Ludwig Forum für Internationale Kunst

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Aachen, „Ludwig Forum für Internationale Kunst“

Das Ludwig Forum für Internationale Kunst ist ein Museum für moderne Kunst in Aachen.[1] Es gründet auf der Sammlung Ludwig, die das Ehepaar Irene und Peter Ludwig zusammentrug.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1968 arbeitete Gründungsdirektor Wolfgang Becker eng mit dem Sammlerehepaar Ludwig zusammen und so entstand 1970 in Aachen das städtische Museum Neue Galerie - Sammlung Ludwig als eines der ersten Museen für Gegenwartskunst in Deutschland. Damals im Alten Kurhaus Aachen angesiedelt, wurde daraus 1991 das Ludwig Forum für Internationale Kunst. In der 1928 im Internationalen Stil erbauten ehemaligen Schirmfabrik Emil Brauer wird seither zeitgenössische Kunst präsentiert. Die Besucherzahl betrug im Jahr 2011 rund 55.000 Personen.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung des Ludwig Forums umfasst mehr als 3.000 Werke vornehmlich aus dem Besitz der Aachener Sammler Peter und Irene Ludwig aus allen Gattungen der Kunst sowie aus vielen Ländern. Die Sammlung Ludwig ist besonders bekannt für ihre Pop-Art-Bestände und den Schwerpunkt auf US-amerikanischer Kunst seit den 1960er Jahren. 1977 zeigte das Sammlerpaar erstmals Pop-Art in Ost-Berlin. Daraufhin entwickelte sich ein reger Austausch zu Künstlern aus Ostdeutschland. In den 1980er und 1990er Jahren reisten die Ludwigs nach Russland und begannen bald darauf die damals aktuelle sowjetische und chinesische Kunst zu sammeln. Heute sind viele dieser Positionen und Künstlerpersönlichkeiten weltbekannt, wie z. B. Ilya Kabakov, Erik Bulatov, Huang Yong Ping und Ai Weiwei. Daneben wurde eine bedeutende Sammlung an Videokunst im Hause aufgebaut, die heute rund 200 Werke sind so in städtischen Besitz gelangt.

Einige der Arbeiten, die das Ludwig Forum beherbergt, fehlen in keiner Enzyklopädie zur neueren Kunstgeschichte und gehören damit zu einer Art Weltgedächtnis der Kunst des 20. Jahrhunderts. Dazu zählen z. B. das fotorealistische Gemälde "Medici" von Franz Gertsch oder die Skulpturengruppe "Bowery Bums" von Duane Hanson, die drei Bettler der Bowery in Manhattan zeigt. Beide Werke waren 1972 auf der heute legendären documenta 5 von Harald Szeemann in Kassel ausgestellt. Von Hanson stammt auch die „Aachener Mona-Lisa“, die liebevoll als "Supermarket Lady" bezeichnete hyperrealistische Skulptur einer Frau mit Einkaufswagen. Auch der „Ballerina-Clown“ von Jonathan Borofsky, der im Hof des Ludwig Forum aufgebaut ist, schaut weit in die Geschichte und über die Kontinente. Er hat einen Zwilling in Los Angeles, auf dem Dach der Public Library von Santa Monica, direkt am Pazifik. Entstanden ist der Clown ursprünglich für die heute unter Fachleuten als Maßstab geltende Schau "Metropolis", die Anfang 1991 im Berliner Gropius-Bau gezeigt wurde und aus der heraus das Werk für Aachen, für die Neueröffnung des Ludwig Forum im Sommer desselben Jahres, erworben wurde.

Das Videoarchiv des Ludwig Forum umfasst eine Sammlung von etwa 200 Videoarbeiten von Videokünstlern wie Klaus vom Bruch, Peter Campus, Douglas Davis, Joan Jonas, Bruce Nauman, Nam June Paik, Ulrike Rosenbach, Wolf Vostell und William Wegman.[2]

Neben Einzel- und Gruppenausstellungen international profilierter Künstler zeigte das Ludwig Forum 2010 unter dem Titel „West Arch – A new Generation in Architecture“ erstmals zeitgenössische Architektur. 2011 feierte das Ludwig Forum für Internationale Kunst sein 20-jähriges Bestehen.[3] Die Ausstellungen Hyper Real – Kunst und Amerika um 1970 sowie Nie wieder störungsfrei – Aachen Avantgarde ab 1964 schlossen dabei den Bogen von der Geschichte des Hauses und der Sammlung zu aktuellen künstlerischen Positionen und Fragestellungen.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gründungsdirektor Wolfgang Becker war von 1970 bis 2001 im Amt. Unter seiner Ägide haben bedeutende Ausstellungen, wie Klischee/Antiklischee (1970), „Robert Filliou: Commemor“ (1970) oder die Havanna Biennale (1998) stattgefunden.
  • Harald Kunde leitete von 2002 bis 2008 die Geschicke des Ludwig Forum und positionierte das Haus mit monographischen Ausstellungen bekannter zeitgenössischer Künstler, wie Sophie Calle (2005), Franz Gertsch (2006), Chuck Close (2007) und Atelier van Lieshout (2008).
  • Brigitte Franzen war von 2009 bis 2015 Leiterin des Ludwig Forum. Das Ausstellungsprogramm und die Präsentation der Sammlung orientierten sich zu dieser Zeit an jährlichen Leitmotiven, beispielsweise 2009 „Video/Film“ und 2010 „Architektur und Raum“. In diesem Zusammenhang hat sich das Ludwig Forum weiter als Ausstellungshaus und Museum mit einem transdisziplinären Profil positioniert. Franzen verließ das Forum, um als neuer geschäftsführender Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung zu fungieren.[4]
  • Andreas Beitin ist seit Februar 2016 Direktor des Ludwig Forum.[5] Ihn reizte an der neuen Aufgabe die "Herausforderung" und Arbeit mit der renommierten Sammlung des Hauses.[6] Beitin hat es sich zur Aufgabe gemacht, das „Ludwig Forum als ein lebendiges Haus weiterzuentwickeln“.[7]

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1991: Ostkunst - Westkunst
  • 1992: Von dort aus: Kuba
  • 1993: Auf der Suche nach Afrika
  • 1994: Fluchtpunkt Moskau, Die 5. Biennale von Havanna in Aachen
  • 1995: Australien erzählt
  • 1996: Begegnungen mit China
  • 1997: Bukarest nach 89: Kunst aus Rumänien
  • 1998: Provisorische Utopien: Neue Kunst aus Kuba, "Im Jahr des Tigers: Zeitgenössische Kunst aus Korea"
  • 1999: Natural Reality': Natur als Wirklichkeit
  • 2000: Continental Shift
  • 2001: Streit-Lust, AWAS: Zeitgenössische Kunst aus Indonesien
  • 2002: Fang Lijun: Between Beijing and Dali, 5/UAE: Zeitgenössische Kunst aus den Vereinigte Arabischen Emiraten
  • 2004: Tacita Dean: Sun Works, K.O. Götz: Aktuelle Arbeiten
  • 2005: Artgames, Sophie Calle: Werkschau
  • 2006: Franz Gertsch: Die Retrospektive, Erwin Wurm: The Artist who swallowed the world
  • 2007: Chuck Close: Erwiderte Blicke - Porträts 1969-2006
  • 2008: Atelier van Lieshout: Slave City
  • 2009: Pop-Up!, Ergin Cavusoglu
  • 2010: atelier le balto. Les pieds sur terre (9. Mai bis 19. September 2010)
  • 2010: 2. Kinder-Förderpreis KUNST
  • 2010: Eros und Stasi. Ostdeutsche Fotografie Sammlung Gabriele Koenig (26. September bis 21. November 2010)
  • 2010: West Arch. A New Generation of Architecture, Kunstpreis Aachen: Pawel Althamer
  • 2011: Hyper Real - Kunst und Amerika um 1970 (13. März bis 19. Juni 2011)
  • 2011: Nie wieder störungsfrei! Aachen Avantgarde seit 1964 (22. Oktober 2011 bis 5. Februar 2012)[8]
  • 2012: Phyllida Barlow: Brink
  • 2013: Nancy Graves Project & Special Guests (13. Oktober 2013 bis 16. Februar 2014)
  • 2014: Kinderkönigreich - Pawel Althamer und Freunde laden ein (ab 1. Juni 2014)
  • 2015: Tim Berresheim 2003 - 2015 (25. Oktober 2015 bis 10. Januar 2016)
  • 2016: Konsortium: DYSTOTAL (13. März 2016 bis 5. Juni 2016)
  • 2016–2017: Mies van der Rohe - Die Collagen aus dem MoMA (27. Oktober 2016 – 12. Februar 2017)

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schirmfabrik Brauer, Jülicher Straße 87-109, ist ein Bau vom Architekturbüro Bachmann und Lürken aus dem Jahr 1928. 1977 im Denkmälerverzeichnis als: „3geschossiger Skelettbau mit abgerundeten Ecken und Flachdach; die Fassaden gelb verklinkert, der Sockel mit roten Klinkern verblendet.“[9] eingetragen. Sie wurde 1988 nach den Entwürfen von Fritz Eller, einem Aachener Architekten, umgebaut.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 gehört das Ludwig Forum zu den Veranstaltungsorten im Rahmen des grenzüberschreitenden Schrittmacher Festivals für Zeitgenössischen Tanz.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ludwigforum.de
  2. Videoarchiv des Ludwig Forum
  3. Geschichte des Aachener Museums, Dauerausstellung zur Geschichte des Ludwigs Forums und der Schirmfabrik
  4. Aachener Zeitung: Brigitte Franzen verlässt das Aachener Ludwig Forum
  5. WDR Kulturnachrichten
  6. Kabinett-online: Ludwig Forum will seinem Namen wieder Ehre machen
  7. Stadtanzeiger Aachen über Wechsel an der Spitze des Ludwig Forum für Internationale Kunst
  8. Nie wieder störungsfrei!
  9. „Landeskonservator Rheinland. Denkmalverzeichnis. 1.1 Aachen Innenstadt mit Frankenberger Viertel.“ Unter Mitwirkung von Hans Königs, bearb. v. Volker Osteneck. Rheinland Verlag Köln, 1977, S.30.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludwig Forum für Internationale Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 46′ 52″ N, 6° 6′ 7″ O