Friedrich Syrup

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Friedrich Syrup, 1927

Friedrich Syrup (* 9. Oktober 1881 in Lüchow (Wendland)/Niedersachsen; † 31. August 1945 in Oranienburg) war ein deutscher Jurist und Politiker (parteilos/NSDAP). Von 1920 war er Präsident des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung, von 1927 bis Ende 1938 Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Von 1932 bis 1933 war er Reichsarbeitsminister. Als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz zeichnete er von 1942 bis Kriegsende für die NS-Zwangsarbeit in führender Position mitverantwortlich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines Postbeamten studierte er Maschinenbau, Physik sowie Rechts- und Staatswissenschaften in Hannover, München und Rostock.[1] 1905 trat er in den preußischen Gewerbeaufsichtsdienst ein (bis 1918) und machte sich während dieser Zeit auch durch verschiedene wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Fragen des Arbeitsschutzes und der sozialen Lage der Arbeiterschaft einen Namen. Im November 1918 wurde Syrup vom Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe zum Demobilmachungsministerium abgeordnet und war dort zuständig für die Wiedereingliederung der Kriegsteilnehmer in das Erwerbsleben. Aus diesem Aufgabenbereich schuf er das Reichsamt für Arbeitsvermittlung, zu dessen Präsidenten er 1920 bestellt wurde. Von 1927 bis Ende 1938 war er Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Als die Hauptstelle der bis dahin formal selbständigen Reichsanstalt in das Reichsarbeitsministerium integriert wurde, wurde Syrup zum Staatssekretär in diesem Ministerium ernannt.

Am 16. Juli 1932 wurde Syrup zum Reichskommissar für den freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) ernannt. Im Kabinett Schleicher, dem letzten vor Hitler, war er Reichsarbeitsminister (parteilos), wurde aber von Hitler wieder in sein Präsidentenamt zurück versetzt. Hermann Göring ernannte in seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan Syrup im Jahr 1936 zum Leiter der Geschäftsgruppe Arbeitseinsatz. 1937 wurde Syrup NSDAP-Mitglied.[2] Einige Monate nach der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ ordnete Syrup am 20. Dezember 1938 den „geschlossenen Arbeitseinsatz“ aller erwerbslosen und sozialunterstützten Juden im Reichsgebiet an. Um 1939 wurde Syrup Preußischer Staatsrat (bis 1942). Im Frühjahr 1941 war er in den Hungerplan im Hinblick auf das Unternehmen Barbarossa 1941 involviert. Am 2. Mai 1941, sieben Wochen vor dem deutschen Überfall auf die UdSSR, nahm Syrup an einer Besprechung von Staatssekretären mit hohen Wehrmachtsoffizieren „über Barbarossa“ teil, laut deren Protokoll „der Krieg nur weiter zu führen (ist), wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Russland ernährt wird. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“[3] Im Jahre 1941 erlitt er einen völligen Zusammenbruch, nach längerer Krankheit nahm er den Dienst nur noch zeitweise auf. Dies war mit Grund für die Ernennung des Gauleiters von Thüringen, Fritz Sauckel, zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz (GBA) am 21. März 1942, dem Syrup nun faktisch unterstellt war. Syrup war 1942 Mitglied im Führerrat der nationalsozialistischen Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft, welche die weiträumige deutsche Beherrschung Europas „nach dem Sieg“ plante.

Bei Kriegsende blieb Friedrich Syrup in Berlin, obwohl er hätte fliehen können. Im Juni 1945 wurde er in das sowjetische Speziallager 7 auf dem Gelände des Konzentrationslagers Sachsenhausen gebracht, wo er nach wenigen Wochen starb.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Astigmatische Spiegelung im dreiaxigen Ellipsoid. Dissertation. Universität Rostock, 1905.
  • Auslese und Anpassung der Arbeiterschaft in der Schuhindustrie und einem oberschlesischen Walzwerke. (= Schriften des Vereins für Sozialpolitik. 153). München, 1915.
  • mit W. Kieschke: Betriebsrätegesetz vom 4. Febr. 1920 (RGBl. 147) nebst der Wahlordnung vom 5. Febr. 1920. Berlin, 1920. (6. Auflage 1928).
  • mit Walter Kaskel: Arbeitsnachweisgesetz: Kommentar. (= Taschenbuch-Gesetzsammlung. 103). Berlin 1922. (3. Nachtrag 1925).
  • mit Philipp Beisiegel (Hrsg.): Gesetz über die Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung: (Handausgabe mit den sonstigen Vorschriften über Arbeitseinsatz und Arbeitslosenhilfe und den grundsätzlichen Entscheidungen des Reichsversicherungsamts). Losebl.-Ausg. Berlin 1927 ff.
  • Probleme des Arbeitsmarktes und der Arbeitslosenversicherung. Köln 1930.
  • Anordnung über die Verteilung von Arbeitskräften vom 28. August 1934. Berlin 1934 (3. Auflage 1934).
  • mit Alexander Wende: Das Arbeitsbuch. Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches vom 26. Februar 1935 mit Durchführungsverordnung, Ausführungsbestimmungen und Vordrucken. Berlin 1935 (3. Auflage 1940).
  • Der Arbeitseinsatz und die Arbeitslosenhilfe in Deutschland. Berlin 1936.
  • Arbeitseinsatz und Arbeitsbeschaffung. Syrup. Berlin [1939].
  • Arbeitseinsatz im Krieg und Frieden. Vortrag. (= Schriften der Volkswirtschaftlichen Vereinigung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, Hauptreihe. N.F. 10). Essen 1942.

Nachlässe, Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manuskripte und unveröffentlichte Manuskriptteile seines Buches „Hundert Jahre staatliche Sozialpolitik“ befinden sich in einem Teilnachlass beim Bundesarchiv in Koblenz.[4] Ein weiterer Teilnachlass mit einer Materialsammlung und einem Manuskript zur Geschichte der Arbeitsverwaltung befindet sich bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.[5] Zudem existiert bei der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim eine „Sammlung Dr. Friedrich Syrup“.

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Koblenz-Rauental wurde eine Straße nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Scheuble (Hrsg.): Hundert Jahre staatliche Sozialpolitik 1839–1939: aus dem Nachlass von Friedrich Syrup. Bearb. von Otto Neuloh. Stuttgart 1957.
  • Dieter G. Maier: Anfänge und Brüche der Arbeitsverwaltung bis 1952: zugleich ein kaum bekanntes Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte. (= Schriftenreihe der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. 43). Brühl 2004, ISBN 3-930732-97-1.
  • Jürgen Nürnberger, Dieter G. Maier: Präsident, Reichsarbeitsminister, Staatssekretär: Dr. Friedrich Syrup; Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung; Leben, Werk, Personalbibliografie. (= Gestalter der Arbeitsmarktpolitik: Bibliografie und Biografie. Band 1). 2., wesentl. erw. Auflage. Ludwigshafen 2007, ISBN 978-3-929153-81-1. (1. Auflage 2006, ISBN 3-929153-80-7).
  • Eckhard Hansen, Christina Kühnemund, Christine Schoenmakers, Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 2: Sozialpolitiker in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1919 bis 1945, Kassel University Press, Kassel 2018, ISBN 978-3-7376-0474-1, S. 197 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe dazu den Eintrag von Friedrich Syrup im Rostocker Matrikelportal
  2. Friedrich Syrup | Historische Biografien der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Reichsarbeitsministeriums. Abgerufen am 4. November 2017.
  3. Alex J. Kay: Verhungernlassen als Massenmordstrategie. Das Treffen der deutschen Staatssekretäre am 2. Mai 1941. In: Zeitschrift für Weltgeschichte. Hrsg. v. Hans-Heinrich Nolte. Jg. 11, Heft 1, 2010, S. 81–105, hier S. 81 f. (Zitat) u, S. 95 (Teilnehmer).
  4. http://www.nachlassdatenbank.de/search.php? Eintrag in der „Zentralen Datenbank Nachlässe“ des Bundesarchivs
  5. http://www.nachlassdatenbank.de/search.php? Eintrag in der „Zentralen Datenbank Nachlässe“ des Bundesarchivs