Gévaudan

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altes Wappen des Gévaudan
Karte des Gévaudan (um 1800)

Das Gévaudan (okzitanisch Gavaudan oder Gevaudan) bezeichnet bei seiner ersten Erwähnung eine Region Galliens, die im Wesentlichen im heutigen Département Lozère lag und die vom zu den Arvernern gehörenden Stamm der Gabali bewohnt wurde, deren Hauptstadt Anderitum, das heutige Javols war.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das waldreiche und nur dünn besiedelte Gévaudan liegt geografisch zwischen der nördlich gelegenen Auvergne und dem südlich gelegenen Languedoc. Die historische Hauptstadt war Javols, seit dem 10. Jahrhundert dann das ca. 25 km südöstlich gelegene Mimate, das heutige Mende. Der Oberlauf des Flusses Tarn bildet seine südliche Grenze. Das Klima hat eher Mittelgebirgscharakter und wird nur selten vom Mittelmeer beeinflusst.[1] Höchster Berg ist der zum Massif des Margeride gehörende Signal de Randon (1551 m).

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gevaudan wird ein regionaler Dialekt des Okzitanischen gesprochen. Im Mittelalter gab es unter anderem drei weibliche Troubadorinnen (trobairitz), die aus dem Gévaudan stammten: Almucs de Castelnou, Iseut de Capio und Azalaïs d’Altier. Aus der Neuzeit sind folgende Autoren zu nennen: Félix Remize (1865–1941, genannt Lo Grelhet), Joseph Valette und Émile Tichet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Jungsteinzeit muss die Gegend besiedelt gewesen sein; jedenfalls legen die zahlreichen beim Ort Les Bondons (Cham de Bondon), etwa 20 km südlich von Mende, stehenden Menhire und Dolmen dies nahe.

Die Gabali unterstützten Vercingetorix in den Kämpfen gegen Julius Caesar. Sie wurden nach der Niederlage der Provinz Gallia Narbonensis zugeordnet und von Nemausus (Nîmes) aus regiert, konnten dabei aber eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. Die Römer benannten die Region Anderitum in Gabalum um – woraus Javols wurde –, wonach das umgebende Gebiet dann im Mittelalter als Pagus Gabalum bezeichnet wurde.

Nach dem Tod des Herzog Wilhelms I. von Aquitanien im Jahr 918 stritten sich drei Familien um die Nachfolge: die Grafen von Auvergne, Toulouse und Poitiers. Die Vertreter des Herzogs, die Vizegrafen des südwestlichen Frankreich, erwarben durch diese Situation eine relative Unabhängigkeit, die es ihnen ermöglichte, ihr Amt erblich zu machen und sich den Titel eines Grafen anzueignen.

Die Grafschaft Gévaudan, die so um 960 entstand, ging 1033 an den Grafen Hugo von Rouergue aus dem Haus Toulouse. Nach dem Tod Hugos 1053 musste sich seine Tochter Bertha mit dem Grafen Wilhelm IV. von Toulouse und dessen Bruder Raimund von Saint-Gilles um ihr Erbe streiten. Als Bertha 1065 starb, wandten sich die Brüder gegeneinander und einigten sich erst nach 15 Jahren Kampf darauf, dass Wilhelm Toulouse und Raimund die Markgrafschaft Gothia bestehend aus der Rouergue, dem Gévaudan und dem Herzogtum Narbonne bekommen sollte. Ab 1085 war Raimund Graf von Gévaudan, drei Jahre später erbte er die Grafschaft Toulouse.

Die Situation führte erneut zum Erstarken einer Reihe von Vizegrafschaften. Ende des 11. Jahrhunderts trat mit dem Vizegrafen Gilbert von Millau ein neuer Graf von Gévaudan auf, nachdem es ihm gelungen war, drei Vizegrafschaften und damit das gesamte Gévaudan in seine Hand bringen. Durch Heirat wurde das Gévaudan an die Grafen von Barcelona vererbt, die zu Königen von Aragón wurden. Durch den Vertrag von Corbeil kam das Gévaudan 1258 dann an Frankreich und wurde in die Krondomäne (Domaine royal) eingegliedert.

Ludwig VII. übergab dem damaligen Bischof von Mende die Macht in der Region durch die Bulle royale du Gévaudan. Das Gévaudan wurde in acht Baronien aufgeteilt, deren Herren sich dann im permanenten Aufstand gegen den Bischof von Mende befanden. Im Jahr 1307 schlossen der König und der Bischof einen Vertrag (Traité de Pariage), mit dem sie sich die Einkünfte des Landes teilten. Der Bischof erhielt den Titel eines Grafen von Gévaudan, das Münzrecht und die niedere Justiz. In den Hugenottenkriegen (1562–1598) und danach erlitt das Gévaudan erhebliche Zerstörungen durch reguläre oder freischärlerische Truppen von beiden Seiten. Nominell gehörte das Gévaudan zur Provinz Languedoc, hatte aber bis 1789 seine eigenen Generalstände.

Als 1790 in Frankreich die Départements geschaffen wurden, wurde das Gévaudan dem Département Lozère zugeordnet, mit Ausnahme des Kantons Saugues, der seitdem zum Département Haute-Loire gehört.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mende – Klimatabellen