Fuchs Gruppe

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DF World of Spices GmbH

Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1952
Sitz Dissen am Teutoburger Wald, Niedersachsen, Deutschland Deutschland
Leitung André Kich, Nils Meyer-Pries, Marco Winkhold
Mitarbeiterzahl 3300
Umsatz 569 Mio. Euro
Branche Lebensmittel
Website www.fuchsgruppe.com
Stand: 31. Dezember 2021

Die Fuchs Gruppe (handelsrechtlich DF World of Spices GmbH) ist ein international tätiger Konzern mit Hauptsitz in Dissen am Teutoburger Wald. Seine Historie geht auf die 1952 von Dieter Fuchs gegründete Firma Fuchs Gewürze zurück. Diese entwickelte sich zu einem führenden Gewürzhersteller.

Im Geschäftsjahr 2020 erzielte der Konzern mit rund 3200 Mitarbeitern in neun Ländern auf vier Kontinenten einen Umsatz von über 557 Millionen Euro.[1] Die Fuchs-Gruppe befindet sich mehrheitlich im Besitz der gemeinnützigen Dieter-Fuchs-Stiftung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewürzwerk Schönbrunn

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1952 gründete Dieter Fuchs (1928–2019) einen Gewürzhandel. Zu Beginn belieferte er per Fahrrad direkt Haushalte mit Salz und Pfeffer in Tüten. Ende der 1950er-Jahre stellte Fuchs den Vertrieb auf Lebensmittelgeschäfte um:[2] 1963 brachte er eine Dekorbox in den Handel und folgte damit dem Trend zur Abgabe von Gewürzen in Dosen und Gläsern statt Tüten. 1970 führte er die ersten Gewürzregale für Supermärkte ein, die auch selbst gebaut wurden.[3]

Ende der 1960er-Jahre hatte Fuchs sein Unternehmen in zwei Geschäftsbereiche für Kunden aus dem Handel und der Industrie aufgeteilt. Diese Struktur besteht im Kern bis heute. 1977 wurde die erste ausländische Niederlassung in Frankreich errichtet. Im Jahr 1990 wurde der US-amerikanische Konkurrent Baltimore Spice übernommen. Im weiteren Verlauf der 1990er-Jahre expandierte Fuchs nach Brasilien und China.[4][5]

Übernahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wesentlich für die Entwicklung der Fuchs-Gruppe war der Erwerb von Ostmann Gewürze im Jahr 1998.[6] Der Konkurrent befand sich im Eigentum eines australischen Konzerns und hatte Jahre zuvor unter einem anderen Eigentümer so stark an Umsatz verloren, dass der Erwerb durch die Fuchs-Gruppe aufgrund der Unterschreitung von Größenklassen nicht von den Kartellbehörden überprüft werden musste.[2] Fuchs schloss das Stammwerk von Ostmann in Bielefeld und führte Ostmann als eigenständige Marke weiter.[7]

Anfang 2000 verkaufte der Lebensmittelkonzern Bestfoods sein Geschäft mit Pfeffer und Kümmel an die Fuchs-Gruppe. Die Produktion von Produkten unter der Marke Ubena Gewürze wurde auf die eigenen Werke umgestellt, der Standort in Bremen geschlossen.[8] Zu diesem Zeitpunkt war die Fuchs-Gruppe bereits Marktführer in Europa. Diese Position wurde nicht zuletzt durch den Betrieb eigener Plantagen gesichert.[9][10]

2006 entschied sich das Unternehmen, in den Markt für Feinkost einzusteigen. Hierfür wurde die Mehrheit an Theodor Kattus, nach eigenen Angaben „deutscher Marktführer für internationale Spezialitäten“ mit Marken wie Bamboo Garden, erworben.[11] Zusätzlich kreierte die Fuchs-Gruppe die Marke Escoffier etwa für Fonds und Soßen.[12]

Rückzug des Gründers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 gab Dieter Fuchs die Leitung des Unternehmens aus Altersgründen schrittweise ab, blieb aber beratend tätig. Seine Nachfolge als Vorsitzender der Geschäftsführung trat im Jahr 2015 Nils Meyer-Pries an.[13][14] Im Zuge dessen trat Dieter Fuchs die Mehrheit seiner Anteile an die Dieter-Fuchs-Stiftung ab. Die Stiftung war zuvor vorwiegend durch die Förderung der Forschung bekannt.[15] Den Vorsitz des Kuratoriums hat Altbundespräsident Christian Wulff übernommen.[16]

Im Frühjahr 2019 verstarb Dieter Fuchs im Alter von 90 Jahren.[17] Sein Lebenswerk wurde mit dem „Goldenen Zuckerhut“ der Branchenpresse ausgezeichnet.[18] Zudem wurde in Dissen die Dieter-Fuchs-Straße nach ihm benannt. Fuchs war Ehrenbürger der Stadt.[19]

Aktuellere Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter Fuchs gab einen Minderheitsanteil an die finnische Paulig-Gruppe ab und gewährte ihr entscheidenden Einfluss auf das Unternehmen, um dessen Position im globalen Wettbewerb zu stärken.[20][21] Die internationalen Expansion wurde mit dem Kauf des Konkurrenten Bart Ingredients aus England im Jahr 2017 fortgeführt.[22] Das Unternehmen versucht so „auf das veränderte Marktumfeld und insbesondere auf neue Wettbewerber zu reagieren“.[23][24][25]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtsform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DF World of Spices GmbH fungiert als Dachgesellschaft der Fuchs-Gruppe. Ihr Geschäftszweck erstreckt sich auf die Herstellung und den Handel mit Gewürzen und Würzmitteln aller Art, einschließlich dem Im- und Export. Dazu kommen der Erwerb und die Verwaltung von Unternehmen und Beteiligungen auf diesem Gebiet. Die DF World of Spices GmbH bildet mit ihren Tochtergesellschaften einen Konzern, dessen Konsolidierungskreis mehr als zwei Dutzend in- und ein Dutzend ausländische Unternehmen umfasst.[26]

Gesellschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DF World of Spices befindet sich mehrheitlich (74,99 %) im Besitz der gemeinnützigen Dieter-Fuchs-Stiftung. Ihre Anteile sind in mehreren Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaften gebündelt. Eine Minderheit der Anteile in Höhe von 25,01 % gehört der in Dänemark registrierten Saffron Holding, die wiederum dem Einflussbereich der finnischen Paulig-Gruppe zuzuordnen ist.[26]

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leitung der Fuchs-Gruppe besteht aus André Kich, Nils Meyer-Pries (Vorsitzender der Geschäftsführung) und Marco Winkhold.[26]

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensstrategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen übernimmt nach eigenen Angaben von der landwirtschaftlichen Produktion über die Verarbeitung bis zum Vertrieb möglichst alle Bereiche seines Geschäfts selbst, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten. Die wichtigsten Gewürze, darunter Paprika und Pfeffer, würden unverarbeitet bezogen und in Deutschland vermahlen.[27]

Unternehmensbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Angebot der Fuchs Gruppe Retail richtet sich in erster Linie an den Groß- und Einzelhandel, der Privatkunden und gewerbliche Abnehmer mit Gewürzen und Gewürzmischungen sowie Feinkostprodukten versorgt. Das Unternehmen ist im deutschsprachigen Raum vor allem für die Marken Fuchs, Ostmann, (Bio) Wagner, Kattus, Fuego, Escoffier und Bamboo Garden bekannt. Dazu kommen Bart, Ubena, Cosmin, Alex und andere auf internationaler Ebene.[28]

Die Fuchs Gruppe Industry beliefert Groß- und Industriekunden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Brasilien mit individuellen Gewürzvarianten, Gewürzmischungen, Kräutern und Compounds. Das Unternehmen konzentriert sich dabei primär auf die Snack-, Fleisch- und Molkereiindustrie sowie auf die Fisch-, Convenience- und Backwarenindustrie.[2]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fuchs-Gruppe dominierte den deutschen Gewürzmarkt.[29] Im Jahr 2002 stellte das Bundeskartellamt fest, dass das Unternehmen auf dem deutschen Markt für den Vertrieb von getrockneten Gewürzen, Gewürzmischungen und Kräutern gegenüber dem Einzelhandel einen Marktanteil von 75 % habe.[30] Der Fuchs-Gruppe wurde untersagt, den Wettbewerb durch bestimmte Ausschließlichkeitsbindungen in Lieferverträgen zu behindern.[31] Weil es in der Folge vereinzelt zu Verstößen gegen das in der Verfügung ausgesprochene Verbot kam, verhängte das Bundeskartellamt im Jahr 2006 ein Bußgeld in Höhe von 250.000 Euro gegen das Unternehmen.[32][33][34] Die Fuchs-Gruppe stellte das beanstandete Verhalten ab und ging gerichtlich nicht gegen die Entscheidung vor.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fuchs Gewürze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Delphine Sachsenröder: Gewürze: Fuchs schreibt nach Umbau wieder Gewinne. In: Lebensmittel Zeitung. 7. Oktober 2021, abgerufen am 1. November 2021.
  2. a b c Moritz Schröder: Gewürzmarkt: Ausgefuchst. Anis, Zimt, Curry: Die Vielfalt im Gewürzregal ist eine Scheinwelt. Vier von fünf Päckchen liefert Dieter Fuchs' Unternehmen. Mit 85 Jahren hat er sich zurückgezogen. Einer seiner Erfolge: dem Kartellamt zu entwischen. In: Handelsblatt. 12. Dezember 2013 (handelsblatt.com [abgerufen am 28. Oktober 2021]).
  3. Gewürzproduzent Dieter Fuchs ist tot. In: Welt. 1. März 2019, abgerufen am 28. Oktober 2021.
  4. Fuchs Gewürze erobert China. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 21. September 2017, S. 9.
  5. Stefanie Scharbau: Der Pfeffersack aus Dissen. In: Handelsblatt. 18. Februar 2003, S. 15.
  6. Wechsel im Gewürzregal: Fuchs übernimmt Ostmann. In: Süddeutsche Zeitung. Ressort Wirtschaft. 2. Juni 1998, S. 23.
  7. Fuchs schließt Ostmann-Werk in Bielefeld. In: Handelsblatt. 3. Juli 1998, S. 19.
  8. Bestfoods verkauft Gewürzsparte Ubena. In: Stuttgarter Zeitung. 24. Oktober 2000, S. 11.
  9. Hermann-J. Olbermann: Gewürzbranche aufgemischt: Viele Hamburger Traditionsimporteure geben auf – starker Preisanstieg für Pfeffer, Muskat und Piment. In: Hamburger Abendblatt. 7. Januar 2000, S. 22.
  10. Konstantin Richter: Speicherstadt: Die letzten Pfeffersäcke. Es war das scharfe Gewürz, das einige Hamburger reich machte. Etliche Händler mussten aufgeben. Doch nicht alle. In: Die Zeit. AusgabeHamburg. 26. Juni 2014, S. 3 (zeit.de [abgerufen am 21. März 2021]).
  11. Birgit Dengel: Gewürzhändler Fuchs kauft Feinkostfirma – Europäischer Marktführer erweitert Geschäft um Kattus. In: Financial Times Deutschland. 24. August 2006, S. 6.
  12. Jarka Kubsova: Im Fuchsbau: Binnen sechs Jahrzehnten ist Dieter Fuchs zum mächtigsten Gewürzhändler Europas aufgestiegen. Konkurrenten hat er kaum noch, der Handel ist ihm untertan. Jetzt spricht er das erste Mal über sein Werk. Es ist die Geschichte seines Lebens. In: Financial Times Deutschland. 15. April 2011, S. 26.
  13. Fuchs Gewürze: Neuer Geschäftsführer geht nach fünf Monaten. In: Neue Osnabrücker Zeitung. Ausgabe Stadt. 15. Februar 2014.
  14. Fuchs Gewürze: Meyer-Pries nun offiziell an der Spitze. In: Neue Osnabrücker Zeitung. Ausgabe Stadt. 9. Februar 2015.
  15. Christian Schaudwet: Mehrheit des Fuchs-Gewürzkonzerns geht an Stiftung. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 2. Juni 2016, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  16. Mirjam Hecking: Fuchsteufelswulff – ein Altbundespräsident als Sanierer wider Willen. In: Manager Magazin. 21. November 2019, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  17. Christoph Kapalschinski: Gewürz-Pionier Dieter Fuchs ist tot. In: Handelsblatt. 1. März 2019, abgerufen am 5. November 2021.
  18. Goldener Zuckerhut 2011: Der Geschmacksverstärker. In: Lebensmittel Zeitung. 4. November 2011, abgerufen am 5. November 2021.
  19. Alexander Heim: Dissen hat jetzt eine Dieter-Fuchs-Straße. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 2. Juli 2021, abgerufen am 5. November 2021.
  20. Marianne Wachholz: Fuchs gewährt Paulig Gruppe mehr Rechte. In: Food Service. 6. Juni 2016, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  21. Martin Mehringer: Fuchs Gewürze vor Teilung der Kontrolle: 87-jähriger deutscher Gewürzkönig findet sein Glück in Finnland. In: Manager Magazin. 2. Juni 2016, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  22. Fuchs Gruppe übernimmt Bart Ingredients aus England. In: Tagesspiegel. 19. Oktober 2017, archiviert vom Original; (Pressemitteilung).
  23. Gewürzhersteller Fuchs verdoppelt Gewinn. In: Neue Westfälische. 31. März 2015, S. 4.
  24. Simon Book: Scharf, aber unsexy. Jahrelang verwaltete Deutschlands Gewürzmarktführer Fuchs sein Imperium im Stillen. Darüber hat das Unternehmen den Kontakt zur jungen Kundschaft verloren – und muss sich nun öffnen. Geht das gut? In: Wirtschaftswoche. 12. Juli 2019, S. 52.
  25. Hanna-Lotte Mikuteit: Wie Ankerkraut den Gewürzmarkt aufmischt. In: Hamburger Abendblatt. 3. August 2018, S. 7.
  26. a b c DF World of Spices GmbH. In: Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 10. September 2022 (AG Osnabrück, HRB 110874).
  27. Nachhaltigkeitsbericht 2019/2020. (PDF) Fuchs Gruppe, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  28. Denise Snieguolė Wachter: Dieter Fuchs Gewürze: Der größte Gewürzhändler der Welt steht im Umbruch. Von denen hat fast jeder eine Dose zu Haus – Einblick in eine Branche, die sich lange in Schweigen hüllte. In: Stern. 19. Dezember 2018, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  29. Maximilian Vogelmann: Ein scharfes Geschäft: Der Markt für Gewürze wird von der Firma Fuchs dominiert. Kleine Anbieter haben es schwer. In: Tagesspiegel. 12. April 2015, S. 23 (tagesspiegel.de).
  30. Bundeskartellamt untersagt Behinderung von Wettbewerber durch Europas größten Gewürzanbieter Fuchs Gewürze. Bundeskartellamt, 21. August 2002, abgerufen am 30. Dezember 2022.
  31. Kartellamt rügt Gewürzanbieter – Fuchs behindert den Wettbewerb. In: Tagesspiegel. 22. August 2002, S. 20 (tagesspiegel.de).
  32. Behinderung des Wettbewerbs: Gewürz-Riese Fuchs muss blechen. In: Handelsblatt. 9. Mai 2006, abgerufen am 23. Januar 2023.
  33. Kartellamt greift durch – Gewürz-Fuchs muss zahlen. In: Frankfurter Rundschau. 10. Mai 2006, S. 9.
  34. Verstoß gegen Kartellrecht. In: Lebensmittel-Zeitung. 9. Mai 2006 (lebensmittelzeitung.net [abgerufen am 23. Januar 2023]).