Narsarmijit

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Narsarmijit (Einwohner der Ebene)
Frederiksdal (Friedrichstal)
Narssarmijit
Narsarmijit (1900)
Narsarmijit (1900)
Kommune Kommune Kujalleq
Distrikt Nanortalik
Geographische Lage 60° 0′ 18″ N, 44° 39′ 55″ WKoordinaten: 60° 0′ 18″ N, 44° 39′ 55″ W
Narsarmijit (Grönland)
Narsarmijit
Einwohner 62
(1. Januar 2019)
Gründung 1824
Zeitzone UTC-3

Narsarmijit [ˌnɑˈsːɑmːijitˢʰ] (deutsch Friedrichstal, dänisch Frederiksdal, Kitaamiusut Narsarmiut, bis 2018 offiziell Narsaq Kujalleq [ˈnɑsːɑq kuˈjaɬːɜq], nach alter Rechtschreibung Narssarmijit bzw. Narssaĸ Kujatdleĸ) ist eine grönländische Siedlung im Distrikt Nanortalik in der Kommune Kujalleq.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narsarmijit ist der südlichste Ort Grönlands und liegt damit etwa auf gleicher Höhe wie Oslo oder Sankt Petersburg. Er liegt am östlichen Ufer des Narsap Saqqaa. Die nächsten Orte sind Tasiusaq (23 km nordnordwestlich) und Aappilattoq (27 km nordöstlich). Bis zum Distrikthauptort Nanortalik sind es 35 km nach Westnordwesten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narsarmijit wurde 1824 als Missionsstation der Herrnhuter Brüdergemeine gegründet. Der deutsche und dänische Name bezieht sich auf König Friedrich VI. von Dänemark. Der Ort wuchs ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Dorschfang. 1906 brachte Jens Chemnitz zehn färöische Schafe nach Narsarmijit, was den Grundstein der südgrönländischen Schafzucht markierte.[2]

1919 lebten 157 Einwohner in Narsarmijit, das eine eigene Kirchengemeinde bildete. Die Holzkirche hatte einen Altar, einen Predigtstuhl und eine Orgel sowie einen Kirchturm. Sie maß rund 100 m² und hatte ein Schulzimmer, das 21 m² groß war. Es gab zudem eine Pastorenwohnung mit drei Zimmern, Schuppen und Ziegenstall. Sie war ebenfalls aus Holz gebaut, hatte eine Schindeldach und maß ebenfalls 100 m². Neben dem Pastor arbeiteten zwei Katecheten in Narsarmijit. Es gab zudem ein Versammlungshaus, was damals untypisch war, sowie ein Depothaus. Die Bewohner lebten fast ausschließlich von der Robbenjagd. 1919 wurde eine Brücke über den kleinen Fluss im Ort gebaut. Um 1920 war Narsarmijit der größte Wohnplatz des Landes. 1923 wurde Narsarmijit wegen der Auflösung der Gemeinde Pamialluk in die Gemeinde Aappilattoq eingegliedert und 1937 nach Nanortalik umgelegt, wobei der Wunsch aufkam, dass Narsarmijit zum Udsted erhoben würde, was Jahrzehnte zuvor wegen der schlechten Hafenverhältnisse abgelehnt wurde. 1947 wurde das Thema erneut diskutiert, aber wegen der schlechteren Fischereiergebnisse gegenüber Aappilattoq erneut abgelehnt. Erst 1960, als 207 Personen Narsarmijit bewohnte, wurde der Ort zum Udsted befördert. 1970 lebten 226 Menschen dort.[3]

Bei Narsarmijit lag von 1934 bis 1987 eine LORAN-Station (Nuussuaq). Auch das von 1961 bis 1990 genutzte Icecan-Kabel verlief über Narsarmijit von Island nach Kanada.[4] Im November 2018 wurde der Ort offiziell in Narsarmijit umbenannt, während er zuvor nur im allgemeinen Sprachgebrauch diesen Namen trug.[5]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narsarmijit lebt heute größtenteils vom Fischfang und von der Jagd. Die Gegend ist reich an Klappmützen, Ringelrobben und Sattelrobben. Die in den 1980er Jahren errichtete, aber bei einem Sturm 2010 stark beschädigte Fischfabrik ist derzeit außer Betrieb. In ihr wurde zuvor aus Uuaq und Dorsch Salzfisch hergestellt und der Rogen des Seehasen sowie Schwarze Krähenbeeren, Heidelbeeren und Arznei-Engelwurz verarbeitet.[4]

Infrastruktur und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der fünf Meter tiefe Hafen besteht aus einer 1997 errichteten Hafenmole. Im Osten liegt der Heliport Narsarmijit, der den Ort über die Luft erreichbar macht. Eine Pilersuisoq-Filiale versorgt die Bewohner mit Gütern.

Das Kraftwerk von Narsarmijit ist seit 2010 in Betrieb. Das Wasserwerk sichert seit 2015 die Trinkwasserversorgung über den Fluss Narsap Kuua. Abwasser wird in den Fjord und in den Grund geleitet.[4]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule von Narsarmijit unterrichtet Schüler von der 1. bis zur 7. Klasse im Schulgebäude von 1966. Das Servicegebäude beherbergt eine Wäscherei, Sanitärräume, einen Werkraum, einen Versammlungsraum und den Kindergarten. Es gibt zudem ein Dorfbüro in einem Gebäude von 1962, eine Kirche, eine Krankenstation, eine Feuerwehrstation, einen Fußballplatz und eine abrissbedürftige Werkstatt. Das alte Versammlungsgebäude dient heute als Museum.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl von Narsarmijit geht stark zurück. In den letzten 40 Jahren hat der Ort nahezu 70 % seiner Bevölkerung verloren.[6]

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narsarmijit (2017)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Narsarmijit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. Narsaq Kujalleq in Den Store Danske
  3. Jens Christian Madsen: Udsteder og bopladser i Grønland 1901–2000. Atuagkat, 2009, ISBN 978-87-90133-76-4, S. 54 f.
  4. a b c d Narsarmijit bei kujalleq2017.odeum.com
  5. Bygden Narsaq Kujalleq skifter navn in der Sermitsiaq
  6. Einwohnerzahl Narsarmijit 1977–2019 bei bank.stat.gl