Republik. Basel dagegen wurde nicht geteilt.

Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Hölderlin nahm den Friedensschluss von Lunéville zum Anlass, das Gedicht Friedensfeier zu verfassen.[4] Der vollständige handschriftliche Text der Hymne wurde erst 1954 in London entdeckt.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Hackner: Der Friede von Lunéville – zum 200. Jahrestag des ersten Schritts zum Untergang des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. In: Juristische Arbeitsblätter 33, 2001, ISSN 0720-6356, S. 813–820
  • Peter Hersche (Bearb.): Napoleonische Friedensverträge. Campo Formio 1797 – Lunéville 1801, Amiens 1802 – Pressburg 1805, Tilsit 1807 – Wien-Schönbrunn 1809. 2. neubearbeitete Auflage. Lang, Bern 1973, (Quellen zur neueren Geschichte 5, ISSN 0171-7162).
  • Hermann Uhrig: Die Vereinbarkeit von Art. VII des Friedens von Lunéville mit der Reichsverfassung. Traugott Bautz, Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-862-3, (zugl. erweiterte Diss. Tübingen, 2011; Online-Ressource).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Guntram Schulze-Wegener: Wilhelm I. Deutscher Kaiser – König von Preußen – Nationaler Mythos. Mittler, Berlin 2015. ISBN 978-3813209648. S. 19
  2. Johannes Willms: Napoleon: Eine Biographie. Pantheon, München 2007, ISBN 978-3-570-55029-8, S. 301.
  3. z. B. Art. 286 Nr. 12 Großherzoglich Hessisches AGBGB; Art. 89 Nr. 2 Preußisches AGBGB.
  4. Hölderlin. Friedensfeier. Herausgegeben und erläutert von Friedrich Beißner. Kohlhammer, Stuttgart 1954, S. 23.
  5. Oskar Landce: Sie wollten nicht aufhören zu streiten. Zeit online vom 14. Juni 1956.