Fritz Eller

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Fritz Eller (2018)
Friedrich-Engelhorn-Hochhaus der BASF in Ludwigshafen, geplant 1953, gebaut 1954–1957
Dreischeibenhaus der Thyssen AG in Düsseldorf, geplant 1955, gebaut 1957–1960

Fritz Eller (* 28. Februar 1927 in Schwaz, Österreich; † 31. Mai 2018 in Aachen) war ein deutsch-österreichischer Architekt und emeritierter Architekturprofessor der RWTH Aachen. Er war maßgeblich beteiligt am Entwurf der bedeutendsten Hochhäuser der jungen Bundesrepublik (unter anderem das Friedrich-Engelhorn-Hochhaus der BASF in Ludwigshafen, Dreischeibenhaus in Düsseldorf, Unilever-Haus in Hamburg). Zu den bekanntesten Projekten seines 1964 gegründeten Büros Eller Moser Walter (EMW) gehören Bereiche der Ruhr-Universität Bochum und das Landtagsgebäude Nordrhein-Westfalen.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Eller wurde 1927 in Schwaz im österreichischen Bundesland Tirol geboren. Er besuchte die Oberrealschule im nahegelegenen Innsbruck und legte im Jahr 1947 die Matura ab. Von 1949 und 1953 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Graz (Erzherzog-Johann-Universität). Dort lernte er Robert Walter (* 1928) und Erich Moser (* 1930) kennen. Schon an der Universität arbeiteten sie im Team und es sollte sie auch weiterhin eine enge berufliche Partnerschaft und lebenslange Freundschaft verbinden.[1]

Die drei begabten Architekten waren schon im Studium aufgefallen und so wurden sie direkt nach dem Diplom im Sommer 1953 als österreichische Jungdelegierte auf den 9. Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) ins südfranzösische Aix-en-Provence eingeladen. Dort kamen sie in persönlichen Kontakt mit den Größen der zeitgenössischen Architekturmoderne wie Le Corbusier und waren begeistert von dessen Unité d’habitation in Marseille.[2]

Weil die Berufsaussichten in der Republik Österreich nicht gut waren, nahmen sie gerne die Gelegenheit wahr, in die wirtschaftlich aufstrebende Bundesrepublik überzusiedeln. Auf Empfehlung ihres Grazer Architekturprofessors traten Fritz Eller und Robert Walter im August 1953 als freie Architekten in das renommierte Düsseldorfer Architekturbüro Hentrich & Heuser ein (nach Heusers Tod im September 1953 weitergeführt als Hentrich & Petschnigg).[3] Dort übernahmen sie die Bauleitung beim Wiederaufbau des kriegsbeschädigten Schlosses Jägerhof in Düsseldorf-Pempelfort.

Gleichzeitig wurden sie mit dem Wettbewerbsentwurf für ein großes Hochhaus der BASF in Ludwigshafen betraut. Die Architekten Hentrich & Heuser gehörten zu den wenigen geladenen Büros, die Entwürfe für diesen Bau abgeben durften, mit dem sich die BASF in der Nachkriegszeit sehr deutlich als modernes Unternehmen präsentieren wollte.[4] Der Senior Helmut Hentrich ließ seine Gruppe von jungen Architekten (Fritz Eller, Robert Walter, Richard Janeschitz, Ulrich Kölschin) in großer Selbständigkeit zu einem Entwurf finden. Sie planten das Hochhaus als allansichtigen Solitär, mit einem mittigen Erschließungskern zwischen zwei Büro-Scheiben. Inspiriert von den Bauten Le Corbusiers, die Eller und Walter kurz zuvor in Frankreich gesehen hatten, stellten sie die seitlichen Scheiben auf sich nach unten verjüngende Pilotis und setzten dem Gebäude ein leicht aufgebogenes Brise-Soleil-Dach auf. Mit dem Entwurf der jungen Architekten gewann das Büro Hentrich & Petschnigg diesen Wettbewerb. Das Friedrich-Engelhorn-Hochhaus, gebaut 1954 bis 1957, war eines der ersten Hochhäuser mit Stahlbetonkonstruktion und leichter Vorhangfassade und bis 1963 das höchste Gebäude in Deutschland.[5]

Unter dem Dach von Hentrich & Petschnigg bearbeitete Fritz Eller mit seinen Kollegen den 1955 laufenden Wettbewerb für das Hochhaus der Phoenix-Rheinrohr (später Thyssen AG) in Düsseldorf (Dreischeibenhaus) ebenso selbständig und sie wurden dafür erneut mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Ihr aufsehenerregender Bau, bestehend aus drei unterschiedlich hohen schlanken Scheiben, umkleidet mit einer vollständig glatten und höchst eleganten Vorhangfassade,[6] wurde noch vor seiner Fertigstellung von Henry-Russell Hitchcock als das schönste Hochhaus der Welt bezeichnet und mit dem Seagram-Building von Mies van der Rohe auf eine Stufe gestellt.[7] Es gehört bis heute zu den bekanntesten Hochhäusern Deutschlands.

Fritz Eller war im Büro Hentrich & Petschnigg maßgeblich beteiligt an folgenden Projekten: Hauptverwaltung der Hüttenwerke in Rheinhausen (beauftragt 1954, Bau 1956–57); Laborgebäude der Anwendungstechnik AWETA der BASF in Ludwigshafen (beauftragt 1956, gebaut 1960–1963); Unilever-Hochaus in Hamburg (2. Preis im Wettbewerb 1958, anschließend Ausführungsentwurf, Bau 1961–1964, heute unter dem Namen Emporio-Hochhaus); Bayer- Hochhaus W 1 in Leverkusen (1. Preis im Wettbewerb, Bau 1959–1961) und andere.

Bayer-Hochhaus (rechts im Bild) gebaut 1959–1961

Nach der langen Serie spektakulärer Wettbewerbserfolge wurden Fritz Eller und fünf weitere junge Kollegen 1959 zu Partnern des nun unter dem Namen Arbeitsgemeinschaft Architekten BDA Hentrich – Petschnigg – Eller – Moser – Walter – Köllges – Stutz – Rüping auftretenden Büros.[8]

Unter maßgeblicher Mitwirkung von Fritz Eller gelangen der Arbeitsgemeinschaft auch in den nächsten Jahren weitere Wettbewerbserfolge, darunter die Oberfinanzdirektion Münster (1. Preis im Wettbewerb, um 1960), das Europa Center Berlin (1. Preis im Wettbewerb, frühe 1960er Jahre) und am internationalen Ideenwettbewerb Ruhruniversität Bochum (1. Preis im Wettbewerb 1961), an dem unter anderem auch Walter Gropius teilnahm (Ludwig Mies van der Rohe lehnte ab).

Ein Rückblick auf die Zeit bei Hentrich & Petschnigg: Für Fritz Eller bot es große Chancen, dass er als junger und völlig unbekannter Architekt seit den frühen 1950er Jahren unter dem Dach des renommierten Büros Hentrich & Petschnigg arbeiten konnte. Weil das Büro Aufträge großer Industrieunternehmen erhielt und zu wichtigen Wettbewerben eingeladen wurde, kam Eller in Kontakt mit den denkbar interessantesten Bauprojekten. Die Büroinhaber Hentrich und Petschnigg profitierten ihrerseits davon, dass Eller und die anderen gut ausgebildeten Jungarchitekten mit geradezu überbordender Kreativität großartige Entwürfe zauberten, die die aktuellen Trends der modernen Architektur präzise trafen und dafür in Wettbewerben regelmäßig prämiert wurden. Fritz Eller war ebenso wie seine jungen Kollegen daran beteiligt, dass es Hentrich & Petschnigg ab 1953 schlagartig gelang, die „gewichtige Imposanz“ (Wolfgang Pehnt), die frühere Arbeiten des Büros geprägt hatte, zu überwinden, sich an die Spitze der innovativen deutschen Büros zu setzen und im Bereich des Hochhaus- und Verwaltungsbaus dauerhaft zu etablieren.

1962 wurde Fritz Eller als Nachfolger von Hans Mehrtens auf den Lehrstuhl für Entwerfen von Hoch- und Industriebauten an die Technische Hochschule Aachen berufen, übernahm die Leitung des Instituts für Schulbau und forschte zur baulichen Modernisierung des Schul- und Hochschulwesens im Zuge der Bildungsreform in Nordrhein-Westfalen. Nach 30-jähriger Tätigkeit als Hochschullehrer wurde er schließlich 1992 emeritiert.

1964 verließen Fritz Eller und seine Freunden Robert Walter und Erich Moser die bisherige Arbeitsgemeinschaft, die nun wieder unter dem Namen der beiden Bürogründer als Arbeitsgemeinschaft Hentrich - Petschnigg und erst nach der Aufnahme neuer Partner ab 1969 unter dem heute noch geläufigen einprägsamen Namen HPP Hentrich - Petschnigg & Partner firmierte.[8]

Ruhruniversität Bochum, städtebaul. Wettbewerb 1961, Bau der Naturwissenschaftlichen Institutsgebäude 1964–1972

Im gleichen Jahr 1964 gründeten die drei Österreicher gemeinsam ihr eigenes Architekturbüro Eller Moser Walter (EMW) in Düsseldorf, mit weiteren Niederlassungen in Aachen und Bochum. Ihr erstes großes Projekt ging aus dem gewonnenen Wettbewerb für die Ruhruniversität Bochum hervor, für die sie mehrere naturwissenschaftliche Institutsgebäude und das Hörsaalzentrum Ost errichteten (1964–1972).

Das Büro EMW beteiligte sich erfolgreich an vielen weiteren Wettbewerben. Zu ihren Projekten im Bereich des Bildungswesens gehörten das Progymnasium Mechernich (1. Preis im Wettbewerb 1964), die Universität Bremen (3. Preis im Wettbewerb 1968), die Universität Dortmund (1. Preis im Wettbewerb 1969), das Verfügungszentrum der RWTH Aachen (1971), die Gesamtschule Bochum (1. Preis im Wettbewerb 1972, Fertigstellung 1974), die Pädagogische Hochschule Siegen (frühe 1970er Jahre), das Schulzentrum Jülich (1. Preis im Wettbewerb 1974, Fertigstellung 1977), das Verfügungszentrum der Universität Oldenburg (um 1974), die Hallenbauten Physik- und Maschinenwesen der RWTH Aachen (Ende 1970er Jahre), die Universität Oldenburg mit Zentralbereich, Bibliothek, Mensa und Sportstätten (1. Preis im Wettbewerb frühe 1980er Jahre) sowie die Gesamthochschule Duisburg (1980er Jahre).

Weitere Projekte des Büros EMW waren die Wohnbebauung Hochdahl-Kocksheide bei Düsseldorf (1966/67), das Rathaus Büttgen (1968), das Kloster Schönstatt (1. Preis im Wettbewerb 1968), Verkaufsabteilung Bayer AG (1. Preis im Wettbewerb 1972), das Kasino der Bayer AG (1. Preis im Wettbewerb 1974), das Verwaltungsgebäude der Gödecke AG in Freiburg (1. Preis im Wettbewerb 1970er Jahre), die Hauptverwaltung Mannesmann - Röhren AG in Lintorf bei Düsseldorf (1. Preis im Wettbewerb 1976), das Verwaltungsgebäude UHDE in Dortmund (1. Preis im Wettbewerb 1980), das Belegschaftsgebäude EBV in Ahlen (1. Preis im Wettbewerb 1981), die Hauptverwaltung SMS Schloemann-Siemag AG in Düsseldorf (1. Preis im Wettbewerb 1982, Fertigstellung 1984), das Bundesministerium für Verkehr in Bonn (Mitte der 1980er Jahre), die KFZ-Unterhaltungsanlagen der Deutschen Bundespost in Essen (1980er Jahre), die Haniel-Akademie mit Gästehaus in Duisburg (1. Preis im Wettbewerb 1990 und Realisierung), das Finanzamt Bergheim (1. Preis im Wettbewerb 1990), die Handwerkskammer Düsseldorf (1990) und andere.

Landtag Düsseldorf, Wettbewerb 1979, gebaut 1980–1988

Fritz Eller selbst bezeichnete das Landtagsgebäude Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf als Hauptwerk des Architekturbüros EMW. Im bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb 1979 mit dem ersten Preis ausgezeichnet und bis 1988 errichtet, war es der erste Neubau eines Parlamentsgebäudes in der Bundesrepublik Deutschland. Ausgehend vom geforderten kreisrunden Plenarsaal schufen die Architekten ein Ensemble von großen zylindrischen und segmentbogigen Formen, das die Arbeit eines Parlaments in Plenum, Ausschüssen und Büros nach außen hin sinnfällig machte. Im Inneren wollte Fritz Eller die „Erlebbarkeit der Räume gezielt inszenieren“.[9] Das Gebäude macht mit jeder Blickverbindung zwischen den Räumen und Etagen, mit jeder Stufe der großen Freitreppen, mit jeder offenen und jeder geschlossenen Tür deutlich, dass man sich an diesem Ort mit großer Ernsthaftigkeit und in Würde mit der Grundlagenarbeit unserer Demokratie befasst - ein Konzept, das bis heute trägt.

Ludwig Forum für internationale Kunst in Aachen, Umbau einer ehem. Fabrik zum Museum 1988–1991
Imhoff-Schokoladenmuseum in Köln, 1990–1993

Neben den vielen Neubauten bewies sich Fritz Eller auch als sensibler Architekt im Umgang mit bestehender Bausubstanz. Zu nennen sind der Umbau der aus den 1920er Jahren stammenden Schirmfabrik Emil Brauer zum Ludwig Forum für internationale Kunst in Aachen (1988–1991) und der Umbau des ehemaligen Zollamtsgebäudes im Kölner Rheinauhafen zum Imhoff-Schokoladenmuseum (1990–1993).

1994 wurde Fritz Eller zum Mitglied des Aufsichtsrates der Bundesbaugesellschaft Berlin für die neuen Regierungsbauten in Berlin berufen.

1997 schieden Prof. Fritz Eller und Robert Walter als Seniorpartner aus dem Büro aus, waren aber weiterhin als Beirat tätig. Unter dem Namen Eller + Eller wurde das Büro von den Söhnen Philipp Eller, Erasmus Eller und Marc Eller weitergeführt. Seit 2003 wird es von Erasmus Eller als alleinigem Geschäftsführer geleitet.

Fritz Eller starb am 31. Mai 2018 im Alter von 91 Jahren. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Aachener Westfriedhof.[10]

Aus der Ehe von Fritz und seiner Frau Trude Eller (geb. Gramshammer, 1934–2017) gingen vier Kinder hervor, die alle Architektur studiert haben: Klaudia Keilholz (* 1956), Philipp Eller (* 1961), Erasmus Eller (* 1965) und Marc Eller (* 1969).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eller wurde am 4. Juni 1993 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.[11] Im Jahr 2002 wurde ihm das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Eller im Gespräch mit Gabriele Wiesemann, Wolfgang Voigt und Erasmus Eller, am 3. März 2018 in Aachen.
  2. Wolfgang Voigt: Fritz Eller zum 90. Geburtstag. In: Bauwelt. Band 5, 2017, S. 13.
  3. Bernd Mathieu: Fritz Eller: Ein Baumeister großer Vielfalt und Originalität. In: Aachener Zeitung. 27. Februar 2017.
  4. Sara Stroux: Architektur als Instrument der Unternehmenspolitik. Konzerhochhäuser westdeutscher Industrieunternehmen in der Nachkriegszeit. Diss. ETH Zürich 2009, S. 73 ff.
  5. Wolfgang Voigt, Philipp Sturm, Bernhard Unterholzner: Forschungsprojekt ehem. BASF-Hochhaus in Ludwigshafen, 2015–2018. Unveröffentlichtes Manuskript.
  6. Andreas Rossmann: Maßstab Mies. Fritz Eller wird 70. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. Februar 1997.
  7. Henry Russell Hitchcock: HPP. Bauten und Entwürfe. Hentrich-Petschnigg & Partner. Düsseldorf 1973, S. XI.
  8. a b Hans-Bernhard Adams (Hrsg.): 50 Jahre HPP. Hentrich-Petschnigg & Partner, Architekten. Düsseldorf 1983, S. 9.
  9. Thomas Becker, Stephan Malessa: Gebaut für die Demokratie. Prof. Fritz Eller und sein Architekturbüro planten vor 30 Jahren das Gebäude des Landtags NRW. In: Deutsches Architektenblatt. Nr. 6, 2018, S. 14–15.
  10. Traueranzeige, auf aachen-gedenkt.de vom 5. Juni 2018
  11. Verdienstordenträgerinnen und -träger seit 1986. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11. März 2017 (PDF).