Friedrich Minoux

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Friedrich Minoux (* 21. März 1877 in Mutterstadt; † 16. Oktober 1945 in Berlin-Lichterfelde) war ein deutscher Kaufmann, Industrie-Manager und Unternehmer.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Minoux kam 1877 als Sohn des Schneidermeisters Michael Minoux und seiner Ehefrau Margaretha Minoux geb. Reffert in Mutterstadt in der Pfalz zur Welt. Er besuchte ein humanistisches Gymnasium. Als Minoux 15 Jahre alt war, starb sein Vater. Ein Jahr später verließ er das Gymnasium mit der Mittleren Reife und trat in die badische Eisenbahnverwaltung ein, 1894 wechselte er zur preußischen Eisenbahnverwaltung.

Ab 1900 arbeitete er in der Stadtverwaltung von Essen, wo er zum Buchhalter aufstieg. 1910 wurde er schließlich zum kaufmännischen Direktor der städtischen Gas- und Wasserwerke. Spätestens in dieser Position berührten seine dienstlichen Aufgaben die unternehmerischen Interessen von Hugo Stinnes.

In Folge dieser Kontakte wurde Minoux 1912 in die Verwaltung des Stinnes-Konzerns berufen, wo er zur rechten Hand von Hugo Stinnes wurde. Er verdiente schließlich die enorme Summe von 350.000 Mark pro Jahr. 1919 wurde er Vorstandsmitglied des zum Stinnes-Konzern gehörenden Unternehmens Vereinigte Berliner Kohlenhändler AG (V.B.K.). Als Berliner Wohnsitz erwarb er 1921 die repräsentative Villa Marlier auf einem Ufergrundstück am Wannsee.

1923 schied er aus dem Stinnes-Konzern aus, um ein eigenes Unternehmensimperium aufzubauen. Haupteinnahmequelle wurde die Kohlengroßhandlung Friedrich Minoux, Gesellschaft für Handel und Industrie. 1924 gehörte er zu den Gründern des Unternehmens Berliner Städtische Elektrizitätswerke AG (Bewag). 1926 erwarb er die Hälfte der Aktien der Deutsch-Rumänische Petroleum-AG (Derupag).

Minoux stand der Weimarer Republik ablehnend gegenüber und unterhielt Kontakte zu rechtsradikalen Wehrverbänden und Politikern. Für den Fall einer Regierungsübernahme der gegen den Weimarer Staat gerichteten Kräfte galt er als Anwärter auf Ministerämter und sogar als Wunschkandidat Hugo Stinnes’ für das Amt des Reichskanzlers. Fritz Thyssen schrieb in seinen Memoiren I paid Hitler, dass Minoux bereits 1923 die NSDAP finanzierte.[1] 1931 wurde er Mitglied der profaschistischen Gesellschaft zum Studium des Faschismus.

1933 wurde er in die Akademie für Deutsches Recht berufen. Am 30. Juni 1934 erlebte Minoux die Ereignisse des so genannten Röhm-Putsches unmittelbar mit, als er während einer Besprechung mit dem Oberregierungsrat Herbert von Bose im Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers Zeuge der Besetzung des Büros durch ein SS-Kommando wurde. Während Bose erschossen wurde, durfte Minoux das Gebäude schließlich verlassen.

1938 kaufte Minoux für weniger als 1 Million Reichsmark das Zellstoff- und Papierwerk Offenheimer im realen Wert von 12 Millionen Reichsmark, dessen jüdischer Eigentümer von den Nazis zum Verkauf gezwungen wurde.

1938 stellte sich im Rahmen einer Wirtschaftsprüfung heraus, dass Minoux seit rund zehn Jahren seine Aufsichtsratsmandate bei verschiedenen kommunalen Wirtschaftsbetrieben der Stadt Berlin (z. B. Bewag) für betrügerische Scheingeschäfte zu seinen finanziellen Gunsten missbraucht hatte. Nach langwierigen Ermittlungen wurde er im Mai 1940 verhaftet und am 15. August 1941 zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 600.000 Reichsmark verurteilt.[2] Die große Villa am Wannsee wurde an die der SS zugehörige Nordhav-Stiftung verkauft und ging als Schauplatz der dort 1942 abgehaltenen Wannseekonferenz in die Geschichte ein.

Am 25. April 1945 wurde Minoux aus der Haft entlassen und kehrte nach dem Kriegsende nach Berlin zurück, wo er bereits im Herbst des gleichen Jahres starb.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Minoux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. George W. F. Hallgarten: Hitler, Reichswehr und Industrie. Frankfurt am Main 1955, S. 39.
  2. Friedrich Minoux. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)