Friedrich Gerke

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Friedrich Gerke (* 15. November 1900 in Uelzen; † 23. August 1966 in Mainz) war ein deutscher Kunsthistoriker mit dem Fachgebiet Christliche Archäologie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Gerke war das älteste der fünf Kinder des Buchhalters Johann Heinrich Gerke und seiner Ehefrau Friederike. Er besuchte in Uelzen die Volksschule, dann die Präparandenanstalt[1] für das Lehrerseminar und erlangte mit dem ersten und zweiten Volksschullehrerexamen die Befähigung zum Unterricht an Volksschulen. Dabei erhielt er auch eine musikalische Ausbildung, sowohl in Kompositionslehre wie auch praktisch in Klavier- und Orgelspiel. Das Vollabitur holte Friedrich Gerke mit einer Ergänzungsprüfung nach, dem sich für die Zulassung zum Theologiestudium noch das Graecum und Hebraicum anschlossen. Schon früh widmete sich Friedrich Gerke auch der Dichtkunst, was in späteren Jahren zur Veröffentlichung einiger Sonette führte.

Berlin und Budapest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach kurzen Stationen an den Universitäten in Hamburg und Marburg fand er in Berlin, wo er sich – zunächst an der Theologischen Fakultät – der Friedrich-Wilhelms-Universität einschrieb, seine ihm zusagende Wirkungsstätte. Der bereits emeritierte Adolf von Harnack vergab noch das Thema, mit dem Friedrich Gerke 1931 den theologischen Doktor-Titel (damals: Lic. theol. (Lizentiat)) erwarb: „Die Stellung des ersten Clemens-Briefes innerhalb der Entwicklung der altchristlichen Gemeindeverfassung und des Kirchenrechts“. Weitere seiner Lehrer waren: Erwin Panofsky, Fritz Saxl (beide in Hamburg), Rudolf Otto (in Marburg), Adolf Deissmann, Oskar Fischel, Adolph Goldschmidt, Edmund Hildebrandt, Hans Lietzmann, Georg Stuhlfauth, Ulrich Stutz, Oskar Wulff, Joseph Wilpert (in Rom).

Gerhart Rodenwaldt förderte ihn besonders und brachte die Christliche Archäologie in den Vordergrund der wissenschaftlichen Arbeiten von Friedrich Gerke. Mit dem Thema „Die christlichen Sarkophage der vorkonstantinischen Zeit“, erschienen 1940, wurde Friedrich Gerke zum Dr. phil. ein zweites Mal promoviert.

Studienaufenthalte mit Stipendien des Archäologischen Instituts Berlin führten ihn nach Rom – hier an das Pontificio Istituto di Archeologia Cristiana – und nach Athen.

Bereits 1935 war er zum außerordentlichen Professor und Direktor des Instituts für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte, als Nachfolger von Georg Stuhlfauth, in Berlin berufen worden.

Er versah später auch die fachlich gleiche Professur des verstorbenen Anton Hekler an der Universität Budapest (1941/42).

Die weiteren Kriegsjahre durchstand Friedrich Gerke als Sonderführer, er war betraut mit kulturellen Fachaufgaben in Griechenland[2] und am Schwarzen Meer. Er kam schließlich noch kurz in sowjetische Gefangenschaft und wurde 1945 in Landsberg an der Warthe entlassen.

Mainz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neuanfang begann 1946 in Mainz, wohin Friedrich Gerke als erster Direktor des Kunstgeschichtlichen Instituts der wieder gegründeten Johannes-Gutenberg-Universität berufen wurde. Der Ausbau dieses Instituts lag ihm besonders am Herzen und wurde gekrönt mit der Eröffnung des Neubaus 1960.[3] Das Portal schmückte ein Phönix-Relief von Emy Roeder, das sich jetzt im Georg Forster-Gebäude des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (IKM) befindet.

Im Innern des Instituts stechen besonders die in der Accademia delle belle arti in Ravenna hergestellten Repliken von Mosaiken aus Ravenna hervor, einem in der Mainzer Zeit herausragenden Forschungsgebiet von Friedrich Gerke.

Er wurde ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.

In Zusammenarbeit mit der von ihm gegründeten Gesellschaft für Bildende Kunst Mainz veranstaltete Friedrich Gerke zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Künstler in seinem Institut, dazu gab er jeweils teils umfangreiche Kataloge mit wissenschaftlichem Inhalt heraus. Sein letztes Wirken noch kurz vor seinem Tod galt dem Erwerb der Bibliothek des Kunsthistorikers Carlo Cecchelli aus Rom für das Institut in Mainz.

Friedrich Gerke war zweimal verheiratet:

  • 1930 heiratete er Dela Ehlers, mit der er zwei Kinder hatte: Hans Elert Gerke, Chemiker, geb. 1934, und Christa von der Gablentz, geb. 1938, gest. 1996.
  • Seit 1951 war er verheiratet mit der Schauspielerin Ruth Wannack, mit der er eine Tochter hatte: Gabriela Gerke-Engel, Ärztin, geb. 1952.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Gerke hat wesentlich dazu beigetragen, die durch Spezialforschungen getrennten Fachgebiete zusammenzubringen und eine tragende Brücke zwischen einerseits Klassischer und Christlicher Archäologie und andererseits Kunstgeschichte zu bilden. Seine Forschungen reichten von kirchenrechtlichen Untersuchungen über klassische und frühmittelalterliche Themen bis zur neueren Kunstgeschichte.

Darüber hinaus erreichte er mit heute noch begehrten Bucheditionen (siehe Schriften, Allgemeine Kunstgeschichte) ein breiteres Publikum für diese sich nicht so selbstverständlich aufschließenden Fachgebiete.

Gerkes Forschungen waren international vernetzt angelegt, was die lange Liste von Beiträgen der Forscher-Kollegen (siehe Literatur, Festschrift) und die Mitgliedschaften in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften (so in dem von Friedrich Gerke mit gegründeten Internationalen Frühmittelalterkongress) belegen.

Für Mainz, seine Wirkungsstätte nach dem Zweiten Weltkrieg, bedeutete das Kunstgeschichtliche Institut und die Gesellschaft für bildende Kunst einen kulturellen Mittelpunkt, dem Friedrich Gerke unermüdlich Beiträge lieferte. Gerkes Forschungstätigkeit ging dabei weit über den ursprünglichen Rahmen bis in die jüngste Kunstgeschichte hinein. Mit der Aufstellung der Repliken von Ravenna-Mosaiken im Mainzer Kunstgeschichtlichen Institut blieb er wiederum seinem ersten fachlichen Ansatz treu.

Schüler (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Kunstgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Griechische Plastik in archaischer und klassischer Zeit, Bildteil: U. Hürlimann, Zürich 1938
  • Spätantike und frühes Christentum (in der Reihe Kunst der Welt), Holle Verlag, Baden-Baden 1967

Christliche Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Sarkophag des Iunius Bassus. Ein Meisterwerk der frühchristlichen Plastik. Verlag Gebr. Mann 1936
  • Das Heilige Antlitz. Köpfe altchristlicher Plastik. Florian Kupferberg, Berlin 1940
  • Christus in der spätantiken Plastik. Florian Kupferberg, Mainz 1948
  • Der Trierer Agricius-Sarkophag. Paulinus-Verlag, Trier 1949

Künstler-Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emy Roeder. Eine Werkbiographie. Wiesbaden 1963
  • Katalog der Ausstellung: Handzeichnungen, Aquarelle und Druckgraphik von Alfred Kubin aus der Sammlung Franz-Josef Kohl-Weigand. Kleine Schriften der Gesellschaft für Bildende Kunst in Mainz, Band 24, 1964
  • Katalog der Ausstellung: Hans Purrmann. Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen und Druckgraphik aus der Sammlung Franz-Josef Kohl-Weigand, Kleine Schriften der Gesellschaft für Bildende Kunst in Mainz, Band 30, 1966

Gedichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orientalische Sonette, Florian Kupferberg Verlag, Mainz 1947
  • Sirmione. Ein Sonettenkranz, illustriert von Hubert Berke, Verlag Heinrich Kutsch, Aachen 1965

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift Friedrich Gerke (60. Geburtstag), hrsg. von Josef Adolf Schmoll genannt Eisenwerth, Holle-Verlag, Baden-Baden 1962
  • Friedrich Gerke zum Gedächtnis, Kleine Schriften der Gesellschaft für Bildende Kunst in Mainz, Heft 33, Mainz 1966
  • Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bibliographisches Institut Mannheim, Wien/Zürich 1974, Band 10, S. 139
  • Friedrich Carl Schilling: Der Kunsthistoriker Friedrich Gerke, in: Der Heidewanderer. Heimatbeilage der Allgemeinen Zeitung, Uelzen, 67. Jahrg. (1991) Nr. 34
  • Deutsche Biografische Enzyklopädie, Band 3, K.G. Saur, München 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Sauer: Die Seminare und Präparandenanstalten vom 18. Jahrhundert bis zur Weimarer Republik.
  2. Der Peloponnes – Landschaft, Geschichte, Kunststätten, darin: Friedrich Gerke, Die mittelalterlichen Kunststätten, Athen 1944.
  3. Kunstgeschichtliches Institut der Johannes-Gutenberg-Universität. Kunstgeschichtliche Woche und Internationales Symposium anlässlich der Eröffnung des neuen Hauses, 3.–8. Mai 1960.